Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Einführung des Super-GM-Titels“

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Beitrag von Kiffing

Was hieltet ihr von der Einführung eines neuen Titels? Konkret meine ich, daß der innoffizielle Titel des Super-GMs für Spieler ab 2700 offiziell wird. Der Grund wäre, daß wir wieder die Situation wie früher hätten, wo die höchsten Titelträger ein exklusiver Kreis der wirklich besten Spieler der Welt waren. Heute ist der höchste Titel im Schach zwar nach wie vor eine tolle Leistung, aber nichts "Besonderes" mehr. Es gibt heute [URL="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fmeister_(Schach)"]über 1300[/URL] Träger dieses Titels. Außerdem wäre nun ein neuer Anreiz für ambitionierte Ausnahmespieler gegeben.

Beitrag von Dragon

Ich denke auch das es vielleicht sinnvoll wäre ein weiteren offiziellen Titel zu machen, weil es wohl für sehr viele Spieler nochmal ein Anreiz wäre den besten Titel zu bekommen und auch um nochmal die Weltspitze abzugrenzen.

Beitrag von hako

Ich finde auch, dass ein weiterer Titel Sinn machen würde. Aber bitte nicht Super-GM! Das hört sich doch arrogant und bescheuert zu gleich an!!!

Beitrag von zugzwang

Statt neuer Titel bin ich mehr für "Qualitätssicherung" bei den bisherigen Titeln.Sprich: Abwehrmaßnahmen gegen erschlichene Normen und dadurch erworbene Titel.Die Fide ist da leider eher nachlässig - siehe Fall "Crisan" und die Myanmar-Elo-Posse.Ich kann aber jeden verstehen, der eine Unterscheidung zwischen den Fastmeistern, Meisterkandidaten, Waldmeistern, titellosen Meistern kleinen und großen (internationalen) Meistern sucht.Über die Elozahl und deren Entwicklung haben wir ein Instrumentarium, das mehr aussagt als mancher Titel, wenn auch hier nicht "nachhilfemäßig" an der Zahl geschraubt und gedreht wird.

Beitrag von Kiffing

Es gibt ja, was die Titelvergabe in Sportarten angeht, die unterschiedlichsten Philosophien. Was zugzwang anspricht wäre ein Titelvergabesystem, das für jeden Sportler einen Titel in Reichweite vorsieht, so daß sich dieser Spieler immer von Titel zu Titel hocharbeiten kann. So ein Titel hätte dann vor allem die Funktion, die Motivation des Sportlers immer mehr zu erhöhen. Ein Beispiel für diese Philosophie wäre der Schwimmsport. Dort fangen die Titel bereits mit dem Seepferdchen an.Beim Schachsport hat diese Titelvergabe aber traditionell mehr eine exklusive Funktion, um die besten und verdientesten Schachmeister auszuzeichnen. Als der Großmeistertitel 1950 eingeführt wurde (bekannt war er freilich schon früher*), war dieser Titel nur einem überschaubaren Kreis von 27 Spielern vorbehalten. Unter Max Euwe fand dagegen so etwas wie eine Inflation des GM-Titels statt, die politisch erwünscht und gesteuert war. Laut Kasparov wollte Euwe den Schachsport in alle Winkel der Erde verbreiten und wollte zu diesem Zweck jedem Entwicklungsland einen Titelträger ermöglichen, der als Vorbild und Pionier seines Volkes fungiert und damit die Schachentwicklung seines Landes vorantreibt. Die Reduzierung der Schwierigkeit, diesen Titel zu erlangen, führte dann zu dieser Situation, wie wir sie heute haben, mit fast 1400 Großmeistern, was zu einem Verlust der ursprünglichen Exklusivität des höchsten Schachtitels führte. Die FIDE tat sich schwer damit, noch andere Titel jenseits der GM- und der 1950 gleichzeitig eingeführten IM-Marke zuzulassen. Erst 1978 folgte der FM-Titel, der aber schon damals teilweise belächelt wurde. Mit der Einführung des CM-Titels um 2005 scheint eine gewisse Schmerzgrenze überschritten worden zu sein. Die Schachwelt scheint diesen Titel nicht zu akzeptieren. Das zeigen nicht nur die Stimmungen im (Schach-)Volk, sondern auch die statistischen Werte. So gibt es derzeit 6270 Fide-Meister weltweit, aber nur 592 Candidate-Master ([URL="http://www.schach-welt.de/BLOG/Blog/DoktorundGM-Plag"]siehe[/URL]), und das obwohl es wesentlich mehr Spieler um 2200 Elo gibt als Spieler um die 2300-Elo. Das Seepferdchen-Prinzip will ich dabei gar nicht in Abrede stellen. Die United States Chess Federation (USCF) arbeitet etwa mit dieser Philosophie, indem sie für die verschiedensten Stärkestufen schon ab Elo 100-199 (!) [URL="http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_Chess_Federation"]eigene Titel[/URL] anbietet. Es tut niemandem weh, sondern dient der Motivation, also einer guten Sache.Die Idee der Revitalisierung der Exklusivität des höchsten Schachtitels würde also mit der Euweschen Philosophie korrespondieren und die besprochenen Vorteile beider zusammenführen. So gibt es also wieder den ganz besonderen Titel als auch die Möglichkeit für Entwicklungsländer, mit einem GM-Träger immerhin ein Zugpferd in den eigenen Reihen zu besitzen. Das Argument von zugzwang, durch die Elozahlen sei der Orientierung schon Genüge getan, entgegne ich mit dem Verweis auf die doppelte Legitimation, die auch in der Schachwelt nicht unbekannt ist. Und zwar braucht man dafür nicht extra in die Vergangenheit der PCA- und FIDE-Titelkämpfe zurückzublicken. Auch heute noch gibt es für den stärksten Spieler der Welt zwei verschiedene Legitimationen, nämlich die des WM-Titels und die der höchsten Elozahl. * Die heute immer noch vielfach geglaubte und selbst von seriösen Quellen weiterverbreitete Behauptung, Zar Nikolaus von Rußland habe beim Turnier in St. Petersburg 1914 den fünf Qualifikanten des „Siegerturniers“: Siegbert Tarrasch, Emanuel Lasker, Jose Raul Capablanca, Alexander Aljechin und Frank Marshall kurzerhand den Großmeister-Titel verliehen und diesen Begriff damit erfunden, ist allerdings eine [URL="http://www.schachbund.de/news?nwaction=shownews&nwmode=archiv&showtopic=Historisches&newsmonth=200905&template=/template/drucker.tpl"]Legende[/URL]. Emanuel Lasker siegte damals nach einer legendären Aufholjagd, was selbst seinem schärfsten Kritiker Tarrasch zu Jubelstürmen veranlaßte.

Beitrag von zugzwang

Die Fide bietet demnächst ja auch den Titel "International Organizer" samt Kurslehrgang und Kursgebühr an.Demnächst könnten dann noch Enginemeister, Cheatingmeister (Achtung: Nicht CM!), Fernengine(groß)meister (okay hier ist ein anderer Verband bevorrechtigt) und Engineanalyse-CandidateMaster dazukommen.Titelinflation...:donk::grübel: