Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Chancen auf WM-Titel im Fußball“

schachburg.de

Beitrag von Kiffing

Seit 2006 befindet sich der deutsche Fußball bekanntlich wieder im Aufwind, und bei durchgängig guten Plazierungen bei WM und EM (3. - 2. -3. - 3.-4.) meinen viele, bei der Fußball-WM in Brasilien 2014 sei unsere "Goldene Generation" endlich für eine sehr gute Plazierung, d. h. für den Titel reif. Ich selbst habe heute Abend zwar nicht das Testspiel gegen Chile verfolgt, weil mich ein Familiendrama auf 3 Sat mehr interessiert hat. Aber ich hege große Zweifel an der Aussage, weil ich immer mehr bezweifele, daß die deutsche Fußball-Generation wirklich so golden ist. Der Torhüter ist ok, das Mittelfeld ist natürlich Weltklasse; aber Deutschland wird in Brasilien mit einer nur mittelmäßigen Abwehr und ohne Sturm antreten. Deshalb rechne ich wieder mit einer nur guten Plazierung bei der diesjährigen WM. Wie seht ihr das?

Beitrag von zugzwang

Ja, das wird wohl nix, obwohl Deutschland mehr Fußballspieler im Kader hat als vielleicht jemals ...Der Torhüter war mal sehr gut und kann es wieder werden. Aber bei der letzten EM war er nicht so dolle nach meiner Erinnerung. Jedenfalls gab da so 2 Tore, die der Keeper schon mal abwehrt, wenn die Abwehr nicht sattelfest ist. Und dann in der WM-Qualli beim 4:4 gegen die Schweden, da war Manuel manuell fast kreativer als seine fröhlichen Vorderleute.Angriff und Mittelfeld sind internationale Spitzenklasse - wenn unverletzt und in Normalform.Doch Offense gewinnt Spiele und Defense Meisterschaften. Und bei aller Sympathie für einen kreativeren und unterhaltsameren Fußball durch Deutschland: Mit dieser Abwehr kann man kein Turnier im Knockout-Format gewinnen.Dazu: Deutschland in Weiß-Schwarz, Grün-Weiß (oder mal seltener in Rot-Weiß) - das war lange und gute Tradition.Die neumodischen und dem Marketing/Merchandising geschuldeten Trikots wie gestern finde ich als "Fernseh-Weltmeister" von/ab 1974 nur noch ätzend.Weltmeister wurden die Deutschen jedenfalls 3x mit Weiß-Schwarz. Und Europameister? 1972 und 1980 war es Weiß-Schwarz und 1996 gegen die weißen Engländer weiß ich nicht mehr.Jedenfalls nicht faschingsmäßig ringelhörnchengestreift...Dieses schwarz-rot-geringelte Trikot paßt besser zu einer Karnevals-Spaß-Bolzplatztruppe als zu einer traditionsbewußten großen Fußballnation.

Beitrag von Kiffing

Wieso soll denn auch der deutsche Angriff internationale Spitzenklasse sein? Der Hoffnungsträger im Angriff, Miroslav Klose, ist schon 36 und hat nur noch einen Marktwert von 1 Millionen Euro, und damit ungefähr ein Prozent wie der Marktwert von Messi oder Ronaldo. Mario Gomez kann außer Tore schießen gar nichts, und auch da passieren ihm regelmäßig furchtbare Dinge vor dem gegnerischen Tor. Und der dritte im Bunde, der noch ein wenig aus dem Kreis der deutschen Stürmer hervorragt, nämlich Stefan Kiessling, ist beleidigt, weil er sich von Löw zu wenig beachtet gefühlt hat und wird nicht mehr unter diesem spielen. Der Rest an den deutschen Stürmern ist international, aber sogar national bedeutungslos, oder sind einem größeren Kreis von deutschen Fußballfans kürzlich berufene Stürmer wie Hahn (Augsburg) oder Lasogga bekannt? Bäume haben sie jedenfalls noch keine ausgerissen. Was also da für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien im Sturm auflaufen wird, ist verglichen mit den internationalen Spitzenteams ein Nichts.

