Beitrag von Kiffing
Ihr habt es ja durch den gestrigen Beitrag von SiegerFCN mitbekommen. Bei den Offenen Solinger Stadtmeisterschaften verpatzte ich mir ein bis dahin gutes Turnier mit zwei Niederlagen in den letzten beiden Runden vollständig. Die Misere begann in der 6. Runde, als ich mit Schwarz gegen einen Spieler um 1600 verlor. Dieser Spieler wählte ein Gambit, und zwar das Morra-Gambit, das ich mangels Kenntnissen, wie man dem ausweichen kann, annahm. Heute würde ich als Schwarzer 1. e4 c5 2. d4 cxd4 3. c3 d5 spielen mit der Überleitung in ein Hauptsystem der Alapin-Variante.In dieser Partie kam aber dann genau das, was ich befürchtete. Für den Bauern erhielt mein Gegner Dauerdruck, der irgendwann so massiv wurde, daß ich nicht mehr dagegenhalten konnte. Ich verlor blamabel nach nur 16 Zügen. Im übrigen gefällt mir die Gambitphilosophie desjenigen, der gegen das Gambit spielt, ohnehin nicht. Was soll ich mit einem Bauern, wenn der Gegner dafür das Spiel machen kann? Und die Haltung, irgendwie zu überleben, um dann mit dem Mehrbauern das Endspiel zu gewinnen, halte ich auch für problematisch. Zum einen haben die Götter vor dem Endspiel das Mittelspiel gesetzt, und zum anderen macht dieses reine Verteidigen auch überhaupt keinen Spaß. Zumindest mir ergeht es so. Ich heiße nicht Ulf Andersson. Auch das Blackmar-Diemer-Gambit lehne ich nach diversen vernichtenden Niederlagen um 2006 mit der Zugfolge: 1. d4 Sf6 2. Sc3 e6 ab.Wie ergeht es euch so? Spielt ihr selber ein Gambit und wie reagiert ihr, wenn der Gegner gegen euch ein Gambit versucht?Beitrag von Zapp Brannigan
Die ganze französisch-theorie zu lernen nur um das BDG zu verhindern? das kann nicht gut gehen!da lohnt es sich eher, eine gute und solide variante dagegen zu lernen:[url]http://www.jeremysilman.com/chess_bits_pieces/110103_blackmar_dmr_gmbt.html[/url]ansonsten lehne ich gambits normalerweise mit einem gegenstoss im zentrum ab, z.bsp. 1.e4 e5 2.d4 exd4 3.c3 d5!?Beitrag von hako
Ich kann zwar nicht als Eröffnungsexperte sprechen und ich komme auch selten in die Gelegenheit, dass gegen mich ein Gambit gespielt wird, aber grundsätzlich würde ich es nicht um jeden Preis ablehnen, auch wenn ich es nicht kenne.Ich werde damit zwar auf unbekanntes Gebiet gelockt, aber mich stört das nicht sonderlich (ich bin dafür zu neugierig ;)). Wenn mein Gegner dann mehr Entwicklungsvorteil hat als ich und etwas besser steht - was er ja auch erstmal schaffen muss - habe ich immer noch meinen Mehrbauern und lehne die Strategie ins Endspiel überzugehen, nicht ab. Daher bin ich schon gewillt, Gambite anzunehmen.Persönlich spiele ich gelegentlich das Wolga-Gambit. Ansonsten werde ich mich bei Zeiten auf jeden Fall mit dem Flügel-Gambit beschäftigen nach einer online-Erfolgspartie :DMein Lieblingsgambit ist das Affen-Gambit (entsteht aus Oran-Utan). Praktisch kommt man aber extrem selten zu diesem Gambit, da die Zugfolge 1.b4 e5 2.Lb2 f6? für Schwarz schon fragwürdig ist. Aber ich spiel nur noch selten 1.b4, da es meist zu geschlossenen Stellungen führt.Beitrag von tandem
[QUOTE=Kiffing;5869]In dieser Partie kam aber dann genau das, was ich befürchtete. Für den Bauern erhielt mein Gegner Dauerdruck, der irgendwann so massiv wurde, daß ich nicht mehr dagegenhalten konnte. Ich verlor blamabel nach nur 16 Zügen. Im übrigen gefällt mir die Gambitphilosophie desjenigen, der gegen das Gambit spielt, ohnehin nicht. Was soll ich mit einem Bauern, wenn der Gegner dafür das Spiel machen kann? Und die Haltung, irgendwie zu überleben, um dann mit dem Mehrbauern das Endspiel zu gewinnen, halte ich auch für problematisch. Zum einen haben die Götter vor dem Endspiel das Mittelspiel gesetzt, und zum anderen macht dieses reine Verteidigen auch überhaupt keinen Spaß. Zumindest mir ergeht es so. Ich heiße nicht Ulf Andersson. Auch das Blackmar-Diemer-Gambit lehne ich nach diversen vernichtenden Niederlagen um 2006 mit der Zugfolge: 1. d4 Sf6 2. Sc3 e6 ab.Wie ergeht es euch so? Spielt ihr selber ein Gambit und wie reagiert ihr, wenn der Gegner gegen euch ein Gambit versucht?[/QUOTE]Aber wenn du solche Stellungen verlierst, liegt es an deinen Verteidigungskünsten!? oder unteranderem auch an mangelnden Theoriekenntnissen!Beitrag von Kiffing
