Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Zur Rolle der Engines bei Übertragungen von Schachturnieren“

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Beitrag von Kiffing

Engines sind uns bei der Verfolgung von Spitzenturnieren im Schach schon so vertraut, daß wir sie uns schon kaum wegdenken können. Sie erleichtern unsere Stellungseinschätzung, geben uns wertvolle Hinweise und helfen uns auch bei der Analyse der GM-Partien, was für das Schachverständnis wichtig ist.Der bekannte Schachblogger Ilja Schneider (vielen bekannt von seinem früheren Schachzoo), absolviert derzeit ein [URL="http://www.schachbund.de/news/interview-mit-ilja-schneider.html"]Praktikum[/URL] für die Zeit und publiziert in dieser Zeit regelmäßig Berichte zu schachlichen Themen in dieser Zeitung. Vorgestern hat er sich kritisch mit der Rolle der Engines bei der Partieübertragung laufender Spitzenturniere auseinandergesetzt und sogar von einer "Entmündigung des Schachzuschauers" gesprochen. Schneider:[QUOTE]Enginebewertungen und Variantenvorschläge sind aber vor allem deswegen Betrug, weil sie dem User das verweigern, was er braucht und wofür er gekommen ist. Indem sie ihn an die Hand nehmen, sobald er die Webseite betritt, rauben sie ihm die Chance, sich selbst – mit seinen vielleicht noch so bescheidenen Mitteln – Gedanken über die Partie zu machen. Sie tragen dazu bei, dass der User sich niemals aus seiner von ihnen verursachten Unmündigkeit befreien kann. Rousseau würde sogar sagen, sie verpassen es, ihn zu seiner eigenen Freiheit zu zwingen.Zwar kann man die Tools manchmal auch abschalten, aber Menschen essen aus Bequemlichkeit auch Chips und Fertigpizza, obwohl sie niemand dazu zwingt. Im Fall des Enginekonsumenten verlieren sie dabei leider auch jeden Respekt vor den Leistungen der Sterneköche. Der Ton in einem Chat während einer Liveübertragung kann ganz schön rau sein, wenn sich computerbewaffnete Amateure über das “Rumgepatze” von Anand, Kramnik oder anderen auslassen.Doch auch für stärkere Spieler ist die neue Technologie kein Segen. Eine besonders problematische Mischung ergibt sich bei ihrer Benutzung mit Smartphones, zumindest für die Kommunikation nach einem Mannschaftskampf. Wo früher ein Brett in der Tischmitte stand und acht erwachsene Männer durcheinander Zugvorschläge brüllten und sich darum rissen, ein paar Figuren bewegen zu dürfen, sitzen nun acht Zombies und starren wortlos auf Displays unterschiedlicher Helligkeit und Größe. Manchmal erlischt bei jemandem der Akku. Dann ist der einzige Satz des Abends oft die Frage an den Nachbarn: “Kann ich bei dir mal kurz meinen Partiegraphen sehen?”[/QUOTE]Der Artikel bzw. die in ihm vertretene Meinung ist sicherlich bewußt zugespitzt, so daß ich Ilja Schneider durchaus zutraue, die Rolle der Engines bei Live-Übertragungen von Schachturnieren im Internet differenzierter zu sehen. Die in dem Artikel vorgebrachten Argumente lohnen allerdings, durchdacht zu werden, um zu den Engines ein kritischeres, distanzierteres Verhältnis zu gewinnen. Denn die Dosis macht das Gift, und nur wenn man die Engines richtig nutzt, und zwar als Hilfe und nicht als Ersatz für eigene geistige Anstrengung, kann man von ihnen wirklich profitieren. Hier gehts zum Artikel: [url]http://blog.zeit.de/schach/liveubertragung-schachzuschauer-internet/[/url]Wie denkt ihr darüber?

Beitrag von Zapp Brannigan

Der grosse vorteil der mitlaufenden engine ist, dass man sofort weiss wer besser steht ;)Ernsthaft, die mitlaufende engin ist oft ein fluch, man schaut schnell auf die partie, engine sagt +1.5 und man denkt, ah gut, weiss wird gewinnen. Wäre die engine nicht am mitlaufen würde man evtl. gar nicht bemerken wer besser steht, denn so klar wie die engine das darstellt ist es oft nicht.Was mich vor allem stört sind dann noch kommentare à la "der patzer (z.bsp. Anand) hat nicht mal den einfachen zug gefunden (irgend eine 10-zug kombination) und den sieg vergeben". Die engine verleiten dazu, diese weltklasse-spieler nicht mehr wirklich zu schätzen, denn, obwohl die so unglaublich stark spielen machen sie halt in den "augen" von engines immer noch viele fehler.Wenn ich wählen kann suche ich immer eine übertragung ohne engine, aber das ist immer schwerer zu finden