Beitrag von Kiffing
Die Ära nach den beiden Rivalen Lasker und Tarrasch war von einem ähnlichen Dualismus geprägt. Wie auch Lasker und Tarrasch haben sich Capablanca und Aljechin viele Jahre bei Schachturnieren gegenseitig boykottiert. Doch während sich die Schachexperten heute weitgehend einig sind, daß Lasker sich gegenüber Tarrasch als überlegen erwies, ist dies bei Capablanca und Aljechin anders, die beide, in Unterscheidung von eher kurzlebigen Weltmeistern vor allen nach dem Zweiten Weltkrieg gern als „große Weltmeister“ betrachtet werden. Beide hatten in ihrem Peak eine unglaubliche Dominanz gegenüber den führenden Spielern der Welt, und beide prägten das Weltschach in ihrer Epoche. Wenn wir uns nun darüber unterhalten möchten, wer von beiden Spielern der bessere gewesen sei, dann lege ich mich auf Alexander Aljechin fest, der sich ständig neu erschaffen hat, sich, wie im Match gegen Capablanca, auf den Gegner nach dem Vorbild Laskers psychologisch einstellen konnte, und dessen Spiel auf mich genialer, komplexer und inspirierender wirkt als bei Capablanca.Aljechins triumphale Turniersiege von San Remo 1930 und Bled 1931, die vergleichbar sind mit London 1899 und Paris 1900 für Lasker, zeugen von seiner großen Dominanz - wie auch die Tatsache, daß Aljechin [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Alexandrowitsch_Aljechin". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "nahezu jedes" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] Turnier gewann, an dem er mitwirkte - und seiner positiven Einstellung gegenüber dem Schach, denn während Capablanca vor allem in seinen reiferen Karrierejahren dazu neigte, gegen die Starken schnell zu remisieren, um gegen die Schwachen voll zu punkten, spielte Aljechin grundsätzlich auf Sieg, und das erfolgreich. Wie Spielmann sagte, finde er zwar die Kombinationen Aljechins, gelange aber nicht in diese Stellungen. Aljechin war die Synthese der Errungenschaften in den letzten Jahrzehnten, der meisterhaft die positionellen Lehren der Modernen und Hypermodernen verstand und auch die Psychologie, die ein Lasker für das Schachspiel fruchtbar gemacht hatte, ebenso wie er dessen Idee des Kampfes in sein Spiel integrierte und was die Auseinandersetzung mit der Eröffnungstheorie und gezielte Vorbereitung auf den Gegner anging, wegweisend war. Er war ein fabelhafter Positions- und Kombinationsspieler, dessen strategisches Spiel von dem von Modernen und Hypermodernen so sträflich vernachlässigte Element der Dynamik durchdrungen war, und der taktische und positionelle Ideen in einem Zusammenhang sah, dessen Ideenkiste unerschöpflich schien, und der die Überreste der aus den Kinderjahren der Verwissenschaftlichung des Schachs stammenden Dogmatik im Schach beseitigte, und zwar in seinem Spiel selbst als auch generell durch seinen spielerischen Vorbildcharakter. Seinen konkret-schöpferischen Ansatz nahm sich die Sowjetische Schachschule zum Vorbild, dessen Partien in ihren Büchern einen regen Anklang fanden, aber dessen Biographie den Lesern natürlich entweder gar nicht oder verfälscht widergegeben wurde. Wichtig war nur, daß er Russe war.Alexander Aljechin, der im Schach eine ähnliche Ära prägte wie Steinitz und Lasker, und ähnlich viel für die Entwicklung des Schachs beigetragen hatte, gab der Entwicklung des Schachs ähnlich viele neue wichtige Errungenschaften mit. Während durch Lasker das Einbeziehen des Gegners, d. h. der Dialog gegenüber dem Monolog, sein bekanntester Impuls war, den er dem Schachspiel gab, war dies bei Aljechin die Dynamik, die gegenüber der Statik eines Capablancas, also dem Relikt bereits erwähnter Kinderschuhe der schachlichen Verwissenschaftlichung, die erst von ihren Überspitzungen befreit werden mußte, um voll und ganz wirken zu können, triumphierte. John Watson