Die Essenz ist ja die, daß mir solche Stellungen einfach nicht liegen.Beitrag von Dragon
Also ich selbst spiele keine gambits außer hin und wieder mal das dammengabit bei freundschffts.aber sonst nicht da ich meistens für meine bauer nicht genug angriff kriege aber das liegt wohl erher an meiner spieler stärke.Gegen gambits spiele naja geht so kommt auf das gambit an gegen morragambit stehe ich nach dem 6 zug oder so schon richtig schlecht weil ich es nicht kann allerdings gegen Königsgabit spiele ich unheimlich gerne sogar so gerne das wenn ich entscheiden dürfte wellche eröffnung weiß spielt ich das Gönigsgabit sagen würde kommt auf das Gambit anBeitrag von tandem
Also man kann immer mit genügend Theoriekenntnissen dem Gegner sein Gambit über die Ohren hauenBeitrag von Kiffing
Ich denke, das Schach ist dazu viel zu komplex, als daß man in der Lage sein könnte, den Gang der Verhältnisse auf dem Schachbrett vorherzusehen. Der Gegner hat genügend Möglichkeiten, dem Lauf einer Partie eine andere Wendung zu geben. Gute Eröffnungskenntnisse mögen zwar helfen, befreien einem aber nicht vom eigenständigen Denken. Irgendwann kommt man immer aus dem Buch, das ergeht sogar dem Weltmeister so. Und als Verteidiger gegen das Gambit hat der Gegner nun einmal potentielles Druckspiel, und ich bin ungerne einem Druck ausgesetzt. Viel lieber entfache ich selber Druck.Beitrag von Zapp Brannigan
Es macht einfach vom standpunkt deines repertoirs (sizilianisch) keinen sinn, 1.d4 Nf6 2.Nc3 e6 zu spielen! wenn schon dann 1.d4 Nf6 2.Nc3 d5 3.e4 e6, denn BDG-spieler kennen wohl erwartungsgemäss die französisch-theorie nicht so wirklich, veresov-spieler aber schon! d.h. 1.d4 Nf6 2.Nc3 d5 3.Bg5-spieler freuen sich über frazösisch, das müssen sie eh kennen.Die idee des ablehnen eines gambit ist ja oft, dass man den bauern nimmt aber gleich wieder zurück gibt, so ist 1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Nf3 d5! eine sehr gute variante gegen das königsgambit, und im morra-gambit spielt man ja auch 1.e4 c5 2.d4 cxd4 3.c3 d5, mit zurückgabe des bauernwenn du das BDG relativ gefahrlos ablehnen willst kannst du folgende variante spielen:1.d4 Nf6 2.Nc3 d5 3.e4 dxe4 4.f3 e3!?der f-bauer steht dann eher sinnlos auf f3...aber die variante 1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Nc3 Nf6 4.f3 exf3 5.Nxf3 c6 ist eigentlich ziemlich gut für schwarz, hatte das 3x auf dem brett (leider nie in turnierpartien), und weiss ging immer sehr schnell ein, das problem ist dass weiss den Läufer auf d3 stellen will fals e6 geschieht und auf c4 falls g6 geschieht, indem du 5...c6 spielst weiss aber weiss nicht, was du spielen wirst und der schwarze kann sich danach richten die falsche stellung des läufers auszunutzen.gegen veresov ist 1.d4 Nf6 2.Nc3 d5 3.Bg5 Nbd7 gut und solide, oder auch 3...Bf5 und 3...c5, nur 3...e6 ist wegen 4.e4 mit übergang zu französisch nicht unbedingt ideal.Beitrag von WilhelmH
Man könnte noch [url]http://en.wikipedia.org/wiki/Blackmar%E2%80%93Diemer_Gambit#Gunderam_Defence.2C_5...Bf5[/url] betrachten.1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Nc3 Nf6 4.f3 exf3 5.Nxf3 c6 6.Se5 Sbd7Beitrag von blunder1
Siegbert Tarrasch in seinem Turnierbuch St. Petersburg 1914: “Ich nehme prinzipiell im Anzuge kein Gambit an, denn wenn ich mich im Nachzuge verteidigen muss und mich im Anzuge auch noch verteidigen soll, wann soll ich dann eigentlich das Vergnügen des Angriffs genieβen?” (S. 114)Die Frage am Ende des Themas ist schwierig und die muss jeder Spieler für sich selber entscheiden.Will man prinzipiell vorgehen oder den einfacheren Weg gehen, d.h. eine spielbare Stellung mit relativ wenig Aufwand erreichen, die einem liegt?Dabei sind meiner Ansicht nach zwei Punkte zu beachten:- Wie stark ist man? Je stärker die Spieler sind, desto kompletter, universeller sind sie auch und desto weniger Stellungen gibt es, die ihnen nicht liegen.
- Wieviel Zeit ist man bereit, für Schach zu investieren? Wieviel Aufwand steckt man in Theorie?