Schach und Musik, aber auch die Mathematik scheinen prädestiniert dafür zu sein, daß Wunderkinder in ihnen aufgehen können. Warum das so ist, dazu las ich in einem Zeit-Artikel von Johannes Fischer eine schlüssige [URL="http://www.zeit.de/online/2006/31/Schach-und-Musik"]Hypothese[/URL]:[QUOTE]Schach, Musik und Mathematik sind auch die Gebiete, in denen seit jeher Wunderkinder auftauchen, 12-, 13- oder 14-Jährige, die zu den Besten ihres Fachs gehören. Der Kulturphilosoph George Steiner verweist auf die Ähnlichkeit der drei Gebiete: Sie sind nonverbal und beruhen auf einem Zusammenspiel abstrakter dynamischer Beziehungen räumlicher Anordnungen. Das spreche bestimmte Gehirnregionen an, die sich unabhängig von der Psyche entwickeln könnten. Man braucht keine Lebenserfahrung, um mathematische Formeln zu verstehen und Geige, Klavier oder Schach spielen zu können. [/QUOTE]Diese Hypothese macht auf mich Sinn. Ich selbst bin z. B. in der Welt der Bücher zuhause, aber unter großen Autoren ist mir noch kein Wunderkind untergekommen, allenfalls junge Erwachsene, die schon beachtliche Geschichten verfassen konnten wie Friedrich Torberg mit dem Schüler Gerber oder Walter Hasenclever mit seinem Drama um den Sohn. Wie sollten sie auch aufgrund des Mangels an Lebenserfahrung und allgemeiner Bildung, die sich erst in einem langwierigen Prozeß kontinuierlich entfalten kann. Allerdings sollten wir uns nicht auf Schach, Mathematik und Musik beschränken. Da jede geistige Disziplin ein eigener Kosmos ist, können sich in Naturwissenschaftlen, aber auch in Fremdsprachen Wunderkinder entwickeln. Schwieriger wird es immer dann, wenn eine einzelne Disziplin im Sinne eines notwendigen Holismus mit anderen Disziplinen zwangsläufig überlappen muß, so wie dies bei Schriftstellern der Fall ist. Insofern können Wunderkinder noch keine Universalgelehrten sein. Daß das Leben komplexer ist und nicht in feste Formen gepreßt werden kann, zeigt allerdings die Geschichte von Christian Heinrich Heiniken. Dem [URL="http://www.schleswig-holstein-lese.de/index.php?article_id=164"]Wunderkind von Lübeck[/URL], das nicht lang nach dem Säuglingsalter jeden Erwachsenen in die Tasche stecken konnte, reichten vier Lebensjahre aus, um über Jahrhunderte hinaus zu einer europischen Legende zu werden. "ein frühkluges Wunderkind von ephemerischer Existenz" und "eine Abschweifung der Natur von ihrer Regel" war der Kommentar von Immanuel Kant, der beileibe nicht der einzige prominente Zeitgenosse gewesen war, der sich mit diesem gelehrten Wunderkind befaßt hatte.
Beitrag von Babylonia
Da hatte ich noch nie so drüber nachgedacht, wie es es sich mit den Wunderkindern so genau verhält. Auffällig sind Wunderkinder beim Schach, in der Mathematik und in der Musik. Es gibt auch Kinder-Polyglots, das sind dann sozusagen sprachliche Wunderkinder. Zwei kleine Mädchen auf You Tube sind mir dazu bekannt. Bei Autoren denke ich auch, dass eine Dosis Lebenserfahrung dazu kommen muss, die solche Kinder natürlich nicht haben. Sport-Wunderkinder kann ich mir auch noch vorstellen. Babylonia
Beitrag von Kiffing
[QUOTE=Kiffing;27264]Daß das Leben komplexer ist und nicht in feste Formen gepreßt werden kann, zeigt allerdings die Geschichte von Christian Heinrich Heiniken. Dem [URL="http://www.schleswig-holstein-lese.de/index.php?article_id=164"]Wunderkind von Lübeck[/URL], das nicht lang nach dem Säuglingsalter jeden Erwachsenen in die Tasche stecken konnte, reichten vier Lebensjahre aus, um über Jahrhunderte hinaus zu einer europischen Legende zu werden. "ein frühkluges Wunderkind von ephemerischer Existenz" und "eine Abschweifung der Natur von ihrer Regel" war der Kommentar von Immanuel Kant, der beileibe nicht der einzige prominente Zeitgenosse gewesen war, der sich mit diesem gelehrten Wunderkind befaßt hatte.[/QUOTE]Wo wir gerade bei 3jährigen sind: [url]http://de.chessbase.com/post/wunderkind-gegen-vizeweltmeister[/url]Gut, daß 3jährige noch über einen gewissen Welpenschutz verfügen. Denn welcher Erwachsene würde sich im russischen Fernsehen trauen zu sagen, Magnus Carlsen in seinem WM-Match gegen Karjakin die Daumen gedrückt zu haben. ;)
Beitrag von Birliban
"Warum denn Magnus?""Er spielt Schach noch hübscher als Sergey", lautet die Antwort. Iss ja süß - ein Urteil vom Fachmann. Hoffentlich adoptiert Karjakin den Kleinen nicht - dann wäre Schluß mit Welpernschutz und dies der Anfang vom Umerziehungsprogramm.[QUOTE=Kiffing;27264]Schach und Musik, aber auch die Mathematik scheinen prädestiniert dafür zu sein, daß Wunderkinder in ihnen aufgehen können.[/QUOTE]Die Eltern vom Schachwunderkind Vincent Keymer sind ja Musiker. Hier scheint es auch irgendwie einen Zusammenhang zwischen Schach und Musik zu geben.