Die Zeit ist schnelllebig geworden im Spitzenschach, und so reiht sich Spitzenturnier an Spitzenturnier, wo jedes Turnier für sich alleine genommen früher durchaus als schachlicher Jahreshöhepunkt hätte fungieren können. Dieses Mal trifft sich die Elite in Moskau beim Tal-Memorial. Zwölf Tage lang wird dieses zehnköpfige Turnier uns begleiten, und zwar vom 12. Juni bis zum 24. Juni. Dafür, daß das Turnier hochinteressant werden wird, bürgen schon alleine die Namen. So wird es wieder das sehr reizvolle Fernduell zwischen Weltmeister Vishy Anand und seinem zukünftigen Herausforderer Magnus Carlsen geben. Wladimir Kramnik will auch ein Wort um den Titel mitsprechen, und auch der Sieger von Stavanger, Sergei Karjakin, und Fabiano Caruana dürften durchaus Kandidaten für den Turniersieg sein. Mit Hikaru Nakamura und Alexander Morozevich erwarten uns außerdem zwei Angriffsspezialisten, die nur darauf lauern, den Favoriten ein Bein zu stellen. Für Qualität bürgen des weiteren Shakhriyar Mamedyarov aus Aserbaidschan, der letzte WM-Finalist Boris Gelfand, aber auch Dmitry Andreikin, der mit aktuell 2713 Elo wie alle anderen Teilnehmer zu den Super-GMs zählt. Es wird kein leichtes Spiel geben, für die Teilnehmer ist in allen Partien höchste Konzentration angesagt, jedes Spiel ist ein Finale. Wir werden einiges zu sehen bekommen, dieses Versprechen kann bedenkenlos schon vor dem Turnier gegeben werden! Die Informationen zum Turnier mit Kibitzfunktion findet ihr hier: [url]http://www.chess-international.de/[/url]
Beitrag von Kiffing
Zwei Tage vor Beginn des Turniers zur Einstimmung die Tabelle vom letzten Tal-Memorial 2012: [url]http://en.wikipedia.org/wiki/Tal_Memorial#2012[/url]Magnus Carlsen gewann also schon letztes Jahr dieses Turnier mit einem klassischen Karpov-Ergebnis mit +2,=7,-0. Bei der bisher sechsthöchsten Elo-Performanze (2776), die jemals bei einem Schachturnier erreicht wurde, konnte der junge Himmelstürmer aber damit gut leben. Er ist somit dieses Jahr der Titelverteidiger!Es wird ab übermorgen in Dreitagesblöcken gespielt mit jeweils einem Tag Pause danach. Spielbeginn ist jeweils 13:00 MEZ. Nur der letzte Spieltag beginnt zwei Stunden früher. Remisvereinbarungen sind erst ab dem 41. Zug zugelassen.
Beitrag von Kiffing
Leider beginnt das Turnier offenbar erst einen Tag später als angekündigt, denn heute wird nur geblitzt. Als Kandidaten für die Sichtung der Livepartien kommen offenbar die [URL="http://online.russiachess.org/"]offizielle Turnierhomepage[/URL] und [URL="http://www.chessdom.com/tal-memorial-2013-live/"]Chessdom[/URL] in Betracht. Ich muß morgen mal gucken, welches mir mehr zusagt.
Beitrag von zugzwang
Ein Freund eigener Blitzpartien bin ich nicht. Da darf es gern 10 oder15 min sein.Aber ein Blitzturnier der Weltklasse verfolge ich umso lieber.Und die Auslosung mit einer +1-Weißpartie über so ein Auftaktturnier zu bestimmen, wie auch in Stavanger, finde ich sehr ansprechend.
Beitrag von Zapp Brannigan
die frage ist nur, ob 1 weisspartie mehr wirklich ein vorteil ist, wenn die anzahl der schwarzsiege einer der tie-breaks ist :denknach:
Beitrag von Kiffing
Liebe Schachfreunde,soeben ist der Startschuß für das Turnier gefallen. Seit genau 13:00 MEZ laufen die Partien der ersten Runde! Ich verfolge die Partien über [url]http://www.chessdom.com/[/url].Zu sehen sind die Spiele:Anand - CaruanaAndreikin - MorozevichCarlsen - KramnikGelfand - KarjakinNakamura - Mamedyarov
Beitrag von zugzwang
Die pöhse russische Wettmafia muß Naka ja mächtig unter Druck:döner: gesetzt haben, damit dieser seine Rochadestellung derart zur Ader läßt:orkan: wie geschehen.Wenn irgendwo auf der Welt 1000(0) Dollar gewettet wurde, daß Naka heute ein Springeropfer auf f2 reingeballert bekommt, dann weiß man Bescheid:kaikiste: ....
Beitrag von Kiffing
Die erste Runde im Tal Memorial verlief verheißungsvoll. Magnus Carlsen, den viele als Kronprinzen des „alternden“ Vishy Anand sehen, hat sich heute ein Denkmal aufgesetzt. Selbst gegen den Super-Techniker Wladimir Kramnik gelang es Magnus Carlsen, seine besondere Stärke der „Knettechnik“ auszuspielen, indem er in einem ausgeglichenen Endspiel zwei Bauern erobern konnte, was zum Sieg natürlich ausreichte. Wladimir Kramnik kämpfte noch lange, aber Magnus Carlsen zog seine Gewinnführung bis zum Ende kompromißlos durch. Taktische Tricks rund um den falschen Läufer mit Randbauern halfen dem PCA-Weltmeister von 2000 auch nicht weiter. Umgekehrt erging es dagegen dem Weltmeister, der heute eine böse Null mit Weiß gegen Fabiano Caruana einstecken mußte. In einem anspruchsvollen Spanier kam Vishy Anand recht früh vom rechten Wege ab. Der Weltmeister hätte wahrscheinlich den Flügelangriff 20. ...g5 direkt mit dem thematischen Gegenschlag im Zentrum 21. d4 beantworten müssen. Der Springerrückzug 21. Sh2 spielte nur seinem Gegner in die Hände, der nach den darauf folgenden Verwicklungen, bei denen der an den Rand gesetzte Springer natürlich fehlte, die Stärke des Läuferpaars voll ausspielen konnte, das ihm im Endspiel den entscheidenden Vorteil gab, den Caruana gekonnt und schön verwertete. Wie von zugzwang schon angesprochen, erlebte Hikaru Nakamura heute ein böses Erwachen. Sein Gegner Shakhriyar Mamedyarov, der die schwarzen Steine führte, hatte in dieser Partie von Anfang an ein Händchen, was die Aktivierung der eigenen Figuren anging. Spätestens nach dem starken Zentralvorstoß 10. ...e5 konnte er sein Konzept durchsetzen. Gegen den früh in die Defensive gedrängten Nakamura, der trotzdem und womöglich nicht stellungsgerecht mit 13. Sg5 aktiv spielen wollte, fand er dann auch mit einem bildhübschen Springeropfer auf f2 ein taktisches Mittel, das sich als zündend erwies. Wie zu Attilas Zeiten fielen nun die wilden Horden in sein Lager hinein und machten dem US-Japaner unbarmherzig den Garaus. Zwei weitere tollen Partien waren die Begegnungen Andreikin gegen Morozevich und Gelfand gegen Karjakin, die sich jeweils nichts schenkten, ihre eigenen Pläne jeweils durchzusetzen trachteten, sich aber gegenseitig neutralisierten, so daß es am Ende zwei Remis der anspruchsvollen Sorte gab. Heute hat jede Partie Spaß gemacht, und so darf es gerne weitergehen! :)[Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "1"][White "Vishy Anand"][Black "Fabiano Caruana"][Result "0-1"][PlyCount "96"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-OBe7 6. Re1 b5 7. Bb3 O-O 8. h3 Bb7 9. d3 d5 10. exd5 Nxd5 11. Nbd2 f6 12. c3Kh8 13. Bc2 Qd7 14. Nb3 a5 15. a4 bxa4 16. Rxa4 Ncb4 17. Rxa5 Nxc2 18. Qxc2 Nb619. Rxa8 Rxa8 20. Nbd2 g5 21. Nh2 Rd8 22. d4 exd4 23. cxd4 Bb4 24. Re2 Qxd4 25.Ndf1 Qc5 26. Qxc5 Bxc5 27. Rc2 Bd6 28. Ng4 Kg7 29. Bd2 Kg6 30. Nge3 f5 31. Nc4Nxc4 32. Rxc4 Ra8 33. Rc1 f4 34. Bc3 h5 35. Nd2 Bd5 36. f3 Bc5+ 37. Kf1 Be3 38.Ke2 Bc4+ 39. Ke1 Re8 40. Kd1 Bxd2 41. Kxd2 Re2+ 42. Kd1 Rxg2 43. Bd4 Be2+ 44.Ke1 Bxf3 45. Rxc7 Re2+ 46. Kf1 Rh2 47. Rg7+ Kf5 48. Be5 Kxe5 *[Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "1"][White "Hikaru Nakamura"][Black "Shakhriyar Mamedyarov"][Result "0-1"][PlyCount "62"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 d5 4. Nc3 Bb4 5. Qa4+Nc6 6. e3 O-O 7. Bd2 dxc4 8. Bxc4 a6 9. O-O Bd6 10. Rad1 e5 11. dxe5 Nxe5 12.Be2 Qe7 13. Ng5 Bf5 14. e4 Bd7 15. Qc2 h6 16. Nf3 Rfe8 17. Rfe1 Rad8 18. g3Neg4 19. h3 Nxf2 20. Kxf2 Bxh3 21. Kg1 Bxg3 22. Bf1 Bxe1 23. Rxe1 Bg4 24. Bg2Bxf3 25. Bxf3 Qd6 26. Re2 Qg3+ 27. Bg2 Ng4 28. Nd1 Re6 29. Ne3 Rc6 30. Qb1 Qh2+31. Kf1 Qf4+ *[Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "1"][White "Magnus Carlsen"][Black "Wladimir Kramnik"][Result "1-0"][PlyCount "143"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. d4 Nf6 2. Bg5 d5 3. e3 c5 4. Bxf6 gxf6 5.dxc5 e6 6. Nf3 Nd7 7. c4 dxc4 8. c6 Nb6 9. Nbd2 c3 10. bxc3 bxc6 11. Qc2 Bg712. Bd3 f5 13. e4 Qf6 14. Rc1 O-O 15. O-O c5 16. Rfe1 Rd8 17. a4 c4 18. Bf1fxe4 19. Nxe4 Qf5 20. Nd4 Bxd4 21. cxd4 Bb7 22. Nc5 Qxc2 23. Rxc2 Bc6 24. a5Rxd4 25. axb6 axb6 26. Nxe6 fxe6 27. Bxc4 Bd7 28. h3 Kf7 29. Bb3 Ke7 30. Rce2Rd6 31. Re4 Ra3 32. R1e3 h5 33. Rh4 Be8 34. Kh2 Bg6 35. Rb4 Kf6 36. Kg3 e5 37.Kh4 Rd4+ 38. Rxd4 exd4 39. Re6+ Kg7 40. Rxb6 d3 41. Bd1 Ra2 42. Kg3 h4+ 43.Kxh4 Rxf2 44. Kg3 Rf6 45. Rxf6 Kxf6 46. Kf4 d2 47. Ke3 Ke5 48. g3 Bf5 49. h4Be6 50. Kxd2 Ke4 51. Ke2 Bg4+ 52. Ke1 Be6 53. Kf2 Ke5 54. Ke3 Bd7 55. Bc2 Bg456. Bg6 Bd7 57. h5 Kf6 58. Kf4 Be6 59. Be4 Kg7 60. Kg5 Bd7 61. h6+ Kh8 62. Kf4Be6 63. Bf5 Bf7 64. g4 Bh5 65. g5 Kg8 66. Be6+ Kh7 67. Kf5 Bg6+ 68. Kf6 Kh8 69.Bd7 Bh5 70. Bc6 Kh7 71. Bd5 Bg6 72. Bg8+ *
