Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Kulteröffnungen“

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Beitrag von Kiffing

Viele Schachspieler haben ein besonderes Verhältnis zu ihrer Eröffnung. Sie haben sich mit ihr, ihrer Geschichte und ihrer Kultur leidenschaftlich auseinandergesetzt, sie schwören auf ihre Eröffnung und sie betrachten jeden Sieg, den sie mit dieser Eröffnung eingefahren haben, als ihren ganz persönlichen Sieg. Diese Spieler würden nie etwas auf ihre Eröffnung kommen lassen.Doch ob ein Spieler seine Eröffnung liebt, hat nicht nur subjektive Gründe, sondern auch objektive Ursachen. So fällt es leichter, eine besonders riskante Eröffnung wie das Blackmar-Diemer-Gambit, dem Prototyp des „gefährlich leben“ (Diemer), zu lieben als eine vergleichsweise unspektakuläre Eröffnung wie das Damengambit. Meistens sind die Eröffnungen, die bei ihren Anhängern gewissermaßen Kultstatus erreicht haben, Eröffnungen, die nicht unbedingt Mainstream sein müssen, sondern auch eine Art Geheimtip sein können. Sie werden also nicht bei jeder Gelegenheit gespielt wie Spanisch oder Najdorf, sondern es gibt eher eine verschworene Gemeinde, die das Siegel dieser Eröffnung hochhält und mit ihr zusammen in den Kampf zieht.So bin ich mir sicher, daß Caro-Kann, Damengambit oder Grünfeldindisch nie Kulteröffnung sein können, während es das Blackmar-Diemer-Gambit, die Drachenvariante oder Königsindisch sehr wohl sind. Auch die Larsen-Variante könnte ihre Anhänger haben. Ich selbst habe zum Budapester Gambit ein sehr emotionales Verhältnis. Ich habe mich auch selbst intensiv mit Geschichte und Feinheiten dieser Eröffnung auseinandergesetzt, und es wäre auch für mich eine Art Genugtuung, wenn diese Eröffnung ihren durch ihre desolate Quote arg lädierten Ruf ein wenig aufbessern würde. Zumindest rechne ich ihr hoch an, mich aus dem Sumpf des chancenlosen Eingehens, was ich viel zu oft mit meinem Damenindisch-Nimzoindisch-Komplex erlitt, befreit, sozusagen erlöst zu haben. Welche Eröffnungen seht ihr als Kulteröffnungen an, zu denen ihre Anhänger ein sehr emotionales Verhältnis haben können? Spielt ihr selbst eine Eröffnung, mit der ihr euch in einem besonderen Verhältnis emotional verbunden fühlt. Dann heraus damit!

Beitrag von ToBeFree

[Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Läuferspiel#2._...Sg8-f6". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Urusov-Gambit" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.], [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Evans-Gambit". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Evansgambit" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] (durch Zugumstellung aus dem Läuferspiel), [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Keres-Verteidigung". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Keres-Verteidigung" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] (+ eigene Neuerung! :heiter: ) und vielleicht bald das [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Morra-Gambit". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Morra-Gambit" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.]. ;)

Beitrag von Dragon

wie du schon sagtes Königsindisch als auch drache ps ich spiele aber lieber dragondorf als drache

Beitrag von Kleinmeister

Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum es sich bei Königsindisch um eine Kulteröffnung handeln soll. Königsindisch ist so Mainstream wie Grünfeld oder Damengambit, es gibt für Schwarz viele verschiende gangbare Wege. Es ist eine eher trocken positionelle Eröffnung - zumindest bis weit ins Mittelspiel, erst dann gehts los....Warum findet ihr das kultig :confused:?

Beitrag von Kiffing

Also ich persönlich finde an Königsindisch so interessant, daß Schwarz schon im frühen Mittelspiel einen gewaltigen Königsangriff aufziehen kann, der sehr mächtig aussehen kann wegen den weit vorgerückten Bauern. Weil das Spiel allerdins sehr bauernlastig und geschlossen wird, würde ich trotzdem keinen Königsinder spielen. Mir persönlich liegen mehr offene Strukturen und freies Figurenspiel. Aber interessant ist Königsindisch allemal.

Beitrag von Kleinmeister

Stimme dir völlig zu, es handelt sich bei Königsindisch um eine interessante Eröffnung! Aber interessant bedeutet nicht zwingd, das sie "kultig" wäre.Bei bestimmten Eröffnungen wie Morra-Gambit, Muzio-Gambit, Lettisch oder Sokolski will ich eine Kultfaktor nicht bestreiten. Objektiv gibt es keinen Grund diese Eröffnungen zu wählen, also steckt mehr dahinter als "die Suche nach dem besten Zug". Sprich, man macht es sich zur Gewohnheit eine seltene Eröffnung zu spielen und "verteidigt" diese, gegen Analysen und meist auch gegen besseres Wissen.Aber im Vergleich dazu ist Königsindisch zu lahm, zu vollwertig und zu anerkannt. Gut, vielleicht war das zu Zeiten von Bronstein und Tal anders...