stellt Aljechin als den ersten wirklich modernen Schachspieler vor, der damit Wegbereiter der wirklichen Moderne im Schach gewesen sei, wo also eine Spielauffassung gegolten habe, die auch aus heutiger Sicht nicht mit grundsätzlichen Denkfehlern verhaftet sei, sondern mit der wir uns heute ohne weiteres identifizieren können. Er führt aus:[QUOTE]In jedem Fall stimmen alle darin überein, dass die revolutionären Veränderung in der Einschätzung von statischem gegen dynamisches Spiel mit Aljechin begann und von den sowjetischen Meistern von 1930 bis 1950 fortgesetzt wurde. [/QUOTE]John Watson, Geheimnisse der modernen Schachschule - Fortschritte seit Nimzowitsch, GAMBIT-Verlag 2002, S. 246Etwas weiter heißt es, zunächst Suetin zitierend:[QUOTE]“[...]Aber durch ihre begrenzten theoretischen Einsichten waren sie [die „Dogmatiker“ wie Steinitz, Tarrasch und Capablanca] nicht in der Lage, Stellungen herbeizuführen, in denen die Dynamik überwog. Ihr Wissen über die Dynamik blieb oberflächlich und konnte die Richtung der Entwicklung ihres Stils nicht wesentlich beeinflussen“. Daher entstand die Sterilität des Schachs, über die sich Capablanca beklagt hat. Bei all seiner Größe war er doch Anhänger eines ihn letztlich beschränkenden Dogmatismus. Mit Suetins Begriffen ausgedrückt, waren er und seine Zeitgenossen nicht darauf aus, bewusst dynamische Ungleichgewichte in ihren Partien herbeizuführen. Erst mit Aljechin und seinen Nachfolgern wurde das Spiel in dieser Richtung erweitert.[/QUOTE]Ebd.Eine ähnliche Meinung vertritt auch Garri Kasparov, welcher meint, aus solchen Gründen habe Capablanca im Gegensatz zu dem in die wirkliche schachliche Moderne führenden Aljechin die Schachentwicklung nicht wirklich gefördert, sondern seine Spielauffassung, die zu seinen Zeiten noch einen gewissen Vorbildcharakter besaß, habe eher in eine Verzweigung und damit in eine schachliche Sackgasse geführt (vgl. Garri Kasparov, Meine großen Vorkämpfer, Band 2, Edition Olms 2004, S. 142). Dieser Gedanke erscheint mir plausibel, denn während die Herangehensweise an das Schach von Aljechin heute natürlich erscheint, mit der sich vor allem die Angriffskünstler und schöpferisch ausgerichteten Schachspieler identifizieren, die in einer Schachpartie weniger ein Memorieren positioneller Prinzipien als vielmehr einen Kampf der Ideen sehen, würde heute niemand mehr so spielen wollen wie Capablanca, es ist heute angesichts der vorherrschenden Dynamik und der zunehmenden Komplexität, mit der die Meister ihre Partien behandeln, ohnehin aussichtslos. Ich habe also meine Position begründet. Doch wen schätzt ihr von den beiden Giganten als stärker ein?Beitrag von Sanpelg
Ich denke, dass sich die ganz Großen der Schachgeschichte nur schwer vergleichen lassen, aber worüber sollten Schachspieler sonst auch reden ? :heiter:Aljechin war für die folgende Generation sicherlich stilbildender als Capablanca, der eine perfekte, aber halt schwer zu imitierende Technik und mehr Talent besaß."Wenn du einen guten Zug siehst, such nach einem besseren!" - Lasker"Wenn du einen guten Zug siehst, spiel Ihn!" - CapablancaBeitrag von Kiffing
[QUOTE=Sanpelg]Ich denke, dass sich die ganz Großen der Schachgeschichte nur schwer vergleichen lassen, aber worüber sollten Schachspieler sonst auch reden ? [/QUOTE]Ich persönlich finde die Vergleichbarkeit von Altmeistern untereinander jetzt gar nicht so schwer, man sollte eben als Kriterium immer die Epoche nehmen, in der diese Spieler gewirkt haben, und dann kann man anhand diverser Parameter wie Überlegenheit gegenüber dem Rest der Welt, Anzahl an Turniersiegen, Dauer der Dominanz, Historische Elozahl usw. schon zu gewissen Schlußfolgerungen gelangen. Und gerade bei Aljechin und Capablanca fällt das relativ leicht, weil beide fast Altersgenossen waren, die ehemals Unzertrennlichen und späteren Erzfeinde lagen nur vier Jahre auseinander. Hier findest Du eine Auflistung von allerlei Methoden, mit denen zumindest die modernen Altmeister miteinander verglichen werden können: [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_top_chess_players_throughout_history#Elo_system". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "https://en.wikipedia.org/wiki/Compariso ... Elo_system" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.][QUOTE=Sanpelg]Aljechin war für die folgende Generation sicherlich stilbildender als Capablanca, der eine perfekte, aber halt schwer zu imitierende Technik und mehr Talent besaß. [/QUOTE]Auch wenn Capablanca sicherlich nicht zu Unrecht zu den wenigen Wunderkindern gerechnet wird, die es in der Schachgeschichte gegeben hat, würde ich mich dem Urteil bezogen auf die Talentfrage zumindest in der geäußerten kategorischen Form nicht so ohne weiteres anschließen. Zwei Gründe sind für mich dafür ausschlaggebend. Zum einen hat Schonberg bereits herausgestellt, daß Wunderkinder zu einem klassischen und harmonischen Stil neigen. In Die Großmeister des Schach (ich verstehe bis heute nicht, warum der Genitiv im Titel weggelassen wurde) nannte er als Beispiele Philidor, Morphy, Fischer und eben Capablanca und gab mit dem eher geschlossen und schwerblütig spielenden Reshewsky nur ein Gegenbeispiel. Capablanca, der hier dem Typus der Präzisionsmaschine entsprach, hatte es wesentlich schwerer als Aljechin, aus der „Vorbestimmtheit“ seines eigenen Stils mit all seinen Stärken und Schwächen zu treten, und während Aljechin sich nach und nach auf allen Gebieten vervollkommnen konnte, hatte Capablanca dies nicht annähernd geschafft und blieb immer in seinem eigenen Stil gefangen, auch als er nach seinem Titelverlust gegen Aljechin wieder ernsthaft an seinem Schach arbeitete und sich zu diesem Zweck auch die bisher von ihm eher ignorierten hypermodernen Methoden aneigenete. Dieser Punkt erscheint mir nicht unwesentlich, denn so heißt es nicht ohne Grund, man kann sich zwar dümmer stellen als man ist, aber nicht klüger. Und während Aljechin in seiner Vorbereitung auf den Weltmeisterschaftskampf gegen Capablanca sich sämtliche Stärken Capablancas aneignete, war es Capablanca zeit seines Lebens nie möglich, so stilsicher zu kombinieren wie Aljechin, so kraftvoll zu spielen wie er und so viele schöpferische Ideen am Brett zu finden, mit denen er eine Wendung zu seinen Gunsten herbeiführen konnte. Da gelang später die stilistische Annäherung von Karpov zu Kasparov, die man beide in ihrem Dualismus zumindest spielerisch sehr gut mit Capablanca und Aljechin vergleichen kann, schon deutlich besser. Zum anderen würde ich dieses in Aljechins Spiel seit frühester Jugend aufblitzende Schöpfertum, die Fülle an Ideen für erfolgreich abgeschlossene Angriffe und seine Fähigkeit zur Imagination, die er auch als damaliger Rekordhalter im Blindsimultan zeigen konnte, dem technischen Naturtalent Capablancas gegenüber zumindest als ebenbürtig einstufen. Sein kraftvoller, imaginärer und schöpferischer Stil ist mindestens genauso schwer zu imitieren wie der technische Präzisionsstil Capablancas. Zudem schätze ich es persönlich als höher ein, das Schachspiel zu verkomplizieren, wie es Aljechin gemacht hat, als es zu vereinfachen, wie Capablanca dies gezeigt hat und was mitverantwortlich war für das Gespenst des Remistodes, das bis zum Erfolg Aljechins in der Schachwelt umging. Aljechin dominierte in Europa bereits als 21jähriger, als er 1914 das Teilnehmerfeld von Mannheim nach 11 Runden mit 9,5/11 souverän anführte. Der Kriegsausbruch führte bekanntlich zum Abbruch des Turniers und zur Internierung der russischen Turnierteilnehmer, so daß für Aljechin erst einmal eine siebenjährige Odyssee durch deutsche