Beitrag von zugzwang

Die deutschen Angreifer werden als Mittelfeldspieler getarnt und am besten noch mit dem Prädikat defensiv versehen. Früher hätte man zu diesen Spielern Stürmer gesagt.Dazu zählen insbesondere: Reus, Götze, Podolski, Müller, Schürrle.Alles Stürmer und auch international hervorragend.Nur wollen Jogi-Trainer, daß Vollblutstürmer wie Podolski auch Außenverteidiger zu spielen haben. So "verkommt" ein Weltklasseangreifer eben zum Mittelfeldspieler.Und Kreativ-Dribbel-Angreifer Reus darf natürlich im EM-Halbfinale gegen Italien erst einmal zusehen, weil man die Italiener bittesehr nicht zu sehr überraschen möchte.Die Angriffskraft des deutschen Teams ist Weltklasse auch mit/ohne den alten Klose und "Gurken-Gomez", der aber tatsächlich zu einem Fußballspieler mit Torgefährlichkeit reifte. Gegen "Holland" spielerisch 2 Tore. Zur Belohnung wurde er dann ausgemustert, weil zu schlecht verteidigend und nicht mehr torgefährlich in den Folgespielen.Ja, Gomez ist noch "Stürmer" (der eben Vorlagen braucht!) und paßt damit leider nicht ins jogische System.Der Jogi hat aber so viele torgefährliche Mittelfeldspieler (selbst der Sechser) wie kaum ein anderer Nationaltrainer und müßte sie bei der Abwehrmisere auch das gegnerische Tor offensiv ins Visier nehmen lassen.

Beitrag von Kiffing

Sagen wir es so, das Mittelfeld ist breiter geworden, und zwar tatsächlich zulasten der Stürmer. Als ich Anfang der 90er Jahre anfing, mich für den Fußball zu begeistern, war es ja noch üblich, mit zwei Stürmern zu spielen. Und lag eine Mannschaft zurück, wurde dann auch gerne noch ein dritter Stürmer eingewechselt, um noch einmal alles zu riskieren. Heute dagegen spielt eine Mannschaft in der Regel nur noch mit einem (echten) Stürmer, und gelegentlich wird schon die fürchterliche „spanische Variante“ angewendet, das heißt komplett ohne Sturm. Denn so kann man besser Tiki-Taka (oder wie auch immer das heißt) spielen...Der „moderne Fußball“ beansprucht, wie Du schon angemerkt hast, daß jeder Spieler alles kann, und insofern sind praktisch alle Sonderrollen weggefallen. Den berühmten Linksaußen habe ich schon gar nicht mehr kennengelernt, aber irgendwann in den 90ern wurde auch der Libero veraltet, und in den 0ern kam dann auch der Spielmacher aufs Abstellgleis. Michael Ballack war noch der letzte seiner Zunft in der Nationalmannschaft, und als er zur WM 2010 verletzungsbedingt nach dem bekannten Foul von Michael-Prince Boateng ausschied, gab es nicht wenige Stimmen, die den Ausfall des Spielmachers als Glücksfall ansahen. Es war ein Wink des Zeitgeistes. Ohne diese ganzen Sonderrollen, so die Philosophie, spiele eine Mannschaft unberechenbarer und könne dadurch flexibler auftreten. Die einzige Sonderrolle momentan in einer Mannschaft hat somit nur noch der Torwart.Genau das ist übrigens auch der Grund, warum diese Veränderungen des Fußballs so sehr zu Gunsten des Mittelfeldes gingen. Der Mittelfeldspieler kommt der Lehre des Universalstils am nächsten, denn ein guter Mittelfeldspieler kann sowohl gut nach hinten als auch nach vorne arbeiten. Von daher ist es natürlich ein Trumpf für den deutschen Fußball, daß er in diesem so drastisch aufgewerteten Mittelfeld so gut besetzt ist wie keine andere Mannschaft auf der Welt. Trotzdem sollte es aber ein Nachteil sein, daß Deutschland keinen, in Relation zu den Spitzenteams, konkurrenzfähigen (echten) Stürmer nach Brasilien schicken kann, zumal ja Gomes derzeit schwer verletzt ist, so daß er entweder geschwächt oder gar nicht mit nach Brasilien kann. Daher denke ich, wegen des stärksten deutschen Mittelfeldes aller Zeiten, von denen tatsächlich auch sehr gut mangels Konkurrenz bei den echten Stürmern jemand im Sturm aufgestellt werden kann, dürfte wieder eine gute Position drin sein. Das Fehlen des echten Stürmers gibt aber den Ausschlag, daß sich am Ende ein Team durchsetzt, das Spieler vom Kaliber eines Lewandowskys, Ronaldos, Messis, Ibrahimovics oder Rooney aufbieten kann, die den Ball auch zielsicher ins Tor bringen und die guten Vorlagen des Mittelfeldes sicher verwandeln. Hat eine Mannschaft solch einen Stürmer nicht und ist von dieser Qualität gar um drei Klassen tiefer angesiedelt, ist die Gefahr konkret, daß das Chancenverhältnis zwar gut ist, die Chancenverwertung aber umso schlechter.

