Beitrag von Hensman
Carl Schlechter,Paul Keres,Efim Geller,Viktor Kortschnoi,David Bronstein,Vasilli Iwantschuk und Mikail Tschigorin,was haben diese Spieler gemeinsam,außer das sie Halbgötter im Schach waren?Richtig,die genannten hatten nur einen Makel:Sie wurden trotz ihrer Fähigkeiten auf den Brettern,die für uns die Welt bedeuten,niemals Weltmeister.Meiner Meinung nach,versagten sie deshalb,weil sie zu wenig "Siegerpersönlichkeit"hatten.(So wie in anderen Sportarten die "Trainingsweltmeister",die im Wettkampf dann doch untergehen).Das ist eine äußerst oberflächliche Ausführung von mir,wer will und kann in die Tiefe gehen....?Beitrag von Kiffing
Interessantes Thema. :top: Meines Erachtens fehlt in der Liste noch Meister Tarrasch, der aber wohl, wie Zapp Brannigan schon schrieb, an seiner eigenen Arroganz gescheitert war. Dies bezieht sich vor allem auf die von Tarrasch nicht vorgebrachten WM-Herausforderungen an Steinitz und Lasker, weil eine Forderung an diese "schwächeren" Spieler unter Tarraschs Würde war. Als er Lasker 1908 endlich forderte, war es schon zu spät, denn Tarrasch hatte seinen Zenit überschritten.Mangelnder Siegeswille war bei Carl Schlechter auf jeden Fall zu konstatieren. Dazu gibt es in der Schachgeschichte mehrere interessante Indizien, wie hier von den [URL="http://schachblaetter.de/ein-nobler-geist-zu-carl-schlechter/19-11-2005/"]Schachblättern[/URL] erläutert:[QUOTE]Zum anderen war Carl Schlechter nach den Berichten seiner Zeitgenossen ein außerordentlich freundlicher und friedfertiger Mensch. Er brachte es einfach nicht übers Herz, ein Remisgebot abzuschlagen. Siegbert Tarrasch beklagte sich während eines Turniers in völlig verlorener Stellung darüber, dass er sich krank fühle. Carl Schlechter gab die Partie sofort Remis – und Tarrasch gewann das Turnier mit einem halben Punkt Vorsprung. Emanuel Lasker stellte fest, dass Schlechter „nichts von einem Teufelskerl an sich habe.“ Man könne ihn nicht „verlocken, sich etwas zu nehmen, was ein anderer begehre“. Isidor Gunsberg berichtete, dass Schlechter es abgelehnt habe, in einem Turnier um den Schönheitspreis zu spielen, was er bei seinen taktischen Fähigkeiten durchaus gekonnt hätte. „Ich habe genug gewonnen, die anderen sollen auch etwas bekommen“, habe Schlechter gesagt.[/QUOTE]Dass er trotzdem fast gegen Lasker bei der WM 1910 gewinnen konnte, lag nach Ansicht von Treppner/Pfleger daran, dass es Schlechters Spiel, der frei von Schwächen war, an Ecken und Kanten gefehlt habe, an denen Lasker in seinem psychologischen Spiel habe ansetzen können. Laskers Stärke war es bekanntlich, die Schwächen seiner Gegner zu erkennen und gekonnt auszunutzen.Kortschnoi war zwar an Ehrgeiz und Trainingsfleiß nicht zu übertreffen, aber um ein ganz Großer zu werden, fehlte es ihm m. E. an dem letzten Quäntchen Spielstärke, das für die dünne Luft auf der absoluten Weltspitze ausgereicht hätte. 1978 hatte er nach seiner furiosen Aufholjagd gegen Karpov (5:5 nach 2:5) alle Chancen in der Hand, aber vergeigte die entscheidende Partie kläglich. Iwantschuk war genial, aber nervenschwach, ein ähnlicher Spielertyp wie Rubinstein, der nach 1914 zudem innerlich mehr und mehr zersetzt wurde. Bei Bronstein wird viel über die ominöse [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://www.schachburg.de/threads/1981-Durch-ein-Unentschieden-zum-Sieg-Botwinniks-Titelverteidigung-1951-gegen-Bronstein". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "letzte Partie" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] gegen Botwinnik während der Schach-WM 1951 diskutiert. Die These lautet, dass Bronstein nicht habe gewinnen dürfen, weil Botwinnik – ähnlich wie später Karpov – die Unterstützung des sowjetischen Machtapparats genossen habe. Die Verfechter dieser These berufen sich vor allem auf den schnellen Verlauf der kurzen Partie, die, obwohl Bronstein die weißen Steine führte, schnell in ein Remis überging. Geller und Keres wären beide würdige Weltmeister geworden, denen es zwar nicht an Spielstärke mangelte, wohl aber an Glück.Beitrag von blunder1
