Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Wenn Schachspieler als Krankheitsbild aufgefaßt wird“

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Beitrag von Kiffing

Ich muß gestehen, ich kann mit den Thesen des bekannten Schachbloggers IM Ilja Schneider in der Regel nur wenig anfangen. Ilja Schneider mag in der deutschsprachigen Schachszene populär sein, seine Thesen, wie selbstbewußt und wortgewaltig sie auch immer vorgetragen sein mögen, finde ich in der Regel eher befremdlich. In der folgenden [URL="http://blog.zeit.de/schach/schach-glueck-unglueck-sucht/"]Schachdiskussion[/URL] der Zeitung Zeit mit Johannes Fischer und Dennis Abel sorgt Schneider für die in welcher Form auch immer herausragenden Akzente, während seine Diskussionspartner seine steilen Thesen eher relativieren. Und an steilen Thesen gibt es wieder einmal einiges.Was soll z. B. dieser unsägliche Heroinvergleich? Der Internationale Meister geht tatsächlich davon aus, daß die Gefühle der „meisten“ (?!) Schachspieler gegenüber ihrem Hobby tatsächlich diejenigen eines Drogensüchtigen (sic!) seien. Er argumentiert:[QUOTE]Man bekommt immer wieder Belohnungen, kleine Schüsse Adrenalin. Vermutlich vergleichbar mit dem nächsten Spritze Heroin oder der nächsten Line, um das plastischer zu beschreiben. Das steht aber in keinem Verhältnis zu den ganzen Geißelungen, den Selbstdeprimierungen, zum finanziellen und zeitlichen Aufwand. Aber so ist das bei einer Sucht. Diese kleinen Belohnungen streben wir um jeden Preis an. Es ist nicht leicht, davon loszukommen. Das hat auch gesellschaftliche Gründe. Man lernt in diesem Kreis viele Leute kennen und wenig außerhalb, das ist dann wie in einer Sekte. [/QUOTE]Es fällt leicht zu erkennen, daß dieser Ilja Schneider nicht gerade glücklich mit seinem Betätigungsfeld ist, das hat er immer wieder zu verschiedenen Anlässen [URL="http://blog.zeit.de/schach/ich-muss-ein-echter-schachspieler-sein/"]kundgetan[/URL], und das teilt er selbstverständlich auch am Ende der vorliegenden Diskussion mit tragischen Worten mit. Doch ist m. E. ebenso leicht zu erkennen, daß da jemand ganz gewaltig von sich auf andere schließt und zu unzulässigen Verallgemeinerungen gelangt. Natürlich ist es richtig, daß Schach, wie praktisch alles, was schön ist, süchtig machen kann. Das wird im Schach etwa dadurch bemerkbar, wenn man vor seinem Computer sitzt, auf einer Spieleplattform eine Blitzpartie nach der anderen herunterspielt und nicht davon loskommt. Man denkt: "eine spiele ich noch", und dann werden es immer mehr, und natürlich stellt sich so keine Freude, sondern nur noch Unbehagen ein. Ja, das sind Anzeichen einer Schachsucht, aber es gibt tausend Wege, dagegenzusteuern und zu seinem Hobby wieder zu einem entspannteren Verhältnis zurückzufinden, wo die gespielten Partien einen auch wieder mit Lust und Schaffensfreude erfüllen können, und wo man Freude hat am eigenen Vorwärtsschreiten in einer Sportart, wo der Weg das Ziel ist, und unzählige Neuigkeiten zu bieten hat. Vielleicht sollten wir uns hier an Vincent Keymer orientieren, der gesagt hat, er möge das Schach, weil jede Partie für ihn ein neues Abenteuer sei. Ilja Schneider hat mit Schach also ein Problem, aber es ist unzulässig, sein persönliches Problem, seine persönliche Sucht, getreu der Devise: "geteiltes Leid ist halbes Leid" auf andere Schachspieler zu projizieren. Psychologisch ist das ein Tunnelblick, und das persönliche Weltbild nicht weiter als der eigene Horizont.Ich hatte hier im Forum bereits [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://www.schachburg.de/threads/980-Warum-diese-Selbstzerfleischung?p=17104&highlight=Selbstzerfleischung#post17104". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "anderswo" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] das Problem des Selbsthasses von Schachspielern thematisiert, und tatsächlich bietet sich hierfür kein besseres Beispiel als jener IM, und das nicht „nur“ wegen seiner Schachvergleiche mit Heroin und Sekten (?!). Denn auch, was eine weitere Definition von Schachspielern von ihm angeht, läßt diese die Schachspieler nur mit den Ohren schlackern, zeigt aber erneut auf, wie krampfhaft Ilja Schneider seine persönlichen Probleme mit diesem Spiel auf die anderen Schachspieler projiziert, dessen „Theorien“ bereits so krude sind, daß es der verschiedensten Kunstgriffe benötigt, um etwas mit Gewalt passend zu machen, was beim besten Willen nicht passen will:[QUOTE]Es liegt am Schach. Schach ist eine Betätigung, die viel Zeit erfordert. Menschen können sich diese Zeit oft nicht nehmen, wenn sie sozial stark eingebunden sind, also Freunde haben oder eine Familie oder einen stressigen Job. Im Umkehrschluss bedeutet das: Menschen wenden sich dann verstärkt dem Schach zu, wenn sie eine Phase sozialer Desintegration spüren. Wenn sie geschieden oder getrennt sind oder wenn sie in eine neue Stadt kommen, oder ihre Arbeit verlieren. Das bedeutet, dass viele Menschen Schach spielen, die Frustrationserlebnisse haben. Diese Erlebnisse versuchen sie aufzuwiegen, indem sie wenigstens im Schach erfolgreich sind. Und auf Misserfolge dort reagieren sie mit besonderer Frustration. Man trifft beim Schach sehr viele Frustrierte, Unzufriedene. Die es auch nicht begreifen können oder wollen, dass Erfolg und Misserfolg zu einem wesentlichen Teil von Glück abhängt. Sie suchen den Fehler immer wieder bei sich. [/QUOTE]Es stellt sich mir die Frage, ob jemand, der mit dem Schach offenbar eine solche persönliche Frustration verbindet, anderen Schachspielern ihre Freude mit diesen Spiel nicht zugestehen kann oder nicht zugestehen will. Dies mag seinem Tunnelblick als bekennender Schachsüchtiger geschuldet sein, denn typisch für Süchtige ist, daß sie in ihrer Sucht nur die durchaus stark vorhandenen Probleme sehen, aber die ganzen Freuden, die ihr Betätigungsfeld ihnen bietet, und von denen ein Schachspieler mit einem gesunden Verhältnis zu seinem Hobby eine Vielzahl aufzählen und mit persönlichen Geschichten in Verbindung setzen kann, überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Problemfälle gibt es im Schach wie in anderen Bereichen auch, aber sie sind in der Minderheit und stoßen auch hier durchaus auf Gegenwind. Die krampfhafte Verallgemeinerung dieser Problemfälle mit ihrer Übertragung auf die Mehrheit, oder noch schlimmer, auf die gesamte Schachszene (vgl. "Sekte" - Schneider), ist in der Außendarstellung verheerend, und es ist wohl Ilja Schneider zu verdanken, daß die ohnehin schon absurde Fragestellung, ob Schach unglücklich mache, tatsächlich diese begeisternd morbide Note erhält.