Beitrag von zugzwang

[QUOTE=Kiffing;21818]... Das Fehlen des echten Stürmers gibt aber den Ausschlag, daß sich am Ende ein Team durchsetzt, das Spieler vom Kaliber eines Lewandowskys, Ronaldos, Messis, Ibrahimovics oder Rooney aufbieten kann, die den Ball auch zielsicher ins Tor bringen und die guten Vorlagen des Mittelfeldes sicher verwandeln. Hat eine Mannschaft solch einen Stürmer nicht und ist von dieser Qualität gar um drei Klassen tiefer angesiedelt, ist die Gefahr konkret, daß das Chancenverhältnis zwar gut ist, die Chancenverwertung aber umso schlechter.[/QUOTE]Mußte der Tiefschlag mit Rooney wirklich sein?!:confused:Wenn die deutschen Angreifer den Maßstab Rooney nicht erreichen, dann ist es besser den Startplatz zurückzugeben und die Polen oder Schweden mitspielen zu lassen, denen die sicherlich hervorragenden Lewandowsky und Ibrahimovic letztlich nicht mal zur Qualifikation reichten...Deutschland hat mehr torgefährliche Spieler im aktuellen Kader als je zuvor - entscheidend ist aber die Verbesserung der Defence und die Harmonie.Und da bin ich mir nicht so sicher, ob der brav wirkende Jogi wirklich immer das richtige Händchen hat.Wie der Kahn und Ballack (mit) abserviert und trotzdem keinen Titel gewonnen hat. ...Übrigens: Fußball ist die überschätzteste Nebensache der Welt:jaja:.

Beitrag von Kiffing

Na ja, mit Rooney muß man sich ja nicht menschlich identifizieren. Ich hoffe auch nicht, Du glaubst, ich würde dies tun. ;) Aber was nun mal zählt sind die Qualitäten als Fußballer, und da soll er ja ziemlich gut sein, auch wenn ich das konkreter nicht beurteilen kann, da ich die Premier League nicht so verfolge. Auch mit der Bundesliga ist es leider schlecht, da den Samstag über mein Verein seinen Vereinstag hat...Wegen der Abservierung von Kahn würde ich mir keine Sorgen machen. Ich denke, das geht auf den Super-Reformer Klinsmann zurück, der ja gerne jeden Stein dreimal umdreht, um so etwas wie eine "positive Unruhe" herzustellen. Das lebende Denkmal Kahn zu fällen, war unnötig und wurde außer von Klinsmann von niemandem - auch weltweit nicht - so recht verstanden. Zum Glück spielte Lehmann 2006 als Torhüter ein gutes Turnier, so daß der Ruf Klinsmanns nicht erschüttert wurde, sondern derart gestiegen war, daß sogar die Bayern ihn zugunsten von Klopp verpflichteten, der bei Bayern damals im Gespräch war. Jogi Löw dagegen ist ein ganz anderer Typ, der wieder an die gute alte Nibelungentreue eines Vogts oder Völlers anknüpft und dem es - siehe Podolski - schwerfällt, sich von verdienten Spielern zu trennen. Bei Ballack war es wohl unumgänglich, weil dieser in die Jahre gekommene Spielmacher nicht mehr in den neuen Sturm-und-Drangfußball paßte und das Spiel unnötig verlangsamt hätte. Zudem starb die Spielmacher-Rolle gerade aus. Es war nicht mehr der junge Ballack der Vize-Saison von Leverkusen 2001/2002, der damals als torgefährlicher und vorlagenfreudiger Mittelfeldspieler ganz Fußballdeutschland in Verzückung versetzte, was insbesondere in der damaligen Zeit so wichtig war, weil damals eine Flaute an richtig guten jungen Spielern vorherrschte. Zur WM in Japan und Südkorea setzte ja niemand einen Pfifferling auf den späteren WM-Finalisten...Was den Fußball an sich angeht, wird es, denke ich, seinen Grund haben, daß er so überaus populär ist. ;)

