Allen Gerüchten zum Trotz ist das intensive Schachjahr 2013 noch nicht vorbei. ;) Es wird bis zum Ultimo Schach gespielt. Ab Dienstags geht die Mannschafts-WM im türkischen Antalya los, mit deutscher Beteiligung, die als Europameister 2011 qualifiziert sind. Zwar ohne Uwe Bönsch, der aus familiären Gründen nicht mitreist und durch den russischen GM Konstantin Sakajew ersetzt wird. Aber da im Schach nunmal die Spieler auch in Mannschaftskämpfen wichtiger sind als der Trainer, sollte das die Lust aufs Turnier nicht ernsthaft trüben. Das Turnier umfaßt die zehn besten Nationalmannschaften der Welt und besitzt damit eine gewisse Dichte an geballter schachlicher Kompetenz. Ein humorvoller und launiger [URL="http://www.schachbund.de/news/team-germany-wieder-auf-dem-sprung.html"]Artikel[/URL] von DSB-Pressewart Olaf Steffens stimmt auf das nächste schachliche Großereignis ein. Die Frage aus deutscher Sicht: wie wird der bei der jüngst zuende gegangenen und von der WM in Chennai überlagerten Mannschaftseuropameisterschaft 2013 in Warschau so enttäuschende und entthronte Ex-Europameister auftreten? In Warschau blieb bis auf Spitzenbrett Arkadi Naiditsch jeder Nationalspieler unter Normalform.
Beitrag von Mufasa
Ein Turnier das scheinbar wenig Interesse hervorruft - gar noch weniger als die Team-EM?! Diese hatte als "Ausrede" noch den parallel laufenden Weltmeisterschaftskampf, doch die WM jetzt? Die Website war erst relativ kurzfristig online zu finden und schon in den ersten Stunden ist sie komplett abgeschmiert... für so eine Veranstaltung einfach extrem peinlich und höchst dilettantisch. :eek:Naja zum Turnier - Russland und die Ukraine müssten wenn es normal läuft den Titel unter sich ausmachen, doch auch Armenien kann als Geheimfavorit sicherlich ein Wörtchen mitreden und treten in Runde eins auch gleich mal gegen Russland an. Wenn Ägypten dagegen nicht mit null Punkten heimfährt war es wohl ein super Turnier! ;)Interessant ist sicherlich noch abzuwarten ob sich die taktische Aufstellung mit Naiditsch an vier (wenn die Meldungen denn so korrekt sind) bezahlt macht. Sollten Meier und Khenkin wirklich zu ihrer normalen (Remis-)Form finden, dann ist somit auch gegen manch stärkeres Team so einiges möglich und mit etwas Glück sogar ein Top3 Platz drin. Die Aufstellungsvariante ist auf jedenfall mal was neues und ein guter Schritt mMn - an 8 gesetzt hat man ja eh nichts zu verlieren und kann herumexperementieren!Wo hast du eigentlich die Info mit Sakajew (wer auch immer das genau sein soll :D) als Nisipeanu-Ersatz her? Ich finde dazu gerade nichts... und den "DSB-Pressewart" Steffens gibt es nicht - er berichtet für diese zwei Mannschaftsturniere auf der Seite des DSB - seine launigen Berichte bringen zwar frischen Wind in den Laden, aber das ist auch nicht jedermans Sache und ob er richtige Presseberichte (wie sie von einem Pressewart in dieser Position kommen müssen) verfassen kann weiss wohl niemand. Zu seinem Schreibstil passt das mMn nicht wirklich, der hat zuviel persönliche Note und ist somit zu emotional (was ich für solche Berichte jedoch gut finde) und wo persönlicher Stil hinführt sahen wir ja beim Vorgänger (auch wenn dort noch andere Vergehen mitspielten).Noch so als Randanmerkung zur generellen Aufstellung - die Form der Spieler (Khenkin, Fridman, Meier) zeigt schon seit dem Titelgewinn nach unten und somit war das Abschneiden in Warschau nicht wirklich verwunderlich. Das Hauptproblem dürfte momentan einfach noch sein dass eine ernsthafte Alternative zu genannten und zudem auch ein echtes zweites Brett fehlt - die Prinzen sind für so ein Turnier noch nicht reif genug (in ein/zwei Jahren evtl.).Naja, hoffentlich ergeben sich etliche spannende Partien mit der ein oder anderen Überraschung! An Spitzenschach mangelt es momentan ja wirklich nicht :v:
Beitrag von Kiffing
