Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Der Anzugsvorteil“

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Beitrag von Kiffing

Statistisch gesehen hat Weiß nach Watson bis kurz vor Ende des letzten Jahrhunderts 56 Prozent aller Partien gewonnen, wenn Remis nicht mitgerechnet werden. Erst vor kurzem änderte sich die Quote in 55/45 Prozent zugunsten des Weißspielers. An dem Vorteil von Weiß, bedingt durch das Mehrtempo, scheint also etwas dran zu sein, auch wenn evtl. andere Faktoren, etwa psychologischer Art, da mit hineinspielen können.Mir persönlich geht es da wie den meisten Spielern. Ich spiele lieber mit Weiß. Denn ich schätze das Mehrtempo, das mir die Gelegenheit bietet, im Kampf um die Initiative im Vorteil zu sein. Deshalb mag ich auch lieber die Eröffnungen, die bei meinem Weißrepertoire entstehen können als die Eröffnungen, die bei meinem Schwarzrepertoire entstehen können.Doch gibt es auch den entgegengesetzten Spielertyp. Dieser Spielertyp mag es wahrscheinlich nicht, selbst dem Gegner das Heft des Handelns aufzudrücken, sondern er fühlt sich in der Verteidigung wohler, und es kann gut sein, daß er auch auf gefährliche Konter bedacht ist.Daher meine Frage, spielt ihr lieber mit weiß oder mit schwarz? Gerne könnt ihr dabei auch erzählen, wann ihr besser punktet. Ich selbst habe ein gefühlt deutlich stärkeres Ergebnis mit Weiß als mit Schwarz. Gezählt habe ich allerdings nicht.

Beitrag von MagnusFTW

Ich hole auch mehr Punkte mit Weiß, woran das liegt weiß ich selber nicht so recht ...Vielleicht, weil ich mit Weiß eher öfters das selbe spiele, während ich mit Schwarz viel experimentiere...Auch spiele ich gerne eher aggressiv wenn es geht, das geht mit Weiß auch leichter als mit Schwarz :D

Beitrag von ToBeFree

Nur mit Weiß kann ich das Läuferspiel und damit das Evans-/Urusovgambit spielen. Diese Eröffnung spiele ich sehr gerne, Sizilanisch dagegen eher ungerne. Da auf meiner Spielebene außer mir nahezu niemand Sizilianisch spielt (war seit Beginn meiner Mannschaftskämpfe erst 2 Mal der Fall!), ist Weiß für mich die "beste" Farbe. ;)

Beitrag von tandem

Eigentlich ist mir die Farbe egal nur mit Schwarz hat man nicht so die Qual der Wahl. Kiffings Zahl mit 55% gewinnt Weiß ist interessant aber da müsste man ermitteln in welchem Partieabschnitt die Partien entschieden wurden(ausgeglichene Mittespielstellung und einer macht nen dummen Zug. Sonst erkläre ich mir die Zahl durch mangelnde Eröffnungskenntnisse von Schwarz, denn von Anzugsvorteil halte ich überhaupt nichts Schwarz kann immer ausgleichen!

Beitrag von Maschendrahtzaun

Wichtig zu wissen wäre auch, aus welcher Spielergruppe diese Quote berechnet wurde.Handelt es sich bei der festgestellten 55/45 Relation nur um Ergebnisse von Topgroßmeistern, von Großmeistern, oder von allen Spielern?Generell würde ich sagen, dass der Anzugsvorteil, wenn es ihn denn gibt, umso kleiner wird, je schwächer die Spieler werden.

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=tandem;2010]Eigentlich ist mir die Farbe egal nur mit Schwarz hat man nicht so die Qual der Wahl. Kiffings Zahl mit 55% gewinnt Weiß ist interessant aber da müsste man ermitteln in welchem Partieabschnitt die Partien entschieden wurden(ausgeglichene Mittespielstellung und einer macht nen dummen Zug. Sonst erkläre ich mir die Zahl durch mangelnde Eröffnungskenntnisse von Schwarz, denn von Anzugsvorteil halte ich überhaupt nichts Schwarz kann immer ausgleichen![/QUOTE]Ich denke, der Partieabschnitt ist eher irrelevant. Denn selbst wenn sich die bessere Quote für den Weißspieler damit erklären würde, daß Schwarz meist im Mittel- oder Endspiel patzt, dann hängt damit eben auch der Anzugsvorteil zusammen. Denn wenn Weiß nur leicht besser steht, egal in welchem Partieabschnitt, dann gewinnt er im Endeffekt auch stärkeübergreifend mehr Partien. Und wenn Weiß im Mittelspiel leicht besser steht, dann kann er auch oft in ein günstiges Endspiel abwickeln und gewinnt natürlich da auch. Daß Schwarz immer ausgleichen kann, stimmt so nicht, und überhaupt ist mir diese Aussage viel zu absolut. Hier müßte man die einzelnen Eröffnungen ausdifferenzieren. Nach meinen Erfahrungen ist das Mehrtempo gerade in taktisch geprägten Varianten ein großes Gewicht. [QUOTE=Maschendrahtzaun;2011]Wichtig zu wissen wäre auch, aus welcher Spielergruppe diese Quote berechnet wurde.Handelt es sich bei der festgestellten 55/45 Relation nur um Ergebnisse von Topgroßmeistern, von Großmeistern, oder von allen Spielern? [/QUOTE]Watson hat eine Datenbank von 1998 bemüht, die alle möglichen Partien umfaßt, die es in Datenbanken geschafft haben, also sind auch Partien von Amateurspielern darunter. [QUOTE=Maschendrahtzaun]Generell würde ich sagen, dass der Anzugsvorteil, wenn es ihn denn gibt, umso kleiner wird, je schwächer die Spieler werden.[/QUOTE]Das Problem ist, daß wenn jemand leicht besser steht, was natürlich meist eröffnungsbedingt ist, dann gewinnt der Spieler, der leicht besser steht, mehr Partien dieser Sorte als der Gegner. Das ist spielstärkeunabhängig, trifft also auf den Großmeister zu wie auf das Kind. Lediglich die Remisquote ist beim Kind geringer.

Beitrag von tandem

[QUOTE=Kiffing;2015]Ich denke, der Partieabschnitt ist eher irrelevant. Denn selbst wenn sich die bessere Quote für den Weißspieler damit erklären würde, daß Schwarz meist im Mittel- oder Endspiel patzt, dann hängt damit eben auch der Anzugsvorteil zusammen. Denn wenn Weiß nur leicht besser steht, egal in welchem Partieabschnitt, dann gewinnt er im Endeffekt auch stärkeübergreifend mehr Partien. Und wenn Weiß im Mittelspiel leicht besser steht, dann kann er auch oft in ein günstiges Endspiel abwickeln und gewinnt natürlich da auch. Daß Schwarz immer ausgleichen kann, stimmt so nicht, und überhaupt ist mir diese Aussage viel zu absolut. Hier müßte man die einzelnen Eröffnungen ausdifferenzieren. Nach meinen Erfahrungen ist das Mehrtempo gerade in taktisch geprägten Varianten ein großes Gewicht. [/QUOTE]Damit hängt es eben nicht der Anzugsvorteil zusammen, wenn Schwarz in einer total ausgeglichenen Mittelspiestellung patzt. Schwarz erhält bei korrektem Spiel immer eine ausgeglichene Stellung oder nenne mir eine Eröffnung in der Weiß besser steht, weil dann würde Schach keinen Sinn mehr machen. Sobald in einer taktisch geprägten Variante ein Mehrtempo so großes Gewicht hat, dass Schwarz diese nicht mehr spielen kann, aber es immer noch spielt, dann sehe ich das als mangelndes Eröffnungswissen an.