Beitrag von zugzwang
Auffallend war, daß die beiden Dominatoren des Blitzturniers noch dazu mit dem begehrteren Weiß übel ausgerutscht sind.Von Nakamura habe ich schon lange nicht mehr eine derartige Fehleinschätzung in einem frühen Stadium registriert. Es wird also wieder ein Turnier, wo er seine Kämpferqualitäten nach einem frühen Ausrutscher mobilisieren darf.Was passieren kann, wenn Naka nicht gleich ausrutscht, sah man im Blitzturnier.Wenn Naka mal einen guten Start erwischt, ist er ein heißes Eisen auf einen Turniersieg in einem großen Turnier (siehe Wijk 2011).Vishy spielte zum gefühlt 100. Mal gegen das Läuferpaar in letzter Zeit an.Hier wirkte er aber einfallslos-widerstandslos, ganz anders als er gegen Topa im WM-Kampf noch ein LL-LS-Endspiel knapp und zäh rettete.Leider wieder ein Beitrag zur Serie der unverständlicheren Partien des Weltmeisters.Allerdings darf man nicht übersehen, daß sein Gegner, der Vielspieler Caruana, immer noch zu wenig beachtet, nicht nur auf dem Weg über die 2800, sondern auch auf dem Weg zur großen Herausforderung von MC ist.Vielleicht gibt dieses Turnier schon Aufschluß, wie dicht Fabiano Caruna der Nr.1 auf den Fersen ist.Carlsen gegen Kramnik: Die zerrupfte Bauerninselstellung des Schwarzen machte optisch keinen guten Eindruck. Doch, hey, Schwarz ist Kramnik und der hatte ja auch einen Freibauern...Wieviel Anteil starkes Spiel von MC oder zu ungenaues Spiel von VK am Ergebnis hatten, kann wohl nur eine saubere Analyse und kein Schnellflug über engine-Bewertungen zeigen.Zu leicht ist man als Patzer geneigt, VK ebenfalls der Patzerei zu bezichtigen, wenn die engines lange Zeit nahezu Ausgleich anzeigten.Offensichtlich hat die Wahrung des Ausgleichs einiges an Kraft und Energie gekostet.Das Ende wirkt tatsächlich nicht besonders hartnäckig verteidigt von VK.Was wirklich war, mögen aber deutlich bessere Schachspieler herausarbeiten.Gelfand gegen Norwegensieger Karjakin: Eine Katalanisch-Variante mit dem Kampf um kleinste Vorteile. Es ist schwer vorstellbar, daß man hier wirklich etwas herausholen kann. Aus meiner Sicht ist dies eine Wahl, um sicher ohne besonderes Risiko ins Turnier zu starten. Gelfand spielt ja auch das inhaltsreichere 8. a4.Moro packt den Drachen aus und der vllt. überraschte Andreikin wählt ein ganz sicheres Abspiel (nachdem es mittlerweise bekannt und untersucht ist).So ist kein Drachenfeuerwerk möglich, aber ein solider Turnierstart für beide.Daß 3 große Kanonen gleich mal verloren haben, ist für das Turnier eigentlich gut.Aber:Bbei Vishy befürchte ich jetzt den Rückfall in den Safety-Modus.Vielleicht trainiert ja er ja WM-kompatibel: Wie kann ich nach -1 den Wettkampf wieder gefühlvoll ausgleichen, ohne volle Pulle zu riskieren?Naka als Kämpfer wird weiter angreifen, doch hat er zu Thessaloniki bereits gesagt, daß er einfach (schach)müde ist.Big Vlad als local hero müßte da schon etwas zeigen wollen, zumal Paris-St. Petersburg das Heimpublikum kaum begeisterte.Doch die Art und Weise der ersten Niederlage gegen MC muß der schwarze Riese erst einmal verdauen.
Beitrag von zugzwang
Unglaublich!:confused::ratlos:Fabiano Caruano zeigte gestern die die wirkungsweise des Läuferpaars.Und heute läßt er es nach 25 ... d5 zu, daß sein Pärchen durch 26. ... d4 zu Hälfte eingemauert wird und seine Leichtfiguren unkoordiniert rumstehen.Die Partie lief anscheinend lange nach Vorbereitung, wenn das bei Chessbomb angegebene Zeitkonto mit einem ungewöhnlich großen Zeitvorrat für den jungen Italiener stimmte. Anschließend ging jedoch nichts und ein ähnlicher "Virus" wie bei "Nakramnand" gestern lähmte Fabiano.Gratulation an Boris Gelfand, dessen Najdorf wieder einmal gegnerischer Vorbereitung trotzte!:respekt:Vladimir Kramniks heutige Partie gegen Naka ist ein Rätsel wie gestern.Plötzlich scheint ihm der Strom abgedreht zu werden.Unglaublich ...:irre2:
Beitrag von Kiffing
In der zweiten Runde standen heute zwei Siege der Nachziehenden zu Buche und es gab eine eindeutige Weichenstellung. Der bereits beim Aljechin-Memorial vor einigen Monaten in seiner Heimat einige Rätsel aufgebende Wladimir Kramnik strich heute im Match gegen Hikaru Nakamura seine zweite 0 ein und steht bereits früh in diesem Turnier mit dem Rücken zur Wand. Dabei lief für den PCA-Thronfolger des legendären Kasparovs zunächst alles nach Plan. Kramnik gewann früh den forsch nach a4 geeilten Ba4 des Gegners ohne jede Kompensation des Gegners hinnehmen zu müssen. Im Gegenteil, Kramnik setzte seinem Gegner weiter zu und verstärkte seine gute Zentralposition mit aktiven Manövern am Damenflügel. Nakamura wirkte hilflos, doch versäumte sein Gegner in dieser Phase, das Spiel zu entscheiden. 21. f4 wäre hier die richtige Strategie gewesen. Weiß gewinnt hier den Bc5, und sein starker Felderkomplex am Damenflügel sollte alle Hoffnungen des US-Japaners zerstören. Doch Kramnik entschied sich hier für das wesentlich schwächere 21. Sb6. Der Textzug bot eine gute Verteidigungsposition von Nakamura, der zwar immer noch ums Remis kämpfen mußte, aber dies nun mit guten Perspektiven tun konnte. In der Folge verlor der Russe weiter an Fahrt. Die Turmverdoppelung auf der d-Linie sah zwar gut aus, doch Nakamuras hielt mit kreativer und aktiver Verteidigung stark dagegen. Kramnik besetzte die siebte Reihe, doch Nakamura egalisierte endlich materiell. Der Charakter des Kampfes wandelte sich nun schnell. Nun war es nicht mehr Kramnik, der das Zepter des Spiels in der Hand hielt, sondern Nakamura, der noch den Bc4 erobern konnte und damit den gewaltigen Vorteil von zwei verbundenen Freibauern. Wladimir Kramnik versuchte zwar noch, das Spiel zweischneidig zu halten, doch waren die gegnerischen Möglichkeiten nun bereits mit deutlich mehr Substanz ausgestattet, und so sorgte die schwarze Bauernumwandlung für die endgültige Entscheidung. Hikaru Nakamura gleicht somit seine 0 aus dem Spiel gegen Mamedyarov aus und ist wieder im Geschäft. Boris Gelfand, der schon in der Partie gegen Sergei Karjakin überzeugen konnte, gelang hingegen ein überraschender Sieg gegen Fabiano Caruana. Dem WM-Finalisten von 2012 gegen Vishy Anand gelang es in einer interessanten Hauptvariante im Najdorf gegen den Englischen Angriff, sich Vorteile herauszuspielen. Sicherlich war sein tiefes Eröffnungsverständnis für Gelfand hier ein Schlüssel zum Erfolg, aber natürlich gehörte mehr dazu, diese Partie gegen einen so starken Gegner wie Caruana zu gewinnen. Stark ist in dieser Eröffnung 16. Sbd4, doch Caruana wählte einen anderen Weg. Offenbar unterschätzte er die Gefahren am Damenflügel, die sich nun für ihn immer unheilbringender verstärken konnte. Der Tausch des Be6 gegen den Ba2 nutzte nur Schwarz, woran auch der Tempogewinn durch das Schach nichts ändern konnte. Boris Gelfand fand hier ein Mittel, gegen den ungeschützt stehenden weißen König vorzugehen. Im 31. Zuge hätte Caruana mit Damentausch das Schlimmste verhindern konnte. Er wich aber dem schwachen Endspiel aus und behielt die Damen auf dem Brett. Er wurde unbarmherzig für seine falsche Entscheidung bestrafte. Denn die todbringende Kombination, ein Hochgenuß für die Zuschauer, folgte auf dem Fuße. Ein großer Sieg für Boris Gelfand! Die anderen Partien waren ebenfalls unterhaltsam, endeten aber Remis. Der Weltmeister kam, wie in letzter Zeit mehrmals, in ein ungünstiges Endspiel, konnte dies aber Remis halten. In der mit Spannung erwarteten Partie zwischen den beiden einstigen Wunderkindern Magnus Carlsen und Sergei Karjakin gelang es keinem von beiden, einen entscheidenden Vorteil