Die Hecht-Reefschläger-Variante ist ein eher seltenes Abspiel im Franzosen. Es entsteht nach den Zügen 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sc6 Schwarz greift auf schnellstem Weg in den Kampf um das Zentrum ein, er droht z. B. schon mit ...dxe4. Der Nachteil dagegen ist naheliegend. Im Gegensatz zu einem typischen Franzosen ist der schwarze c-Bauer blockiert und fehlt im Zentrum als statisches oder dynamisches Element. Eine Idee, wie Weiß sich das zunutze machen kann, seht ihr hier. Nach 4. e5 f6 5. f4 Lb4 6. Sf3 Ld7 7. a3 Lxc3+ 8. bxc3 fxe5 9. fxe5 Sge7 10. Ld3 hat Weiß wunderbar das Zentrum gesichert (beachtet etwa, wie der schwarze c-Bauer fehlt), hat Raumvorteil im Zentrum und kann nun in aller Ruhe einen Angriff am Königsflügel initiieren. Wenn Schwarz etwa mit 10. ...0-0? allzu sorglos agiert, kann dieser Textzug schon ausgenutzt werden, und zwar mit dem klassischen Läuferopfer 11. Lxh7+! Kxh7 12. Sg5+ Kg8 (12. ...Kg6 13. Dg4 +-) 13. Dh5 Tf5 14. Dh7+ Kf8 g4 Txg5 16. Lxg5 +-. Gegen Tf1+ ist kein Kraut gewachsen.
Beitrag von Kampfkeks
[QUOTE=Kiffing;18970]Wenn Schwarz etwa mit 10. ...0-0? allzu sorglos agiert, kann dieser Textzug schon ausgenutzt werden, und zwar mit dem klassischen Läuferopfer 11. Lxh7+! Kxh7 12. Sg5+ Kh8 (12. ...Kg6 13. Dg4 +-) 13. Dh5 Tf5 14. Dh7+ Kf8 g4 Txg5 16. Lxg5 +-. Gegen Tf1+ ist kein Kraut gewachsen.[/QUOTE]Ein Fall für die Werkzeugkiste! Einen Tippfehler habe ich noch entdeckt: statt 12...Kh8 eher 12...Kg8. (Kh8 Dh5+ und matt)
Beitrag von hako
Ja, die schwarze Stellung ist nicht so toll und so sollte Schwarz auch auf keinen Fall spielen :)Den Nachteil von 3. .. Nc6 hast du schon genannt, Kiffing. Die weiße Bauernkette kann nicht von Schwarz mit c5 attackiert werden. Der Zug bietet aber auch einen Vorteil: Schwarz kann groß rochieren. Der typische, schwarze Aufbau nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nc6 4.e5 f6 von Schwarz ist der Läuferzug Bd7 und das Damenmanover Qd8-e7-f7. Der Schwarze ist dabei in der Rochade recht flexibel und legt sich nicht gleich auf eine Seite fest. Anstatt das Zentrum anzugreifen, wird er Druck über die f-Linie aufbauen und darüber angreifen.In der Datenbank von Chesstempo sind überraschender Weise nur 4 von 86 Partien mit dem Zug 5.f4. Der meistgespielte Zug ist 5.Bb5 mit 45 Partien. In diesen vier Partien spielte Schwarz nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nc6 4.e5 f6 5.f4 entweder 5. .. fxe5 oder 5. ... Nh6. Dein Zug 5. ... Bb4 mach meiner Meinung nach auch wenig Sinn für den Schwarzen, da er genau die Probleme verursacht, die du aufführst. Der Läufer wird mittels a3 befragt und muss sich gegen den Springer c3 tauschen. Das heißt a) Läuferpaar weg und b) halboffene b-Linie für Weiß. Der schwarze König kann die große Rochade also vergessen. Dazu kommt dann noch deine Widerlegung der kleinen Rochade. Daher halte ich 5. ... Bb4 für mindestens fragwürdig.Nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nc6 4.e5 f6 hat Weiß übrigens den interessanten Zug 5.Bd3!? (hat Kornel gerne gegen mich gespielt, als ich noch Französisch spielte ;)). Weiß droht nun mit 6.Qh5+. Eine mögliche Antwort auf 5.Bd3 ist 5. .. Qe7