Beitrag von Qf3
Hallo an alleDie meisten Turniere mit vielen Teilnehmern werden im Schweizer System gespielt; also dass punktgleiche Spieler gegeneinander antreten. Kurz für die, die es nicht wissen:Vor der ersten Runde hat ja jeder Spieler Null Punkte, sodass keine sinnvollen Paarungen allein aufgrund der bisher erzielten Punkte erstellt werden können. Deshalb wird i.d.R. eine Rangliste gemäß Spielstärke (DWZ/Elo) gebildet. Der DWZ-stärkste Spieler hat die Startnummer eins, der zweitstärkste die Startnummer zwei usw. Dann wird das Feld in zwei Hälften geteilt. Bei bspw. 80 Teilnehmern gibt es 40 Teilnehmer der oberen Hälfte und 40 Teilnehmer der unteren Hälfte. Es spielt dann der erste der oberen Hälfte gegen den ersten der unteren Hälfte, der zweite der oberen Hälfte gegen den zweiten der unteren Hälfte usw. Also Startplatz 1 gegen 41, Startplatz 2 gegen 42 usw. Dabei kommt es (je nach Gruppenzusammensetzung) zu sehr ungleichen Begegnungen. In der ersten Runde gewinnen die Favouriten nahezu alles, während die Spieler aus der unteren Hälfte mit sehr großer Wahrscheinlichkeit verlieren.Spieler der unteren Hälfte werden dabei systematisch benachteiligt, da sie in der ersten Runde kaum punkten können. Hier gibt es die Meinung, dass diese systematische Benachteiligung unfair sei. Statt dieser systematischen Benachteiligung einer Spielergruppe, sollte richtig ausgelost werden; also ohne Erstellung einer nach Spielstärke geordneten Liste, sodass in der ersten Runde theoretisch jeder auf jeden treffen könnte. Auch da werden bestimmte Spieler bevorzugt oder benachteiligt, aber zumindest zufällig und nicht systematisch.Findet ihr das jetztige System mit der Hälftenbildung gut oder wärt ihr für eine rein zufällige Auslosung? Oder favourisiert ihr einen noch anderen Weg der Auslosung der Erstrunden-Partien?Beitrag von Babylonia
Also ich spiele ja gerne das Weihnachstopen mit und unsere Vereinsmeisterschaft läuft auch nach dem Schweizer System. Vor allem bei dem Fide Elo -Turnier lege ich Wert darauf, dass ich nicht gegen Spieler mit Elo / DWZ über 2000 gepaart werde. Das Schweizer System verhindert das nämlich. Warum soll ich meinem niedrigen Rating gegen einen Spieler mit Elo / DWZ 2300 (als Beispiel) spielen, das bringt keinem von uns beiden etwas? BabyloniaBeitrag von ToBeFree
@Babylonia: Das Schweizer System verhindert gerade das nicht unbedingt. Beispiel-Spielerliste:* Anton, 1001* Babylonia, 1258* Carl, 1401* Doris, 1601* Emil, 1801* Franziska, 2001* Gustav, 2201* Heike, 2401Du spielst in der ersten Runde gegen Franziska, nicht durch Zufall, sondern garantiert. Schuld daran ist die "Hälftenbildung", die oben beschrieben wurde.Eine zufällige Auslosung für die erste Runde würde dir hingegen einen Gegner mit durchschnittlich...(1001+1401+1601+1801+2001+2201+2401)/7 = 1772 Elo...zuweisen. Da man einen Durchschnittswert berechnen kann, stimme ich in einem Punkt nicht mit Qf3 überein: Auch diese Form von Bevorzugung oder Benachteiligung ist durchaus "systematisch" berechenbar und nicht einfach "zufällig". Interessant wäre zum Beispiel, wie sich der Durchschnittswert gegenüber dem aktuellen System in verschiedenen realistischen Situationen verhält. Möglicherweise ist die Hälftenbildung sogar das Ergebnis genau solcher Überlegungen.Ich habe einen dritten Vorschlag: Die Spieler werden nach Elo sortiert und treten genau so gegeneinander an, wie sie in der Liste stehen. Anton spielt gegen Babylonia, Carl spielt gegen Doris. Ganz ohne Zufall, immer so fair wie möglich. Dieses System muss konsequent bei Punktgleichheit auch in allen folgenden Runden durchgeführt werden. Auf Wikipedia gibt es einige Gedankenexperimente dazu:[SPOILER][SUP](von: [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_System". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_System" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] , Version vom 2018-10-06T06:36:11)[/SUP][LEFT]Besitzen nach einer Runde mehr als zwei Teilnehmer die gleiche Punktzahl, gibt es mehrere Systeme, die jeweils für die nächste Runde anzusetzenden Paarungen zu bestimmen.- Zunächst können Nebenkriterien herangezogen werden, wie der quantitative Ausgleich der Weiß- und Schwarzpartien eines Spielers, um einzelne Möglichkeiten auszuschließen.
- Losen der Paarungen: Hierdurch wird dem Zufall großer Raum eingeräumt, was leicht zu Verzerrungen des Ergebnisses führen kann.
- Paarung in der Rangliste direkt benachbarter Teilnehmer: Es wird jeweils der erste der Rangliste gegen den zweiten, der dritte gegen den vierten usw. gesetzt. Gewinnt in jeder Paarung der nominell stärkere Teilnehmer, so führen nach acht Runden und 512 Teilnehmern gemeinsam die Nummer 1 und 257 des Ausgangsfeldes, ohne dass die Nummer 257 gegen einen nominell stärkeren Teilnehmer gespielt hat. Dieses Verfahren sorgt für interessante Paarungen schon in den ersten Runden auf Kosten der Genauigkeit der Endtabelle.
- Paarung über Hälftenbildung: Teilnehmer mit jeweils gleicher Punktzahl werden zum Beispiel nach ihrer Spielstärke/Rating in zwei Hälften geteilt. Dann wird bevorzugt der erste der oberen Hälfte gegen den ersten der unteren Hälfte usw. gepaart. Nach acht Runden führen in dem Beispiel die Nummer 1 und 2 des Ausgangsfeldes, ohne dass sie gegeneinander gespielt haben. Dieses System fördert eine Trennung guter und schlechter Spieler und vernachlässigt die genaue Bestimmung der Rangfolge der guten Spieler untereinander.
- Das so genannte beschleunigte System liegt zwischen diesen beiden Varianten; statt Hälften werden allerdings Viertel gebildet, und das erste wird gegen das zweite, das dritte gegen das vierte Viertel gepaart.