Moin, moin,bei mir kommt es oft vor, dass ich so etwa beim Übergang Eröffnung - Mittelspiel nicht mehr weiß:wie soll ich eigentlich weiter spielen? Welchen Plan verfolge ich?Mich würde interessieren, ob ihr bewusste "Denkmethoden" in solchgen Fällen anwendet.Hat auch sicher einen Bezug zr Stellungsbeurteilung.Was meine ich mit Denkmethoden:z.B. 1. alle Schachs prüfen2. Schlagzüge prüfen3. Gibt es in der Stellung ein taktisches Motiv?4. Hängt bei mir Material?5. Was droht?6. Welche meiner Figuren kann ich verbessern (bessere Felder..)7. Soll ich die Stellung geschlossen halten (Spannung halten) oder angreifenusw.Wie ist das bei Euch? Läuft das automatisch/unbewusst ab?Habe übrigens DWZ zwischen 930 und 1000Danke vorabJürgen
Beitrag von blunder1
Ich glaube, dass dies bewusst abläuft. Gut Schach spielen setzt auch viel Wissen voraus; erfahrene/stärkere Spieler haben eine ganze Menge Wissen "gespeichert" und können dann oft gute Züge spielen, ohne viel nachdenken zu müssen. Allerdings sollte man immer sehr konkret bleiben und nicht schablonenhaft spielen: Welche Stellung befindet sich jetzt auf dem Brett?Die ersten 4 Punkte, die Du aufzählst, sind gute Tipps für unerfahrene Spieler: Gibt es einfache taktische Drohungen, z.B. einen Doppelangriff wie ein Schachgebot mit gleichzeitigem Angriff auf eine ungedeckte Figur?Ab Punkt 5 wird es komplizierter, denn es gibt auch positionelle Drohungen, z.B. die Bauernstruktur zu schwächen.Punkt 6 und 7 betreffen bereits das Planen, was gerade unerfahrene Spieler oft überfordert, die dann einfach nicht mehr weiter wissen. Die beste Vorgehensweise besteht dann meiner Ansicht darin, sich ein gutes Lehrbuch zu besorgen und dies durchzuarbeiten.
Beitrag von Zapp Brannigan
Schachs - Schlagzüge - DrohungenIdealerweise sollte man das "unterbewusst" sehen, regelmässiges Taktiktraining hilft da (z.bsp. auf chesstempo.com)Ich habe bemerkt, dass ich Schlagzüge eigentlich immer sehe, Schachs aber ab und zu mal übersehe. Von daher frage ich mich momentan beim Taktiktraining bei jeder neuen Stellung zuerst die Frage "Hat es Schachs?" in der Hoffnung, das automatisiert sich dann mit der Zeit. Wie lange es dauert zum Automatisieren weiss ich nicht, ich habe 5 Wochen, 3 Monate oder "nach 1000 wiederholungen ist es integriert" gehört. Bei DWZ 1000 solltest du vor allem Taktik trainieren. Ich habe 1800er erlebt, die wussten nicht mal, dass es sowas wie Strategie im Schach gibt, waren aber Taktisch fitt. Umgekehrt kenne ich viele "Strategen" mit 1400-1600, welche andauernd auf taktische Tricks reinfallen.
Beitrag von blunder1
[QUOTE=Zapp Brannigan;29286]Bei DWZ 1000 solltest du vor allem Taktik trainieren.[/QUOTE]Dem stimme ich grundsätzlich zu: Ich glaube, dass die beste Art Schach zu lernen, darin besteht, sich zuerst hauptsächlich mit Taktik und einfachen Endspielen zu befassen.Allerdings geht es bei dem Thema um Planfindung und dies ist auch begründet, da man, sobald man anfängt, Partien zu spielen, auch planen muss.
Beitrag von Kampfkeks
Hi JKA,bei mir läuft das in etwa so ab:Ich checke erstmal die gegnerischen Drohungen, also ob zB eine Figur direkt angegriffen ist, eine böse Springergabel droht uswDroht taktisch nichts worauf ich unmittelbar reagieren muss, schaue ich mir die eigenen taktischen Möglichkeiten an.Ist taktisch nichts drin, dann wird strategisch-positionell weitergedacht. Für die Planfindung gibt es kein allgemein gültiges Patentrezept. Im Gegenteil, das ist eine schwierige Geschichte, zu der regalweise Bücher geschrieben wurden. Im wesentlichen läuft das so ab, dass alle positionellen Merkmale betrachtet werden (Bauernstruktur, Raumvorteil, offene Linien und Diagonalen, mögliche Springervorposten etc) und zu einem Plan kombiniert werden. In aller Regel wird häppchenweise gedacht (zb die Beherrschung einer offenen Linie oder das Schlagen/Halten eines Zentrumsbauern); einen Masterplan bis zum Matt des Gegners kann man so gut wie gar nicht entwickeln.Wenn du nach der Eröffnung planmässig nicht weiterweisst, dann helfen dir folgende Tipps evtl weiter:- Hast du deine Figuren ordentlich entwickelt? Wenn nicht, dann stell sie auf bessere Felder! Läufer brauchen freie Diagonalen, Springer weg vom Rand, Türme auf offene Linien stellen.- Überlasse dem Gegner keinesfalls das Zentrum. Verteidige also deine Zentrumsbauern und, wenn sich die Gelegenheit ergibt (oder du sie schaffst - Stichwort (Teil-)Planfindung), greife dir gegnerischen Zentrumsbauern an.- Nutze Lücken in der gegnerischen Bauernstruktur, um einen Springervorposten zu errichten. - Wenn einer deiner Läufer von eigenen Bauern blockiert ist, dann ist er in aller Regel wirkungslos. Tausche einen solchen "schlechte Läufer" ab, wenn sich die Gelegenheit bietet.- Bei Materialvorteil einfach rigoros abtauschen. Mit der verbleibenden Mehrfigur dürftest du das Endspiel für dich entscheiden- Google nach der "Richtungsregel".- Wenn du mehr langstrahlige Figuren als der Gegner besitzt (zb das Läuferpaar), dann kann es von Vorteil sein, das Zentrum zu öffnen, um die Fernwirkung voll zu entfalten.Viel Glück! ;)
Beitrag von blunder1
[QUOTE=Kampfkeks;29310]- Bei Materialvorteil einfach rigoros abtauschen.[/QUOTE]Hier erlaube ich mir eine kleine Präzisierung: Eine gute Faustregel besagt, dass man bei Materialvorteil möglichst Figuren abtauscht, aber nicht Bauern. Je weniger Bauern sich auf dem Brett befinden, desto gröβer sind die Remischancen. Das extremste Beispiel ist König + Läufer oder König + Springer gegen König, in der die Mehrfigur nicht zum Gewinn ausreicht.Auch dies ist keine absolute Regel; wie schon erwähnt, sollte man immer sehr konkret die Stellung betrachten, die sich gerade auf dem Brett befindet.
Beitrag von Pantau
Ich habe bei meinen Töchtern festgestellt, dass sie zwar schachlich schon sehr viel wissen, aber beim konkreten Denkprozess immer mal wieder schlicht patzen und dann einzügig (die Kleine) oder zweizügig (die Große) etwas einstellen, was momentan das größte "Schwerkraftmoment" ihrer DWZ darstellt. Nun wurde ich neulich inspiriert bei einem Bericht über japanische Bogenschützen, welche ja durchaus unglaublich genau ihr Ziel zu treffen vermögen. Dort wurde dargelegt, dass man Anfangs sich gar nicht auf das Ziel konzentriere und sogar ganz ohne Zielscheibe auf eine Wand schösse. Statt dessen wird an der Perfektion des Bewegungsablaufes gearbeitet, Präzision, Timing, Atmung und Kontrolle des eigenen Seelenzustands. Erst, wenn man all das im Griff hat, wird sich auf das Ziel konzentriert.Da wir nun völlig unerwartet auf die Deutsche fahren, werde ich die nächsten 6 Wochen versuchen, dies auf den Denkprozess zu übertragen. Infos dazu, was man wie tun sollte, habe ich ja (unter anderem auch hier aus dem Forum) und habe das mal alles in einen Prozessablauf fließen lassen. Ich habe zudem 6 "Spielkarten" angefertigt, welche für 6 unterschiedliche "Brillen" stehen, welche man gegenüber einer Schachstellung aufsetzen kann/muss. Jedem Schritt in meinem Prozessablauf ist nun eine dieser Spielkarten zugeordnet und diese ist beim Training auch jeweils bewusst in die Hand zu nehmen. Wichtig ist nicht, die Partie zu gewinnen, sondern bei JEDEM Zug den Ablauf einzuhalten.Mal sehen, wie das "Experiment" ausgeht...
Beitrag von blunder1
Bei deinen Töchtern würde ich Taktikübungen empfehlen, denn damit trainiert man das konkrete Denken.
Beitrag von Pantau
Klar, Taktikübungen sind eine schlichte Selbstverständlichkeit und sind auch täglich dran. Das Problem besteht jedoch darin, die konkrete Denkfähigkeit auch bei jedem Zug einzusetzen, und das sind leider zwei völlig verschiedene Dinge, wie ich auch von mir selber weiß.
Beitrag von Kampfkeks
[QUOTE=blunder1;29313]Hier erlaube ich mir eine kleine Präzisierung: Eine gute Faustregel besagt, dass man bei Materialvorteil möglichst Figuren abtauscht, aber nicht Bauern. Je weniger Bauern sich auf dem Brett befinden, desto gröβer sind die Remischancen. Das extremste Beispiel ist König + Läufer oder König + Springer gegen König, in der die Mehrfigur nicht zum Gewinn ausreicht.Auch dies ist keine absolute Regel; wie schon erwähnt, sollte man immer sehr konkret die Stellung betrachten, die sich gerade auf dem Brett befindet.[/QUOTE]Ganz genau so war das gemeint. Dank dir für dir Präzisierung! :)