Beitrag von zugzwang

[QUOTE=Kiffing;21837]...Was den Fußball an sich angeht, wird es, denke ich, seinen Grund haben, daß er so überaus populär ist. ;)[/QUOTE]Das ist wohl der angelegte Trittkomplex beim Menschen. Ich trete auch ganz gerne - verbal.Wegen des materiellen Festhaltens (mit den Händen) wird Handball nie so populär werden. Dort gibt man viel zu häufig etwas aus der Hand. Das liegt den meisten Menschen weniger. Zudem braucht dieser Sport den ganzen Kerl/ die ganze Frau.Zurück zum beliebten Fußball.Immer noch nicht in den Regeln reformiert und den technischen Möglichkeiten angepaßt, wird sich seine unbestreitbare Popularität erst vermindern, wenn Korrumpierbarkeit und Manipulation sowie Doping ans Licht kommen.Fußball ist gemessen am Rest der Gesellschaftsentwicklung doch noch viel zu sauber.Von daher liegt der Verdacht einer großen Dunkelziffer nahe.[QUOTE=Kiffing;21837]...Na ja, mit Rooney muß man sich ja nicht menschlich identifizieren. Ich hoffe auch nicht, Du glaubst, ich würde dies tun. ;) Aber was nun mal zählt sind die Qualitäten als Fußballer, und da soll er ja ziemlich gut sein, auch wenn ich das konkreter nicht beurteilen kann, da ich die Premier League nicht so verfolge...[/QUOTE]Rooney ist mir international nur einmal spielerisch positiv aufgefallen. Das war bei seinem 1. internationalen Turnier der EM 2004. Diesen Stand hat er mit dem Nationalteam aus meiner sicht nie wieder erreicht. Das kann aberauch an dem Rest der Truppe und ihren unglücklichen Torhütern liegen. Die Tommies verlor man leicht und schnell aus den Augen, was ihre Boulevard-Presse neidvoll mit Berichten über "Panzer-Fußball" kompensiert(e).Die Engländer haben aber ein Talent ihren nicht gerade außergewöhnlichen Fußball mit ebensowenig Ausnahmekönnern glamorös darzustellen. Der in Hochzeiten gute bis sehr gute Fußballer und Body-(Tattoo)Model David Beckham ist ein weiteres Beispiel.Zugutehalten muß man den Engländern neben diesem Fakt, daß sie den Eurocup der Landesmeister in den Zeiten vor den zusammengekauften Weltauswahl-Clubteams mit recht vielen britischen Spielern dominierten/mitbestimmten und auch den Sprung in die kommerzielle Champignon-Lieg eindrucksvoll bewältigten.Mit dem bevorstehenden Einbruch der britisch-russischen Beziehungen wird den englischen Clubs aber wohl bald das Gas abgelassen.Obwohl - die russischen Oligarchen können mit ihren mühsam zusammengeklaubten Milliärdchen noch ein paar Saisons finanzieren, selbst wenn sie sich von Mütterchen Russland in Richtung Westen absetzen und "ihre" Rohstoffe und Technik zurücklassen müssen.Flüchtigen russischen Milliardären, die von der eigentlich so korrupten russischen Justiz dann wohl verfolgt werden, dürften weder Schweizer noch andere westeuropäische Banken die konten zumachen.Den weiteren Investments in den Fußballsport steht also weniger entgegen, als ich vermutete.Vielleicht werden die Engländer doch noch mal Fußball-Weltmeister - nur nicht 2014, wenn diese WM überhaupt stattfindet, und auch nicht 2018, wenn diese WM doch in Russland stattfindet.Aus britischer Sicht halte ich eher den Schotten die Daumen - oder den Walisern mit dem zwar in Euro überteuerten Stürmer, der aber nach der Rooney-Skala echte Klasse verkörpert. [QUOTE=Kiffing;21837]... Jogi Löw dagegen ist ein ganz anderer Typ, der wieder an die gute alte Nibelungentreue eines Vogts oder Völlers anknüpft und dem es - siehe Podolski - schwerfällt, sich von verdienten Spielern zu trennen...