Derzeit werden ja im griechischen Sithonia, in der Hotelanlage Porto Carras, die Jugendweltmeisterschaften ausgetragen. Aus deutscher Sicht ist man natürlich auf das Abschneiden von Vincent Keymer gespannt, aber auch die Ergebnisse der anderen Teilnehmer sind interessant. Wird die DSJ also ihren Aufschwung in den letzten Jahren bestätigen?Bis gestern wurden fünf Runden gespielt. Theodora Rogocenca (die Tochter des Bundestrainers), Fiona Sieber, Antonia Ziegenfuss und Alexander Krastev haben sich mit 4/5 bislang am besten in Szene setzen konnten. Vincent Keymer, der national in seiner Altersklasse keine Konkurrenz hat und deswegen bei der Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft in der Altersklasse U16 startete, begann zwar mit 3/3 ebenfalls verheißungsvoll, ließ es mit 0,5/2 dann aber ruhiger angehen. Wir dürfen gespannt sein, ob er diese Niederlage in der vorletzten Runde - und eine Niederlage ist für einen der Favoriten in einem Schweizer-System-Turnier immer ärgerlich - noch wegstecken kann. Hier gibt es ein wenig Einstimmung zum Turnier: [url]http://de.chessbase.com/post/jugend-wm-vier-mit-vier[/url]
Beitrag von Kiffing
Und es sind weitere drei Runden gespielt worden. Ganz groß auf spielt Fiona Sieber in der U16w, die mit 7/8 um den Titel spielt. Vincent Keymer hat nach seiner Niederlage nun 2,5/3 geholt und sich mit 6/8 im vorderen Bereich festgespielt. Antonia Ziegenfuss ist dagegen mit 0,5/4 aus dem Rennen, selbiges gilt für Theodora Rogozenka, die nach dem guten Start eine große Rochade hinlegte. Dafür haben sich weitere deutsche Spieler nach oben gespielt. Roven Vogel gewann in der U16 die letzten drei Runden und hat mit 6/8 Anschluß an die Spitze gefunden und Alexander Krastev hat in der U10 sogar 6,5/8 auf der Habenseite. Chessbase liefert wieder einen Bericht und zeigt einige Spiele der Matadoren: [url]http://de.chessbase.com/post/fiona-sieber-ist-top[/url]
Beitrag von zugzwang
Was mir dabei auffällt:Als Du Beitrag #2 schriebst, war die 9. Runde bereits Geschichte.Aktualisierter Stand vor der bereits laufenden 10. Runde aus neuerer schachgotischer Sicht:[url]http://chess-results.com/tnr187417.aspx?lan=1&art=25&fedb=GER&turdet=YES&flag=30&wi=984[/url]Luis Engel scheint sehr sichereres Schach zu spielen - nach den Ergebnissen. Als einziger Germane rückte er nie mehr als einen Halben für seine Gegner raus.Die heutigen PartienKeymer-Abdusattorov (Setzlistenplatz 1 und lange Zeit Führender der U12 Open)Fawzy (ebenfalls lange Zeit Führender der U16 Open) -VogelsowieSieber (Führende der U16M)- Avramidou ("Gastgeberin" mit Elo 2249)entscheiden heute ziemlich sicher darüber, welche Medaillenchancen der DSJ, aber insbesondere den oben genannten Akteuren verbleiben.Spannung scheint mir für alle Partien garantiert.
Beitrag von zugzwang
Gute Platzierungen einiger deutscher Teilnehmer mit dem Glanzpunkt eines WM-Titels durch Roven Vogel.Glück und Pech gehören auch beim Schach und auch bei der Jugend dazu.Schachbund und DSJ zeigen, daß das deutsche (Vereins)Schach in der Lage ist zig Meisterspieler(innen) auszubilden, die internationale Klasse aufweisen (GM, IM).Das ist erfreulich.Für wenig wahrscheinlich halte ich es aber, daß ein wirklicher Weltklassespieler in nächster Zeit (5-10 Jahre) sich in Deutschland entwickeln kann.Profischach hat in anderen Ländern und Kulturkreisen ein besseres Ansehen.Und letztendlich schießt Geld auch im Schach Tore.Dafür haben wir tolle Spitzenmanager, Ingenieure, Programmierer und Berufspolitiker, die mit harter und ehrlicher Arbeit für eigenen Wohlstand und den der Gesellschaft sorgen. Ausnahmen bestätigen nur die Regel, daß in Deutschland eben das geschafft wird, was wirklich wichtig ist. Schach ist nur Beiwerk, Fußball ist Status.