Beitrag von SchwarzerRitter

Guten Abend,ich habe es jetzt nur überflogen und am ehesten fällt mir dazu eine Einschätzung Platons aus seiner Politeia ein, die ich aber so in abgewandelter Form auch bei verschiedenen anderen Autoren schon gefunden habe. Icvh meine auch im Vorwort von Das Schachspiel von Tarrasch.Platon lobt das Denken und möchte die Philosophen deshalb zu den Herrschern erklären. Philosophie ist wörtlich die Liebe zum Denken.Ein paar Argumente:1. Denken oder Schachspielen ist stofflich unabhängig. Also erlöst die Freude daran von Habgier und macht genügsam.Wir fressen nicht täglich ein oder zwei Schachbretter mit Figurensatz auf. Einmal ein Brett besorgt genügt oder wir spielen gleich blind im Geiste.Überall verderben die Menschen ihren Charakter, weil sie aus Habgier zu Sachen getrieben werden, die man nicht tun sollte. Schachspieler kennen keine Beschaffungskriminalität.2. Denken vergrößert die Freude am Denken.Umso besser man im Schachspiel bescheid weiß, umso größer wird die Freude daran, weil man immer mehr Dinge entdeckt und immer mehr Anknüpfungspunkt erkennt. Jedes Schachspiel/Schachtraining sammelt sich quasi im Geist als Erfahrung an.Bei Drogen ist es quasi umgekehrt: Die Dosis muss erhöht werden. Drogen sind stofflich und darum ein Rein-raus-Mechanismus. Es bleibt nichts zurück. Ein Bier trinken. Alkohol kommt in den Körper. Der Alkohol wird abgebaut. Also wieder raus aus dem Körper. Nächstes Bier muss geöffnet werden, um den abgebauten Alkohol wieder aufzufüllen. ... Schach dagegen ist eher so: Ich mache einen Fehler im vierten Zug in der Eröffnung. Denke darüber nach und spiele die nächste Partie. Ich mache ein Fehler im achten Zug. Denke darüber nach und mache in der nächsten Partie einen Fehler im zehnten Zug...3. Denken hilft generell die Triebe zu zügeln.Soll heißen, wenn mir Schachspielen Spaß macht. Warum soll ich dann Heroin ausprobieren?Das einzige, was mir passieren kann ist, dass ich danach in einem Zustand versetzt bin, der mich am Schachspielen hindert. Da das streng genommen mit Alkohol das gleiche ist, führt Schachspielen eher zu einem abstinenten Lebensstil.Aber das ist ja auch bei allen Sachen so, dass gesagt wird: Wenn man Freude am Leben hat, greift man nicht/seltener zu Drogen. Drogen sind immer der schnelle und leichte Weg zum Glück, aber schnell und leicht ist es sicherlich nicht gut Schach zu spielen.So das muss reichen. Ich habe Entzug. :verschmitzt: Quatsch, aber man muss tatsächlich irgendwann mal ein Ende finden. Man könnte sonst sicherlich zwei Monate damit verbringen, um Argumente zu sammeln und ging mir jetzt ja um die wichtigsten Ideen aus Platons Politeia übers Denken, dass ich die übertrage aufs Schachspiel.Liebe Grüße

Beitrag von Kiffing

Guter Einwand, der erneut zeigt, wie absurd solche Vergleiche sind. Und ja, Du hast Recht, die hier getätigten Aussagen sind so abstrus, daß man aus dem Widerlegen gar nicht mehr herauskäme, würde man dies an dieser Stelle unbedingt als Lebensaufgabe ansehen wollen. Viele Disziplinen des Denkens, die eine gewisse Faszination ausüben, wie auch die Philosophie, die Mathematik, die Naturwissenschaften, die Musik oder die Literatur, können, sofern sie rauschhaft betrieben werden, den Protagonisten unglücklich machen bishin zum Wahnsinn treiben. Aber hier macht eben die Dosis das Gift, während beim Heroin das Gift bereits die Dosis ist. Das Belegen von Gruppen mit negativen Attributen wie Fahradfahrer sind rücksichtslos (nur in Amsterdam :D), Schüler sind faul oder Italiener sind schlampig sind in dieser Verabsolutierung falsch, weil sie, wenn überhaupt, nur ein Bestandteil der Gruppenmitglieder von vielen herausgreifen, und in dieser Form ausgrenzend sind. Aber bevor sich allzu sehr darüber gewundert wird, daß solche Attribute gegen Schachspieler wie in dem Zeit-Artikel ausgerechnet von einem Schachspieler selbst kommen, so ist das Phänomen des Selbsthasses in Gruppen bekannt. Bspw. gibt es auch Juden, die sich über die Juden als solche ähnlich äußern wie rechte Antisemiten.

Beitrag von Babylonia

Es gibt Internetsucht und es gibt Schachsucht, genauso wie es vielleicht Monopolysucht oder Kartenspielsucht gibt. Ein vernünftiges Maß der Dinge sollte angestrebt werden, so dass das normale Leben weiter funktioniert. Richtiges Dosieren und die Balance finden ist anzuraten. Babylonia