[QUOTE=Mufasa]Wo hast du eigentlich die Info mit Sakajew (wer auch immer das genau sein soll :D) als Nisipeanu-Ersatz her? Ich finde dazu gerade nichts... [/QUOTE]Das ist das PS in der angegebenen Quelle:[QUOTE]PS Nach Redaktionsschluss wurde bekannt, dass Uwe Bönsch aus familiären Gründen nicht zur WM nach Antalya reisen kann. Statt seiner wird der russische GM Konstantin Sakajew mitfahren.[/QUOTE]Wegen Sakajew, so hat dieser russische GM spielerisch durchaus etwas zu bieten, und insofern dürfte seine Verpflichtung ein ungeheurer Glücksfall sein (ich hoffe auch, seine taktische Aufstellungen :D). Aus [URL="http://www.chess-international.de/?p=21146"]chess-international[/URL]:[QUOTE]Sakajew ist ein russischer Grossmeister. Als Spieler war er zu seiner besten Zeit (Januar 2005) immerhin Nummer 26 der Weltrangliste mit Elo 2677; seine direkten Nachbarn (fünf Punkte hin oder her) waren damals Bologan, van Wely, Lautier, Kasimdzhanov, Nikolic, Short, Karpov und Nisipeanu. Davor war er zweimal Weltmeister: 1990 in der Altersklasse U16, 1992 bei der U18. Ausserdem hat er Erfahrungen als Trainer und Sekundant (u.a. für Kramnik). Ausserdem schrieb er diverse Eröffnungsbücher über (Semi-)Slawisch, Russisch, Damengambit und Grünfeld-Indisch.[/QUOTE]
Beitrag von zugzwang
Kamsky-Korobov - Chessbomb-Übertragung:eek:: :verlegen: Übertragungsfehler :nervous:nach dem 40.:ratlos::ratlos::confused:Edith: Ja, gerade wurde anscheinend korrigiert und die "wärmeren" Farben verschwanden...
[QUOTE=Kiffing;20996]Heute setzte es eine 0,5-3,5-Klatsche gegen Rußland. Das deutsche Team zahlte gegen die russischen Spitzenspieler also Lehrgeld, nichtsdestotrotz fand ich die überlegene Spielführung der Russen höchst interessant und tatsächlich sehr lehrreich. Die Russen wirkten auf mich spielerisch kompletter. ...[/QUOTE]Als ich gestern kurz mal reinschaute in die Partien bei beginnendem Mittelspiel (bei Naiditsch war gerade ...d4 auf dem Brett glaube ich), da meinte ich, daß das doch insgesamt ganz ordentlich aussieht:Khenkin hatte zwar kein Läuferpaar mehr, aber auch keine perspektivlos wirkende Stellung mit ganzem oder halbem Wenigerbauern wie in den Partien gegen Giri und Chucky.Insbesondere gegen Giri fragte man (im speziellen ich) sich (mich), hat er den Bauernverlust einfach verschlafen oder welche Kompensation hat er sich versprochen.Gegen Chucky hat das Schnellklicken auch nur einen müden Stellungseindruck hinterlassen - "fühlte" sich perspektivlos an, war es vllt nicht, wer weiß das schon bei Amateuroptik.Gegen Karjakin dagegen sah es erstmal besser aus und der inzwischen in "Schach" veröffentlichte "Ratsch"-Schlag, doch mal eine Alternative zu Caro-Kann gegen 1. e4 zu spielen, wurde zum 2. Mal umgesetzt. Und die "Berliner" paßt schon zum Spieler und zur Aufgabe als Vorstopper in der Mannschaft.Nun kann der Igor Khenkin aber mehr als dem gegnerischen Stürmer auf die Füße treten und auch im Fußball heißt es ja auch so schön, man muß am besten vor dem Stürmer am Ball sein oder ihn direkt bei der Ballannahme stellen/stören.Dies tat Khenkin gegen Karjakin gestern und brachte eine interessante Idee in einer dynamischeren Stellung als vorigen Runden bei ihm gesehen aufs Brett, was die Kräfteverhältnisse etwas durcheinanderwirbelte, wie ich am Abend sah.Natürlich ist Karjakin eine andere Kategorie, aber besondere Schlußfolgerungen erlaubt diese Partie weiterhin nicht. Vielleicht war es Stellungsglück oder Stellungspech, daß Schwarz nicht besser aussehen konnte mit seiner aktiven Idee.Vielleicht hatte Karjakin alles vorher gesehen, vielleicht war er aber auch von Te2 überrascht und mußte erstmal schlucken und nachdenken und finden.Prinzipiell hat mir Khenkins Spieleinstellung aber besser zugesagt als sein Weißvortrag gegen Chucky, wo er Zeit und (Bauern)Stellung "opferte", vllt. um das ukrainische Genie zu verwirren, was ja manchmal klappt.Allerdings ist es ja diese komische Partie mit den Übertragungsfehlern, wo man gar nicht so genau weiß, wie diese Bauernkonstellation wirklich aufs Brett kam (Zug 15/16).Fridman war in dieser Phase (so 19. Sc1) genau im schwarzen Plansoll und wich kein Jota davon ab. Nix Lehrstunde oder Demonstration des weißen "Nepo".Naiditsch hatte genau die Kampfstellung, die seinem Weißauftrag entspricht und alle Ergebnisse zuläßt. Es wäre