Haftanstalten, Krieg, Revolution, Kriegskommunismus und Bürgerkrieg begann, bis er sich 1921 wieder in Berlin und Paris auf rettendem Ufer befand und sich endlich wieder in Ruhe seiner schachlichen Entwicklung widmen konnte. Übrigens wurde ihm als Kind bereits für drei Jahre aus gesundheitlichen Gründen jede schachliche Betätigung vom Arzt verboten. Linder spricht von einer „Gehirnentzündung“, die er sich als 7jähriger zugezogen habe. Es wurde schon gesagt, daß Aljechin sein Spiel weit mehr entwickeln konnte als Capablanca. Um einen groben Überblick dazu zu illustrieren, so möchte ich Botwinnik wiedergeben, der Aljechins Entwicklung als Schachmeister in drei Schaffensperioden eingeteilt hatte:[QUOTE]In der Entwicklung des Schaffens Aljechins lassen sich nach Meinung Botwinniks drei Etappen erkennen. Erstens die Sammlung von Erfahrungen und die Blütezeit des „kombinatorischen Scharfblicks“ (bis 1921). Zweitens die Meisterung der Kunst des Spiels in einfachen Stellungen (mit dem Ergebnis des Sieges über Capablanca). In diesen Perioden forschte Aljechin in der Schachpartie nach der Wahrheit. Die letzte Etappe wird durch ein neues, beinahe Laserksches Herangehen an das Schach charakterisiert. Aljechin suchte nach geeigneten Möglichkeiten, den Gegner mit kombinatorischen Waffen zu schlagen, selbst dort, wo die Stellung dazu keine ausreichenden Voraussetzungen bot.[/QUOTE]Isaak und Wladimir Linder, Das Schachgenie Aljechin, Sportverlag Berlin 1992, S. 296Um diese Gegenüberstellung von Capablanca und Aljechin, um die es in diesem Thread ja auch gehen soll, abzuschließen, so möchte ich dabei erwähnen, daß die Laskersche Weiterentwicklung, die er dem Schachspiel gab, nämlich, um es in den Worten Dr. Edmund Bruns zu formulieren, aus der Schachpartie einen Dialog statt einen Monolog zu machen, von Aljechin weitergetragen und um neue Facetten bereichert wurde, während Capablanca hier auf den Stand von Steinitz und Tarrasch zurückfiel, die in ihrer vermeintlich objektiven Ausrichtung den Gegner mit seinen Stärken und Schwächen kaum in ihre Überlegungen einbezogen, sondern stets auf der Suche nach dem nur objektiv stärksten Zug waren, der, wie es Lasker und Aljechin nachwiesen, gegen bestimmte Gegner eben realiter nicht der beste Zug gewesen war. Und um wieder auf die Talentfrage zurückzukommen, so würde ich auch hier die Vielseitigkeit eines Aljechins der Einseitigkeit eines Capablancas doch vorziehen.Beitrag von Babylonia
Ich denke es ist beinahe unmöglich, die Spielstärke von zwei berühmten Schachspielern zu vergleichen, die beide in einer Zeit Turniere gespielt haben, als es noch keine Fide Elo - Ratings gab und die nicht in der gleichen Epoche gespielt haben. BabyloniaBeitrag von Kiffing
Dafür gibt es doch die [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Historische_Elo-Zahl". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Historischen Elozahlen" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.], um auch die Schachspieler, die vor der Einführung des Elosystems 1970 gewirkt haben, miteinander vergleichen zu können.Beitrag von Babylonia
[QUOTE=Kiffing;25942]Dafür gibt es doch die [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Historische_Elo-Zahl". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Historischen Elozahlen" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.], um auch die Schachspieler, die vor der Einführung des Elosystems 1970 gewirkt haben, miteinander vergleichen zu können.[/QUOTE]Von historischen Elozahlen hatte ich noch nie etwas gehört, aber glaube ich nicht, dass ich denen viel Vertrauen schenke. Wie will man denn Äpfel mit Birnen vergleichen? Um diese Zahlen zu prüfen, müsste ich Mathematikerin sein, was ich aber nicht bin. Ich habe mich bei dieser Umfrage daher der Stimme enthalten. BabyloniaBeitrag von Sanpelg