herauszuspielen, so daß die Partie stellungsgerecht ebenfalls mit einem Remis ausklang. Erneut wurde dem Zuschauer einiges geboten. Das Turnier nimmt weiter an Fahrt auf![Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "2"][White "Fabiano Caruana"][Black "Boris Gelfand"][Result "0-1"][PlyCount "82"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6. f3 e5 7. Nb3 Be6 8. Be3 Be7 9. Qd2 O-O 10. O-O-O Nbd7 11. g4 b5 12.g5 b4 13. Ne2 Ne8 14. f4 a5 15. f5 a4 16. fxe6 axb3 17. cxb3 fxe6 18. Bh3 Rxa219. Bxe6+ Kh8 20. Ng3 Nc7 21. Bc4 Qa8 22. Rhf1 Rxf1 23. Rxf1 Ra1+ 24. Kc2 Rxf125. Bxf1 d5 26. h4 d4 27. Bg1 Ne6 28. Qe2 Ndc5 29. Qc4 Nf4 30. Qf7 Qf8 31. Qc4g6 32. Bf2 Ne2 33. Nh1 d3+ 34. Kd1 Qf3 35. Bxc5 Qxf1+ 36. Kd2 Nf4 37. Ng3 Qg2+38. Kc1 Qxg3 39. Kb1 Ne2 40. Qf7 Qe1+ 41. Ka2 Nc3+ *[Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "2"][White "Wladimir Kramnik"][Black "Hikaru Nakamura"][Result "0-1"][PlyCount "117"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. c4 Nf6 2. Nc3 g6 3. g3 Bg7 4. Bg2 O-O 5. d4d6 6. Nf3 Nbd7 7. O-O e5 8. b3 Re8 9. e4 c6 10. Be3 exd4 11. Nxd4 Nc5 12. f3Qe7 13. Re1 a5 14. Qc2 Be6 15. Rad1 a4 16. b4 Ncd7 17. Nxe6 Qxe6 18. Nxa4 Ne519. c5 Qc4 20. Qb3 dxc5 21. Nb6 Qxb3 22. axb3 Rad8 23. bxc5 Nfd7 24. Na4 Nf825. Rd6 Ne6 26. Red1 Ra8 27. h3 Nc4 28. bxc4 Rxa4 29. Rd7 Rb4 30. f4 Bf8 31.Kh2 Bxc5 32. Bc1 Ra8 33. f5 Nf8 34. R7d3 Rxc4 35. Bh6 Be7 36. R1d2 b5 37. Rf3b4 38. e5 gxf5 39. Rxf5 Ng6 40. Rdf2 Bf8 41. Bg5 b3 42. Rxf7 Rb8 43. Bf1 Rc344. e6 b2 45. Bf6 b1=Q 46. Bxc3 Qb3 47. R7f3 Bc5 48. Rb2 Qxb2+ 49. Bxb2 Rxb2+50. Bg2 Be7 51. h4 Re2 52. Rc3 c5 53. Kh3 Kg7 54. Bd5 Ne5 55. g4 Ng6 56. Rf3Bd6 57. Rf7+ Kh8 58. g5 Rh2+ 59. Kg4 *
Beitrag von Kiffing
Längst ist Magnus Carlsen seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit los. Während weiland Jose Raul Capablanca Alexander Aljechin "benötigte", um diesen Ruf zu verlieren, so ist die Gefahr der Niederlage für Magnus Carlsen in Zeiten zunehmender Verdichtung an der Spitze nicht mehr von einem einzelnen Namen abhängig. Heute verlor er gegen Fabiano Caruana. Ein Bauernopfer im 17. Zug brachte für den Norweger nicht den nötigen Ertrag. Fabiano Caruana spielte auch danach munter mit. Jeder Abtausch in der Folge kam ihm zugute, seinen Materialvorteil im Endspiel auszuspielen. Und so fanden sich beide Super-GMs später in einem klassischen Turmendspiel mit 3-3 Bauern am Königsflügel wieder, wo Caruana am Damenflügel versuchte, seinen Mehrbauern durchzubringen. Und nicht nur dort! Caruana löste diese Aufgabe trickreich und mit Bravour. Diese Partie wird noch in vielen Endspielbüchern Platz finden. Nicht besser erging es Sergei Karjakin, der gegen Hikaru Nakamura verlor. In einem Grünfelder leistete sich Karjakin mit Schwarz zwar keinen offensichtlichen Fehler. Doch ließ er es schlußendlich zu, daß sein Gegner auf d5 einen gedeckten Freibauern etablieren konnte. Dieser Vorteil genügte für den heute famos aufspielenden US-Japaner, auch wenn dieser im 42. Zug eine schöne Gewinnkombination ausließ. 42. f4+!! gxf4 43. g5+! Kf7 44. g6+! hätte für einen lehrbuchmäßigen Schluß sorgen können. Aber auch so war der Vorteil für Nakamura ausreichend. Dieselbe taktische Idee sah er Züge später, und so konnte Karjakin bei zwei vernichtenden weit vorgerückten und weit voneinander entfernten isolierten Freibauern nur noch aufgeben. Zweiter Sieg in Folge für Nakamura!Ansonsten konnte sich der Weltmeister heute in einer langen Kampfpartie gegen Morozevich durchsetzen. Morozevich opferte im 42. Zug in Gewinnabsicht einen Bauern. Doch konnte er dieses anschließend nicht bestätigen. Der Weltmeister wehrte den schwarzen Angriff ab und konnte schließlich selbst einen erfolgreichen Angriff durchführen, dem sich sein Gegner schon nicht mehr gewachsen zeigte und schnell einbrach. Ein eher schnelles Remis ergaben die Partien Kramnik gegen Mamedyarov und Gelfand gegen Andreikin, die mit Remisschaukeln jeweils das Remisangebotsverbot vor 40 Zügen unterliefen. [Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "3"][White "Vishy Anand"][Black "Alexander Morozevich"][Result "1-0"][PlyCount "119"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-OBe7 6. Re1 b5 7. Bb3 d6 8. c3 O-O 9. h3 Re8 10. d4 Bb7 11. Nbd2 Bf8 12. a3 h613. Ba2 Nb8 14. Qb3 Qd7 15. Qc2 c5 16. d5 c4 17. b3 cxb3 18. Bxb3 Qc7 19. a4Rc8 20. c4 b4 21. a5 Nbd7 22. Qb1 Rcb8 23. Bc2 Bc8 24. Ra4 Be7 25. Re3 Bd8 26.Rxb4 Qxa5 27. Ba3 Qc7 28. Rxb8 Rxb8 29. Rb3 Ra8 30. Ne1 Nc5 31. Bxc5 Qxc5 32.Nd3 Qa5 33. Qc1 Nd7 34. Ra3 Qc7 35. Ba4 Bg5 36. Bc6 Rb8 37. Qc2 f5 38. exf5 Nf639. g4 e4 40. Ne1 Qe7 41. Ng2 Qe5 42. Nf1 e3 43. Ngxe3 Bh4 44. Rb3 Rxb3 45.Qxb3 Qf4 46. Nd1 Ne4 47. Qe3 Ng5 48. Kg2 Qxc4 49. Nd2 Qc1 50. Nc3 Nf7 51. Qe8+Kh7 52. Nf3 Ne5 53. Nxh4 Qxc3 54. Ng6 Qf3+ 55. Kg1 Bxf5 56. gxf5 Qxf5 57. Nxe5dxe5 58. Qe6 Qb1+ 59. Kh2 Qc2 60. Qf7 *[Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "3"][White "Magnus Carlsen"][Black "Fabiano Caruana"][Result "0-1"][PlyCount "124"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. Nf3 Nf6 2. g3 d5 3. Bg2 c6 4. O-O Bg4 5. c4e6 6. cxd5 Bxf3 7. Bxf3 cxd5 8. Nc3 Nc6 9. d4 Be7 10. e3 O-O 11. b3 Qa5 12. Bb2Ba3 13. Qc1 Bxb2 14. Qxb2 Rfc8 15. Rac1 Ne7 16. Na4 Nd7 17. Nc5 Nxc5 18. dxc5Rxc5 19. b4 Rb5 20. a3 Qd8 21. e4 a5 22. exd5 Nxd5 23. Rc5 Qb6 24. Rxb5 Qxb525. Bxd5 exd5 26. Rc1 Re8 27. Qd4 axb4 28. axb4 h6 29. Kg2 b6 30. Rd1 Re4 31.Qxd5 Qxd5 32. Rxd5 Rxb4 33. h4 Kf8 34. Rd7 Re4 35. Rb7 Re6 36. g4 g5 37. f4gxf4 38. Kf3 Rf6 39. g5 Rc6 40. Kxf4 h5 41. Kf5 Kg7 42. Rb8 Rc5+ 43. Kf4 Rb544. Ke4 Rb1 45. Kf5 Rb2 46. Kf4 Rb4+ 47. Ke5 Kg6 48. Rg8+ Kh7 49. Rf8 Rxh4 50.Rxf7+ Kg6 51. Rf6+ Kxg5 52. Rxb6 Ra4 53. Rb8 Kg4 54. Rg8+ Kf3 55. Rf8+ Kg3 56.Rg8+ Kh2 57. Kf5 h4 58. Rh8 h3 59. Kg5 Re4 60. Kf5 Re2 61. Rg8 Rg2 62. Rd8 Rf2+*[Event "Tal Memorial 2013 Moskau"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "3"][White "Hikaru Nakamura"][Black "Sergei Karjakin"][Result "1-0"][PlyCount "103"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 d5 4. cxd5 Nxd5 5.Bd2 Bg7 6. e4 Nxc3 7. Bxc3 c5 8. d5 Bxc3+ 9. bxc3 O-O 10. Nf3 e6 11. Be2 exd512. exd5 Bg4 13. O-O Nd7 14. h3 Bxf3 15. Bxf3 Ne5 16. Be2 Qd6 17. Rb1 b6 18.Re1 Rfd8 19. Ba6 Rab8 20. c4 Nd7 21. Bb5 Nf6 22. Qe2 Rb7 23. Rb3 Nh5 24. Re3Ng7 25. g4 Kf8 26. a4 f5 27. Re5 fxg4 28. hxg4 Rf7 29. Qe3 Qf6 30. Re2 Qf4 31.Qxf4 Rxf4 32. R5e4 Rxe4 33. Rxe4 h5 34. f3 Kf7 35. Kg2 Kf6 36. Re1 g5 37. Kg3Rh8 38. Bc6 Kf7 39. d6 h4+ 40. Kh2 Kf6 41. d7 Ne6 42. Bd5 Nc7 43. Be4 Ne6 44.Bd5 Nc7 45. f4 gxf4 46. g5+ Kg6 47. Re5 Rd8 48. Be4+ Kf7 49. Bf5 Rh8 50. Kg2 a551. Kf2 f3 52. Re1 *
Beitrag von zugzwang
Das Stichwort heißt beimir immer noch unglaublich.Nicht so sehr bei Naka, der anscheinend eine saubere Positionspartie zum Sieg verdichtete. Für den bereits früher ausgelassenen hübschen, aber doch versteckten Gewinn ist die tatsächliche Gewinnführung und der herbeigeführte Zugzwang bei noch recht vollem Brett ein schöner Ausgleich.Unglaublich ist dagegen Carlsens Partie, in der er sich als aktueller Träger des "Nakramnand-Virus" darstellte. Das Bauernopfer dürfte ein taktisches Übersehen gewesen sein, bei dem MC vllt. annahm, daß sich die schwarzen Figuren verhaspeln.Für sein Niveau ist das ein bei ihm seltener Blackout und erinnert etwas an Anands verpatzten Gewinn gegen Hou Yifan in Wijk.Das Turmendspiel wickelt er dann Kramnik-like in eine Verluststellung ab.Zugegeben, ich selbst weiß nur, daß diese Stellung nur verdächtig wegen des abgeschnittenen weißen Königs ist und Caruana mußte noch einige genaue Züge finden.Ich denke aber, das Wissen um die Bewertung dieses Turmendspiels T+B gegen T sollte bei der Weltspitze fest verankert sein. Ohne die gewählte Abwicklung ließ sich zumindest hartnäckigerer Widerstand organisieren.Der Weltmeister spielte zum x-ten ohne L-Paar gegen selbiges. Dieses Mal mit Erfolg.Kramnik machte anscheinend Ernst und blitzte seine Vorbereitung herunter.Und Andreikin gibt seinen bisherigen Gegnern nur Remischancen und nicht mehr.Es verbleiben damit 3 im Turnier noch ungeschlagene Spieler.
Beitrag von Kiffing
Der vierte Spieltag in Moskau verlief wieder vielversprechend und brachte bei diesmal nur einer entschiedenen Partie Hikaru Nakamura als Tagessieger hervor. Wieder war der Sieger „schwarz“. Nakamura, der sich auch dem anziehenden Fabiano Caruana gewachsen zeigte und seinen dritten Sieg in Folge einfuhr, kommt nun immer mehr als Favorit für den Turniersieg in Betracht. Wie schon gegen Boris Gelfand erlitt Caruana mit seinem Englischen Angriff gegen die Najdorf-Variante Schiffbruch. Nakamura wählte mit 8. ...h5 ein interessantes Abspiel, das sowohl defensiv als auch offensiv gute Dienste leistet. Im Prinzip hatte der US-japanische Angriffsspezialist heute einen goldenen Tag erwischt. Seine Spielanlage war sehr tief, und sein gespieltes 8. ...h5 antizipierte bereits viele Züge im Vorfeld die schwarzen Angriffsideen, die mit 13. ...Dh4+ und der erzwungenen Schwächung 14. g3 begannen. In der Folge entwickelte sich die Partie vergleichsweise ruhig, während Caruana versuchte, am Damenflügel vorzurücken. Nakamura spielte äußerst tückisch. Zwar spielte er erst einmal Züge, welche die Stellung verlangten, aber er vergaß nie seine eigenen Ambitionen gegen den geschwächten weißen Rochadeflügel. Als Caruana seinen Königsflügel mit 27. h3 ohne Not weiter schwächte, ließ sich Nakamura nicht lange bitten. Mit der bildhübschen Sprengung 28. ...b5!! öffnete er die c-Linie, so daß sich sein Tc7 an dem schwarzen Angriff mit beteiligen konnte, und machte seinem Lf6 gleichzeitig den Weg frei, da Lxf6 nun erzwungen war wegen taktischer Probleme rund um den Bd5. Während Nakamura so gekonnt Turm und Läufer an die Front brachte, war es am Ende ein eleganter Sitestep seines Königs, der die Entscheidung brachte. Caruana gab umgehend auf, denn der andere Turm hätte ihm unabwendbar den Rest gegeben. Ein großer und kunstvoller Sieg für Nakamura, der jetzt einen Lauf hat. Von ihm ist in Moskau noch sehr viel zu erwarten!Ansonsten war Sergei Karjakin heute gegen Shakhriyar Mamedyarov kurz vor dem Sieg. Aber am Ende hatte immer das letzte nötige Quentchen dafür gefehlt. Mamedyarovs Spielanlage war dabei sehr riskant. Er opferte zeitweise zwei Bauern für Initiative, konnte aber durch seine Initiative am Ende den Materialnachteil erfolgreich kompensieren. An einer Schlüsselstelle hätte die Partie eine andere Wendung nehmen können:[FEN=1]1r4k1/p4p2/5bp1/7p/P1Q2P2/4R2P/2PB2PK/q7 w - - 0 1[/FEN]Hier wäre 25. Td3! sehr stark gewesen. Nach 25. ...Tb1 26. Td7 Th1+ 27. Kg3 h4+ 28. Kf3 (28. Kg4?? Dd1+ nebst Matt) Dd1+ 29. De2 Tf1+ 30. Ke3 kommt Schwarz nicht mehr weiter, muß die Damen tauschen und dürfte wegen Material und Stellung schnell verlieren. Offenbar behielt Karjakin in dieser komplizierten und sehr rechenintensiven Variante nicht den Überblick und scheute am Ende den Variantendschungel. Wer mag es ihm verdenken? Denn die schwarzen Schwerfiguren wirken doch sehr unangenehm gegen den eigenen König!Auch die Begegnung Morozevich gegen Kramnik war schön anzusehen. Nach einem munteren Partieverlauf verlief aber auch hier das Ende friedlich. Dimitri Andreikin vermochte ebenfalls zu überzeugen, hatte keine Angst vor großen Namen und setzte Magnus Carlsen früh unter Druck. Der Norweger gab sich aber keine Blöße und hielt die Partie sicher Remis – nicht unbedingt ein Erfolg für ihn. Ansonsten spielten der Weltmeister und sein alter Rivale Boris Gelfand zum wiederholten Male gegeneinander Remis. Das Spiel verließ nie die Remisbreite, und als sie nach 40 Zügen endlich Remis bieten durften, wurde dieses Spielergebnis auch sofort vereinbart. Damit konnten beide offenbar prima leben. [Event "Tal Memorial 2013"][Site "MyTown"][Date "????.??.??"][Round "4"][White "Fabiano Caruana"][Black "Hikaru Nakamura"][Result "0-1"][PlyCount "78"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6. f3 e5 7. Nb3 Be6 8. Be3 h5 9. Qd2 Nbd7 10. Nd5 Nxd5 11. exd5 Bf5 12.Be2 Rc8 13. Rc1 Qh4+ 14. g3 Qf6 15. O-O Be7 16. Na5 Rc7 17. Bd3 O-O 18. c4 Bxd319. Qxd3 Re8 20. b4 Bf8 21. Rce1 g6 22. Qd2 Qf5 23. a4 Nf6 24. Bb6 Rcc8 25. f4e4 26. Bd4 Rc7 27. h3 Bg7 28. Qg2 b5 29. axb5 axb5 30. Bxf6 Bxf6 31. g4 hxg432. hxg4 Bd4+ 33. Kh2 Qf6 34. Nc6 Bb6 35. g5 Qf5 36. c5 dxc5 37. Ne5 cxb4 38.d6 Rc3 39. Rxe4 Kg7 *
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19711]... Dimitri Andreikin vermochte ebenfalls zu überzeugen, hatte keine Angst vor großen Namen und setzte Magnus Carlsen früh unter Druck. Der Norweger gab sich aber keine Blöße und hielt die Partie sicher Remis – nicht unbedingt ein Erfolg für ihn. ...[/QUOTE]Magnus Carlsen hat nicht unbedingt einen so herausragenden Score gegen Altersgenossen und jüngere Spieler (Caruana, Giri, Vachier-Lagrave).Wie schwierig es ist mit Schwarz Gewinnchancen zu erhalten, wenn der Gegner aus der weißen Doppeldeckungheraus solide puncht, zeigt diese Partie.Nakas Lauf begann nach einem Desaster gegen Shaq Attack (nein nicht dieser prominente Herr [url]http://de.wikipedia.org/wiki/Shaquille_O%E2%80%99Neal[/url]) und einer 9/10-Verluststellung gegen Vlad Kramnik.Da kann man wieder sehen, welche Kräfte freigesetzt werden, wenn die Hoffnung im Kopf des Spielers verankert ist und nicht die Kismet-Einstellung das Kommando übernimmt.
