Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Wie geht ihr mit Niederlagen um?“

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Beitrag von Kiffing

Jeder Schachspieler wird im Laufe seiner Karriere Partien durchleben, die er verloren hat. Verlieren tut niemand gerne, und deshalb die Frage, wie ihr damit umgeht.Ich selbst ärgere mich und warte, bis der Ärger verflogen ist. Psychologisch betrachtet nutzt es meiner Ansicht nämlich gar nicht, gegen dieses Gefühl anzukämpfen. Denn man kann sich nicht selber betrügen, und das tut man, wenn man sich wider der eigenen Natur krampfhaft einzureden versucht, ach, das war doch nicht so schlimm. Wenn man gegen seine eigenen Gefühle ankämpft, macht man alles nur noch schlimmer und erreicht so das Gegenteil. Man sollte also seine Gefühle akzeptieren und wissen, daß das einfach dazugehört, wenn man ernsthaften Sport betreibt. Dann gibt es noch Spieler, die lassen ihre Wut danach beim Gegner aus. Das ist natürlich falsch, denn schließlich will jeder gewinnen, und man selbst möchte schließlich auch nicht angegriffen werden, wenn man denn selber gewinnt. „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“, lautet der Kategorische Imperativ Kants, oder einfach gesprochen: Handle so, wie alle handeln sollen. Damit verwandt ist das Sprichwort: "Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Personen, die ihre Wut am Gegner auslassen, sind mir unsympathisch, denn sie haben anscheinend einen ernsten Mangel an Moral und handeln instinktgesteuert, abgesehen davon, daß sie sich unsportlich verhalten.

Beitrag von SeeFree

Ja bin ich ganz deiner Meinung :) Dann hat man halt mal verloren aber vielleicht hat man dann beim nächsten Spiel mehr Glück ;) Außerdem finde ich eigentlich immer jedes Schachspiel zur Übung gut, egal, ob man gewinnt oder verliert :jaja: Klar, ich ärgere mich auch wenn ich ein Schachspiel verloren habe aber deswegen die Wut am Gegner auslassen? :neinnein: Wie du auch sagtest Kiffing, es ist ja auch so, dass man wenn man seine Wut [FONT=Comic Sans MS]so[/FONT] auslässt, dann keine Lust mehr hat und beim nächsten Schachspiel gegen den gleichen Gegner kaum oder garkeine Lust mehr hat zu spielen weil man denkt man hätte sowieso keine Chanche gegen ihn...

Beitrag von hako

Ich persönlich ärger mich im Höchstfall über eine Niederlage, da es mir nicht in erster Linie ums Gewinnen, sondern eben um das Spielen geht. Ärgern tue ich mich, wenn ich mehrfach soviel Mist gebaut habe, dass das schon nicht mehr normal ist. Ansonsten verliere ich lieber gegen einen deutlich stärkeren, als gegen einen deutlich schwächeren zu gewinnen. Ich kenne auch das Gegenteil; Leute, die eben gewinnen wollen und genau deshalb spielen. Die ärgern sich entsprechend über ihre Niederlage. Ein Freund von mir steigert sich da teilweise extrem hinein und ist kurz davor das Turnier zu schmeißen, weil er nicht versteht, warum er verloren hat. Aus seiner Sicht war die Stellung für ihn gewonnen.

Beitrag von Kiffing

Eine gewonnene Stellung zu haben und eine gewonnene Stellung zu gewinnen, ist eben nicht dasselbe. ;)

Beitrag von hako

Man muss (leider) dazu sagen, dass die Stellungen aus seiner Sicht klar gewonnen waren. Ob sie das nicht waren, oder ob er die Stellungen verhauen hat, kann ich nicht sagen. Ich bin meist mit meinen eigenen Partien zugange (Mannschaftskampf) und nachspielen tut er seine Partien nicht.

Beitrag von SiegerFCN

Also bei mir ist es (eigentlich) immer so,dass wenn ich verliere,diese Niederlage den ganzen Tag mit mir herschleppe. Die Ursache liegt (zumindest bei mir) häufig unter diesen Kriterien:-Vor der Partie Euphorisiert,da der gegner schwächer ist (und trotzdem gewinnt,da man ihn vermutlich unterschätzte,das ist arg bitter)-Wenn man eine gewonnene Stellung noch irgendwie in die Niederlage bringt oder sogar Remis spielt.-> Das betrifft häufigerweise bei besseren bzw DWZ-stärkeren Gegnern.- Man strengt sich an,macht einen Fehler und verliert die komplette Partie(was ab und zu mal unter GM-Norm zu finden ist,wird ebenfalls auf unserem niveau des öfteren gesehn,es gibt ja immer eine schöne oder saubere partie,wo man selber nie irgendwelchen fehler macht,und dann ausgerechnet,wenn man einen macht,dieser bestraft wird.-> Fehler gehören dazu,klar,aber es ist schon bitter wenn man unter anderem zwei Züge die gewinnen erstmals vertauscht -> zum beispiel eine Stellung: Weiß: f2,g2,h2,Kg1,Dh7,Ta2 Schwarz: Kf8,Dd6,a7Jetzt ist es zwar ein extrem beispiel,wo weiß mehrere züge hat,aber nur als beispiel,weiß am zug gewinnt mit 1.Dh8+ Ke7 2.Txa7 + +-. Wenn Weiß aber zuerst 1.Txa7?? spielen möchte,damit direkt auf h8 matt ist,setzt schwarz im gegenzug auf d1 matt. Auch im normalfall einer positionellen oder taktischen Stellung kann dies mit einer starken Antwort vom gegner,wenn sie überhaupt genutzt werden kann,beantwortet werden.Diese Dinge regen mich nach meiner Partie am meisten auf,wenn sie mir passieren.Wenn ich aber in der Partie gegen einen gleichstarken oder stärkeren bemerke,dass er gut bis sehr gut gespielt hat und ich alles andere als souverän war,weiß ich,dass die Niederlage im Endeffekt auch verdient war und ich mir keinen Kopf darüber machen sollte.

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=SiegerFCN] Wenn man eine gewonnene Stellung noch irgendwie in die Niederlage bringt oder sogar Remis spielt.-> Das betrifft häufigerweise bei besseren bzw DWZ-stärkeren Gegnern. [/QUOTE]Ja, das habe ich schon oft bemerkt, daß viel niedriger dotierte Spieler gegen ihren Gegner erstmal gut mithalten, teilweise sogar besser stehen und dann noch verlieren. Denke, das hat mehrere Ursachen. Zum einen zeigt sich gerade in kritischen Momenten der Spielstärkeunterschied am meisten. Und dann muß man bedenken, daß der Schwächere womöglich die ganze Partie über an seinem Limit gespielt hat, während beim Gegner noch Luft nach oben ist. Es ist nun mal schwer, wirklich konstant lange Zeit an seinem Limit zu spielen. Da passiert es vielen Schwächeren, daß sie irgendwann einmal den entscheidenden Fehler machen. Für den stärkeren Spieler sind die Spielzüge i. d. R. halt normal, für den Schwächeren sind sie auf diesem Niveau immer eine Herausforderung, die gar nicht so selbstverständlich zu meistern sind wie beim höherklassigeren Gegner. Hinzu kommen nervliche Belastung, Angst vor der eigenen Courage, Versagensängste etc.[QUOTE=SiegerFCN] Jetzt ist es zwar ein extrem beispiel,wo weiß mehrere züge hat,aber nur als beispiel,weiß am zug gewinnt mit 1.Dh8+ Ke7 2.Txa7 + +-. Wenn Weiß aber zuerst 1.Txa7?? spielen möchte,damit direkt auf h8 matt ist,setzt schwarz im gegenzug auf d1 matt. Auch im normalfall einer positionellen oder taktischen Stellung kann dies mit einer starken Antwort vom gegner,wenn sie überhaupt genutzt werden kann,beantwortet werden.[/QUOTE]Kenne das Problem, und meiner Meinung nach hat dieser Fehler auch eine klare Ursache. Man sieht eine tolle Kombi, ist berauscht davon, will sie dann auch spielen, mehrere Züge sind forciert, zack zack zack, alles a tempo gespielt, und dann kommt der Fehler.Also, auch wenns optisch nicht so beeindruckend aussieht, es ist sinnvoll, auch bei einer Glanzkombination nach jedem Zug wieder aufs Neue zu überlegen. Man sollte bedenken, daß man sonst wichtige Züge in seiner Rechentiefe verschenkt. So fängt man bei seiner Berechnung auch mitten in der Kombination wieder von Null an und sieht wichtige Zwischenzüge u. ä., die man am Anfang der Kombination nicht bemerkt hat.