Klar, Aljechin war der weitaus schöpferischere und dynamischere Spieler. Aber ich denke, dass gerade weil sein natürliches Talent nicht so ausgeprägt war wie das Capablancas er viel mehr Potential hatte sich weiterzuentwickeln, so paradox das auch klingt.Beitrag von Kiffing
Ja gut, das erinnert mich an die Altersgenossen Steinitz und Morphy. :DBeitrag von Birliban
Historische Elo-Zahl von Aljechin: Die höchste Bewertung von Elo 2860 resultiert vom Mai 1931. Da war Aljechin 38 Jahre und 7 Monate alt. [url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/SingleMonth.asp?Params=199510SSSSS3S002138193105111000000000001110100[/url]Seine beste Einzelleistung von Elo 2865 resultiert aus dem Jahre 1930 (San Remo).[url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/PlayerProfile.asp?Params=199510SSSSS3S002138000000111000000000001110100[/url]Historische Elo-Zahl von Capablanca: Die höchste Bewertung von Elo 2877 resultiert vom Mai 1921. Da war Capablanca 32 Jahre und 6 Monate alt. [url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/SingleMonth.asp?Params=199510SSSSS3S019593192105111000000000003410100[/url]Seine beste Einzelleistung von Elo 2833 resultiert aus dem Jahre 1918 (New York). [url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/PlayerProfile.asp?Params=199510SSSSS3S019593000000111000000000003410100[/url]Die Bewertungsliste vom Januar 1924 sieht Aljechin um einen Elo-Punkt vor Capablanca. Da war Aljechin 31 Jahre und Capablanca 35 Jahre alt.[url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/SingleMonth.asp?Params=199510SSSSS3S002138192401111000000000001110100[/url]Ich weigere mich aber, anhand dieser statistischen Erhebungen, einen von beiden nun als den stärkeren Spieler festzuschreiben und habe mit „beide gleich stark“ abgestimmt. Die paar Elo-Pünktchen Unterschied sind einfach nicht relevant, um da eine klare Aussage treffen zu können.Beitrag von Birliban
[QUOTE]Ja gut, daß erinnert mich an die Altersgenossen Steinitz und Morphy. [/QUOTE]Wer gucken will, ob Steinitz oder Morphy stärker war, kann hier schauen. :hmpf:[url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/FindPlayer.asp[/url]Beitrag von Kiffing
[QUOTE=Birliban;25955]Historische Elo-Zahl von Capablanca: Die höchste Bewertung von Elo 2877 resultiert vom Mai 1921. Da war Capablanca 32 Jahre und 6 Monate alt. [url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/SingleMonth.asp?Params=199510SSSSS3S019593192105111000000000003410100[/url]Seine beste Einzelleistung von Elo 2833 resultiert aus dem Jahre 1918 (New York). [url]http://chessmetrics.com/cm/CM2/PlayerProfile.asp?Params=199510SSSSS3S019593000000111000000000003410100[/url] [/QUOTE]Wenn Capablancas Peak 2877 gewesen sein soll, kann seine beste Einzelleistung (=Turnierperformanz) nicht bei nur 2833 liegen. Das ist nach den Gesetzen der Logik nicht möglich. :slant:Beitrag von Birliban
Ja, stimmt. Ich war auch stutzig geworden und war mir fast sicher, daß jemand den Fehler hier bemerkt. Dem US-amerikanischen Mathematiker Jeff Sonas muß also ein Fehler bei seinen Berechnungen unterlaufen sein. :hmm:Beitrag von blunder1
Capablanca war der stärkere der beiden.Wie ich in dem Thema War Aljechin ein dominanter Weltmeister? ([Hier befand sich ein Link auf die Seite "viewtopicbf79.html". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "viewtopic.php?f=12&t=2579" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.]) ausführlich begründe, war er mit Sicherheit kein dominanter Weltmeister. Der Vollständigkeit halber wiederhole ich meine Zusammenfassung am Ende des eigentlichen Themas:
„1.) Aljechin hat seine ganze Karriere über gegen die stärksten Gegner (Lasker, Capablanca und Botwinnik) schlecht abgeschnitten – von einer Ausnahme (Wettkampf 1927 gegen Capablanca) abgesehen.