[/QUOTE]Den Typ Löw stelle ich mir seit einiger immer mit Glatze. Zugegeben, das gelingt mir schlecht. Trotz des seligen vorbilds eines Dettmar Cramer.Nibelungentreue könnte passen, aber das Beispiel Podolski ist schlecht gewählt.Prinz Poldi hat Vertrauen bei Turnieren meines wissens immer mit Leistung zurückgezahlt. Da darf die Beziehung auch mal einige Krisen durchmachen.Der Fall Ballack ist dagegen näher an den Nibelungen dran.[QUOTE=Kiffing;21837]... Bei Ballack war es wohl unumgänglich, weil dieser in die Jahre gekommene Spielmacher nicht mehr in den neuen Sturm-und-Drangfußball paßte und das Spiel unnötig verlangsamt hätte. Zudem starb die Spielmacher-Rolle gerade aus. ...[/QUOTE]Ein Spielmacher war Ballack kaum. Das wußten er selbst und seine Trainer am besten.Nur die Presse wollte in ihm den (auch schon damals vielfach unnötigen) Spielmacher sehen.Dafür war er ein Antreiber, Organisator und Vollstrecker. Für einen "Sechser" sehr beachtlich und letztlich der "torreichste" Mittelfeldspieler Deutschlands.Als Spieler und Typen mochte ich Ballack nicht sonderlich, aber seine sportliche Gesamtleistung im Nationalteam ist beeindruckend und eines Kapitäns würdig.Und dann kam die Phase, wo die Trennung von Ballack naturgegeben (Verletzungen + Alter + nachdrängende Talente) eben anstand. Vielleicht hat Ballack das auch gespürt, wahrscheinlich ist er nicht der einsichtigste, was eine Ausprache für den Trainerstab nicht leicht macht.Bei der Abservierung von Ballack hatte ich aber das Gefühl, daß Jogi windelweich seinem Star die Augenbinde umlegen wollte, anstatt mit ihm von Mann zu Mann darüber zu reden, daß seine Tage eigentlich vorbei sind, er aber im Fall der (Verletzungs)Fälle eben doch gebraucht würde. Wahrscheinlich hatte er Angst, daß der Kapitän diese Rolle nicht annähme und hat es mit Vertröstungen usw. versucht, anstatt eine ehrenhafte Trennung mit schönem Jubiläumslanderspiel herbeizuführen.Die Art der Abservierung war das störende, nicht der Fakt der sportlichen trennung vom Kapitän, der eben nicht mehr gesetzt in die Startelf gehörte.Und da glaube ich den Darstellungen Ballacks, was ein mögliches Rumgeeiere des Jogi angeht. Daß sich Jogi gerne alle Optionen offenhält, ist fühlbar. Nur gibt es auch Spielertypen, die sind selbstbewußt, erfolgreich und wissen um ihr Können. Und diese Typen können mit einer windelweichen, optionsreichen Personalpolitik und der Rolle als Lückenfüller nicht so viel anfangen.Ich habe auch Verständnis für diese Sportler: Wenn sie die Rolle als Reserve oder Notnagel erst einmal akzeptieren, dann geht etwas von ihrer sportlichen Stärke durch Selbstbewußtsein und Willen verloren.So ein Typ war vielleicht auch der eingentlich smartweich wirkende Ballack. Hätte er einmal Abstriche vom Selbstbewußtsein gemacht, dann wäre sein Wille evtl. nie mehr so stark gewesen und er letztlich in der versenkung verschwunden.Und das ist vielleicht der Haken an Jogis ganzer optionsreicher Personalpolitik. Fußballerisch schätzt er seine Spieler sehr gut ein und kann ein exzellentes und auch harmonierendes Team formen.Doch bei diesem Prozess bleiben die wirklichen Typen, von denen ein Team 3-4 wohl braucht, auf der Strecke. Lahm und Schweinsteiger - fußballeerisch in Form wichtig, aber irgendwie keine richtigen Typen.Ob es auch ohne Typen für nen Titel reicht?Bayern Munich International hat als Typen Robben und Ribery sowie vllt. noch ein paar, die ich unterschätze. Damit hats mit viel Anlauf und Mühen mal wieder geklappt.Mit der hohen, aber gleichförmigen Qualität, die ich Jogis Personalrekrutierung unterstelle, wird es schwieriger bis unmöglich.