Beitrag von Kiffing
Deutschland hat also wieder einen Jugendweltmeister. Das ist erfreulich, denn ein Titel bei einer Jugend-WM ist durchaus etwas Besonderes. Roven Vogel, der dafür bald auf Wikipedia eine eigene Seite erhalten dürfte, reiht sich damit ein in die Liste der deutschen Jugendweltmeister von Leonid Kritz (U16, 1999), Elisabeth Pähtz (U16w, 2003) und Arik Braun (U18, 2006). Es wurde also mal wieder Zeit, und wir dürfen gespannt sein, welchen Schub Roven Vogel durch diesen Titel für seine Karriere erhalten wird. Seine Motivation dürfte voraussichtlich auf ihrem Höhepunkt sein.Ansonsten ist mir mit Blick auf den [URL="http://de.chessbase.com/post/roven-vogel-ist-jugendweltmeister"]Medaillenspiegel[/URL] etwas interessantes aufgefallen: Indien liegt mit fünf Goldmedaillen, drei Silbermedaillen und drei Bronzemedaillen meilenweit vor den anderen Nationen, von denen keine andere Nation auf mehr als eine Goldmedaille kam. Selbst vergleichbare Schwergewichte wie Rußland (0/3/1) und China (0/1/0) rangieren unter ferner Liefen und übrigens auch hinter Deutschland (1/0/0). Schach boomt in Indien, während sich Berichte aus Rußland bestätigen, nach denen die frühere Sogwirkung, die das Schach auf die Massen ausübte, nicht mehr existiert.Ansonsten teile ich nicht unbedingt die pessimistische Sicht von zugzwang bezogen auf die Perspektive des deutschen Schachs. Denn zwar hat Deutschland bei dieser WM nur eine Medaille herausgeholt; diese ist aber vergoldet, und auch andere deutsche Spieler - allen voran Fiona Sieber, die vor der Schlußrunde noch auf Platz 1 lag, aber auch Josefine Heinemann (Rang 5) hatten ihre Chancen. Wie schon angemerkt wurde, stimmen die Strukturen, und zwar soweit, daß Talente hierzulande auf eine hohe Vereins- und Opendichte stoßen und sich so recht schnell entwickeln und auch entdeckt werden können. Zwar ist Schach als Randsportart nicht so gediegen, daß der DSB die Spitzenförderung alleine stemmen kann. Aber die Idee, daß nur ein (finanz)starker DSB Spitzentalente an die Weltspitze führen könne, halte ich persönlich für ähnlich verfehlt wie die einseitige Hoffnung auf einen starken Staat, der alles richte. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, daß wirkliche Schachtalente ab einem gewissen Niveau sich zunehmend von dem Breitenschach abwenden, das heißt, sie spielen kaum noch bis gar nicht in der Jugendbundesliga oder in ihrer Seniorenmannschaft, sie spielen kaum noch gewöhnliche Opens und nehmen kaum noch am Vereinstraining teil, sondern suchen sich gezielt die besonderen Herausforderungen in Form von international hochkarätigen Rundenturnieren und werden längst von ausgezeichneten Privattrainern gefördert. Der DSB kann zwar, siehe Schachjahr für Matthias Blübaum und Dennis Wagner, trotz seiner nicht auf Rosen gebetteten finanziellen Lage einiges bewirken, ist aber beileibe nicht allein verantwortlich für die Entwicklung seiner Supertalente, die sich zunehmend entkoppeln und unabhängig machen. Praktisch bedeutet dies etwa für starke Talente wie Vincent Keymer, den seine kuriose Niederlage in der letzten Runde (Zeitüberschreitung bei zwei Mehrbauern im Endspiel) noch auf den 17. Rang zurückgeworfen hat, der natürlich nicht seine wirkliche Leistung bei dieser WM widerspiegelt, daß diese sich mit Hilfe ihrer Eltern Sponsoren suchen und ihre Karriere in die eigene Hand nehmen. Beziehungen wie etwa das Treffen Vincents mit Anand oder Kasparov sind schon lange geknüpft, und wenn der übrigens vielseitig interessierte Vincent Keymer den Schritt zu einer schon früh ausgelegten Profikarriere mit der entsprechenden Fokussierung wirklich gehen möchte, so dürfte er dank seines ausgezeichneten Rufes schon heute die Möglichkeiten haben, dies auch unabhängig vom DSB in die Tat umzusetzen. Es ist also nicht die Frage, ob er das auch kann, sondern ob er dies auch will, und das ist natürlich letztendlich seine Sache.
