Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Was, wenn die ultimative Lösung gefunden wurde“

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Beitrag von hako

Mit der fortschreitenden Rechenleistung für Computer scheint es manchen so weit zu sein, dass man irgendwann so etwas findet, wie die perfekte Partie. Eine absolut fehlerfreie Partie, oder vielleicht sogar mehrere, die nicht zu verbessern sind, bedeutet gleichzeitig, dass man diese nur noch auswendig lernen muss, um fehlerfrei und perfekt zu spielen.Wie glaub ihr, wie es dann mit dem Schach, das wir kennen, weitergehen wird?Die erste, und offensichtlichste Möglichkeit ist die, dass das Interesse an Schach schwinden wird, bis es irgendwann kaum noch gespielt wird.In diese Richtung haben schon einige weiter gedacht und sogar ein neues Schach, [URL="http://www.satemschach.de/"]Satem[/URL] genannt, entwickelt. Satemschach wird auf einem 10x10 Brett ausgetragen und hat 2 neue Figuren, wobei der Schwarze entscheidet, mit welchen dieser 2 neuen Figuren gespielt wird. So hat man quasi eine Alternative für den Fall, dass die ultimative Partie gefunden wird; zumindest solange, bis der gleiche Fall bei Satem eingetreten ist. ;)Neben dem recht neuen Satemschach gibt es noch weitere Schachvarianten, wie Atomschach, Tandemschach, Zylinderschach und Co. Außerdem hat unser westliches Schach viele Verwandte wie Shogi und Go. Man hat sozusagen eine breite Auswahl, was man anstelle der westlichen Schachs spielen kann.Wenn jetzt tatsächlich die ultimative Partie gefunden wird, glaube ich persönlich, dass das nichts großartig ändern wird. Wenn man so eine fehlerfreie Partie findet, wer sagt dann, dass ich genau diese spielen werde? Wer hindert mich daran, im 35. Zug einen "Fehler" zu machen? Der Gegner muss ja schließlich dann die Gewinnzüge auswendig kennen. Ich bezweifel einfach mal, dass einer tausende von Zügen sich merken kann und wenn doch wird er damit solange beschäftigt sein, dass ich mich frage, ob der gute nichts besseres zu tun hat. Selbst denken soll ja bekanntlich noch erlaubt sein. ;)Mit anderen Worten, selbst wenn sie gefunden wird, muss man sie auch auswendig lernen, und selbst dann kann der Gegner von dieser Partie irgendwann mit einem "Fehler" abweichen. Das kann schon mit der Wahl der Eröffnung anfangen. Der Spieler muss also entweder alle Gewinnzüge auswendig lernen, oder einfach klassisch Schach spielen.

Beitrag von ToBeFree

Wenn man eine Schachvariante spielen möchte, die dieses meiner Meinung nach nicht vorhandene Problem löst, kann man [URL="http://de.wikipedia.org/wiki/Capablanca-Random-Chess"]"Capablanca Random Chess"[/URL] spielen. Auch für Engineturniere, die von einer Lösung viel stärker betroffen wären, wäre das eine Möglichkeit.Abgesehen davon glaube ich aber nicht an eine Lösung von Schach, bis die technischen Möglichkeiten da sind, um einen Computer in der Größe eines Planeten herzustellen und sämtliche Leiter innerhalb dieses Computers supraleitend zu machen. Anders dürfte es nicht einmal möglich sein, die Datenbank irgendwo abzuspeichern.

Beitrag von Kiffing

Das erinnert mich an [URL="http://www.schachburg.de/threads/215-Hilfe-das-Schach-wird-bald-gel%C3%B6st-werden!"]meinen Thread[/URL], den ich in der Anfangsphase der Schachburg mal eröffnet habe.Meine darin vertretene Position ist dieselbe geblieben. Schach ist zu komplex, als daß es irgendjemandem nützt, zu wissen, wie er mit Schwarz Remis halten kann. (Ich gehe mal davon aus, daß die „perfekte Partie“, anders als bei Dame, Remis enden wird, weil die Remisbreite im Schach zu groß für einen Tempovorteil sein dürfte, den der Anzugsvorteil darstellt). Wenn man nicht Remis will, kann man ja jederzeit abweichen, und es gibt so viele Abweichungen auf so viele verschiedene Züge, daß sich das eh kein Mensch alles merken kann, Großmeister eingeschlossen. Für uns wird sich also nichts ändern, wir werden weiter unser Schach spielen. Eine Partie sagt ohnehin zuwenig aus. Jede Partie ist zum Glück ja anders.Übrigens bin ich der Meinung, daß Schach zu komplex ist, als daß das Spiel wie das unendlich einfachere Damespiel jemals gelöst werden kann. ;)

