Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Möglichkeiten der Nutzung des Schachs für das Militär“

schachburg.de

Beitrag von Kiffing

Die Sowjetunion hatte im Zweiten Weltkrieg, der dort Großer Vaterländischer Krieg genannt wurde, systematisch die Soldaten an der Front mit Schachmaterial versorgt. Dies diente nicht nur dazu, die Soldaten bei Laune zu halten bzw. die Moral in der Truppe zu heben, sondern hatte auch einen didaktischen Sinn. Der Staat war überzeugt davon, daß sich durch die Auseinandersetzung mit dem Schach bei dem einzelnen Soldaten der Sinn für das kriegsstrategische Verständnis erhöhen würde. Gleichzeitig sollte das Schachspiel den Soldaten geistig rege halten, was im Krieg oft überlebenswichtig ist.Was haltet ihr von dieser Idee? Seid ihr der Meinung, daß sich für einen Soldaten relevantes kriegsstrategisches Verständnis tatsächlich durch das Schach verbessern läßt, oder denkt ihr eher, dafür sei das Schachspiel zu abstrakt? Ich persönlich denke, daß dieser Zweck durchaus erfüllt werden kann. Immerhin ist Schach ja ein strategisches Kriegsspiel, das ursprünglich eine Schlacht in Indien um das 5. Jahrhundert simulieren sollte (mehr dazu: [url]http://www.schachburg.de/threads/849-Die-Geschichte-der-Schachfiguren?p=16014&highlight=Geschichte+Schachfiguren#post16014[/url]). Nun kann man sicherlich einwenden, das alte Tschaturange sei dazu viel zu träge gewesen. Allerdings wurde das Schachspiel mit den Regeländerungen kurz vor 1500 ja auch wesentlich dynamischer und war damit der modernen Kriegsführung wesentlich näher. Und mit dem Kampfschach und dem Wehrschach gab es ohnehin bereits Versuche, das Schach gänzlich den modernen Bedingungen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg anzupassen. Auch in Vietnam und den Niederlanden gab es solche Modelle. Der Gedanke, Soldaten spielerisch mit den militärischen Zusammenhängen vertraut zu machen, ist heute selbstverständlich geworden. Für so etwas gibt es heute extra für die Armee entwickelte Spiele, wo z. B. Soldaten der Luftstreitkräfte sich an Flugsimulationen üben können. Natürlich dürften diese Spiele für das strategische Verständnis eines Soldaten wesentlich effektiver gewesen sein als das Schach. Aber im Großen Vaterländischen Krieg gab es eben noch keine Computerspiele. Da mußte man mit dem vorlieb nehmen, was man besaß.Wie denkt ihr darüber?