Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber in unserem Bezirk ist es so, daß viele kleinere Vereine ums Überleben kämpfen. So sind in den letzten Jahren bei uns im Schachbezirk Bergischland schon die Schachfreunde Heiligenhaus, der einst stolze PSV/BSV (ehemalige Bundesligamannschaft!) und der SK Anderssen untergegangen und haben sich aufgelöst. Die aktuelle Situation ist bei uns im Bezirk die, daß man immer wieder Kandidaten hat, über die man in persönlichen Gesprächen munkelt, daß diese Vereine bald auch nicht mehr existieren, Namen will ich keine nennen. Der Trend geht also zu Großvereinen, die den Mitgliedern offenbar mehr zu bieten haben und die meistens auch sehr aktiv sind, was den Aufbau einer Jugendabteilung betrifft. Sie arbeiten mit Schulen und Schach-AGs zusammen, finanzieren Trainer und Training, stellen im Notfall Fahrer zur Verfügung und bieten dem ambitionierten Jugendlichen sowohl attraktive Jugendmannschaften als auch Spiele im Erwachsenenbereich mit guten Perspektiven (kontinuierlicher Aufstieg in höhere Mannschaft bei steigender Spielstärke). Auch für die erwachsenen Mitgliedern wird mehr geboten als das kleinere Vereine tun können. Welcher Kleinverein bietet etwa Training für die Erwachsenen an?So streben die Schachspieler zu den größeren Vereinen, was zu Lasten der kleineren Vereine geht, wo die Mitglieder oftmals nur durch das in manchen kleineren Vereinen besondere Lokalkolorit mit Müh und Not zusammengehalten werden.Vielleicht könnt ihr ja die Situation bei euch vor Ort schildern.
Beitrag von Maschendrahtzaun
Vielleicht ist es ja nicht so sehr ein Vereinssterben......sondern eher ein Wuppertalsterben?Immerhin verliert die Region seit Jahrzehnten kontinuierlich an Einwohnern.Da ist es kein Wunder, wenn es sich auch auf die Schachvereine durchschlägt.Interessant wäre es daher zu erfahren, wie es in einer Wachstumsregion aussieht.
Beitrag von Chessfriend
Hallo Kiffing,ich bin auch in einem Verein, der ums Überleben kämpft. Es ja nicht nur die Problematik des Fusioinierens der kleinen Vereine mit grösseren Vereinen, sondern auch Geldnot der Gemeinden oder Städte. Die Räumlichkeiten sind zu teuer oder brechen weg. Nun haben wir in Hannover in den einzelnen Stadtteilen auch Kultertreffs. Der Kulturtreff, in den unser Verein untergebracht ist, soll wohl aus Kostengründen geschlossen werden. Und einen anderen Raum zu finden, gestaltet sich äusserst schwierig. Wenn Kultur aus Geldnot zurückgefahren wird, leiden auch die Vereine darunter. Das Umfeld muss stimmen; das heisst, eine Gaststätte ist im gleichen Gebäude. Das war mal so bei uns, aber leider ist sie nur bei Veranstaltungen geöffnet. Bei uns im Verein haben wir auch einen Schachtrainer (für unsere Jugend); der hat auch gegen ein Entgelt mit den Erwachsenen trainiert. Aber manchen von uns war das unangenehm, weil sie sich so schülerhaft vorkamen (für mich unverständlich). Andere kamen mit seiner introvertierten Art nicht zurecht. Manche Vereinsmitglieder wollen nichts mehr lernen. Und redest Du Dir den Mund fusselig. Ich mit meinen 68 Jahren möchte auch im Schach noch was lerrnen. Bei uns waren die Vereinsabende schon besser besucht; da kann man schon ins grübeln kommen.
Beitrag von Kleinmeister
Das ganze ist ein deutschlandweites Phänomen. Liegt meines Erachtens an ganz vielen kleinen Faktoren:- Altersstruktur- Internet- Vielzahl der Freizeitmöglichkeiten- realer Anstieg der durchschnittlichen Arbeitszeit... alles nicht geeignet um den Schach und vor allem den Schachvereinkonsum anzutreiben. Dagegen scheint die Openszene aber zu boomen, welche auch nicht so krass mit obigen Faktoren konkurriert.
Beitrag von hako
Das Hauptproblem ist eigentlich das Geld. Das sieht man besonders in der Jugend.In großen Vereinen werden die Trainer bezahlt. Da bedeutet, es findet sich schnell einer, der das mit viel Motivation auch gut macht. In kleinen Vereinen ist diese Arbeit meist ehrenamtlich. Das soll nicht heißen, dass die Trainer schlechtes Training geben oder keine Motivation haben, aber es ist deutlich schwerer einen solchen Trainer zu finden. So haben kleine Vereine Phasen, wo es gut läuft, und wo es schlecht läuft.