Beitrag von Maschendrahtzaun

Ich stimme dem Kleinmeister zu und denke, dass Königsindisch eher insofern einen Kultfaktor haben könnte, als dass zumindest in den Hauptvarianten Stellungen entstehen, die sich größtenteil relativ stark von aus anderen Eröffnungen entstandenen Stellungen unterscheiden. Der Charakter der Stellungen ist jedenfalls auch durch Zugumstellungen nicht oder nur kaum zu erreichen. Außerdem denke ich, dass man sich dem Phänomen "Kulteröffnung" vielleicht auch aus einer anderen Perspektive nähern sollte: Nämlich mit dem Versuch, Gemeinsamkeiten zwischen ihnen herauszuarbeiten.Die bisher genannten Eröffnungen haben beispielsweise alle gemeinsam, dass sie taktische Stellungen ergeben und dass die Remisquote relativ gering ist.Dies trifft, zwar nicht im vollen Umfang, aber doch von der Tendenz her, auch auf Königsindisch zu.

Beitrag von Kleinmeister

Vielleicht sollten wir das ganze etwas (pseudo)wissenschaftlicher angehen.[url]http://de.wikipedia.org/wiki/Kult[/url]Liefert zumindest mal eine brauchbare Definitionsgrundlage von Kult an sich.Besonders wichtig scheinen mir die unteren drei Punkte zu sein:ein Objekt (um das sich der Kult dreht)eine Gruppe von Individuen (die diesen ausführen)eine Reihe mehr oder weniger ritualisierter HandlungenSchachlich würde ich das wie folgt übersetzen:Das Objekt ist die Eröffnung oder auch "nur" Variante an sich.Die Gruppe der ausführenden Individuen sind die Spieler die sie spielen, allerdings wie ich finde nur Spieler die sie ÖFTER nutzen, also keine Spieler die sie mal als Einwegwaffe aufgreifen.Die ritualisierenden Handlungen sind wohl der Knackpunkt. Vielleicht dreht es sich wirklich darum Stellungen zu erhalten, die einfach speziell sind und individuelle Merkmale aufweisen. Also z.B. das Opfer eines Zentralbauern beim Blackmar-Diemer. Oder z.B. die Winawervariante 7.Dg4 Kf8 die ich auch als Kultvariante bezeichnen würde. Freiwillige Rochadeaufgabe ohne Grund!Wie seht ihr das????Um zum Fall Königsindisch zurückzukommen. Noch ist mir die Eröffnung zu viel Standard, führt oft zu bzw. nahe heran an Spanische, Altindische oder Benoniartign Strukturen. Auch ist das Spiel in der Hauptvariante mit f5-f4 und g5-g4 etc. ganz "normales" Spiel gegen eine Bauernkette wie auch im Franzosen üblich, nur spiegelverkehrt.

Beitrag von Dragon

Stonewall-Angriff

Beitrag von ToBeFree

[QUOTE=Dragon;3435]Stonewall-Angriff[/QUOTE]Den müsste ich eigentlich mal lernen und gegen yurys PositionallyIncorrect-Engine spielen :D

Beitrag von yury

[QUOTE=ToBeFree;3488]Den müsste ich eigentlich mal lernen und gegen yurys PositionallyIncorrect-Engine spielen :D[/QUOTE]...die offiziell noch gar nicht existiert... :P

Beitrag von ToBeFree

Oh, habe ich gerade interne Entwicklerinfos herausgegeben? :eek:Tut mir leid. :P

Beitrag von yury

Warum glaube ich Dir das nicht?:grübel:

Beitrag von ruf012

Für kulturelle Festlichkeiten im AnzugAljechin 1.Sf3 e6 2.Sg1 e5 3.Sf3Philidor 1.d3 e5 2.e3 Sf6 3 e4Robatsch 1.g3 e6 2.Lg2 e5 3.Lf1

Beitrag von Mistreaver

Meine lieblings Kulterofnnung ist das Idee von Vadim Zviangitsev in der Sizilian Partei:1 e4 c5 2 Sa3!?

Beitrag von Zapp Brannigan

Jede Eröffnung hat seine Anhänger. Wenn ich das klassische Damengambit mit Schwarz spiele empfinde ich immer eine gewisse Art stolz, "korrektes, klassisches Schach" zu spielen. Ausserdem stehe ich in den Fussstapfen von Spassky, Karpov, Kasparov, Short, Jussupow, usw.Aber klar, es gibt Eröffnungen, welche "kultiger" sind als andere. Als ich noch 1.d4 spielte war das Colle-Zukertort-System im Repertoir, und es ist unglaublich wie viele Bücher es zu dieser Variante gibt, und das obwohl sie nur selten von GMs gespielt wird.Zum teil macht es aber auch einfach der Name aus, "Drachen Sizilianer" hört sich halt besser an als Smyslov-Variante im geschlossenen Spanier.Was "meine" Eröffnungen angeht denke ich nicht dass da viel "kultiges" dabei ist, am ehesten noch das Evans-Gambit und die 4.d4 exd4 5.e5 gegen das 2springer spiel, welche normalerweise schottisches gambit genannt wird, obwohl es (a) nicht unbedingt über die schottisches zugfolge gespielt wird und (b) gar kein bauer geopfert wird.Ansonsten spiele ich öfters mal Eröffnungen mit einem langweiligen Ruf: Alapin-Sizilianer, Vierspringerspiel, Petroff, klassisches Damengambit, Abtausch-Franzose, ...

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=Zapp Brannigan;26819]Zum teil macht es aber auch einfach der Name aus, "Drachen Sizilianer" hört sich halt besser an als Smyslov-Variante im geschlossenen Spanier.[/QUOTE]Was den Namen angeht, am besten finde ich da immer noch die [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Frankenstein-Dracula-Variante". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Frankenstein-Dracula Variante" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.]. Leider hat sie sich trotz dieser Voraussetzung nicht zur Kulteröffnung etablieren können. Trotzdem ist sie ein beliebter Gast bei Thementurnieren.