Der Vorwurf muß auf Magnus Carlsen gelastet haben, Wladimir Kramnik sei der bessere Spieler und er nur der bessere Sportler. Der DSB-Ehrenpräsident Robert K. von Weizäcker, der sich bekanntlich [URL="http://www.focus.de/sport/mehrsport/justin-bieber-des-schachs-schach-weltmeister-carlsen-bekommt-1-2-millionen-euro_id_3429813.html"]völlig im Ton vergriffen[/URL] hatte, war ja nicht der Einzige, der so etwas ähnliches behauptete. Schon Wladimir Kramnik hatte vor einem Jahr geäußert, Carlsen sei spielerisch [URL="http://www.schachburg.de/threads/1184-Stil-und-Verdienste-des-Magnus-Carlsen?highlight=Interview+Anand"]weder ihm noch Aronian überlegen[/URL]. Nun kam die [URL="http://www.chessdom.com/13-year-old-magnus-bought-every-word-kramnik-said/?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter"]Retourkutsche[/URL] des immer selbstbewußteren Weltmeisters:[QUOTE]Kramnik thinks he knows everything. It’s very impressive how he throws around different variations, and it’s not easy to see through it if you don’t know the game well enough yourself. But if you look a bit deeper, it’s often just nonsense. He plays with great principle. Probably the biggest difference between me and him is that he makes a lot of mistakes. He often thinks that he is right, while I am the one who is right. 13 year old Magnus Carlsen bought every word he said. Not me. He’s very confident. He’s not afraid of anyone. He doesn’t think I’m better than him, he doesn’t think Aronian is better than him. He actually loses a bit against Nakamura, but he certainly doesn’t think Nakamura is better than him.[/QUOTE][QUOTE]Kramnik meint alles zu wissen. Es wirkt sehr eindrucksvoll, wie Kramnik mit verschiedenen Varianten um sich wirft, und es ist nicht einfach, da durchzublicken, wenn Du das Spiel selbst nicht genug verstehst. Aber wenn Du ein wenig tiefer blickst, ist es oft Unsinn. Er spielt sehr prinzipientreu. Wahrscheinlich ist der größte Unterschied zwischen ihm und mir, daß er viele Fehler macht. Er denkt oft, daß er Recht habe, während ich derjenige bin, der Recht hat. Der 13jährige Magnus Carlsen hat ihm jedes Wort abgekauft, doch das ist längst vorbei. Kramnik hält viel von sich selbst. Er hat vor niemandem Angst. Er glaubt nicht, daß ich besser bin als er, er glaubt nicht, daß Aronian besser ist als er. Tatsächlich verlor er ein paar Mal gegen Nakamura, aber sicherlich denkt er nicht, Nakamura sei besser als er...[/QUOTE]Braut sich da eine neue Feindschaft zusammen?
Beitrag von zugzwang
Wahrscheinlich langweilt er sich, weil er das Kandidatentunrier nicht mitzuspielen braucht und es zeitgleich eben kein Turnier dieser Elo-Kragenweite geben kann.Carlsen ist weltmeister, weil erexzellent schach spielt. Seine herausragend Stärke gegenüber den anderen ist die geringe Fehlerquote in seinem Spiel. Er spielt ab und zu ungenau, wie Ängie und mühsame Analysen anzeigen, aber ausgesprochene Fehler kamen bei ihm recht selten vor.DasSpiel von Kramnik ist fehlerhafter geworden (gefühlt und wohl auch nach Statistik, wenn man sich die Mühe macht). Auch die Endspielbrillanz hat risse bekommen.Aber: Kramnik spielt das interessanteste und vielleicht anspruchsvollste Schach seiner Karriere und ist bestens vorbereitet. Von Langeweile keine Spur. Die Risikobereitschaft ist deutlich gestiegen.Im letzten Kandidatenturnier hat Kramnik für meine Begriffe das beste Schach von allen gespielt, aber einige Lattentrffer zuviel fabriziert. Im direkten Duell über 2 Partien gegen Carlsen hatte dieser in seiner Schwarzpartie Probleme und konnte mit Weiß keine stellen. Nun sind 2 Partien nicht sehr aussagekräftig, aber gegen Kramnik und Aronjan hatte Carlsen im Kandidtatenturnier von London 4 remisen geholt und hatte nach meiner Erinnerung in keiner Partie greifbaren Vorteil.Es spricht viel dafür, daß Carlsen im direkten Vergleich eines Matches gegen beide noch nicht überlegen war.Dies kann er koorigieren, wenn sich einer qualifiziert, was ich bei aller Sympathie für Vishy hoffe.Ein Match zwischen MC und LA bzw. VK klärt dann dieses Thema der Überlegenheit. Vorher ist alles Quervergleich, Gedankenspiele und Ballyhoo.
Beitrag von Kiffing
[QUOTE=zugzwang;21948]Aber: Kramnik spielt das interessanteste und vielleicht anspruchsvollste Schach seiner Karriere und ist bestens vorbereitet. Von Langeweile keine Spur. Die Risikobereitschaft ist deutlich gestiegen.[/QUOTE]Das stimmt, von dem alten Drawnik ist nichts mehr übriggeblieben. Vor allem seine berüchtigte Behandlung von Schwarz hat ja jeder Beschreibung gespottet.Ich sehe es auch so, daß Kramnik derzeit wunderbares Schach spielt, tief, philosophisch und inspirierend. Damit wirkt Kramnik übrigens einem sicherlich nicht bei allen, aber bei vielen Spielern zu beobachtenden Trend entgegen, daß sie mit zunehmendem Alter konservativer spielen. Bei Euwe und Steinitz war das ganz sicher der Fall, aber auch bei Keres, Spasski und sogar Tal.