Beitrag von Hans_van_Ille

[QUOTE=Kiffing;13868]Kenne das Problem, und meiner Meinung nach hat dieser Fehler auch eine klare Ursache. Man sieht eine tolle Kombi, ist berauscht davon, will sie dann auch spielen, mehrere Züge sind forciert, zack zack zack, alles a tempo gespielt, und dann kommt der Fehler.Also, auch wenns optisch nicht so beeindruckend aussieht, es ist sinnvoll, auch bei einer Glanzkombination nach jedem Zug wieder aufs Neue überlegen. Man sollte bedenken, daß man sonst wichtige Züge in seiner Rechentiefe verschenkt. So fängt man bei seiner Berechnung auch mitten in der Kombination wieder von Null an und sieht wichtige Zwischenzüge u. ä., die man am Anfang der Kombination nicht bemerkt hat.[/QUOTE]Toll, Kiffing.Der Beitrag hat mir jetzt irgendwie super gefallen :danke:Den merke ich mir das ganz Salzkammergutopen über nächste Woche.Motiviert mich :D

Beitrag von Dr.Zej

Ich ziehe das Brett vom Tisch runter, so schnell dass die Figuren auf dem Tisch in ihren Positionen stehen bleiben, und knall das Brett in vollem Tempo gegen den Schädel meines Kontrahenten.Ich kann das vertreten, den ich bin ja Arzt und weiß wie man im Ernstfall nach schlimmeren Kopfverletzungen zu verhalten hat und was zu tun ist: Immer schön weiter treten auf den Mistkerl, der es wagen konnte mich zu schlagen - Wenn er mich schlägt, schlage ich zurück! hmm..leider sind mir irgendwie in letzter Zeit die Gegner ausgegangen. Wer hat Lust auf ne Partie gegen mich OTB??

Beitrag von ToBeFree

[QUOTE=Dr.Zej;14008]Ich ziehe das Brett vom Tisch runter, so schnell dass die Figuren auf dem Tisch in ihren Positionen stehen bleiben, und knall das Brett in vollem Tempo gegen den Schädel meines Kontrahenten.Ich kann das vertreten, den ich bin ja Arzt und weiß wie man im Ernstfall nach schlimmeren Kopfverletzungen zu verhalten hat und was zu tun ist: Immer schön weiter treten auf den Mistkerl, der es wagen konnte mich zu schlagen - Wenn er mich schlägt, schlage ich zurück! hmm..leider sind mir irgendwie in letzter Zeit die Gegner ausgegangen. Wer hat Lust auf ne Partie gegen mich OTB??[/QUOTE]:lach:

Beitrag von SeeFree

Auszurasten, wenn man verliert ist auch ziemlich dumm aber es ist immer wieder lustig zu sehen, wie andere Schachspieler ausrasten :lach:(Oder PC Ausraster o.ä. ;))

Beitrag von hako

Na ja, nicht ganz so wenn der Typ aus deiner Mannschaft ist und es ein mehrrundiges Turnier ist und nachher noch spielen muss..... :hmpf:

Beitrag von SeeFree

^^Ja dann natürlich nicht ;)

Beitrag von whiteshark

:explodier: :donk: :nudelholz:

Beitrag von Hans_van_Ille

Nach Möglichkeit versuche ich übrigens garnicht mehr zu verlieren.:DAber ich genieße auch verlorene Partien.Zum Beispiel habe ich im Salzkammergutopen in Bad Ischl nur 1 Punkt aus 5 Runden oder so gemacht und ich war nach einer Niederlage nicht wirklich niedergeschlagen oder traurig.Erstmal war der Ort dafür einfach zu schön und zweitens spiele ich ja Schach um Spaß zu haben und um die Schule und anderes mal vergessen zu können und nicht um dann am Abend deprimiert nach Hause zu kommenund meinen Fehlern nachzutrauern.

Beitrag von Kampfkeks

Bei mir kommt es auf die Art die Niederlage an. Wenn ich einen groben Fehler gemacht habe und dadurch die Partie verliere, so ärgert´s mich gewaltig. Wenn dagegen der Gegner einfach stärker war, dann nehme ich´s ziemlich gelassen und versuche eher, mir etwas abzuschauen. Muß dazu sagen, daß ich ausschließlich online spiele und das auch erst seit kurzem. Bei einer 2h Partie im Verein schaut´s bestimmt anders aus...

Beitrag von sorim

Zitat von Blackburne:Ich spiele jetzt 50 Jahre Schach, habe aber noch nie gegen einen gesunden Gegner gewonnen.