Beitrag von SchwarzerRitter

Früher gab es auch Fluchtlesen, was Lesesucht sein soll. (Vielleicht sollten Schüler sich einmal versuchen sich, mit der Sorge eine solche Sucht zu entwickeln, vor den Lektüren im Deutschunterricht zu drücken.) Es erscheint mir aufgesetzt. Jeder sollte machen, was ihm gefällt. Es ist nicht zeitgemäß seinen Nachbarn um Erlaubnis zu fragen oder sich einzuschränken, weil irgendwo so eine Sucht erfunden wird. Im Einzelfall mag der eine oder andere bestimmte Dinge übertreiben oder in stärkeren Maß tun als ihm gut tut, aber selbst da, muss der betreffende letztendlich selber entscheiden, wie er das sieht.Problematisch ist, dass es echte physische Süchte gibt und dass es angesprochene psychologische "Verhaltensstörungen"/"Zwangshandlungen" gibt und dass es dann auch noch pseudowissenschaftliche Zuschreibungen gibt. Das alles aber als Sucht in einen Topf geworfen wird. Bei den letzten beiden Sachen ist es nicht immer trennscharf, aber echte Süchte sind trennscharf und ein so großes Tabu, dass es den Charakter von Manipulation/Propaganda erhält, wenn dieser Begriff auch für die beiden zweiten Fälle benutzt wird. Nur meine Meinung.

Beitrag von Kiffing

Was würden wohl die heutigen Jugendlichen sagen, wenn sie solche Debatten aus dem 18. Jahrhundert hören, wo z. B. solche Sachen gesagt wurden wie:[QUOTE]So lange die Welt stehet, sind keine Erscheinungen so merkwürdig gewesen als in Deutschland die Romanleserey, und in Frankreich die Revolution. Diese zwey Extreme sind ziemlich zugleich mit einander großgewachsen, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Romane wohl eben so viel im Geheimen Menschen und Familien unglücklich gemacht haben, als es die so schreckbare französische Revolution öffentlich thut[/QUOTE]oder[QUOTE]Ein Buch lesen, um bloß die Zeit zu tödten, ist Hochverrath an der Menschheit, weil man ein Mittel erniedrigt, das zur Erreichung höherer Zwecke bestimmt ist[/QUOTE]oder[QUOTE]Die Lesesucht ist ein thörigter, schädlicher Mißbrauch einer sonst guten Sache, ein wirklich großes Übel, das so ansteckend ist, wie das gelbe Fieber in Philadelphia; sie ist die Quelle des sittlichen Verderbens für Kinder und Kindes Kinder.[/QUOTE]Hier könnte ich mir gut einen Ilja Schneider vorstellen, der in jener Zeit gelebt hätte, und der, selbst exzessiver Vielleser, einem Publikum gegenüber wortgewaltig sein eigenes Leid am Lesen erläutert und vor den Gefahren durch das Lesen warnt, das unglücklich mache, während die Lust auf das neue Buch mit dem Verlangen nach der nächsten Heroinspritze zu vergleichen sei. :DGegenüber der damaligen Zeit ist die Entwicklung mit immer neuen Ablenkungsmöglichkeiten natürlich schnelllebig geworden. In meiner Kindheit war der Fernseher das Verdammungsobjekt besorgter Eltern und Pädagogen schlechthin, es ging das Gespenst der quadratischen Augen um. Gleichzeitig kam bereits mit dem Computer eine neue Gefahr auf, dann kamen wir ins Internetzeitalter, und mittlerweile stehen wir im Zeitalter einer durchgängigen Verknüpfung mit der virtuellen Welt, womit ich nicht nur die Smartphones meine, sondern auch das Internet der Dinge. Ich vermute einmal, daß uns bald das Cyborgzeitalter ins Haus steht. Und allerspätestens hier muß ich gestehen, daß ich bei mir ähnliche Tendenzen festmache wie dies die Literatin und Journalistin Kathrin Passig an einem menschlichen [URL="http://www.welt.de/kultur/history/article110549077/Als-die-Lesesucht-die-Menschen-krank-machte.html"]Reaktionsschema[/URL] gegenüber sich ausbreitenden neuen Phänomenen dargestellt hatte:[QUOTE]1. Wofür soll das bitte gut sein2. Das braucht doch kein Mensch3. Die einzigen, die das wollen, sind zweifelhafte oder privilegierte Minderheiten4. Das ist ja nur eine Modeerscheinung5. Die Innovation verändert überhaupt nichts6. Die Neuerung ist zwar ganz gut, aber nicht gut genug7. Sie stürzt schwache Charaktere ins Verderben[/QUOTE]Wie sich die Zeiten wandeln. Angesichts dieses so hochgradig beschleunigten Zeitalters sehe ich, und sehen auch andere, das Lesen längst nicht mehr als Gefahr, sondern als eher entschleunigte und kontemplative Beschäftigung, die durchaus ein gutes Korrektiv gegenüber der heutigen Reizüberflutung darstellt. Insofern hat sich die Befürchtung gegenüber dem Lesen gewandelt, und zwar dahingehend, daß nicht zuviel, sondern zuwenig gelesen werde. Das Schach sehe ich da in einem ähnlichen Zusammenhang, und insofern erscheinen mir die Äußerungen Schneiders auch als so befremdlich, die über typische Befürchtungen gegenüber neuzeitlichen Phänomenen hinausgehen. Denn Schach existiert bekanntlich seit nun schon über 1500 Jahren und ist damit keine Innovation, sondern ein zeitloser Begleiter unserer Kulturen, mit dem die Gesellschaften längst gelernt haben sollten, damit umzugehen und dies vorteilhaft für sich zu nutzen.