Beitrag von Kiffing

Na ja, meistens hat Weiß am Ende einer Variante ein leichtes Plus, wenn beide Spieler korrekt spielen. Das wird von Schwarz auch in Kauf genommen, weil er weiß, daß er mit Schwarz kaum auf mehr hoffen kann. Das gilt unabhängig davon, ob Schwarz auf Ausgleich oder auf Gegenangriff (meist asymmetrische Strukturen) spielt. Wie gesagt, Weiß hat am Anfang halt ein Tempo mehr, was den Faktor Zeit begünstigt. Schach besteht schließlich aus den Faktoren Material, Raum und Zeit. Wenn Du mehr wissen willst über den Wert von schneller Entwicklung (was mit Tempogewinnen einhergeht), dann sind keine Partien besser als die von Paul Morphy.

Beitrag von Maschendrahtzaun

[QUOTE=Kiffing;2037]Na ja, meistens hat Weiß am Ende einer Variante ein leichtes Plus, wenn beide Spieler korrekt spielen. Das wird von Schwarz auch in Kauf genommen, weil er weiß, daß er mit Schwarz kaum auf mehr hoffen kann. Das gilt unabhängig davon, ob Schwarz auf Ausgleich oder auf Gegenangriff (meist asymmetrische Strukturen) spielt. Wie gesagt, Weiß hat am Anfang halt ein Tempo mehr, was den Faktor Zeit begünstigt. Schach besteht schließlich aus den Faktoren Material, Raum und Zeit. Wenn Du mehr wissen willst über den Wert von schneller Entwicklung (was mit Tempogewinnen einhergeht), dann sind keine Partien besser als die von Paul Morphy.[/QUOTE] Wenn ein Spieler unserer Spielstärke mit einem leichten Plus mit weiß, oder eben mit einem leichten Minus mit Schwarz herauskommt, sagt das aber überhaupt nichts. Das ist allerhöchstens auf Meisterebene von (allerdings ebenfalls geringer) Bedeutung, danach geschehen noch so viele Fehler, dass dieses leichte Plus überhaupt nichts zu sagen hat.Außerdem bezweifle ich, dass Weiß gerade in Hauptvarianten ein leichtes Plus nach der Eröffnungsphase erhält.Wenn man zum Beispiel Russisch oder Halbslawisch, von mir aus auch das orthodoxe Damengambit oder Nimzo-Indisch betrachtet, ist es doch sehr schwer, einen Anzugsvorteil nachzuweisen.Ich würde es viel mehr so betrachten, dass Schwarz sich mit Inkaufnahme eines leichten Nachteils Ungleichgewichte in einer Stellung "erkaufen" kann.Weiß hat dies nicht nötig, da er die Partie von Vornherein auf ein Ungleichgewicht anlegen kann.

Beitrag von Kiffing

Ich behaupte, daß ein += in jedem Spielstärkeniveau bedeutet, daß Weiß mehr Partien gewinnt. Die Remisquote ist im unteren Spielstärkebereich lediglich geringer.

Beitrag von Maschendrahtzaun

[QUOTE=Kiffing;2042]Ich behaupte, daß ein += in jedem Spielstärkeniveau bedeutet, daß Weiß mehr Partien gewinnt. Die Remisquote ist im unteren Spielstärkebereich lediglich geringer.[/QUOTE] Jo, und ich behaupte das Gegenteil.Jetzt stehen wir da, und können nicht anders...:P

Beitrag von Dragon

Ich spiele lieber mit schwarz weil ich mit schwarz meine feste eröffnung habe mit weiß überlege ich noch wie ich am besten für mich eröffne wenn ich irgendwann mal mit weiß meine feste eröffnung habe ist es mir eigentlich egal ob ich weiß oder schwarz habe

Beitrag von hako

[QUOTE=Dragon;2513]Ich spiele lieber mit schwarz weil ich mit schwarz meine feste eröffnung habe mit weiß überlege ich noch wie ich am besten für mich eröffne wenn ich irgendwann mal mit weiß meine feste eröffnung habe ist es mir eigentlich egal ob ich weiß oder schwarz habe[/QUOTE]Leider (oder besser gesagt: zum Glück ;) ) kann man nicht immer seiner feste Eröffnung spielen. Man sollte zwar mit Schwarz seine 2 festen Eröffnungen haben (eine für e4 und eine für d4), aber je nach Gegner muss man halt auch flexibel sein und mal mit c4 oder f4 (oder mit b4 :D) rechnen.Von daher ist es gut, wenn du ein paar feste Eröffnungen hast, du musst aber auch mit dem Unerwarteten rechnen. Das Gleiche gilt übrigens für Weiß. :)Mir persönlich ist es egal, ob ich Weiß oder Schwarz habe. Was den Anzugsvorteil angeht: Mag sein, dass es so ist, aber traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Nebenbei finde ich 55% Siege mit Weiß etwas wenig, um daraus einen Anzugsvorteil zu schließen.

Beitrag von Kleinmeister

Weiß holt in mehreren Millionen Partien (also eine durchaus signifikante Stichprobe) 55% der Punkte, Schwarz 45%.... das soll KEIn Anzugsvorteil sein:froh:? Unter Anzugsvorteil versteht man ja nicht, dass die Anfangsstellung für Weiß gewonnen wäre, sondern nur, dass es Weiß scheinbar leichter fällt zu punkten, was ja der Fall ist:P

Beitrag von hako

Die Statistik besagt, dass von allen verwerteten Partien, die alle gewonnen wurden und nicht remis endeten, 55% von Weiß gewonnen wurden. Das ist erstmal die Statistik ohne irgendeine weitere Aussage.Die Statistik sagt nur, Weiß gewinnt öfter.Dass man dafür umfangreiche Stichprobe macht, ist selbstverständlich, sonst bräuchten wir sie nicht ernst nehmen. ;)Dennoch ist die Abweichung 50:50 gerade mal 5%. Quantitativ ist das viel (das sind ja mal eben ne Millionen mehr gewonnene Partien für Weiß), aber qualitativ ist das mal gar nichts. Aus diesen 5% einen Anzugsvorteil zu schließen, wo nicht einmal die Remis berücksichtigt wurden, halte ich für etwas übertrieben.

Beitrag von Kleinmeister

[QUOTE=hako;2669]Die Statistik sagt nur, Weiß gewinnt öfter.[/QUOTE]:froh: Eben! Das bedeutet es stellt einen gewissen (keinen übermächtigen!) statistischen Vorteil dar Weiß zu sein, sprich "den Anzug" zu haben. Ergo: Es gibt einen Anzugsvorteil, gäbe es keinen würde Weiß nämlich entweder genausoviele Partien gewinnen wie Schwarz, oder sogar weniger (was dann einen Anzugsnachteil oder Nachzugsvorteil darstellen würde!)

Beitrag von hako

[QUOTE=Kleinmeister;2695]:froh: Eben! Das bedeutet es stellt einen gewissen (keinen übermächtigen!) statistischen Vorteil dar Weiß zu sein, sprich "den Anzug" zu haben.[/QUOTE]Das bedeutet es eben nicht. Es ist nur eine mögliche (und zugegebener Weise sehr realistische :)) Erklärung dafür.Aber warum verursacht dieses "Vorteil" ledig 55% weiße Siege? Ich finde 5 Prozentpunkte Abweichung von 50% ziemlich klein, um von einem Vorteil zu sprechen. Wenn da ein Vorteil sein sollte, muss er schon ziemlich klein sein, dass nur 55% ihn nutzen können ;)