Beitrag von SiegerFCN

Meiner Meinung nach haben Deutschland und Brasilien ganz gute Karten auf den Weltmeisterschaftstitel.Brasilien hat mit dem Heimrecht natürlich ein Plus, während Deutschland sich mit den Südamerikanischen Bedingungen erst einmal vertraut machen muss. Als Überraschungsland werde ich Chile sehen. Denen könnte ich das Viertelfinale zutrauen. Vor allem mit Spielern wie Vidal oder Sanchez sind sie im Mittelfeld und in der Offensive mit 2 Starspielern gut gerüstet. Für Frankreich wirds dieses Jahr wieder mal eine traurige WM. Nach der Nichtnominierung von Samir Nasri von Manchester City hat Frankreich unter Trainer Didier Deschamps einen großen Fehler begangen. Verstehe gar nicht, warum nach solch einer starken Saison so ein Spieler nicht mitgenommen wird. Schade auch,dass die Oldies, aber auch Weltklasse Spieler wie Ronaldinho oder Kaka nicht nominiert wurden. Ihre vermutlich letzte Chance, in ihrer Fußballkarriere bei einer WM mitzuspielen und das sogar im eigenem Land. Vielleicht sind sie heutzutage nicht mehr in Topform, aber aufgrund einer sensationellen Karriere hätte Scolari sie zumindest in den Kader stellen können. Vor allem Kaka hat Fußballerisch beim AC Mailand momentan auch ein Formhoch und wäre vermutlich besser als ein Hernanes.Spanien und Italien wird - falls es eintreten wird - Deutschland diesmal besiegen können. Italien konnte man noch nie schlagen, doch sind die Spieler alt geworden, während Deutschland das wohl vermeintlich stärkste Team in ihrer Geschichte hat ( Bezogen auf Spielstärke + Alter ). Gegen Spanien könnte es eng werden, da diese zwar auch gealtert haben, sie trotzdem eine höhere Qualität als Italien besitzen und wie man gesehen hat, sind Spieler wie Xavi, Puyol und Casillas heutzutage noch Weltklasse Spieler. Auf der Außenbahn kann ein Jesus Navas für ordentlich Druck sorgen und sowohl Torres als auch Diego Costa werden im Sturm die Verteidiger ein aufs andere Mal in Verzweiflung bringen.Lassen wir uns demnach trotzdem auf eine sehr unterhaltsame und vor allem spannende WM freuen!

Beitrag von zugzwang

Zum "Drumherum" und Hintergrund ballrund um die Fußball-WM als kleine Auffrischung[url]http://anstalt.zdf.de/die-anstalt/die-anstalt-31443710.html[/url]Die Sendung vom 27.05. läßt auch Kopfballer zur Fußball-WM abnicken.