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=Kiffing;25097]Ich vermute einmal, daß uns bald das Cyborgzeitalter ins Haus steht. [/QUOTE]Und in der Tat. Schon heute werden offenbar schon Gedankenspiele rund um die schachliche Stärke von Cyborgs veranstaltet, Tenor, der Cyborg wird unbesiegbar sein. :eek: Seht selbst: [url]http://www.bbc.com/future/story/20151201-the-cyborg-chess-players-that-cant-be-beaten?ocid=global_future_rss[/url]

Beitrag von Kampfkeks

Ich kenne diesen Ilja Schneider zwar nicht, aber der Vergleich mit einer Sucht (oder Sekten!) ist mE völlig daneben. Es gibt weder eine körperliche Abhängigkeit noch eine sektentypische Gehirnwäsche. Klar, wahrscheinlich gibt es Leute, die sich zu sehr in das Spiel reinhängen und dann ähnliche Symptome haben, wie von Ilja Schneider beschrieben. Eine echte Sucht wie Drogenabhängigkeit oder Spielsucht ist aber mal eine ganz andere Geschichte.

Beitrag von Sanpelg

[QUOTE=Kiffing;25107]Und in der Tat. Schon heute werden offenbar schon Gedankenspiele rund um die schachliche Stärke von Cyborgs veranstaltet, Tenor, der Cyborg wird unbesiegbar sein. :eek: Seht selbst: [url]http://www.bbc.com/future/story/20151201-the-cyborg-chess-players-that-cant-be-beaten?ocid=global_future_rss[/url][/QUOTE]Typischer Artikel eines Journalisten der nur über Halbwissen über das Schach besitzt. Eine Bildunterschrift lautet: "With each game played, computer programs add to their repetoire, making them tougher opponents".Das wurde ja schon in den 80ern bei den Tisch-Schachcomputern behauptet und stimmte damals schon nicht. Einzig der Umweg über Datenbanken ist heute möglich, aber nicht, wie man sich das landläufig vorstellt, das der Computer sich die Schwächen und Stärken seines menschlichen Gegners direkt beim Spiel merkt.Ausserdem gibt es den Cyborg schon längst - im Fernschach! Da ist ja schließlich die fast perfekte Symbiose aus Computer-Rechenfähigkeit und menschlicher Intuition/Positionsverständnis schon erreicht.

Beitrag von Kiffing

Der Cyborg pflanzt sich allerdings noch zusätzlich diverse computerunterstützte Hilfsmittel in seinen Körper ein, um so nicht nur bewußt, sondern auch unbewußt, seine menschlichen Qualitäten mit den immer stärker werdenden Qualitäten von Computern und dergleichen kombinieren zu können. Er ist eben halb Computer und Mensch. :D

Beitrag von Sanpelg

Das weiß ich natürlich, aber das ist ja das Witzige dass diese Zukunftsmusik im "altmodischen" Schach schon Wirklichkeit geworden ist. :hmpf:

Beitrag von Kampfkeks

Die Diskussion nimmt eine sehr interessante Wendung in Richtung Science Fiction! Meines Wissens nach sind Cyborgs (cybernetic organism) ursprünglich rein biologische Lebewesen, die aber durch Einpflanzung technischer Systeme "upgegradet" werden. Der Idealtyp eines Cyborgs wird mE am besten in der Serie "Star Trek - The Next Generation" durch die "Borg" (passender Name) dargestellt, die durch´s Universum ziehen und jede erdenkliche Lebensform "assimilieren" und ihnen diversen technischen Schnickschnack einpflanzen. Im Gegensatz zu den Cyborgs stehen die Roboter, die rein technischer Natur sind und eine Art Oberbegriff für alle Maschinen sind, die irgendeine Aufgabe erfüllen.Nehmen Roboter eine menschliche Gestalt an, spricht man von Androiden. Bestes Kino-Beispiel hierfür ist wohl der "Terminator" oder - um bei Star Trek TNG zu bleiben - der Androide "Data".Für das (computergestützte) Fernschach ist also streng genommen der Begriff Cyborg nicht korrekt, weil im Fernschachspieler keine technischen Bauteile (Schachengine) direkt eingepflanzt sind. Insofern hat Kiffing mit seinem Einwand durchaus Recht. Andererseits spielt es über die Distanz beim Fernschach keine meßbare Rolle, ob die Schachengine nun direkt eingepflanzt ist oder als externe Hilfsquelle genutzt wird. Insofern muss ich Sanpelg Recht geben, dass man CPU-nutzende Fernschachspieler durchaus mit Cyborgs vergleichen kann - obwohl sie es streng formal gesehen nicht sind.

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=Benutzername;25126]und wenn nun nach allgemeiner auffasung des begriffs cyborg ein engine nutzer i einer partie so bezeichnet ird, dann hat doch der schmied im mittelalter der einen hammer benutzt hat oder andere werkzeuge, die aber nicht teil seines organismus waren auch die bezeichnung verdient. - [/QUOTE]:lach: gefällt. :top::D

Beitrag von Kampfkeks

[QUOTE=Benutzername;25126]und wenn nun nach allgemeiner auffasung des begriffs cyborg ein engine nutzer i einer partie so bezeichnet ird, dann hat doch der schmied im mittelalter der einen hammer benutzt hat oder andere werkzeuge, die aber nicht teil seines organismus waren auch die bezeichnung verdient.[/QUOTE]Nee, glaub mir, ein mittelalterlicher Schmied ist kein Cyborg. Warum? Erstens ist der Hammer nicht im Schmied integriert und zweitens geht es bei Cyborgs um etwas komplexere Bauteile, als um einen Hammer (das würde man dann wohl eher als Prothese o.ä. bezeichnen).Einen Fernschachspieler betrachte ich ebenfalls nicht als Cyborg (ich hatte ja geschrieben, dass er es formal gesehen eben nicht ist). Allerdings sehe ich hier durchaus eine Vergleichbarkeit (ich beziehe das jetzt mal auf das Fernschach im Internet zB Chessmail): Die technische Komplexität dürfte bei einer Schachengine zweifellos vorliegen. Problematisch ist nur die fehlende Einpflanzung im Schachspieler, die nach mM aber dadurch kompensiert wird, dass der - ohnehin auf den Bildschirm starrende und sich quasi im virtuellen Raum bewegende - Spieler kaum mehr als einen Gedankenimpuls braucht, um die Schachengine per Mausklick zu starten. Vielleicht vergleichen wir hier aber auch Äpfel mit Birnen. Soll heißen: Die gängige Sci-Fi-Vorstellung eines Cyborgs ist mit den wissenschaftlich-exakten Definitionen von Kybernetik u.dgl. womöglich grundsätzlich unvereinbar.

Beitrag von Sanpelg

[QUOTE=Kampfkeks;25142]Vielleicht vergleichen wir hier aber auch Äpfel mit Birnen. Soll heißen: Die gängige Sci-Fi-Vorstellung eines Cyborgs ist mit den wissenschaftlich-exakten Definitionen von Kybernetik u.dgl. womöglich grundsätzlich unvereinbar.[/QUOTE]Das trifft den Nagel auf den Kopf (mit dem Hammer, um im Bild zu bleiben :hmpf: )

Beitrag von SchwarzerRitter

Ich habe gerade über einen Link gestolpert.[url]http://www.schach-starter.de/Schach-Biografien.html[/url]Ich weiß nicht mehr, was ich gesucht hatte. Aber sucht mal mit Strg und F nach Droge. :DEin ganz kleines bisschen erinnert es mich ja an meine Mom, die sagte, dass man ein Mindestalter für Schach braucht und es mir nicht vor meinem 10. Geburtstag beibringen wollte.PS:Ach ja, das ist nicht der Lasker, das hatte ich auch erst im Verlauf gemerkt, sondern ein Namensvetter und Fan von Lasker.