Beitrag von Kiffing

Ich glaube, das Problem eurer Diskussion ist, daß ihr ein Definitionsproblem habt. Wobei ich da eher auf der Seite von Kleinmeister bin. Ein Vorteil heißt ja, daß man in einer Sache die besseren Voraussetzungen hat. Und bei 55% Gewinnwahrscheinlich bei nicht mitgerechneten Remis sind die Voraussetzungen für Weiß nun einmal besser. Der Begriff Vorteil sagt ja nichts darüber aus, wie groß der Vorteil ist. Würdest Du Dich mit der Aussage von Kleinmeister denn arrangieren können, wenn er von einem kleinen Anzugsvorteil sprechen würde?

Beitrag von Kleinmeister

[QUOTE=hako;2731]Das bedeutet es eben nicht. Es ist nur eine mögliche (und zugegebener Weise sehr realistische :)) Erklärung dafür.Aber warum verursacht dieses "Vorteil" ledig 55% weiße Siege? Ich finde 5 Prozentpunkte Abweichung von 50% ziemlich klein, um von einem Vorteil zu sprechen. Wenn da ein Vorteil sein sollte, muss er schon ziemlich klein sein, dass nur 55% ihn nutzen können ;)[/QUOTE]5% Abweichung ist bei einer Stichprobe von mehreren Millionen Partien mehr als signifikant.Ich glaube du verstehst das Wort "Vorteil" falsch: Unter Vorteil versteht man, dass es einer Seite leichter Fällt zu gewinnen, nicht jedoch, dass es bei bestem Spiel gewonnen ist (was im praktischen Schach im Prinzip FAST egal ist, wenn es sich nicht um klare Stellungen mit mehr als ausreichendem Mehrmaterial handelt, aber das ist etwas anderes)! Wenn weiß also 55% der entschiedenen Partien gewinnt, dann scheint es also gegen den selben Durchschnittsgegner "X" grundsätzlich wahrscheinlicher zu sein mit Weiß zu gewinnen als mit Schwarz. 5% sind nicht die Welt, aber es gibt einen statistischen unanzweifelbaren Vorteil, also einen ANZUGSVORTEIL!

Beitrag von hako

Ich verstehe einen Vorteil auch darunter, dass es eine Partei leichter zum Sieg hat. Dennoch finde ich, dass 55% eine knappe Mehrheit ist und hier ledig ein sehr geringer Vorteil (wenn überhaupt) vorliegt.

Beitrag von Kleinmeister

Wie erklärst du dir dann die 5% Abweichung OHNE das Vorhandensein eines Anzugvorteils?

Beitrag von hako

Durch das Vorhandensein eines sehr kleinen Vorteils.Wie erklärst du dir, dass es nur 5% sind? Kann man bei so kleinen Vorteilen wirklich noch von Vorteil sprechen? Das ist mein Problem. Ich beantworte diese Frage mit nein. Aber das ist individuelle Meinung.

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=hako;2824]Kann man bei so kleinen Vorteilen wirklich noch von Vorteil sprechen? [/QUOTE]Merkst Du selbst. ;)

Beitrag von Kleinmeister

5% sind 5%. Das ist nicht viel, aber besser +5% als -5%, oder?! Selbst bei 51-49 hätte ich lieber Weiß :-)!

Beitrag von hako

[QUOTE=Kleinmeister;2827]5% sind 5%. Das ist nicht viel, aber besser +5% als -5%, oder?! Selbst bei 51-49 hätte ich lieber Weiß :-)![/QUOTE]Jedem das seine ;)

Beitrag von Kleinmeister

Immerhin hätte ich dann bei 100 Partien zwei Punkt mehr als duuuu, jetzt sogar ganze 10 Punkte:verschmitzt:!! Und das ganz kampflos, nur weil ich Weiß habe!

