Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Flüche im Sport(Schach)-Glaubt ihr dran?“

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Beitrag von SiegerFCN

Fluch,Aberglauben...Ereignisse,die Menschen manipulieren können. Die sie an was glauben und vermuten lässt,was gar nicht so ist. Oder doch?Ich bin auf die nette Idee gekommen hier mal eine Diskussionsrunde bezüglich Aberglauben im Sport/Schach zu starten.Wie ich darauf gekommen bin?Im Europa-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und den Blues Chelsea FC konnten sich die Londoner mit der begehrten Trophäe feiern lassen,während die Portugiesen bitter leer nach Hause fahren durften. Bei Benfica ist aber nicht nur das Problem,dass sie diese Saison schon vermutlich die Meisterschaft an den FC Porto haben abgeben lassen oder das sie gegen Chelsea das Finale verloren haben. Sie haben nun 7(!!) Finals in Folge verloren. Über sie herrscht der sogenannte Bela Guttmann-Fluch. Warum verfluchte er sie und wer ist das überhaupt? Bela Guttmann war ein Ungarischer Profi-Trainer der bei bekannten Vereinen wie dem FC Porto,FK Austria Wien,Panathinaikos Athen oder eben auch bei Benfica Lissabon (1959-1962 und 1965-1966) auf der Trainerbank saß. Während seiner besten Zeit verließ er 1962 Benfica kurz vorm Pokalfinale aus dem Grund,dass man ihm eine geforderte Gehaltserhöhung nicht genehmigt hatte. Er sagte daraufhin: In den nächsten 100 Jahren wird Benfica nie wieder einen Europacup gewinnen. Und spätestens jetzt sollten die Fans mal überlegen,ob der Guttmann mit seiner Verfluchung nicht Recht hatte,denn immerhin sind schon 51 Jahre seit dem Vorfall vorbei und tatsächlich,Lissabon gewann kein internationales Finale mehr. Die größte Dominanz,wie gegen Chelsea,bringt da auch nichts. In Amsterdam erhoffte man sich,dass der Fluch besiegelt wird,da man in der gleichen Stadt,nämlich in Amsterdam, spielen konnte. Dazu hier ein Link von welt.de : [url]http://www.welt.de/sport/article116244237/Ueber-dem-groessten-Klub-der-Welt-liegt-ein-Fluch.html[/url]Aber nicht nur im Fußball,sondern auch im Schach ist der Aberglaube zu finden. Ich kenne momentan keine bekannten Beispiele,doch weiß ich von der Schach-Umgebung,dass einige denken,dass sie verlieren würden,nur weil sie einen Kugelschreiber,den sie immer haben,nicht benutzen oder das sie-weil sie zu spät sind- als Strafe keine Chance haben,einfach zu gewinnen.Habt ihr auch schonmal einen Fluch im sportlichen bzw. schachlichen Bereich erleben müssen,der euch oder einen Bekannten betrifft? Glaubt ihr an sowas,wie einem Fluch? Und ist der Fluch wirklich nur schlimm,oder auch ein Segen,wie ein Chinesisches Sprichwort schon sagt: Jeden Tag ein Fluch erhöht das Glück und die Lebensdauer.

Beitrag von Kiffing

Das Thema ist auch für meine Person hochgradig aktuell. Auch auf mir liegt ein Fluch. Der Fluch lastet auf mir schon seit Beginn dieser Saison. Nach dieser Saison verliere ich ungefähr 150 DWZ, und das ohne jeden Jugendbonus. Außerdem kann ich nicht mehr gewinnen.

Beitrag von Dragon

Ich glaube nicht an etwas wie Flüche oder so, aber um ein gutes Beispiel zu geben auf GM ebene fällt mir direkt Teimour Radjabov; der ja irgendwie seit London alles nur noch verliert.