Beitrag von Sanpelg
[QUOTE=zugzwang;24864]Dafür haben wir tolle Spitzenmanager, ....Berufspolitiker, die mit harter und ehrlicher Arbeit für eigenen Wohlstand und den der Gesellschaft sorgen. [/QUOTE]:lol: :lol:
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;24867]... Roven Vogel, der dafür bald auf Wikipedia eine eigene Seite erhalten dürfte, reiht sich damit ein in die Liste der deutschen Jugendweltmeister von Leonid Kritz (U16, 1999), Elisabeth Pähtz (U16w, 2003) und Arik Braun (U18, 2006). ...[/QUOTE]Der Deutsch-Ukrainer (?) Roman Slobodjan war meines Wissens der erste Spieler der DSJ, der einen WM-Titel errang. In der prestigeträchtigen U20-Klasse - 1995 in Duisburg.[QUOTE=Kiffing;24867]...Ansonsten ist mir mit Blick auf den [URL="http://de.chessbase.com/post/roven-vogel-ist-jugendweltmeister"]Medaillenspiegel[/URL] etwas interessantes aufgefallen: Indien liegt mit fünf Goldmedaillen, drei Silbermedaillen und drei Bronzemedaillen meilenweit vor den anderen Nationen, von denen keine andere Nation auf mehr als eine Goldmedaille kam. Selbst vergleichbare Schwergewichte wie Rußland (0/3/1) und China (0/1/0) rangieren unter ferner Liefen und übrigens auch hinter Deutschland (1/0/0). ...[/QUOTE]Die Asiaten, diesmal mit Indien.Bei den Chinesen darf man nicht vergessen, daß ihr Top-U16 oder U18 Spieler - Wei Yi - schon Anlauf auf die Open-WM nimmt und die Jugendklassen ausläßt.
Beitrag von Kiffing
[QUOTE=zugzwang;24870]Der Deutsch-Ukrainer (?) Roman Slobodjan war meines Wissens der erste Spieler der DSJ, der einen WM-Titel errang. In der prestigeträchtigen U20-Klasse - 1995 in Duisburg.[/QUOTE]Ja, und 2005 kam in der U20w eine Goldmedaille von Elisabeth Pähtz dazu. Allerdings muß hier angemerkt werden, daß die U20 bei der FIDE nicht als eine Jugendklasse, sondern als eine sogenannte [URL="http://www.schachbund.de/news/roven-vogel-ist-u16-weltmeister.html"]Juniorenklasse[/URL] firmiert, so daß die Jugendweltmeisterschaften bis zu den Klassen U18 und U18w und die Juniorenweltmeisterschaften U20 und U20w getrennt ausgerichtet werden. In Deutschland gehörten die U20 und die U20w bis 1998 zu den Jugendklassen und wurden dann - für mich übrigens völlig unverständlich - ersatzlos gestrichen.[QUOTE=zugzwang]Bei den Chinesen darf man nicht vergessen, daß ihr Top-U16 oder U18 Spieler - Wei Yi - schon Anlauf auf die Open-WM nimmt und die Jugendklassen ausläßt. [/QUOTE]Ich erinnere mich, wie es fast zum Zerwürfnis zwischen Kasparov und seinen Trainer Botwinnik kam, als 1980 Garri Kasparov als 17jähriger gegen den Willen Botwinniks zu den Juniorenweltmeisterschaften U20 [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://de.wikipedia.org/wiki/Juniorenweltmeisterschaft_im_Schach_1980". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "nach Dortmund reiste" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] und den WM-Titel vor Nigel Short gewann. Der Patriarch hielt in seiner Abneigung gegen das Schweizer-System-Format die Juniorenweltmeisterschaft für ein für Kasparov minderwertiges Turnier. :D
Beitrag von Kiffing
Roven Vogel zeigt sich ob seines Triumphes entsprechend begeistert. Seine Eltern sind es auch, mahnen in einer [URL="http://de.chessbase.com/post/presseerklaerung-von-roven-vogel-und-seinen-eltern"]Presseerklärung[/URL] aber auch Dinge an, die ihnen beim DSB, was die Jugendförderung angeht, nicht gefallen haben wie eine für sie mangelhafte "Betreuung" und Professionalität in Sithonia. Indirekt geben sie zu verstehen, daß auch sie sich die Aufnahme in eine Art "Prinzengruppe" (mit Schachjahr nach dem Abitur?) für ihren Sohn wünschen. Die Presseerklärung bietet zudem die Gelegenheit, den jungen Weltmeister, der vor dieser Veranstaltung nur Eingeweihten ein Begriff war, ein wenig näher kennenzulernen.
Beitrag von Kiffing
Hier eine ebenso öffentliche Gegenrede, Raymund Stolze antwortet den Eltern von Roven Vogel: [url]http://www.chess-international.de/[/url]Wer hat hier eher Recht, was ist eure Meinung zu dem Thema?
Beitrag von Kiffing
Mit "Mein Weg zum Weltmeistertitel" hat Roven Vogel in Zusammenarbeit mit Chess24 eine Videoserie zu seinem Erfolg herausgebracht, in dem er seine WM-Partien analysiert und auch generell sein Erfolgsrezept erläutert. Hier stellt er sein Produkt vor: [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://chess24.com/de/learn/advanced/video/mein-weg-zum-weltmeistertitel/roven-einfuehrung". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "https://chess24.com/de/learn/advanced/v ... infuehrung" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.]