Beitrag von Kiffing
Das Turnier lebt weiter von einer ungeheuren Dynamik und erzählt bisher in jedem Spieltag seine Geschichten. Top-Gesprächsthema dieser Runde dürfte die desolate Vorstellung von Weltmeister Vishy Anand gewesen sein, der sich widerstandslos von Magnus Carlsen auseinandernehmen ließ. Magnus Carlsen, dem viele nachsagen, in der Eröffnungsbehandlung dem Weltmeister unterlegen zu sein, fand diesmal schon in der Eröffnung das richtige Rezept. Er spielte ein interessantes Abspiel gegen den Nimzoinder, bei dem er Anands Nimzo-Läufer wieder zurück auf e7 „zwang“ und fortan die Initiative übernahm. Der Weltmeister spielte heute ungewohnt passiv, fast schien es, er habe sich fast schon fatalistisch in die Rolle des Verlierers gefügt. Mit 13. ...c5 hätte er noch dagegensetzen können. Er unterließ das aber, was von Carlsen umgehend ausgenutzt wurde. Nach 14. Tc1 war bereits der schwarze Damenflügel lahmgelegt, danach wurden schlechter gegen guter Läufer getauscht, und Carlsen spielte nun mit dem Damenflügel und dem Zentrum auf zwei Abschnitten des Spiels. Ohne jede Verteidigungsbereitschaft brach der Weltmeister umgehend ein und schenkte Carlsen einen mustergültigen Sieg. Seine Fans mögen beten, daß sich diese für den Weltmeister peinliche Vorstellung nicht als böses Omen für den Inder im Hinblick auf die diesjährige WM in Chennai herausstellt, daß er vom Kopf her nicht so frei ist, als daß er Magnus Carlsen unbefangen und selbstbewußt gegenübertreten kann.Wesentlich komplexer war da die zweite entschiedene Partie der 5. Runde zwischen Boris Gelfand und Alexander Morozevich. Im Wolga-Gambit spielte Morozevich ein frühes Qualitätsopfer, um Spiel auf der halboffenen e-Linie und gegen die Schwäche e3 zu bekommen. Allerdings ließ sich der letzte WM-Finalist davon nicht beeindrucken und zog seinerseits ein Spiel auf der halboffenen f-Linie auf, wo er nach einer spektakulären Abwicklung insgesamt mit einem Bauern im Plus war und auch das Stellungsübergewicht wiedererlangte. Gegen seinen neuen Trumpf, einen weit vorgerückten Freibauern auf der d-Linie, fand Morozevich kein Mittel und ließ einen schönen studienartigen Schluß von Boris Gelfand zu. Der bislang ungeschlagene Israeli verwöhnt die Schachwelt damit in diesem Turnier mit seiner zweiten Glanzpartie, die wie geschaffen für die Lehrbücher ist. Gelfand liegt nun mit 3,5 Punkten zusammen mit Hikaru Nakamura in Führung.Der gerade angesprochene gebürtige Japaner konnte seine Siegesserie somit nicht ausbauen und ließ es gegen Dmitri Andreikin mit einem schnellen Remis ruhiger angehen. Für Andreikin ist es in diesem Turnier bereits das fünfte Remis im fünften Spiel. Ebenfalls Remis endete die Begegnung Kramnik-Karjakin, wo nur das Remisvereinbarungsverbot vor dem 40. Zuge ein schnelleres Remis verhinderte, ebenso wie die Begegnung Mamedyarov gegen Caruana. Zentrale Fragestellung in dieser von beiden Seiten überaus kultiviert angelegten Partie war, ob der weiße d-Freibauer eine Stärke oder eine Schwäche darstellt. Beide Akteure beantworteten diese Frage mit einem salomonischen Sowohl-als-auch und rauchten anschließend die Friedenspfeife. Aktuelle Tabelle: [url]http://en.wikipedia.org/wiki/Tal_Memorial[/url][Event "8th Tal Memorial"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.18"][Round "5.2"][White "Carlsen, Magnus"][Black "Anand, Viswanathan"][Result "1-0"][WhiteTitle "GM"][BlackTitle "GM"][WhiteElo "2864"][BlackElo "2786"][ECO "E46"][Opening "Nimzo-Indian"][Variation "Reshevsky variation"][WhiteFideId "1503014"][BlackFideId "5000017"][EventDate "2013.06.13"]1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 Bb4 4. e3 O-O 5. Ne2 d5 6. a3 Be7 7. cxd5 Nxd5 8. Bd2Nd7 9. g3 b6 10. Nxd5 exd5 11. Bg2 Bb7 12. Bb4 Nf6 13. O-O Re8 14. Rc1 c6 15.Bxe7 Rxe7 16. Re1 Qd6 17. Nf4 Bc8 18. Qa4 Rc7 19. f3 Be6 20. e4 dxe4 21. fxe4Qd7 22. d5 cxd5 23. Qxd7 Rxd7 24. Nxe6 fxe6 25. Bh3 Kh8 26. e5 Ng8 27. Bxe6 Rdd828. Rc7 d4 29. Bd7 1-0[Event "8th Tal Memorial"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.18"][Round "5.1"][White "Gelfand, Boris"][Black "Morozevich, Alexander"][Result "1-0"][WhiteTitle "GM"][BlackTitle "GM"][WhiteElo "2755"][BlackElo "2760"][ECO "A56"][Opening "Benoni defence"][WhiteFideId "2805677"][BlackFideId "4116992"][EventDate "2013.06.13"]1. d4 Nf6 2. c4 c5 3. d5 g6 4. Nc3 Bg7 5. e4 d6 6. h3 O-O 7. Nf3 e6 8. Bd3 exd59. exd5 Re8+ 10. Be3 Rxe3+ 11. fxe3 Qe7 12. O-O Nbd7 13. Qd2 Ne5 14. Nxe5 Qxe515. Rf3 Bd7 16. Raf1 Rf8 17. Qf2 Qe7 18. Rxf6 Bxf6 19. Qxf6 Qxe3+ 20. Rf2 Qxd321. Qxd6 Bf5 22. Qxc5 b6 23. Qc7 Rc8 24. Qxa7 Qe3 25. d6 Qd4 26. Nb5 Qxc4 27.Qxb6 Qc1+ 28. Kh2 Re8 29. Qc7 Qd1 30. Rxf5 gxf5 31. d7 Rf8 32. Qg3+ Kh8 33. Qd6 1-0
Beitrag von zugzwang
Das Wechselspiel der "Sphinx" von Madras ging weiter.Die heutige Verlustpartie reiht sich in die Galerie zweier Niederlagen gegen Aronian und die verlorenen Lb5-Sizilianer gegen Carlsen und Tiviakov ein. Vielleicht kann man auch die WM-Niederlage gegen Gelfy noch dazu nehmen.Allesamt Partien, in denen Vishy vom Eröffnungsverlauf und seinen späteren ziemlich merkwürdigen Entscheidungen nicht amused gewesen sein dürfte.Ich bin gespannt, wie sich dies psychologisch auswirkt.Hat Anand wirklich ein mentales Problem gegen Carlsen oder hat er die Partiesogar geopfert, umnoch weiter in die Außenseiterrolle zu schlüpfen und Carlsen in vermutlich trügerischer Sicherheit zu wiegen.Carlsen sollte die Partie als kleines Geschenk nehmen und ihr keine große Bedeutung beimessen.Wenn das wirklich Vishys Niveau ist, dann ist dies für Carlsen im November sehr gut.Wenn nicht, dann ist es besser diesen leichten Sieg gar nicht erst im Hinterkopf zu haben, sondern sich auf ein hartes Match mit aller Energie zu konzentrieren.Moro bringt gegen Gelfy ein theoretisch bekanntes Quallenopfer.Ich weiß leider nicht, ob es als brauchbar oder zweifelhaft gilt.Nach dieser Partie dürfte es an Reputation nicht gewonnen haben.Die Eröffnung ist eine Mischung aus KID und geschlossenem Ben! Oh! Nie!.Jedenfalls wurde die Öffnung zu Ben verweigert mit exd5 und es entstand ein Stellungstyp, der auch aus dem 5. Ld3-KID (Seirawan) hervorgehen kann. Nakamura erkennt an, daß Andreikin der aktuelle Equalizer ist und bricht lieber keinen Streit vom Zaun.Shaq-Attack mit Läuferpaar kann dieses nicht voll punkten lassen.Eine sicherlich interessante Partie, die man sich ansehen kann, wenn man Carlsen-Anand verdaut hat.Was ist zur russischen Schachmacht zu sagen?Im Kandidatenturnier noch relativ stark dank der besten Leistungen von Kramnik und Svidler seit langem. Und auch Grischuk mischte mit.In Stavanger der Turniersieg des in der Ukraine ausgebildeten Sergei Karjakin. Prima.Aber beim Aljechin-Memorial erzielte kein Russe über 50% und auch jetzt liegt nur Andreikin wenigstens noch bei 50%.Ist die ehemalige Schachsupermacht nicht mehr in der Lage, einen absoluten Spitzenkönner heranzuführen?Kein Russe bei derartigen Topturnieren mit wenigstens +1? Das dürfte ein historischer Tiefstand sein.Noch 4 Runden für Mütterchen Russland.