Beitrag von zugzwang

[QUOTE=zugzwang;21813]...Und bei aller Sympathie für einen kreativeren und unterhaltsameren Fußball durch Deutschland: Mit dieser Abwehr kann man kein Turnier im Knockout-Format gewinnen...[/QUOTE]Und es ging doch.Weil die Abwehr, allen voran der Torhüter, sich steigerte zum Vor-WM-Modus, auch wenn sie menschlich fehlbar und verletztlich und somit sympathisch blieb.Mitleiden, Mitfiebern, Mitzittern war jederzeit gegeben und das Meckern brauchte man nicht vollkommen aus dem Vokabular zu verbannen. [QUOTE=zugzwang;21813]...Die neumodischen und dem Marketing/Merchandising geschuldeten Trikots wie gestern finde ich als "Fernseh-Weltmeister" von/ab 1974 nur noch ätzend.Weltmeister wurden die Deutschen jedenfalls 3x mit Weiß-Schwarz. Und Europameister? 1972 und 1980 war es Weiß-Schwarz und 1996 gegen die weißen Engländer weiß ich nicht mehr.Jedenfalls nicht faschingsmäßig ringelhörnchengestreift...Dieses schwarz-rot-geringelte Trikot paßt besser zu einer Karnevals-Spaß-Bolzplatztruppe als zu einer traditionsbewußten großen Fußballnation.[/QUOTE]Adidas hätte freiwillig Millionen für eine imaginären Opferstock gespendet, um ein derartiges Halbfinalspiel im Ringel(hörnchen)look passend zum Merchandising ablaufen zu lassen.Somit wird das von mir weiterhin ungeliebte Auswärtstrikot zum Neuen Kult werden und die Kasse von adidas darf klingeln."Beruhigt" war ich, daß das Finale den Deutschen das Heimtrikot bewahrte und so paßt es dann, daß der erste WM-Titel des einig Vaterlands fast in blütenweiß (mit ein bissel brustringrot und ein bissel mehr grasgrün gegen Schluß) errungen wurde.Schwarz sehen (Hose), hatte somit schon vorab ausgedient und die Farbverteilung paßte zum 90er Sieg, als die Argentinier auch auf ihre hoffnungsvollen himelblauen Streifen zu Gunsten eines (ansehlichen, aber letztlich erfolglose) Dunkelblau verzichten mußten.Achso, der Kaiser hat auch dazugelernt und verkündet nicht mehr die deutsche dominanz auf Jahre sondern nur ihre schwere Besiegbarkeit.Schaun mer mal, aber das hört sich doch sachlich-realistischer an als vor 24 Jahren und paßt besser zum Geschehen des WM-Turniers und zur Zukunft des Fußballs unter deutscher Mitwirkung im allgemeinen. Ich freue mich für diese Mannschaft aus Fußballspielern (der Kombination Technik, Einsatz, Wille, Konzentration und Kondition - und der immer nötigen Prise Glück zur rechten Zeit) und dem gesamten mitwirkenden Umfeld mit Trainern und Betreuern an der Spitze!Tore, die in Erinnerung bleiben, von Müller (gegen USA) Schürrle gegen Algerien, Hummels gegen Frankreich, Klose und Schürrle gegen Brasilien sowie letztlich von Götze in der Verlängerung.Schöne Tore, die zwar nicht mehr zählen als z.B. das 1-0 gegen Frankreich 1986 oder das 1:0 gegen England 1990 (beides Freistoßsituationen mit unglücklichem Gegnertorwart!) oder Brehmes Elfer nach Völlerfall in Rom.Trotz der Bonhof-Müller-Kombi in der 43. Minute von München und vor Rahns befreiendem Linkschuß von 1954 ist Götzes Treffer sicherlich die technisch wertvollste deutsche Siegtoraktion in einem Endspiel.Aber "kleines, dickes Müller" mit Annahme, leichter Drehung mit Beinschuß des Verteidigers am erstarrten Jan Jongbloed vorbei in der 43. Minute, bleibt mein persönlicher erster Stern.