Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Entwicklungsprognose des Fischer-Bonus“

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Beitrag von Kiffing

Eine der Folgen der zunehmenden Umstellung der mechanischen Schachuhren auf die digitalen Schachuhren ist die, daß mit den Bedenkzeiten wesentlich flexibler umgegangen werden kann. So ermöglichen die digitalen Schachuhren eine Bedenkzeit, die dem Spieler zusätzlich zum Fixwert an Zeitvorrat einen Zeitbonus pro gespielten Zug ermöglicht. Diese Idee geht auf eine Anregung Robert Fischers zurück und ermöglicht es, daß die Zeitnotphase für den Schachspieler wesentlich „weicher“ ausfällt. Früher wurde damit umgegangen, daß man in fortgeschrittenen Partien jedem Spieler einfach alle 20 Züge eine weitere Stunde Bedenkzeit gutschrieb. Sollten Partien zulange dauern, konnten die Partien dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden, das waren die sogenannten Hängepartien. Doch heute, wo solche überlangen Partien als eher störend empfunden werden und Hängepartien aufgrund der Möglichkeiten der Computeranalyse abgeschafft worden sind, scheint der Fischer-Bonus das ideale Mittel zu sein, Überlänge von Partien und das Damoklesschwert der Zeitnot gleichermaßen in den Griff zu bekommen. Dafür hat der Fischer-Bonus den Nachteil, daß aufgrund der nach oben hin offenen zeitlichen Länge an Schachpartien die Planbarkeit von Turnieren erschwert wird. Doch auch wenn der Fischer-Bonus als relativ neues Phänomen für die Schachspieler erst einmal ungewohnt ist, dürfte sich der Fischer-Bonus als Erfolgsmodell weiter entwickeln und die Schachwelt lange Zeit prägen. Und auch die Schachspieler werden sich zunehmend daran gewöhnen. Der neue Weltmeister Magnus Carlsen prägt ja derzeit einen neuen kampfbetonten Stil, in dem ausgeglichene Stellungen im Mittelspiel, aber auch im Endspiel weiterhin ausgekämpft werden, was natürlich sehr leicht zu sehr vielen Zügen in einer Schachpartie selbst führt. Wenn nun bei den bekannten zwei Stunden für 40 Züge und nur eine oder eine halbe Stunde für den Rest der Partie viele dieser sehr fortgeschrittenen Stellungstypen alleine aufgrund von Zeitnot entschieden werden, ist es nicht das, was die Schachwelt will, zumal einer Schachpartie immer auch ein erheblicher wissenschaftlicher Wert beigemessen wird. Schach ist eben nicht nur Sport. Wie denkt ihr darüber und wie vermutet ihr die zukünftige Entwicklung des Fischer-Bonus?

Beitrag von ToBeFree

Naja, ganz "nach oben hin offen" ist der Zeitverbrauch nicht. ;)Ein bisschen mehr als eine halbe Stunde für 100 Züge halte ich für einen akzeptablen Bonus; man müsste dann fast 200 Züge spielen, um auch nur eine einzige Stunde über die geplante Endzeit hinaus zu spielen. Im Gegenteil: Wenn man dafür die frei verfügbare Zeit verkürzt, könnte ich mir sogar vorstellen, dass die Dauer eines Spieles besser vorausgesagt werden kann als vorher.

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=ToBeFree;21046]Naja, ganz "nach oben hin offen" ist der Zeitverbrauch nicht. ;)[/QUOTE]Wieso? Können Schachpartien nicht unendlich lang werden? :nana:Na gut, die [URL="http://www.schachburg.de/threads/614-L%C3%A4ngste-Partie-aller-Zeiten?highlight=l%E4ngste+Partie"]längste Partie aller Zeiten[/URL] soll 269 Züge gedauert haben. Aber genau solche Extremfälle, so selten sie auch auftreten mögen, können einen Zeitplan in einem Turnier, vor allem, wenn zwei Partien an einem Tag gespielt werden müssen, ganz schön durcheinanderbringen. Bei einem Fischer-Bonus von z. B. 30 Sekunden pro Zug wären das schon mal 134,5 Minuten pro Spieler und damit 269 Minuten insgesamt zusätzlich zum Fixwert. Ich bezog mich bei meiner Aussage ja auf den Fischer-Bonus, den man in der Schachsprache auch Inkrement nennt. Aber insgesamt dürfte der Fischer-Bonus recht praktikabel sein, da der Bonus ja von Turnier zu Turnier variieren kann.

Beitrag von ToBeFree

Ich hatte mit 10 Sekunden Fischer-Bonus pro Spieler (20 Sekunden pro Zug) gerechnet. :D