Beitrag von Kiffing
Auch die 6. Runde des Tal Memorials stand wieder ganz im Zeichen von Vishy Anand, der auch diesmal eine unglückliche Figur machte und seine zweite Null in Folge einfuhr. In dieser einzigen entschiedenen Partie des Tages war sein Gegner der Co-Führende Hikaru Nakamura, der einen sehr frischen Eindruck machte und den Weltmeister früh attackierte. Seine ständigen Nadelstiche setzten Anand schon früh zu, der darauf nicht immer die richtigen Lösungen fand. Nach 20 Zügen hatte Anand schon zwei Bauernschwächen auf b2 und e4, und sein gespieltes 21. Lc3 machte die weiße Bauernstruktur nicht besser. Mit ähnlicher spielerischer Leichtigkeit wie gestern Magnus Carlsen verwertete Nakamura diesen Vorteil. Er wickelte in ein Springerendspiel ab, das er mühelos gewann. Hikaru Nakamura führt nun mit ganz starken 4,5/6 das Teilnehmerfeld an und meldet damit indirekt auch seine Ansprüche auf den WM-Thron in späteren Zeiten an.Sein engster Verfolger ist Boris Gelfand mit nun 4 Punkten, der auch gegen Magnus Carlsen zu überzeugen wußte. In einer sehr umkämpften und intensiven Partie wurde es am Ende Remis. Ansonsten gab es eine Seeschlange, in der Alexander Morozevich lange, aber erfolglos versuchte, seinen Mehrbauern im Turmendspiel gegen Sergei Karjakin zu verwerten. Ebenfalls ein Endspiel sahen wir zwischen Andreikin und Mamedyarov. In dieser Partie wurden früh die Figuren abgetauscht. Obwohl der Verlauf danach taktischer und komplexer wurde, wurde doch nie die Remisbreite überschritten, und so endete auch diese Partie Remis. Von den heutigen vier Remispartien am spektakulärsten war sicherlich die Begegnung zwischen Fabiano Caruana und Wladimir Kramnik, in der letzterer endlich einmal wieder seine „Spezialwaffe“ auspackte, nämlich die „Berliner Mauer“. Der Partieverlauf hatte etwas Wildromantisches an sich, bei dem Kramnik zwei Bauern für Linien öffnete und seinem Turm damit den Zugang auf das Schlüsselfeld h8 schenkte. Dies gab ihm Turm und Figur, aber Caruana hatte nun die Initiative, und er konnte sich so langfristig das Material zurückholen. Ein Remis durch Zugwiederholung beendete diese spektakuläre und höchst anmutige Partie. Auch Remispartien können ungeheuer interessant sein. Das Tal-Memorial geht nun in seine letzte Pause, die einige Teilnehmer sicherlich ganz gut gebrauchen können. Und übermorgen geht es dann los mit dem letzten Drittel dieses Turniers. :)[Event "8th Tal Mem"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.19"][Round "6"][White "Anand,V"][Black "Nakamura,Hi"][Result "0-1"][WhiteElo "2786"][BlackElo "2784"][EventDate "2013.06.13"][ECO "C60"]1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 g6 4. O-O Bg7 5. c3 a6 6. Bxc6 dxc6 7. d4 exd48. cxd4 Ne7 9. h3 O-O 10. Nc3 h6 11. Qb3 g5 12. Rd1 b6 13. a4 a5 14. Be3Ng6 15. d5 c5 16. Nb5 g4 17. hxg4 Bxg4 18. Bd2 Qd7 19. Rac1 c6 20. dxc6Qxc6 21. Bc3 Bxf3 22. gxf3 Rad8 23. Rxd8 Rxd8 24. Rd1 Rd7 25. Rxd7 Qxd7 26.Qd5 Qxd5 27. exd5 Bxc3 28. bxc3 Ne5 29. Nd6 Kf8 30. Kh2 Ke7 31. Nc8+ Kd732. Nxb6+ Kc7 33. f4 Nf3+ 34. Kg2 Nd2 35. Na8+ Kb7 36. d6 Kc6 37. Nc7 Kxd638. Nb5+ Kd5 39. Kg3 Kc4 40. Nd6+ Kxc3 41. Nxf7 c4 42. f5 Kd4 43. Nd6 Ke544. Nb5 Kxf5 45. f3 h5 0-1[Event "8th Tal Mem"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.19"][Round "6"][White "Caruana,F"][Black "Kramnik,V"][Result "1/2-1/2"][WhiteElo "2774"][BlackElo "2803"][EventDate "2013.06.13"][ECO "C67"]1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 Nf6 4. O-O Nxe4 5. d4 Nd6 6. Bxc6 dxc6 7. dxe5Nf5 8. Qxd8+ Kxd8 9. h3 Bd7 10. Rd1 Kc8 11. g4 Ne7 12. Ng5 Be8 13. f4 h514. f5 hxg4 15. hxg4 Rh4 16. Kf2 Rxg4 17. Rh1 Nxf5 18. Rh8 Bc5+ 19. Kf3 Rg120. Rxe8+ Kd7 21. Rxa8 Nd4+ 22. Ke4 Rxc1 23. b4 Bb6 24. c4 c5 25. a3 Re1+26. Kd3 Rd1+ 27. Kc3 Rc1+ 28. Kd3 Rd1+ 29. Kc3 Rc1+ 30. Kd3 1/2-1/2
Beitrag von Kiffing
Ein außergewöhnliches Turnier erlebt eine außergewöhnliche 7. Runde. Zwei Ereignisse springen dabei besonders ins Auge. Zunächst einmal wechselte der Tabellenführer. Denn im direkten Vergleich verlor Hikaru Nakamura gegen Boris Gelfand und gab so seinen halben Punktevorsprung an den Israeli weiter. Dabei hatte der hochbegabte Angriffskünstler Nakamura in diesem Turnier alle Trümpfe in der Hand. Die Favoriten Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik und Vishy Anand spielen ein schwaches Turnier. Aber wie so oft steht sich Nakamura wieder selbst im Weg. Das Zeug dafür hätte er, der beste Spieler der Welt zu werden, an der Umsetzung gibt es aber immer wieder Probleme. Und genau diese Probleme kann Boris Gelfand, der sich in seinem Spiel kaum einmal einen schwerwiegenden Fehler erlaubt, bestens ausnutzen. In einer hochinteressanten Sweshnikov-Partie zeichnete sich der Spielverlauf ab, daß Nakamura aktiv stand, mit seinen Figuren weit vorgerückt war, sich dort aber gegen eine „hypermoderne“ Spielführung von Gelfand behaupten mußte, der mit seinen zurückgezogenen Läufern eine große Wirkung entfaltete und auf seine Konterchancen lauerte. Im 31. Zug kam dann sein überfallartig vorgetragener Direktangriff auf Nakamura. Auf einmal wurde es eng um Nakamuras König, und während Nakamura sich um seinen König kümmern mußte, wurde die Partie dann auf dem anderen Brettabschnitt entschieden, wo Gelfand sich einen entfernten Freibauern bilden konnte und eine Figur gewann. Das war die Entscheidung für den Sieg, das dritte Fabelspiel für den großartig aufspielenden Boris Gelfand, der sich anscheinend in seinem dritten Frühling befindet!Der Sieg von Boris Gelfand mit Schwarz im Gipfeltreffen gegen Hikaru Nakamura hat für einen Paukenschlag in der Schachwelt gesorgt. Die Niederlage von Wladimir Kramnik mit Weiß gegen den bisherigen „Equalizer“ Dimitri Andreikin tut dies auch. Es war vor allem die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, die wieder einmal für einige Rätsel rund um die Person des Nachfolgers von Garri Kasparov auf dem PCA-Thron sorgt. Bis zum 27. Zuge nahm die Partie noch einen vollkommen normalen Verlauf. Wladimir Kramnik stand vollkommen sicher, er wurde in keiner Weise bedrängt. Und trotzdem machte er in dieser Situation den entscheidenden Fehler, der für sein Niveau schon fast unerklärlich anmutete, indem er mit seinem König einen verwegenen Zug in die Brettmitte machte. War dies als Provokation gedacht, so ging dieser Schuß gänzlich nach hinten los. Dieser verwegene Königszug wurde einfach taktisch widerlegt, wonach die Stellung von Kramnik schnell wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel. Dimitri Andreikin wird sich gefreut haben. Chancen, die der Gegner einem gibt, auch unbedrängt, wollen genutzt werden.Ansonsten konsolidierte sich der Weltmeister mit einem Remis gegen Shakhriyar Mamedyarov. Auch Magnus Carlsen kam gegen Alexander Morozevich in einem Spiel, das nie die Remisbreite verließ, nicht über ein Remis hinaus. Die interessanteste Partie der heute Remis ausgegangenen Entscheidungen war sicherlich die Seeschlange zwischen Sergei Karjakin und Fabiano Caruana, die über 138 Züge andauerte. Auch wenn es nur eine Spekulation sein mag, so bin ich mir doch ziemlich sicher, daß dieses [URL="http://www.schachburg.de/threads/1148-GM-Sergei-Karjakin-im-Interview-delikate-Einzelheiten-%C3%BCber-Super-GM-Kollegen"]berüchtigte Interview[/URL], das Sergei Karjakin der Presse vor nur wenigen Monaten gegeben hatte, und in dem dieser doch recht schlecht über seinen „nerdigen“ Kontrahenten gesprochen hatte, dazu beitrug, den Kampfgeist in dieser Partie zu seinem Kulminationspunkt zu führen. Die Stimmung zwischen beiden Konkurrenten dürfte ziemlich geladen gewesen sein. Während dieser Marathon-Veranstaltung fiel auf, daß Sergei Karjakin hier eher der aktivere Part war. Doch was er auch versuchte, all seine Angriffsbemühungen stießen auf erbitterte Gegenwehr des Italieners. So fanden sich beide in einem Endspiel wieder, das als theoretisch [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Turm-Leichtfiguren-Endspiel#Turm_und_Springer_gegen_Turm". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "ziemlich sicher remis" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] gilt, nämlich in einem Endspiel Turm und Springer gegen Turm, das Sergei Karjakin trotzdem bis zur letzten Patrone auskämpfen wollte. So gingen seine Gewinnversuche bis zum 138. Zug, bis er dann erkannte, daß er seinen Gegner in diesem Endspieltyp nicht bezwingen konnte. Nun liegt Boris Gelfand in Führung. Wird er seine Führung behaupten können?