Beitrag von yury

Ich habe jetzt nicht den ganzen Thread gelesen, aber - kann es sein, dass es irreführend ist, Remis nicht mitzurechnen? Wenn man das tut, dürfte der Anzugsvorteil doch zusammenschrumpfen. Ohne die Remisquote fehlt nämlich eine wichtige Information: Selbst wenn Weiß 100% der entschiedenen Partien gewinnt, ist das bei einer Remisquote von 98% gerade mal ein Anzugsvorteil von 51% gegen 49% - nicht gerade viel... Auf der anderen Seite könnte Weiß auch nur 51% der entschiedenen Partien gewinnen bei einer Remisquote von 0%, was genau denselben Anzugsvorteil ergäbe.Fazit: Die 55% sagen ohne zusätzliche Information rein gar nichts.

Beitrag von Kiffing

"rein gar nichts" halte ich für übertrieben. In allen Informationen über den Anzugsvorteil wird das so gemessen. Der Grund ist wahrscheinlich eine bessere Veranschaulichkeit der Differenz zwischen dem Weiß- und dem Schwarzspieler.

Beitrag von yury

[QUOTE=Kiffing;2834]"rein gar nichts" halte ich für übertrieben.[/quote]Ist es auch, Du kennst mich. ;) Es sagt aber nicht viel aus. Natürlich können wir realistischerweise (?) eine Remisquote irgendwo zwischen 30 und 50% ansetzen und es dann ausrechnen, trotzdem bleibt mit den von Dir angegebenen 55% theoretisch alles zwischen 50 (100% Remisquote) und 55% (0% Remisquote) unter Einbeziehung des Remis möglich.[QUOTE=Kiffing;2834]In allen Informationen über den Anzugsvorteil wird das so gemessen. Der Grund ist wahrscheinlich eine bessere Veranschaulichkeit der Differenz zwischen dem Weiß- und dem Schwarzspieler.[/QUOTE]Die Anschaulichkeit geht dabei aber nicht nur auf Kosten der Genauigkeit, sondern führt außerdem in die Irre: Wie viele Leute in diesem Thread haben schon dahingehend argumentiert, 55% sei doch eine "signifikante" Abweichung und das beweise doch, dass ein Anzugsvorteil vorhanden sei? Solange wir die Remisquote nicht kennen, ist dieses Argument eben schlicht falsch, weil wir die genaue Abweichung nicht kennen und daher nicht beurteilen können, ob sie "signifikant" ist!

Beitrag von Kleinmeister

Ich hab mal was von einer weißen36(S)-32(R)-32(N)-Verteilung gehört, weiß aber nicht wie aktuell das ist...

Beitrag von yury

[QUOTE=Kleinmeister;2842]Ich hab mal was von einer weißen36(S)-32(R)-32(N)-Verteilung gehört, weiß aber nicht wie aktuell das ist...[/QUOTE]Das wären ja 52%, was schon deutlich weniger eindrucksvoll klingt...

Beitrag von Kleinmeister

Niemand hat gesagt der Anzugsvorteil wäre beeindruckend, aber 52% ist immer noch besser als 48%, oder:P?Ich denke wenn nicht so viele Amateurpartien in Datenbanken enthalten wären, sondern man sich nur 2500er-Partien und höher ansieht, wird der Prozentsatz der von Weiß geholten Punkte noch größer! Hat dazu jemand vielleicht Zahlen?

Beitrag von Kiffing

Kannst Du diese These belegen?

Beitrag von Kiffing

Kannst Du diese Aussage begründen?

Beitrag von Kiffing

Deine These war ja: "Ich denke nicht dass Weiß mehr Punke holt.".Und jetzt erklärst Du lang und breit, warum der Angreifer größere Chancen hat, und daß man "meistens mit Weiß, wo man einen Zug mehr hat" mehr riskieren könne. Damit widerlegst Du Dir doch Deine eigene These, weil das, was Du jetzt geschrieben hast, bedeutet, daß Weiß eben doch mehr Punkte holt.

