Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Fernöstliche Inspirationen“

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Beitrag von zugzwang

In "Chessbase-Leserbriefen" vergleicht Kung-Ming TIONG (Assistant ProfessorThe University of Nottingham Malaysia Campus) eine Schachturnierpartie mit einem Universitätsexamen und versucht mit bewährten Uni-Verfahren einem Cheating zu begegnen.Ich denke, er ist bemüht, hat aber einige Unterschiede nicht bemerkt, obwohl er selbst Schachspieler ist.Hier der Link zu seinem Leserbrief:[url]http://www.chessbase.com/newsdetail.asp?newsid=8594[/url]Ich möchte nur auf eine Passage von ihm eingehen:A player should have limited access to the toilets during a playing round in progress. In university exams, a student is not allowed to go out of the exam hall in the first hour and last 15 minutes of a paper. For players who are playing a round, it is really no excuse to "go the toilet shortly after the start of a game, to get a drink a few moves later, and again to the toilet on move nine". There should be a rule forbidding players to go to the toilets at certain times, and only allow them to go at specific times. In a round that may reach up to six hours, players should only be allowed at maximum three times to the toilets.Für mich ist das "ridiculous" und zeigt mir, wie gefährlich es ist, vermeintlichen Fachleuten eine "Handlungsinitiative" zu überlassen.In meinen eigenen Prüfungen war ich recht selten auf Toilette und konnte dies auch irgendwie unterdrücken.Bei Schachpartien ist das eher das genaue Gegenteil.Woran liegt das evtl. Herr Professor? Bin ich ein Phänomen?Ich denke eher an folgenden Unterschied:Eine Schachpartie mit Anspruch ist nervlich für manche Menschen um einiges schwieriger als ein Examen.Bei einem Examen kann man einen, zwei oder noch mehr Fehler machen und mit 50% + x häufig bestehen. Man hat die Chance einer Wiederholungsprüfung - vllt. sogar in Fernost?!Beim Schach dagegen reicht ein Fehler für den Partieverlust und das Scheitern bereits aus und eine "Revanche" ist nicht so vorgesehen wie bei einem Examen.Bei einem (schriftlichen) Examen kennt man nach Lesen der Aufgabenstellung zumeist den Spannungsgrad und erlebt unangenehme Überraschungen weitaus seltener als bei einer Schachpartie. Weiterhin ist der Rhythmus selbst bestimmbar und hängt nicht von einem Examanitor ab, der einem wie in einer Schachpartie immer mal wieder neue und andere Aufgaben vorlegt oder einen einfach nur warten läßt...Vielleicht sollte sich der Herr Professor mal mit Kollegen aus anderen (medizinischen) Fachgebieten oder Herrn Kramnik unterhalten, um einen Erkenntnisgewinn zu erzielen?Sein Ansatz zur Anzahl von Toilettengängen ist trotz seiner lauteren Motive für mich ein großer Stuß, der an Notwendigkeiten und Problemen vorbeigeht. Keine große Weisheit aus Fernost!Es soll zukünftig nicht die bessere Blasenbeherrschung zwischen ähnlich starken Schachspielern partie- oder matchentscheidend sein.

Beitrag von Kiffing

Dazu kann ich nur Benjamin Franklin zitieren: "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren". Nein, ein solches Spiel will ich dann nicht mehr spielen.