[Event "8th Tal Mem"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.21"][Round "7"][White "Nakamura,Hi"][Black "Gelfand,B"][Result "0-1"][WhiteElo "2784"][BlackElo "2755"][EventDate "2013.06.13"][ECO "B33"]1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 e5 6. Ndb5 d6 7. Bg5 a68. Na3 b5 9. Bxf6 gxf6 10. Nd5 f5 11. c4 b4 12. Nc2 fxe4 13. g3 Bg7 14. Bg2O-O 15. Bxe4 Rb8 16. b3 f5 17. Bg2 e4 18. Rb1 Qa5 19. O-O Qxa2 20. Nde3 Qa521. Qxd6 Rf6 22. Qf4 Qe5 23. Qxe5 Nxe5 24. Nd5 Rf7 25. Ncxb4 a5 26. Nc2Rfb7 27. Nce3 Nc6 28. c5 Rxb3 29. Nb6 Rxb1 30. Rxb1 Be6 31. Bf1 Bd4 32. Rb5Kf7 33. Nec4 Kg7 34. Nd6 Kf6 35. Na4 e3 36. fxe3 Bxe3+ 37. Kg2 Bd5+ 38. Kh3Rxb5 39. Bxb5 Ne5 40. Nc3 Bf3 41. Be2 Bxe2 42. Nd5+ Kg5 43. Nxe3 Ng4 44.Kg2 Nxe3+ 45. Kf2 Nc4 0-1[Event "8th Tal Mem"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.21"][Round "7"][White "Kramnik,V"][Black "Andreikin,D"][Result "0-1"][WhiteElo "2803"][BlackElo "2713"][EventDate "2013.06.13"][ECO "E00"]1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. g3 Bb4+ 4. Bd2 Bxd2+ 5. Qxd2 d5 6. Bg2 O-O 7. Nf3 c68. O-O Nbd7 9. Rc1 Qe7 10. Qe3 dxc4 11. Rxc4 Nd5 12. Qa3 Re8 13. Qxe7 Rxe714. e4 N5b6 15. Rc2 e5 16. Nbd2 a5 17. a3 g6 18. Rac1 exd4 19. Nxd4 Ne5 20.f4 Rd7 21. Ne2 Ng4 22. Nf1 Rd8 23. h3 Nf6 24. Rd2 Be6 25. Kf2 Na4 26. Rcc2Nd7 27. Ke3 Bb3 28. Rc1 Ndb6 29. Rd4 c5 30. Rxd8+ Rxd8 31. e5 Nc4+ 32. Kf3Naxb2 33. Nc3 Nxa3 34. Ne3 b5 35. Ne4 Nd3 36. Rh1 Nc2 37. Nxc2 Bxc2 38. h4b4 39. h5 gxh5 40. Nf6+ Kf8 41. Ke3 b3 42. Nd5 0-1
Beitrag von Kiffing
Das Tal-Memorial wird kurz vor Schluß noch einmal so richtig spannend. In einem Spitzenspiel schlug der bislang relativ blaß gebliebene Magnus Carlsen den lange Zeit führenden Hikaru Nakamura und spült sich unmittelbar vor Schluß doch noch ins Rampenlicht der Favoriten. Weil Boris Gelfand gegen Shakhriyar Memedyarov nicht über ein Remis herauskam ist der Norweger nun eine Runde vor Schluß mit einem halben Punkt Rückstand der ärgste Verfolger des bislang so großartig aufspielenden Israeli!In einer Englischen Partie mit frühem Königsläuferfianchetto Carlsens, unterliefen Nakamura schon in der frühen Eröffnungsphase einige strategische Ungenauigkeiten. Seine Aktionen am Damenflügel konnten von Carlsen einfach ignoriert werden, der mit dem hebelnden Zentralvorstoß 13. d5 gegen Nakamuras unrochierten König schon früh seinen Gegner stören konnte. Nakamuras Lösung, den Be6 einfach vorzuziehen, mag menschlich verständlich gewesen sein. Tatsächlich war es aber nicht die beste Antwort, weil der Bd5 nun wie ein Pfahl im Fleisch des Gegners wirkte und Nakamuras Spiel behinderte. Doch noch schlimmer wirkte für Nakamura die Tatsache, daß dieser weiße Spitzenbauer schnell die Unterstützung des weißen e-Bauerns bekam, so daß Weiß bereits gefährlich mit einem weit vorgerückten mobilen Bauernzentrum spielte. Nakamura stand bereits in dieser Partiephase mit dem Rücken zur Wand. Doch Carlsen ist bei diesem Turnier noch nicht ganz in der alten Form. Könnte man früher erwarten, daß Carlsen solch einen gewaltigen Vorteil sicher nach Hause bringt, so schwächelte Carlsen nun, denn seine Abwicklung in ein Endspiel mit Qualität gegen Bauern war hier bei weitem nicht die stärkste Verwertung des Vorteils. Doch es blieb bei dieser kleinen Schwächephase. Denn Nakamura behandelte das folgende Endspiel desolat und verlor gegen den norwegischen Endspielspezialisten schnell. Eine nicht immer fehlerfreie, aber sehr aspektreiche Partie auf hohem Schwierigkeitsgrad, die sicherlich viele Zuschauer begeisterte. Durch das gleichzeitige Remis von Boris Gelfand gegen Shakhriyar Mamedyarov hat sich Magnus Carlsen also einen halben Punkt an den Israeli herangepirscht. Boris Gelfand kann man aber nur schwerlich vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Die Partie war zwar nur kurz, aber sehr intensiv und immer heiß umkämpft. Beide Spieler waren sich heute ebenbürtig.Neben Magnus Carlsen gewann heute Fabiano Caruana, der sich mit Schwarz gegen Alexander Morozevich durchsetzen konnte. Im Vierspringerspiel gab Morozevich nach einer Abtauschaktion sein Läuferpaar für die bessere Bauernstruktur. Dieses Strategem war nun der rote Faden in dieser Partie. In diesem Spiel zeigte sich, daß Läuferpaar und aktives Spiel der besseren Bauernstruktur vorzuziehen war. Im späten Mittelspiel griff Morozevich dann an, nagelte den weißen Monarchen mit seinen Läufern auf der Brettmitte fest und spielte das gefährliche 37. ...c4! Alexander Morozevich wollte hier nicht die b-Linie für den schwarzen Turm öffnen, weil er Schlimmstes für seinen König befürchtete. Tatsächlich kann er sich hier aber noch retten mit 38. bxc4! Tb8 39. Sxf6! und die Partie wird Remis durch Dauerschach. Den Bc4 aber weiter vorziehen zu lassen, verlor sofort die Partie. Der durch Läufer ausreichend unterstützte Freibauer entschied daraufhin natürlich die Partie.Ansonsten konnte Dimitri Andreikin mit einem Remis gegen Sergei Karjakin erneut überzeugen. Die beiden erfahrenen Weltklassespieler Vishy Anand und Wladimir Kramnik schätzen und respektieren sich gegenseitig. So nimmt es kein Wunder, daß sie heute überaus friedlich gestimmt waren. Für sie geht es ja um nichts mehr. Morgen steht die Entscheidung an. Magnus Carlsen spielt mit Schwarz gegen Shakhriyar Mamedyarov, während Boris Gelfand sich ebenfalls als Schwarzer mit Wladimir Kramnik auseinandersetzen muß. [Event "8th Tal Mem"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.22"][Round "8"][White "Carlsen,M"][Black "Nakamura,Hi"][Result "1-0"][WhiteElo "2864"][BlackElo "2784"][EventDate "2013.06.13"][ECO "A13"]1. c4 e6 2. g3 d5 3. Bg2 c6 4. Qc2 Nf6 5. Nf3 dxc4 6. Qxc4 b5 7. Qb3 Bb7 8.O-O Nbd7 9. d4 a6 10. Ne5 Qb6 11. Be3 c5 12. Nxd7 Nxd7 13. d5 e5 14. a4 b415. Nd2 Bd6 16. Nc4 Qc7 17. f4 O-O 18. Rac1 exf4 19. Bxf4 Bxf4 20. gxf4 a521. e4 Rae8 22. e5 Ba6 23. Rfe1 Kh8 24. Nd6 Re7 25. Qe3 Qd8 26. b3 g5 27.Kh1 Qb8 28. Qf2 gxf4 29. Qxf4 Bd3 30. Re3 Bg6 31. Rf1 Rxe5 32. Rxe5 Qxd633. Re8 Qxf4 34. Rxf8+ Kg7 35. Rxf4 Kxf8 36. d6 Ne5 37. Bf1 Bc2 38. Bb5 f539. Kg2 c4 40. Bxc4 Be4+ 41. Kg3 Nxc4 42. bxc4 Ke8 43. c5 Bc6 44. Rxf5 Bxa445. Re5+ Kd8 46. Re7 Bc6 47. Rc7 1-0[Event "8th Tal Mem"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.22"][Round "8"][White "Morozevich,A"][Black "Caruana,F"][Result "0-1"][WhiteElo "2760"][BlackElo "2774"][EventDate "2013.06.13"][ECO "C47"]1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Nc3 Nf6 4. d4 exd4 5. Nxd4 Bb4 6. Nxc6 bxc6 7. Bd3d5 8. exd5 cxd5 9. O-O O-O 10. h3 c6 11. Qf3 Re8 12. Bg5 h6 13. Bxf6 Qxf614. Qxf6 gxf6 15. Ne2 Bd6 16. Rad1 Be6 17. Ng3 Rab8 18. Nh5 Be5 19. b3 Kf820. f4 Bb2 21. Rf3 c5 22. Bh7 Rb6 23. c3 Bc8 24. Rg3 d4 25. cxd4 Bxd4+ 26.Kh2 Bd7 27. Rg8+ Ke7 28. Re1+ Re6 29. Rxe6+ fxe6 30. Rg7+ Kd6 31. Rg6 Rh832. Rxh6 Bb5 33. g4 Bd3 34. f5 Be5+ 35. Kg2 Be4+ 36. Kf2 Bd4+ 37. Ke2 c438. g5 c3 39. Ng3 c2 40. Nxe4+ Ke5 0-1
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19824]...Es war vor allem die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, die wieder einmal für einige Rätsel rund um die Person des Nachfolgers von Garri Kasparov auf dem PCA-Thron sorgt. Bis zum 27. Zuge nahm die Partie noch einen vollkommen normalen Verlauf. Wladimir Kramnik stand vollkommen sicher, er wurde in keiner Weise bedrängt. Und trotzdem machte er in dieser Situation den entscheidenden Fehler, der für sein Niveau schon fast unerklärlich anmutete, indem er mit seinem König einen verwegenen Zug in die Brettmitte machte. War dies als Provokation gedacht, so ging dieser Schuß gänzlich nach hinten los. [/QUOTE]So verwegen sah Ke3 nicht aus und es war wohl auch nicht die Königsstellung, die Schwarz den Gewinn ermöglichte.Kramnik schätzte die Felderschwächen am Damenflügel falsch ein, so da´seine Figuren verknäuelt wurden.Im Vergleich mit einigen Patzern des gerade amtierenden Weltmeisters und früherer scheint mir dieses Übersehen geradezu normal.Da lag ja kein Gewitter in der Luft, nur hatte Kramnik den falschen Sonnenschutzfaktor für diese Stellung gewählt.Naka setzt seine "klassischen" Serien fort:3:0 gegen Vishy und 0:7, (8 oder 9?!) gegen Carlsen.Vllt sollte er gegen Carlsen mal mit Schwarz WangYue-China-Beton anrühren (Spiel auf Ausgleich) und lieber mit Weiß die Dynamik suchen.Gerade seine Schwarz-Niederlagen gegen Carlsen sind heftig.Caruana und der Marsch über die 2800.Ich drücke ihm die Daumen, daß er bald die Nummer 2 der Eloliste.Der Weg zur Nummer ist doch sehr, sehr weit und wird nicht gerade kürzer.