Dieses Thema finde auch ich sehr interessant.Tarrasch: Bei ihm geht es darüber hinaus, denn er hat Steinitz nicht nur nicht herausgefordert, sondern dessen Einladung im Winter 1890/91 sogar abgelehnt.Die Situation war damals sehr speziell: Auf Kuba grassierte ein regelrechter Schachboom und die reichen Groβgrundbesitzer, welche dem Schachklub von Havanna angehörten, waren bereit, für gute Wettkämpfe genügend Geld hinzulegen; sie luden Weltmeister Steinitz ein und überlieβen ihm die Wahl seines Herausforderers. Steinitz war sehr prinzipienfest bzw. ritterlich und erkor den zu der Zeit stärksten Rivalen. 1889 war dies Tschigorin gewesen, 1890/91 Tarrasch, nachdem dieser mit Breslau 1889 und Manchester 1890 zwei groβe Turniere hintereinander gewonnen hatte.Tarrasch begründet seine Absage in seinem Buch Dreihundert Schachpartien mit seinen Verplichtungen als Arzt, der seine Praxis nicht vernachlässigen wollte/konnte (S. 309-310); m.W. hat es diesbezüglich immer Zweifel gegeben, ob nicht auch Angst eine Rolle spielte.Wie dem auch sei... so kam Tschigorin zu seinem zweiten WM-Wettkampf (1892) und Tarrasch hat seine gröβte Chance verstreichen lassen (verpassen müssen?), Weltmeister zu werden.Schlechter: Seine relative Friedfertigkeit konnte sich zwar in Turnieren als Handicap erweisen (zu oft Remis), stellte aber in Wettkämpfen kein echtes Problem dar, ähnlich wie später bei Petrosjan. In Matches muss man nicht oft gewinnen, solange man nur eine Partie weniger verliert und Schlechter war nur schwer zu schlagen.Die beste und tiefschürfendste Analyse des WM-Wettkampfs Lasker-Schlechter 1910 (Wien/Berlin), von der ich weiβ, stammt von Dr. Robert Hübner. Sie wurde zuerst in Artikelform veröffentlicht und dann in sein Buch Der Weltmeisterschaftskampf Lasker-Steinitz 1894 (2008) aufgenommen. Das Match war ursprünglich auf 30 Partien angelegt, aufgrund mangelndem Sponsoreninteresses wurden nur 10 Partien ausgetragen, die erste Hälfte in Wien, die zweite in Berlin.Einige Punkte:- Hübner lehnt jede Form von “psychologischer Kriegsführung im Schach” von seitens Lasker kategorisch ab und bezeichnet die weit verbreitete Legende als “Märchen”. John Nunn und Mihail Marin haben Laskers Spiel in den letzten Jahren (mit Computerunterstützung) genau untersucht und pflichten Hübner bei.
- Lasker war allgemein ein stärkerer Spieler als Schlechter, doch in diesem kurzen Wettkampf in schlechter Form und wurde immer nervöser.
- Laskers Eröffnungswahl in seinen ersten 4 Weiβpartien (Partien 2, 4, 6, 8) war falsch: Schlechter behandelte den Offenen Spanier sehr gut und löste damit alle Eröffnungsprobleme. Lasker, der ebensogut 1.e4 und 1.d4 spielen konnte, griff erst in seiner letzten Weiβpartie (10. Partie) zum Damenbauern und erzielte bereits in der Eröffnung Gewinnstellung, verschärfte dann mit 15.g4? die Stellung unnötig, was zu einer wilden Partie mit beiderseitigen Chancen führte, die Lasker nach zahlreichen Abenteuern im Endspiel gewann, zum 5:5 ausglich und so seinen Titel verteidigte.
- Mit Weiβ hatte Schlechter mehr Schwierigkeiten: In der 5. und der 9. Partie wurde er von Lasker überspielt, der kurz vor dem Gewinn stand, aber seine Chancen nicht nutzte; die 5. Partie verlor Lasker sogar noch (Schlechters einziger Sieg in dem Match, Gesamtergebnis +1, =8, -1).