Grob gesprochen kann man eine ernsthafte Partieanalyse in zwei Kategorien teilen, in die themenorientierte Partieanalyse und in die konkrete Partieanalyse. Während eine themenorientierte Partieanalyse das Ziel hat, bestimmte Strategeme hervorzuheben wie z. B. der Kampf um das schwache Feld d5, und den gesamten Partieverlauf darauf abzurichten, ist eine konkrete Partieanalyse mehr an den einzelnen Zügen interessiert, wo intensiv nach Verbesserungen geforscht wird. Die themenorientierte Partieanalyse war dabei vor allem früher maßgeblich. Sie half entschieden dabei, die relevanten Themen hervorzuheben, so daß andere Schachspieler wunderbar daraus lernen konnten. Eine Schwäche der themenorientierten Partieanalyse war freilich eine Vernachlässigung des Konkreten. So wurden schon einmal unangenehme mögliche Zugfolgen ignoriert, wenn sie das hervorgehobene strategische Ziel infrage zu stellen drohten. Und gewiß war auch die Eigenliebe von starken Großmeistern eine Motivation dafür, wenn sie ihre lehrreichen Partien analysierten. Die konkrete Partieanalyse dagegen bedient sich nicht - zumindest nicht absichtlich – dieser fragwürdigen Methode. Trotzdem können Lernende hier schon einmal überfordert werden, wenn sie anstatt hilfreicher Wegweiser während einer Partie stattdessen mit wahren Variantenungetümen bombardiert werden. Für den Lernenden ist eine themenorientierte Partieanalyse gewiß einfacher zu konsumieren. Gegenpole sind hier z. B. Siegbert Tarrasch (themenorientiert) und Garri Kasparov (konkret).Ich bin von daher der Meinung, daß eine themenorientierte Partieanalyse vor allem für den Anfänger sehr hilfreich sein kann, während ambitionierte Spieler, die auch arbeiten wollen, sich vor allem auf konkrete Partieanalysen stützen und ihre eigenen Partieanalysen vor allem nach diesem Muster begehen sollten. Es ist ohnehin eine Entwicklung des modernen Schachs, daß das Schachspiel viel dynamischer, pragmatischer und konkreter geworden ist. Gerade die starken Spieler scheuen sich nicht mehr, bestimmte Richtlinien zu brechen, wenn die Situation dies erforderlich macht. Allerdings kann auch heute noch eine Hervorhebung bestimmter Schwerpunkte in der Partieanalyse für jeden sinnvoll sein, um den roten Faden einer Partie aufzuspüren, eine Partie in ihrem Zusammenhang zu sehen, und weil jede Partie doch ihren eigenen Charakter hat. Konkrete Zugfolgen sollten dabei aber nicht zu kurz kommen, und selbstverständlich sollten mögliche Zugfolgen unabhängig davon erwähnt werden, ob sie ein bestimmtes Leitthema infrage stellen oder nicht. Wie denkt ihr darüber?
Beitrag von hako
Schwachsinn zu spielen (taktische in diesem Fall), um ein strategisches Motiv zu zeigen, finde ich irgendwie idiotisch :neinnein:Da ist es sinnvoller Partieausschnitte zu zeigen, die das Motiv verdeutlichen, anstatt einem die ganze Partie zu demonstrieren.Ansonsten finde ich eine Mischung aus beiden Stilen sehr sinnvoll. Man kann eine Stellung konkret analysieren und gleichzeitig ein Motiv zum Thema der Partie machen. Einen solchen Fokus zu setzen, halte ich durchaus für klug, um den Lerneffekt zu vergrößern.