Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Elozahlen auch in anderen Sportarten“

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Beitrag von Kiffing

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht. Aber ich war vor einigen Monaten ganz überrascht, als ich erfuhr, daß es die Elozahlen nicht nur im Schach, sondern auch in anderen Sportarten gibt. Das Elo-System geht zurück auf den Mathematiker Arpad Elo. Ziel war es, die Stärke der Spieler möglichst genau zu messen, ähnlich wie das beim IQ schon der Fall war. Es wurde 1960 erst einmal vom US-amerikanischen Schachverband USCF eingeführt und dann 1970 von der FIDE global übernommen. Nun haben andere Sportarten also ebenfalls das Elo-System – mit mehr oder weniger geringen Modifikationen - eingeführt. Im Tischtennis ist es relativ neu und wurde [URL="http://www.tischtennis-community.de/index.php?option=com_content&view=article&id=297&catid=74"]hier[/URL] gut erklärt. Das Elosystem heißt beim Tischtennis TTR, also Tischtennis-Ranking. Die [URL="http://www.mytischtennis.de/public/ranking?list=SR_M"]Weltrangliste[/URL] im Tischtennis ist von den Punkten her der Schachweltrangliste gar nicht mal so unähnlich.Im Fußball gibt es dagegen offenbar bedeutendere Abweichungen, wie man an der [URL="http://www.eloratings.net/"]FIFA-Weltrangliste[/URL] der Nationen erkennen kann. Die Weltrangliste ist up to date, weil die EM bereits berücksichtigt worden ist. Allerdings dürften die Elozahlen für den Fußball nicht so aussagekräftig sein, weil Mannschaften sich dort über die Jahre hinweg verändern und das Verletzungspech eine reale Größe ist. Nach wie vor macht solch ein Spielstärkemeßverfahren also eher für Individualsportarten Sinn.Auch im Go gibt es neuerdings die Elozahlen. Sie sind aber nur für den westlichen Raum gemacht, weil die Kyu- und Dangrade für unsere Ohren nicht so verständlich sind. Das Elosystem ist dort also nur eine alternative Wertung und nicht wie beim Schach die einzig gültige.

Beitrag von hako

[QUOTE=Kiffing;15652]Im Fußball gibt es dagegen offenbar bedeutendere Abweichungen, wie man an der [URL="http://www.eloratings.net/"]FIFA-Weltrangliste[/URL] der Nationen erkennen kann. Die Weltrangliste ist up to date, weil die EM bereits berücksichtigt worden ist. Allerdings dürften die Elozahlen für den Fußball nicht so aussagekräftig sein, weil Mannschaften sich dort über die Jahre hinweg verändern und das Verletzungspech eine reale Größe ist. Nach wie vor macht solch ein Spielstärkemeßverfahren also eher für Individualsportarten Sinn..[/QUOTE]Ich bezweifel, dass so eine Zahl überhaupt aussagekrätig ist, wenn sie nach denselben Kriterien bewertet wie unsere Elo. Die Elo-Zahl erhöht sich bei Sieg und sinkt bei Niederlagen. Beim Schach ist das kein Thema, da selbst in Mannschaftskämpfen jeder einen eigenen Gegner hat. Fußball hingegen ist ein reiner Mannschaftssport, wo es keine "Einzelpartien" zwischen 2 Spieler gibt. Es spielt die gesamte Mannschaft gegen einer andere Mannschaft. Daher finde ich nicht, dass man so einen einzelnen Fußballspieler am Erfolg seiner Mannschaft messen kann. Ich glaube, da sagen Fußball-Quartetkarten mehr aus. ;)

Beitrag von yury

Die von Kiffing verlinkten [URL="http://www.eloratings.net/"]World Football Elo Ratings[/URL] sind nicht das gleiche wie die FIFA-Weltrangliste. Die funktioniert nicht nach dem Elo-System, sondern nach einem Punktesystem.Ich glaube allerdings nicht, dass zu wenige Spiele stattfinden. Die Tatsache, dass alle verfügbaren Spiele seit 1872 ausgewertet wurden, spricht eher dagegen. Kiffings Verdacht, dass das System etwas abgewandelt wurde, ist allerdings richtig. U.a. wird der Heimvorteil, die Tordifferenz und ein Gewichtungsfaktor für die "Wichtigkeit" des Spiels berücksichtigt.

Beitrag von ToBeFree

[QUOTE=yury;15783]Heimvorteil[/QUOTE]Der existiert noch? Ich meine, mal gelesen zu haben, der Heim"vorteil" im Fußball sei mit der Zeit sogar negativ geworden...Ich könnte allerdings nicht erklären, warum. Es wundert mich nur, dass solche Dinge, die - kann auch sein, dass ich mich irre - offiziell/statistisch nicht existieren, in Ratings berücksichtigt werden.^^

Beitrag von Kiffing

Von einem "negativen Heimvorteil" im Fußball kann natürlich keine Rede sein. Richtig ist aber, daß der [URL="http://www.netzathleten.de/Sportmagazin/Body-Soul/Gilt-der-Heimvorteil-im-Fussball-noch/7249318498729614378/head"]Heimvorteil schwindet[/URL], und zwar auf nur noch ca. 40 zu 32 Prozentanteile an Siegen für die Heimmannschaft in der jetzigen Zeit. Grund dafür ist, daß im Fußball immer weniger Tore geschossen werden, so daß Siege dadurch auch seltener geworden sind.

Beitrag von Kiffing

Die FIFA führt nach der diesjährigen WM in Russland das Elo-System im Fußball ein, welches das bisherige etwas unausgegorene System ersetzt. Nach dem alten System ist Deutschland Weltranglistenerster.