Beitrag von FraKoWu

Ich selbst muß zugeben, daß ich mich zur Zeit mit Schwarz wohler fühle als mit Weiß. Mit Schwarz spiele ich gerne meinen "Franzosen", und finde mich da meistens ganz gut zurecht, egal ob der Gegner abtauscht, Sc3 spielt oder mit e5 durchzieht. Als Weißspieler bekam ich zuletzt oft Skandinavisch vorgesetzt, aktuell 2x in der 2.Bezirksliga, leider 2 Niederlagen. Kam mit der früh umherziehenden Dame nicht zrecht. Überlege jetzt, erstmal auf d4 umzusteigen. Hoffe aber jetzt erstmal auf Schwarz im 3. Spiel, und natürlich auch mal wieder zu punkten.

Beitrag von Kleinmeister

[QUOTE=FraKoWu;2890]Als Weißspieler bekam ich zuletzt oft Skandinavisch vorgesetzt, aktuell 2x in der 2.Bezirksliga, leider 2 Niederlagen. Kam mit der früh umherziehenden Dame nicht zrecht. Überlege jetzt, erstmal auf d4 umzusteigen. [/QUOTE]Hey Kopf hoch! Zweimal in Folge mit Weiß zu verlieren tut weh, passiert aber wohl jedem Spieler irgendwann einmal. Deswegen jetzt zu 1.d4 zu wechseln ist auf jeden Fall nicht angebracht! Stell dir vor, nach 1.d4 punktet Weiß nämlich auch nicht automatisch und es gibt im Bereich der Slawischen Eröffnung Bauernstrukturen die fast an einen Skandinavier herankommen (nur der Weiße Bauer auf c2 steht dort auf e2 oder e3, Schwarz steht aber genauso, mit dem Unterschied eben keine Zeit mit seiner Dame vertrödelt zu haben). Skandinavisch ist keine Eröffnung die man leicht vom Brett fegen kann, aber sie sollte auch nicht der Stolperstein für den 1.e4 Spieler werden. Das ist allenfalls Sizilianisch, aber gegen jeden anderen Zug wird sich immer eine andere GUTE Option finden, die einem liegt!Vielleicht liegt es einfach daran, dass du, wenn du 1...d5 schon siehst denkst: "Das kann nicht gut sein und jetzt zieh ich IHN und seine SCHLECHTE Eröffnung über den Tisch!" Diese Denkweise ist sehr kontraproduktiv, denn damit setzt du NUR DICH unter Druck, nicht aber denjenigen, der eine ordentlich, wenn auch keine wirklich gute Eröffnung spielt. Besser wäre vielleicht sich zu denken: "Toll! Er hat nicht die besseren 1...c5 oder 1...e5 gespielt, VIELLEICHT habe ich jetzt bessere Chancen!"Wenn es aber wirklich an Variantenunkenntnis liegt: In einem Thread zu Skandinavischbüchern in diesem Forum habe ich schon zwei ordentliche Bücher gepostet. Will das hier nicht wiederholen, denn sonst sind wir ganz weg vom Thema "Anzugsvorteil":lol:!

Beitrag von FraKoWu

Hallo Kleinmeister,vielen Dank für Deine "aufbauende" Antwort. Vielleicht sollte ich mir das wirklich nochmal überlegen. Aber ich habe die skandinavische Eröffnung nicht unterschätzt. es ist wohl eher so, daß ich die richtigen Fortsetzungen nicht kenne, werde mich doch nochmal damit beschäftigen....bei mir ist es aber wohl auch eine Frage der Form und der Motivation, letzte Saison habe ich in der 2. Mannschaft gar nicht verloren, jetzt läuft es irgendwie im Moment gar nicht :-( naja, im nächsten Kampf an Brett 5 zuhause habe ich schwarz, da mache ich mir nicht so viele Gedanken. (Französisch, oder gegen d4 orthodoxe Damengambit-Ablehnung).