Beitrag von zugzwang

Aberglaube - ist es bei mir. Dazu kommt der Glaube an bestimmte Serien - negativ wie positiv. An Flüche, Verwünschungen und Voodoo "Aberglaube" ich nicht.Wer empfänglicher dafür ist, bei dem kann der Mechanismus der selbsterfüllenden Prophezeiung eintreten und man fühlt sich schlecht, schlapp, machtlos, ausgeliefert. Bei "Serien" existieren psychologische und schachliche Erklärungen für ihr Zustandekommen.Psychologisch: Positive Erinnerungen beflügeln, negative können lähmen, bremsen.Schachlich: Gesammelte Erfahrungen helfen. Das schachliche Wiedererkennen unangenehmer Situtionen, die man als Schwachpunkt des eigenen Spiels abgespeichert hat, können psychologische Hemmungen hervorrufen.Im Sport kennt man den Spruch:Wenn es läuft, dann läuft es und es kommt auch noch Glück dazu.Läuft es nicht, dann hat man auch ... an den Schuhen.Das habe ich schon vielfach in verschiedenen Sportarten beobachtet und in einigen selbst erlebt. Eine Saison gut gepunktet, die andere nicht.Ich kenne auch das "Tagesgefühl". Ich fühle mich schon vor dem Wettkampf bereit, fit, einfach gut - dann klappt das häufig gut.Anders ist das Gefühl der Unsicherheit und trüben Vorahnung. Beides wird dann häufig bestätigt.Die logische Erklärung ist, daß ein derartiges Gefühl selbstverständlich die eigene Leistungsfähigkeit beeinflußt; denn der Kopf und damit die Psychologie spielen mit.Dann gibt es das offene Tagesgefühl: weder Euphorie noch Trübsal - alle 3 Ergebnisse im Schach rufen keine bleibende Erinnerung hervor.Bei den Serien verankern sich die Vorboten in der Erinnerung: gut gefühlt und glorreich gewonnen, bleibt hängen wie mies gefühlt und eins in den Magen bekommen.Tritt das Ereignis mal nicht so ein, wird es nicht so bewußt abgespeichert.Die statistischen Ausreißer bleiben gefühlt außen vor, lassen die Serien noch akkurater erscheinen und der Glaube an Serien bestätigt sich selbst. Wer ein Problem mit den negativen Seiten des Aberglaubens usw. hat, der sollte bewußt dagegen angehen. Ein mieses Gefühl verdrängen - nicht leicht, vielleicht hilft fetzige oder stimmungsvolle Musik. Oder es hilft autogene Konzentration mit Gegenfluch.Kiffing könnte sich als Proband einbringen und seine Serie und ihre Gründe im Hinterkopf aktiv bearbeiten und nicht weiter im Kopf schwirrend zu dulden.Sportpsychologie interessiert mich als psychologischer Laie sehr.Weiterer Aberglaube:Wenn ich im Sport auf etwas mit Einsatz setze, dann tritt das Ergebnis so nicht ein.Denke ich ohne Wetteinsatz darüber nach, dann ist die Trefferquote brauchbar.Ich hätte gestern nur auf mein Gefühl, die Partie Aronjan-Carlsen geht ereignislos remis aus, etwas setzen müssen, und schon häten wir eine turbulente scharfe Partie mit einer entscheidung bekommen.

Beitrag von Kampfkeks

An Flüche im Sinne von Zaubersprüchen glaube ich nicht.Ich denke eher, dass das von zugzwang beschriebene Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung zutrifft: Wer ständig gegen den gleichen Gegner/unter den gleichen Umständen verliert, bei dem wird das Gefühl entstehen, gegen diesen Gegner/unter diesen Umständen einfach nicht gewinnen zu können. Eine Einstellung, die im sportlichen Wettkampf natürlich fatal ist, da mangels Motivation ("ich verliere sowieso") nicht die volle Leistung abgerufen wird. Als Folge verliert man dann ein weiteres Mal.

Beitrag von zugzwang

Wobei Benfica Lissabon wirklich okkult ist!Zig Spielergenerationen, die unterschiedlichsten Typen, viele ohne Ahnung vom "Fluch" und trotzdem soll es penetrant nicht sein.