Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Taktik im Schnellverfahren“

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Beitrag von Kampfkeks

Liebe Burggemeinde!Mich würde mal interessieren, wie ihr an die Taktik herangeht: Geht ihr planmäßig vor, und arbeitet sozusagen eine Checkliste ab (z.B. ungenügende Deckung von Figuren, Königssicherheit) oder verlaßt ihr euch mehr auf euer Gefühl und "stochert" etwas herum? Mir geht´s hier v.a. um das Vorgehen in Partien (und nicht um Studien), und auch eher um das Erkennen von eigenen taktischen Chancen. Hintergrund ist, daß ich selbst (wenn ich am Zug bin), erst nach taktischen Schlägen Ausschau halte. Erst danach, also wenn kein taktischer Schlag möglich ist, gehe ich zur strategischen Aufstellung der Figuren über. Da ich nun gerne online Blitzpartien spiele (um nicht zu sagen: ausschließlich), wäre es natürlich gut, wenn diese erste taktische Phase etwas schneller u effizienter vonstatten ginge. Mir ist klar, daß Übung (d.h. Taktikaufgaben) unbedingt notwendig ist. Dennoch frage ich mich, ob es nicht doch ein "Raster" gibt, mit dem man (sozusagen im Schnellverfahren) klären kann, wo (wenn überhaupt) taktische Schläge möglich sind - und es lohnt, sich die knappe Zeit zum Berechnen zu nehmen.LG keks

Beitrag von Kiffing

Mit Taktik in Blitzpartien ist es so eine Sache. Auf der einen Seite fehlt natürlich die Zeit, um wirklich tiefe Berechnungen anzustrengen. Auf der anderen Seite dagegen ist man im Blitzschach eher bereit, Risiko einzugehen, weil schon die Tatsache ausreicht, daß man den Gegner unter Druck setzt, der unter diesem Druck wertvolle Zeit verliert und/oder patzt. Man opfert im Blitzschach einfach spekulativer.Zu Deiner Frage, so braucht man, um sicher Kombinationen spielen zu können, in erster Linie ein Grundgerüst an allen möglichen Arten von taktischen Schlägen wie Ablenkung, Hinlenkung, Doppelangriff usw. Dafür gibt es auch die entsprechenden Bücher. Um dieses Wissen nun sicher zu machen, so daß man es nicht nur theoretisch weiß, sondern man es auch sicher anwenden kann, braucht man eine gute Intuition, die sich sowohl durch entsprechendes Training (z. B. die Auseinandersetzung mit vielen Taktikaufgaben) als auch durch praktisches Spiel bilden kann. Grundsätzlich gilt, je geschulter die Intuition ist, desto besser ist die Mustererkennung. Und irgendwann wird dann die Zeit kommen, wo man in einem Bruchteil einer Sekunde ein entsprechendes Muster erkennt, wo eine Kombination möglich ist, die man dann auch in einer Blitzpartie anwenden kann. Wenn das Wissen also durch viel Praxis und Übung gefestigt ist, spielt man die Kombinationen wie von selbst. Dann läuft alles sehr unbewußt ab. Wenn Du später einmal längere Partien spielen möchtest, solltest Du natürlich auch wiederum mehr nachdenken und rechnen. Aber im Blitzschach läuft wie gesagt viel auf der unbewußten Ebene ab.

Beitrag von Maschendrahtzaun

[QUOTE=Kampfkeks;16662]Liebe Burggemeinde!Mich würde mal interessieren, wie ihr an die Taktik herangeht: Geht ihr planmäßig vor, und arbeitet sozusagen eine Checkliste ab (z.B. ungenügende Deckung von Figuren, Königssicherheit) oder verlaßt ihr euch mehr auf euer Gefühl und "stochert" etwas herum? [/quote]Auf jeden Fall "stochere" ich eher, als dass ich in Blitzpartien anfange, irgendetwas zu berechnen.Allerdings kommt es auch stark auf die Eröffnung an, die du spielst.Wenn du mit e4 eröffnest und dich sofort in scharfe, taktische Stellungen hineinwirfst, wirst du wohl mehr rechnen müssen, als wenn du vordergründig "langweilige" Stellungen anstrebst.Diese haben natürlich auch ihre Tücken, aber ich denke, man kann im Blitz sehr gut damit fahren, "Gummistellungen" anzustreben, in denen ein einziger Fehltritt oder eine einzige verpasste Chance noch nicht enorm viel ausmachen und diese dann schnell und "stochernd" zu spielen.

Beitrag von hako

Einfache Checkliste beim Blitzen: :)1) Königsangriffe2) einfache Materialgewinne (Fesslung, Gabel, Spieß, Beseitigung des Verteidigers)Viel weiter gehe ich beim Blitzen eigentlich nicht, da das zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

Beitrag von Kiffing

Oder noch einfacher: erst alle Schlag-, Droh- und Schachzüge berechnen. :D

Beitrag von Kampfkeks

Danke für eure Antworten! Wenn ich euch richtig verstehe, dann gibt es also kein Patentrezept, sondern man entwickelt durch Übung ein Gefühl dafür, wann und wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

Beitrag von Kiffing

Ja, ist richtig. Wenn es im Schach ein Patentrezept gäbe, wäre es auch nicht so schwer. ;)

Beitrag von Kampfkeks

Das dachte ich mir schon, aber so schnell und routiniert, wie manche Antworten bei Online-Blitzspielen kommen... habe ich mich doch gefragt, ob es da nicht etwas gibt, was ich nicht weiß... :denknach: