Als die FIDE 1950 den GM-Titel einführte, war dieser Titel einst nur einem exklusiven Zirkel von 27 Spielern vorbehalten. Obwohl die Zahl der Großmeister seitdem stetig stieg und immer stärker [URL="http://www.schachburg.de/threads/82-Elo-Inflation-im-Schach?highlight=Elo-Inflation"]inflationäre[/URL] Züge annahm, versuchte die FIDE, noch mehr starken Schachspielern einen Titel zu ermöglichen. So wurde neben dem GM- und dem IM-Titel 1978 auch noch der FM-Titel eingeführt und seit einigen Jahren gibt es zusätzlich den CM-Titel.Kritiker monieren, daß es der FIDE bei der Einführung dieses zusätzlichen Titels nur um mehr Geld gegangen sei, weil die Beantragung eines Titels den Spielern ja Geld kostet, das an die FIDE weitergeleitet wird, und belächeln die Candidate Master eher, weil es zum FM nicht gereicht habe. Allerdings wird hier gerne dagegengehalten, daß der CM ja nur ein erstes Etappenziel darstellen könne auf dem Weg zu weiteren Titeln, die durch den CM-Titel ja nicht ausgeschlossen werden. Wer will etwa nicht auch noch IM werden, wer schon FM ist und wer nicht GM, wer schon IM ist?Ich selbst stehe dem CM-Titel vollkommen neutral gegebenüber, denke allerdings, daß dieser zusätzliche Titel der Philosophie des Schachs in der Hinsicht zuwiderlaufen könnte, weil Titel im Schach traditionell nur den wirklich besten Spielern als besondere Ehre vorbehalten wird, was bedeutet, daß dieses System immer mehr aufgeweicht wird. Schach ist eben nicht Schwimmen, wo man schon das Seepferdchen erlangen kann, wenn man 25 Meter schwimmt. Es ist eine andere Philosophie, aber wirklich schlimm finde ich diese Aufweichung auch nicht.Wie denkt ihr darüber?
Beitrag von ToBeFree
Was bringt es, Geld für einen CM-Titel auszugeben? Kann man damit besser angeben, wenn man sonst zu schlecht für einen richtigen Titel ist? :D
Beitrag von Kiffing
Ein Problem sind hier vor allem die zahlreichen Begünstigungen, die das Tragen eines Titels im Schach mit sich bringt. Viele Turniere lassen Titelträger ja mitspielen, ohne daß diese Startgeld zahlen müssen, um Anreize zu setzen, daß sich Titelträger anmelden, wodurch das Turnier dann geschmückt wird. Der Kauf eines Titels rechnet sich also doppelt und dreifach. Nachdem, was ich gehört habe, fallen diese Vergünstigungen aber für CMs i. d. R. weg, was neben den psychologischen Faktoren (ein CM wird eher belächelt als bewundert) die totale Unbeliebtheit dieses Titels in Deutschland erklärt. So gibt es in Deutschland weitaus weniger CMs als GMs, obwohl es spielstärkemäßig natürlich ungleich mehr CMs als GMs geben müßte.
Beitrag von zugzwang
In der Sowjetunion und der DDR war der "Titel" eines Meisterkandidaten früher nicht so einfach zu erreichen und bedeutete tatsächlich, daß sich der Spieler aus der Masse heraushob und evtl. das Zeug zu wirklichen Meistehren hatte.Mit der Kopplung des FM- und insbesondere des CM-Titels an Elo-Bedingungen ist die Aussagekraft des Titels stark verwaschen. Kurzzeitige und manchmal auch recht nebulöse Peaks reichen aus, um den Titel erwerben zu dürfen.Somit stehen Kurzzeit-2300er und Kurzzeit-2200er in einer Reihe mit Leuten, die ihre 2200 oder 2300 über viele gewertete Partien bestätigen und mit ihrer Konstanz das Ansehen eines Fachmanns/Meisters tatsächlich verdienen.Bei der Jugend-WM im U16-Open gibt es einige sehr junge CM, die mit aktuellen Elozahlen unter 2000 (so jedenfalls bei chess-results) im Turnier geführt werden.Hier stellen sich einige Fragen rund um den CM-Titel und seine Vergabekriterien.Dazu noch jugendliche FM mit aktueller Elo unter 2000.Wenn die Angaben bei chess-results zu den Titeln stimmen, dann wird klar ersichtlich, warum diese Titel einen dubiosen Ruf haben.Spieler mit Elozahlen unter 2000 sind meines Erachtens weit davon entfernt als Schachmeister angesehen zu werden. Meister ist eigentlich kein Sammelbegriff. Experte ist sprachlich allenfalls angemessen.