vermessen zu erwarten, der deutsche Spitzenspieler könne gegen andere 2700er permanent auf Gewinn spielen und dabei nur 2 Ergebnisse zulassen.Das können die allerwenigsten regelmäßig und selbst "Big Vlad" schwächelt in dieser Beziehung in letzter Zeit. Bliebe nur noch der derzeit in anderer Elo-Kategorie Carlsen übrig, bei dem einige Zuschauer - wie ich auch - die Art des auf Gewinn spielens einfach nicht richtig erfassen können - wie bei olle Karpov annodutt eben!Der deutsche Spitzenmann an Brett 4 mühte sich also weiter und hat dann gnadenlos überzogen. Ob eine Fehleinschätzung in Zeitnot, Vabanque-Spiel aufgrund des Mannschaftkampfs eine Rolle gespielt, können besser die beurteilen, die die ganze Partie live verfolgten und nicht später nachklickte.Emotional wirkende Gewaltaktionen wie f4-f5 sind beim deutschlettischen Fireboarder aber nicht reine Ausnahme, sondern streuen sich immer mal wieder ein. Dafür mögen ihn aber auch etliche Fans, weil er riskiert und nach vorn spielt und damit auch Gefahr läuft zu überziehen.Damit hat er es bis recht dicht an die Weltspitze geschafft und ohne diese Ausrutscher nach unten wäre er schon bei 2800 nach der reinen Theorie.Ähnlich Caruana, der noch einmal eine kleine Stufe höher spielt, ist nach meiner Ansicht bei Naiditsch das Chance-Risiko-Verhältnis noch nicht optimiert, aber dafür zumeist etwas los auf dem Brett - auch und gerade in manchen Bundesligapartien, die in der Beachtung manchmal untergehen. Und dabei ist es auch einmal interessant zu sehen, wie Naiditsch in Zeitnot und komplizierter Stellung am Brett agiert - äußerlich nahezu unerschütterlich nach meiner sporadischen Beobachtung.Vitiugov hat nach meiner Einschätzung keine überlegene Spielführung demonstriert, sondern eher von den Umständen der beiderseitigen Aufgaben und der Entwicklung des Mannschaftskampfs profitiert.Damit ist nicht etwa gesagt, daß Nikita Vitiugov etwa schlecht gespielt hat. Im Gegenteil.Und auch Georg Meier war gegen Alex Grischuk im weißen Plansoll und hat eine grundsolide und ihm durchaus passende Stellung erreicht.Mit Grischuk hatte er wahrscheinlich die unangenehmste, weil kaum zu kalkulierende Aufgabe wegen des farbigen Stils und des unkonventionellen Ziehrhythmus des großen Blitzmeisters.Bei Grischuks 26. ... a5 kommt dann wirklich Farbe ins spiel und beim weiteren Verlauf folgere ich auch, daß hier ein deutscher spieler von einem stärkeren russischen Spieler wirklich überspielt wurde.Interessant war Meiers anspruchsvolles 27. bxa5, mit dem er den Bauernverbund b4-c5 auf sich zurollen ließe. Amateure wie ich hätten hier furchtsam 27. axb5 gespielt und gehofft, daß eine Konstallation mit schwarzem a-Freibauern bei 4:3 am Königsflügel und allen Schwerfiguren übrigbleibt.Auch hier wird der a-Bauer den Weißen beschäftigen und der Amateur wird leiden müssen, wenn es überhaupt zu der konstellation kommt und er nicht vorher schon etwas übersehen hat.Mein Fazit:Mit etwas mehr Selbstvertrauen und leicht besserer Form hätte auch die gestrige Mannschaft 4 ausgekämpfte Remisen erreichen können, was in Dresden 2008 eindrucksvoll gelang (mit Gusti für Meier damals).In der Mitte des Kampfes sah es jedenfalls nicht nach der letztlichen Klatsche aus.Vielleicht verlieren die Russen beim nächsten Mal ganz überraschend mal wieder Pünktchen gegen D-Land - anfällig genug dafür sind sie trotz ihrer breiten Klasse inzwischen geworden - oder auch die anderen bei prima Form eben zu stark.Ich drücke dem deutschen Team jedenfalls die Daumen, daß es gegen die USA, China oder Armenien noch ein Achtungszeichen setzt. Außenseiter sind sie, klar, aber "Russland ist nicht alle Tage".
Beitrag von Kiffing
Rußland ist jedenfalls Mannschaftsweltmeister. Deutschland erreichte nach einem Abschlußsieg gegen Aserbaidschan immerhin Platz 7. Tabelle: [url]http://de.chessbase.com/post/russland-ist-mannschaftsweltmeister[/url]Spannend wird noch die Frage sein, wer neuer Schach-Bundestrainer nach Uwe Bönsch wird. Der DSB-Präsident hatte ja erklärt, nach dem Turnierende werde die Entscheidung offiziell bekanntgegeben.