[IMG][Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://i.imgur.com/1CI4cI8.jpg". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "https://i.imgur.com/1CI4cI8.jpg" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.][/IMG]Die Französische Revolution von 1789 lieferte in vielerlei Hinsicht einen ersten praktischen Vorgeschmack darauf, wohin soziale Utopien führen können und was der Welt noch bevorstand. Allerdings gab es mit der Utopia von Thomas Morus und vor allem mit Der Sonnenstaat von Tommaso Campanella bereits erste theoretische Schriften, wo man die Auswüchse eines totalitären Gesellschaftssystems bewundern konnte.Die Französische Revolution war in vielerlei Hinsicht radikal, nicht nur, was die Gewaltexzesse und Morde angeht, sondern auch in ihren kulturellen Entwürfen. Alles Alte sollte verschwinden und an dessen Stelle das Neue treten. So wurden die Wochentage umbenannt; aus der 7-Tageswoche wurde die 10-Tageswoche (der Arbeiter, der so nur noch jeden zehnten Tag frei hatte, hat sich gefreut); an Stelle des christlichen Gottes trat der „Gott der Tugend“ und eine neue Zeitrechnung entstand, wo beginnend mit dem Jahr der Ausrufung der französischen Republik 1792 (dem Jahr 1) gezählt wurde. Das rationale Dezimalsystem schaffte die alten Maßeinheiten ab, was sogar bis in die Uhrzeit (!) reichte. Zusätzlich wurden die Feiertage reformiert, revolutionäre Feiertage ersetzten die alten kirchlichen Feiertage.Aus diesen ganzen Neuerungen wurde also vor allem eins deutlich, daß der neue revolutionäre Gesellschaftsentwurf möglichst die gesamte Gesellschaft durchdringen und mobilisieren sollte. Die Französische Revolution hatte ein starkes Sendungsbewußtsein und war nicht nur nach innen radikal, sondern auch nach außen, denn auch das europäische Ausland sollte mit den Segnungen der Revolution bedacht werden.Das Private wurde politisch, und da jedes kleinste gesellschaftliche Detail auf die Revolution gerichtet sein sollte, machten diese radikalen Veränderungen auch vor dem Schachspiele nicht halt. So beschloß der Nationalkonvent eine Änderung der Figurennamen „mit Beibehaltung der Kriegssymbolik“ (Edmund Bruns, Das Schachspiel als Phänomen der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, LIT-Verlag 2003, S. 20). Der König wurde natürlich gestrichen und durch die Fahne ersetzt, aus der Dame wurde der Adjutant, aus dem Springer Les Drag (?), aus den Türmen die Kanonen, aus den Läufern die Freiwilligen und aus den Bauern die Truppen. (Vgl. ebd.) Wie man sieht, sollte nichts mehr an die alte monarchische Verfaßtheit eines Staates erinnern, für die das Schachspiel sinnbildlich stünde. Da in dieser Zeit für das Schachspiel wesentlich einschneidendere Regeländerungen drohten als „nur“ die Änderung der Figurenbezeichnungen, da das Schachspiel als solches schon „an ein hierarchisches Staatsgebilde mit alten aristokratischen Ideen erinnerte“, (vgl. ebd., S. 19f.) verfaßte der Präsident eines französischen Schachclubs eine bemerkenswerte Satire an die französische Nationalversammlung. Diese Form der Satire war 1791 noch begrenzt möglich, denn das Schlimmste mit den Septembermorden 1792 und der Radikalisierung der Revolution mit der Schreckensherrschaft Robespierres stand erst noch bevor. Zum Verständnis des Textes sei gesagt, daß der Läufer im Schach auf französisch fou heißt, also Narr, und daß die Nationalversammlung 1789 die „rationale“ Einteilung Frankreichs in 83 Departements beschlossen hatte. Daher die Zahl 83.[QUOTE]Die alte Aristokratie liegt in den letzten Zügen; ihr verderblicher Luxus flieht unser wiedergeborenes Vaterland; ihre Ordensbänder werden ihr bloß zu Henkersstricken dienen, und Alles nähert sich seinem Ende. Sollen denn unsere Spiele allein, ihr verhalltes Bild in unser Gedächtnis zurückrufen? [...] Aber, überhaupt erfordert es ihre Ehre, daß diese Spiele von ihren alten Makeln gesäubert und in das Nationalkostüm gekleidet werden, und eben diese große Reform ist der Gegenstand meiner demütigen Adresse [...]. Mein System, eine Revolution der Spiele, mit Ihrer politischen Revolution verbunden, soll dann gewiß ein ebenso lustiges als nützliches Ganzes ausmachen: Utile dulci! Doch jetzt wollen wir uns nur in Ihr Schachbrett der 83 Departements verfügen, und durch diesen Weg, auf die provisorische Reform des Schachspiels kommen, eines Spiels, dessen Ursprung allein schon eine Beleidigung einer freien Konstitution ist. Wer weiß z. B. nicht, daß das Schachspiel eine Erfindung aristokratischer Griechen war, um ein paar Zaunkönigen die Zeit zu vertreiben, welche die Schriftsteller der damaligen Zeit die Aufzehrer des Volks nannten. Fürs erste wünsche ich, meine Herrn, daß in Zukunft jedes Schachbrett, wie das Ihrige, aus 83 Feldern bestünde, und daß das Mittelste, das Hauptfeld, die Municipalität per Excellence wäre. Diesen Namen müßte sie führen. Die Königin, (das versteht sich von selbst), und im Jakobiner-Club ist diese Motion längst zu erörtern beschlossen), darf keinen Stein des Schachbretts ausmachen. Vor diesem verschönerte sie den Hof des Königs, der jetzt durch die Bauern, d. i. durch die Citoyens, zur Genüge verschönert wird. Alle Bastillen und Türme sind jetzt geschleift, also schleife ich auch mit Ihnen die Türme des Schachspiels. Da jene Reiter, jene getreue Gardisten ihres Königs, so civiquement niedergemetzelt worden sind, und ihre Nachsicht gegen die patriotischen Mörder, nur sie mit Recht als gefährlich denutiert, so reformiere ich die Springer ebenfalls ohne Barmherzigkeit. Es bleiben also nichts als die Bauern, die Narren, und der König übrig, und aus diesen drei Gattungen von Steinen setzte ich mein ganzes neues Spielsystem zusammen. [...] Das Ende der Partie wäre entweder der Triumph der Narren über die Bauern, ein leichter Fall; oder der Bauern über die Narren, ein möglicher Coup; oder der Sieg des Königs, mittels der Narren über die Bauern, oder mittels der Bauern über die Narren, oder auch beides zusammen, der größte Coup, oder ein allgemeines Schachmatt durch den Umsturz aller Steine des Schachspiels, welches die Partie auf eine sehr lustige Weise endigen würde[/QUOTE]Aus ebd. S. 20f. und der heutigen Rechtschreibung angepaßt Wie viele von den herrschenden Revolutionspolitikern mögen beim Lesen dieser Schrift wohl an einen ernsthaften Verbesserungsvorschlag gedacht haben? :DPS.: Die vorliegende Idee ist mit der Idee, die in [URL="http://www.schachburg.de/threads/757-Schach-politisch-korrekt"]diesem Thread[/URL] ausgeführt wurde, verwandt.