Beitrag von ficus

Sind wir einfach mal realistisch: Selbst wenn Computer irgendwann die besten Varianten finden, wird das nicht den Tod des Schachs bedeuten!Das von uns relevante Schach wird von Menschen gespielt, die sich keine Milliarden/Billionen von Zügen merken können. In jeder Eröffnung gibt es viele gute oder zumindest spielbare Zugmöglichkeiten. Kein Mensch dürfte in der Lage sein, sich mehr als 10-15 (-20) Züge der "perfekten" Varianten zu merken. Zudem wird der Mensch auch immer Fehler begehen und von psychologischen Faktoren abhängig sein. Man muss sich nur ein paar von Carlsens Partien anschauen, um sich zu vergegenwärtigen, dass man im Schach auch nicht unbedingt "perfekt" spielen muss, um Erfolg zu haben.Kramnik hat vor Kurzem ja auch mal einen "Remistod" prophezeit und diese Aussage mit tollem (teils inkorrektem) Schach im Nahhinein selbst widerlegt...

Beitrag von Kiffing

Der Remistod wurde schon in den 20er Jahren vorhergesagt, bis Aljechin kam und alle widerlegte.

Beitrag von ficus

[QUOTE=Kiffing;15884]Der Remistod wurde schon in den 20er Jahren vorhergesagt, bis Aljechin kam und alle widerlegte.[/QUOTE]Und dies wird immer wieder passieren, ob Capablanca oder Kramnik oder irgendein Schachmeister in weiteren 80 Jahren das Remisende des Wettkampfschachs prophezeit...

Beitrag von yury

[QUOTE=ToBeFree;15878]Abgesehen davon glaube ich aber nicht an eine Lösung von Schach, bis die technischen Möglichkeiten da sind, um einen Computer in der Größe eines Planeten herzustellen und sämtliche Leiter innerhalb dieses Computers supraleitend zu machen. Anders dürfte es nicht einmal möglich sein, die Datenbank irgendwo abzuspeichern.[/QUOTE]_sign_

Beitrag von Kiffing

Der niederländische Professor Eric van Reem ist der [URL="http://glareanverlag.wordpress.com/2009/01/28/computer-forschung-will-das-koenigliche-spiel-loesen_herik/"]Ansicht[/URL], daß Schach ab 2035 gelöst sein wird. Im Gegensatz zu Dame, das bereits gelöst worden ist und wo Weiß am Zug bei bestem Spiel gewinnt, vermutet Reem, daß das Schach bei perfektem Spiel beider Gegner Remis ausgehen wird.Ich glaube da trotzdem nicht dran, und zwar aufgrund der Komplexität des Schachs, die in dem verlinkten Artikel schon sehr gut anklingt. Es hätte von daher auch eh keine Folgen für die Schachwelt. ;)

Beitrag von hako

Ich glaube eher, dass es unendlich viele, mit Remis endende Lösungen geben wird. Nicht nur, weil ich den Anzugsvorteil für Weiß banal finde, sondern auch, weil ich nicht glaube, dass ein so komplexes Spiel eine einzige primitive Lösung hat. :)Bei Shogi stelle ich mir das noch lustiger vor, da Computer drauf zu jagen. Das 9x9 Feld hat ja mehr Figuren UND die Figuren, die man schlägt, kann man anschließend als eigene Figuren einsetzen. Da können Fritz und Co. lange rechnen. :P

Beitrag von ToBeFree

[QUOTE=hako;15913]Da können Fritz und Co. lange rechnen. :P[/QUOTE]"Fritz und Co." haben einen ganz anderen Ansatz. Wenn man Schach lösen will, darf man im Prinzip gar kein System verfolgen, sondern muss "brute force" alle auch noch so "sinnlosen" Züge durchrechnen. Wenn man das begriffen hat und sich auch nur annähernd die Menge an entstehenden Zügen vorstellen kann, sollte man eigentlich wissen, dass das hier:[QUOTE]Der niederländische Professor Eric van Reem ist der Ansicht, daß Schach ab 2035 gelöst sein wird.[/QUOTE]den Professorentitel in Frage stellen sollte.

Beitrag von sorim

1) Das Endspiel mit 6 Figuren ist gelöst, jedoch sind die meisten Schachspieler schon mit 5 Figuren überfordert. (König Turm - König Turm Springer oder König Dame - König Turm Springer ... )2) Warten wir mal ab, wie lange es dauern wird, das Endspiel mit 8 Figuren zu lösen, bevor wir uns Gedanken wegen 32 Figuren machen.

Beitrag von hako

Wenn der Großteil schon mit 5 Figuren überfordert ist, müssen wir uns bei 32 Figuren keine Gedanken mehr machen. :)Schach ist einfach zu komplex.