2.) Aljechin hat nie ein Superturnier gewonnen, d.h. ein Turnier, an welchem die zu der Zeit stärksten Rivalen teilnahmen.
Wenn zumindest zwei der drei gefährlichsten Kontrahenten am Start waren, hat Aljechin nie mehr als den dritten Platz erringen können, von St. Petersburg 1914 bis einschließlich AVRO 1938.
3.) Er wich seinen gefährlichsten Rivalen immer wieder aus.
Ich halte Aljechin für einen großen Spieler, aber Dominanz sieht anders aus; Lasker und Kasparow z.B. haben die Schachwelt über Jahrzehnte hinweg dominiert.“
In dem damals (1950) sehr erfolgreichen Buch Um die Weltmeisterschaft im Schachspiel von Friedrich Karl Igel trifft der Autor den Nagel auf den Kopf: „Und trotzdem, betrachten wir nüchtern seine Erfolge, so sehen wir, daß er in Turnieren, wo die Spitzenspieler fehlten, glanzvoll den ersten Preis errang. Dort aber, wo die Elite, wie Lasker, Capablanca, Botwinnik vertreten waren, kam er nicht an die Spitze.“ (S. 109)
Das kann jeder User anhand von Turniertabellen und Datenbanken ganz leicht überprüfen.
In dem Thema begründe ich auch ausführlich, dass sich Aljechin und Capablanca keineswegs gegenseitig boykottierten, sondern dass Aljechin dem Kubaner bei jeder Gelegenheit auswich und sogar alles versuchte, dessen Teilnahme an Turnieren zu verhindern.
Ich bin auch überhaupt nicht mit Sanpelgs Behauptung einverstanden, dass Aljechin der „weitaus schöpferischere und dynamischere Spieler“ gewesen sei. Aljechin war zwar von der Spielanlage her sehr aggressiv, doch war eine seiner größten Schwächen seine Tendenz zu ungesunden Angriffen auf unzureichender positioneller Basis. Capablanca hat nicht nur zahlreiche taktische Meisterleistungen abgeliefert, sondern positionelle Kreativität, wie auch Kreativität im Endspiel sind genauso wertvoll wie taktische, wobei Taktik auch in Endspielen allgegenwärtig ist.
Wenn Capablanca in starken Turnieren führte, verwaltete er gerne seinen Vorsprung mit recht schnellen Remisen, doch konnte er auch sehr dynamisch vorgehen:
In New York 1924 startete er für seine Verhältnisse schwach (nur 2 Punkte aus den ersten 5 Runden), doch „jagte“ er dann den führenden Lasker mit sagenhaften 12,5/15. Der Deutsche konnte das Turnier nur deswegen gewinnen, weil er mit diesem Tempo Schritt hielt; beide erzielten in der zweiten Hälfte des Turniers 8,5/10.
Allerdings war Capablancas Überlegenheit in Turnieren keineswegs so überzeugend wie die seines Vorgängers Lasker, der höchstwahrscheinlich der dominanteste Spieler der Schachgeschichte war, zumindest über einen längeren Zeitraum. Capablancas größtes „Problem“ war die immer noch herausragende Spielstärke Laskers, der sich bis einschließlich Moskau 1935, als er in seinem 67. Lebensjahr stand, in Turnieren jedesmal vor Capablanca platzieren konnte.