Beitrag von Kiffing
Die letzte Runde ist gespielt, und nun steht der Sieger fest: Es gewann überraschend Boris Gelfand, ein erfahrener Haudegen, der immer zur erweiterten Weltspitze gehörte, aber eigentlich nie zur wirklichen Weltspitze. War schon seine Qualifizierung für das WM-Finale gegen Vishy Anand 2012 eine faustdicke Überraschung, so setzte er sich selbst in diesem Turnier die Krone auf. Weil Magnus Carlsen, der unbedingt gewinnen mußte, nicht über ein Remis gegen Shakhriyar Mamedyarov hinauskam, reichte dem Israeli ein Remis in der letzten Runde gegen Wladimir Kramnik. Gelfand gewann das Turnier so ungeschlagen mit stolzen 6/9. Dabei gelangen ihm drei Siege gegen Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura und Alexander Morozevich, drei wirklich richtig gute Partien, die allesamt für die Galerie waren. Der erfahrene Gelfand wollte seinen Turniersieg nicht durch ein unsicheres Vabanque-Spiel gegen Wladimir Kramnik gefährden, und so waren beide Spieler schon nach 25 Zügen mit einem Remis einverstanden. Wahrscheinlich war diese Spielanlage für Gelfand die wahrscheinlichere Option für den Turniersieg. Seine kühle Taktik ging auf. Während Gelfand also schnell remisierte, versuchte Magnus Carlsen mit einer Alles-oder-Nichts-Strategie, den Gegner mit turbulenten Entwicklungen zu überfordern. Aber diese Spielanlage liegt ihm nicht sosehr, und so war es eher der Norweger, der in ernsthafte Verlustgefahr geriet. So wäre das riskante Spiel von Carlsen schon nach 17. Lb2 Lxb2 18. Dxa8 Sd7 19. Dxa7 Lc3 20. Le4! +- wiederlegt worden. Aber Mamedyarov versäumte diese Chance, und mit viel Glück und Geschick konnte Carlsen seiner 2. Niederlage entgehen.Überraschender Tagessieger wurde dafür der bislang eher blaßgebliebene Alexander Morozevich, der mit Schwarz Hikaru Nakamura bezwingen konnte. Nakamura kassierte damit seine dritte 0 in Folge und ist damit die Wundertüte dieses Turniers, ein durchaus dramatisches Auftreten, das keinen Vergleich vor dem Auftreten von Wassili Iwantschuk beim Kandidatenturnier in London Anfang dieses Jahres zu scheuen braucht.Die gespielte Partie war wirklich lebhaft und spannend, denn beide Parteien kümmerten sich schon früh um aktives Figurenspiel und leisteten sich stets Scharmützel. Das Pendel schwang erst eindeutig zu Morozevich, als dieser einen Königsangriff von Nakamura nicht nur parieren, sondern sogar durch einen eigenen Königsangriff kontern konnte. Dieser Königsangriff war der durchschlagskräftigere der beiden Königsangriffe. Denn in der Folge, wo Morozevich vor allem auf der offenen h-Linie sehr gefährlich agierte und stets optimale Läuferunterstützung hatte, wurde Nakamura zu einem Qualitätsopfer gezwungen und verlor so, vor allem materiell, Haus und Hof, so daß Nakamura nach weiteren Abwicklungen ins Endspiel schließlich im 49. Zug den aussichtslosen Kampf einstellte. Sergei Karjakin gegen Vishy Anand und Fabiano Caruana gegen Dimitri Andreikin schlossen mit jeweils einem Remis die Endrunde des Tal Memorials von Moskau ab.Was bleibt von diesem Turnier? Das Tal-Memorial hat uns viele vergnügliche Stunden und Partien geliefert, die wir nicht so schnell vergessen werden. Insofern hat es die hohen Erwartungen erfüllt, vielleicht sogar übererfüllt. Boris Gelfand erlebt seinen dritten Frühling und hat seine Karriere um einen weiteren Erfolg bereichert. Auch wenn man Platz 2 und 5,5/9 Punkte in einem starken Feld von Magnus Carlsen nicht überbewerten sollte. Aber der lange als unbesiegbar geltende Magnus Carlsen verlor damit schon seine 4. Partie in diesem Jahr, und ihm gelang es nur ansatzweise, sich in den Vordergrund dieses Turniers zu spielen. Bis zur 7. Runde war er eher untergetaucht, und auch seine Partien hatten abgesehen von der Auftaktrunde gegen Kramnik nicht die alte Frische.Die beiden Tabellenletzten Wladimir Kramnik und Weltmeister Vishy Anand sind die Verlierer des Turniers, und viele Schachfreunde aus aller Welt werden hoffen, daß diese Performance kein böses Omen bzw. den Abgesang von zwei so sympathischen und großartigen Vertretern einer älteren Schachspielergeneration darstellt. Dazu ist es doch noch viel zu früh! Auch Sergei Karjakin, der durch seinen Turniersieg in Stavanger wieder große Erwartungen an seine Person geweckt hatte, gehört diesmal mit nur 4/9 eher zu den Verlierern des Turniers. Er wird es selbst so sehen. Der mit 2713 nominell schwächste Teilnehmer dagegen, der 23jährige Dmitri Andreikin dagegen beendete das Turnier mit ungeschlagenen 5/9 und hat damit in seiner Karriere einen weiteren großen Fortschritt erzielt. Er weiß nun, daß er auch gegen die ganz Großen super mithalten kann![Event "8th Tal Memorial"][Site "Moscow RUS"][Date "2013.06.23"][Round "9.1"][White "Nakamura, Hikaru"][Black "Morozevich, Alexander"][Result "0-1"][ECO "D30"][WhiteElo "2784"][BlackElo "2760"][PlyCount "98"][EventDate "2013.06.13"]1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 d5 4. Bg5 Bb4+ 5. Nbd2 dxc4 6. e3 b5 7. a4 c6 8. Qc2Bb7 9. Be2 Nbd7 10. O-O O-O 11. b3 c3 12. Ne4 h6 13. Bh4 g5 14. Nxf6+ Nxf6 15.Bg3 c5 16. Bxb5 Be4 17. Qe2 Rc8 18. Ba6 cxd4 19. Nxd4 Rc5 20. Rad1 Nd5 21. Nc2Qb6 22. Bc4 a5 23. Rd4 Bg6 24. h4 Rcc8 25. hxg5 hxg5 26. Rg4 Be7 27. e4 Nf4 28.Bxf4 gxf4 29. e5 Kg7 30. Bd3 Rh8 31. g3 Rh6 32. Be4 Rch8 33. Qc4 fxg3 34. Rxg3Rh4 35. Qc6 Qxc6 36. Bxc6 Bc5 37. Rc1 Rf4 38. Ne3 Bd4 39. Bb5 Kf8 40. Bc6 Bxe541. Nd1 Rb4 42. Rxg6 fxg6 43. Nxc3 Ke7 44. Bg2 Rxb3 45. Ne4 Rd8 46. Re1 Rbd347. Kf1 Rd1 48. Nc5 Rxe1+ 49. Kxe1 Rd4 0-1
Beitrag von zugzwang
Die Fülle der Weltklasseturniere dieses Jahr beansprucht nicht nur die ... Zuschauer.Als solcher bin ich für eine Sommerpause dankbar.Da soll es aber so etwas wie Dortmung geben ...Boris Gelfand ist sicherlich der überraschendste Sieger der letzten Superturniere.Eine gute Platzierung ist bei ihm immer drin, doch ein 1. Platz bei einem derartig besetzten Rundenturnier ist unerwartet.Die anderen ließen zumeist eine Feder oder mehr, während Boris Gelfand sich keine ausrupfen ließ.Während er im Kandidatenturnier nach inhaltsreichen Partien gerade von Carlsen gerupft wurde, ließ er diesmal gegen diesen nichts anbrennen (1/2).Carlsen ging in der letzten Runde nochmal volles Risiko. Auch wenn er schon früher mal das KID spielte (Sieg gegen Topa), zählt er hier bisher nicht zu den Experten.Und die Eröffnung ist auch etwas theoriehaltig, ohne allzu viele Ausfahrten gerade für Schwarz. Mit Glück und Geschick hielt er die Stellung zusammen und erzielte als einziger der "Großen" eine akzeptable Platzierung.Ein Vorderplatz und fast Turniersieg, selbst wenn die Form nicht überragend ist, zeigt seine große Konstanz.Alerdings mehren sich in der Internet-Schachwelt die stimmen, die von seinem Spiel enttäuscht sind:Wenig wirkliche Eröffnungsknaller und Überraschungen (seine Seitenpfade werden nicht mehrals Überraschung betrachtet), ausfallendes Mittelspiel und für die Betrachter wenig Diskussionsstoff gebende Endspielführung.Ja, der Garri konnte zu seiner zeit noch anders brillieren...Vielleicht ist das ein gutes Omen für MC; denn auch Tolja wurde für sein Spiel häufiger mit Unverständnis bedacht, wurde Weltmeister und erntete Turniersiege.Kramnik scheint mir, wenn nicht gesundheitlich Probleme (Rheuma) eine Rolle spielen, nach dem knappen Scheitern beim Kandidatenturnier zumindest unterbewußt Motivationsprobleme zu haben. Oder ist es das Selbstvertrauen, daß ihm einredet, es doch nicht mehr schaffen zu können. Sein Spiel enthält leider mehr Schwankungen als früher und die gegner nutzen dies auch aus.Der Weltmeister Vishy?Nach gutem Turnierstart ins Jahr geht ihm jetzt deutlicher die Luft aus.Auch seine, für Menschen ausnutzbare Fehlerquote ist gestiegen.Für den WM-Kampf braucht er aus meiner Sicht Kampfgeist und die Bereitschaft, sich richtig reinzuhängen. Mal sehen, was im November wird!