Beitrag von ToBeFree

[Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://www.forbes.com/sites/steveprice/2018/06/11/how-fifas-new-ranking-system-will-change-international-soccer". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "https://www.forbes.com/sites/steveprice ... nal-soccer" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.](“How FIFAs New Ranking System Will Change International Soccer”, Forbes, 11. Juni 2018)[url]http://www.kicker.de/news/fussball/weltmeisterschaft/startseite/725403/artikel_fifa-reformiert-weltrangliste.html[/url](„FIFA reformiert Weltrangliste“, Kicker, 10.06.2018)[QUOTE]Kern der Reform wird eine neue mathematische Formel sein. Grundlage ist nun die Elo-Berechnungsmethode. […]In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an der Rangliste gegeben, da es sich […] sogar günstig auswirken konnte, nicht zu spielen oder ein Spiel zu verlieren. Problematisch dabei war, dass die Rangliste immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. So hatte die FIFA ausschließlich die Rangliste zur Einteilung der Lostöpfe für der WM-Gruppenauslosung herangezogen.[/QUOTE]Na, dann war es ja wirklich höchste Zeit für ein neues Wertungssystem. Elo ist sicherlich keine schlechte Wahl, und funktioniert wenigstens. ;)[HR][/HR]Moderations-Anmerkung: Falls sich jemand wundert: Der ursprüngliche 2012er Thread war von Streit geprägt und nicht mehr publikumstauglich. Ich glaube, alle damals Beteiligten haben sich seitdem so sehr verändert, dass die damaligen Beiträge nicht mehr repräsentativ für die heutigen Benutzer sind. Um den Thread zumindest teilweise zu erhalten, habe ich eine Sicherungskopie erstellt und daraus die zusammenhängenden sachlichen Diskussionsbeiträge unverändert herauskopiert. Das hoffentlich ganz akzeptable Ergebnis seht ihr hier. Vielen Dank für euer Verständnis. ~ToBeFree, 2018-06-12

Beitrag von Kiffing

Belgien war doch mal lange Zeit Weltranglistenerster im Fußball. Auch das spricht für die Reform. :)

Beitrag von Babylonia

Hi Leute,ihr redet schon von der FIFA und vom Fußball??? Ich bin langjährige Vereins-Tischtennisspielerin und habe lange vor der Einführung der QTTR-Ratings gespielt. Inzwischen bin ich auch in einem Tischtennisforum aktiv, in dem die QTTR-Ratings ein großes Thema sind:[url]http://forum.tt-news.de/[/url]Wir spielten damals Sätze bis 21, inzwischen wurden die Sätze deutlich verkürzt. Im Tischtennis geht es sehr wohl um Spielstärke, Taktik, Strategie - sowie um Schlagtechnik, Beinarbeit und körperliche Kondition. Bei einem Satz bis 21 kommt vielleicht 1 - 3 mal ein Kantenball oder Netzroller vor, einen Netzroller kann man eventuell sogar noch zurückschlagen. Der Einfluss dieser Ausnahmebälle ist also statistisch verschwindend gering. Ich finde es ganz toll, dass die Spielstärke der Spieler nach QTTR - Ratings verglichen werden kann! Babylonia

Beitrag von Kiffing

Fußball wird jetzt als Volksreligion in diesem Sommer das dominierende Thema. ;)Die Reformen im Tischtennis erinnern mich an die Reformen im Volleyball. Dort wurden allerdings die Sätze von 15 auf 25 Punkte verlängert. Kompensiert wurde dies mit einer Beschleunigung im Punktesystem, weil nun jeder Punkt zählt und nicht wie früher nur bei der aufschlagführenden Seite. Die Gegenseite musste den anderen erst den Aufschlag abnehmen, um wieder selbst punkten zu können.

Beitrag von ToBeFree

Den Trend gibt es ja sogar beim Schach. :)[Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Schachuhr#Geschichte". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "https://de.wikipedia.org/wiki/Schachuhr#Geschichte" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.][QUOTE="Oben verlinkter Wikipedia-Artikel"]Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es beim Schach keine Begrenzung der Bedenkzeit. 1843 noch berichtete beispielsweise der französische Schachmeister Alexandre Deschapelles in einem Brief, die Partien des Wettkampfes zwischen Howard Staunton und Pierre Saint-Amant im Café de la Régence in Paris hätten durchschnittlich neun Stunden gedauert. Konnte eine Partie an einem Tag aufgrund der Ermüdung beider Spieler nicht zu Ende geführt werden, so wurde sie unterbrochen und die Hängepartie am nächsten Tag fortgesetzt.[/QUOTE]Wurde nicht in unserem Bezirk vor einigen Jahren bei bestimmten Mannschaftskämpfen die Bedenkzeit pro Partie verringert? Jugendmannschaft?

Beitrag von Kiffing

Die Bedenkzeit wurde vor allem um die Jahrhundertwende beim Schach dauernd verringert mit dem Ziel, das Schach moderner und attraktiver zu gestalten, bis der Trend irgendwann aufhörte, als die FIDE erkannte, dass sie dem Schach damit ihren Wesenskern nimmt. Als ich mit Schach angefangen hatte, wurde noch mit zwei Stunden für 40 Züge und jeweils eine Stunde für weitere 20 Züge gespielt. Hängepartien waren dadurch ausdrücklich möglich. Erst wurden die Hängepartien abgeschafft, dann die Partien auf zwei Stunden für 40 Züge, eine Stunde für die nächsten 20 Züge und eine Stunde für den Rest der Partie begrenzt, dann auf nur noch zwei Stunden/40 Züge und eine Stunde für den Rest, bis sich dann das Fischer-Format einbürgerte, das durch die neuen elektronischen Schachuhren realisiert werden konnte.