Schach wird von vielen als Gradmesser der kognitiven Leistungsfähigkeit angesehen. Schachweltmeister genießen in der Öffentlichkeit den Status von Genies. Von Goethe ist etwa überliefert, daß er das Schach als Probierstein des Gehirns ansah, für Lenin war es Gymnastik des Gehirns. Doch wie stark korrelieren Schach und Intelligenz wirklich miteinander? Auf der einen Seite werden im Schach wohl doch diverse Fähigkeiten angesprochen, die durchaus zu den Eigenschaften der Intelligenz gehören. Ein Schachspieler sollte über ein gutes Gedächtnis verfügen, um sich Stellungen, Muster und Varianten gut einprägen zu können. Räumliche Vorstellungen sind wünschenswert, ebenso logisches und strategisches Denken. Und eine gute Vorstellungskraft hilft dabei, bestimmten Problemen, die sich im Laufe einer Partie auftun können, auf die Schliche zu kommen. Allerdings gibt es auch Studien, die besagen, daß es im Schach überwiegend um Mustererkennung geht, welche starke Spieler eben besonders gut beherrschen. Wahrscheinlich ist es das, was wir Intuition nennen. Zum Intelligenzquotienten großer Meister ist zu sagen, um auf die empirischen Befunde zu sprechen kommen, daß dieser recht unterschiedlich ist. Es gibt im Schach wahrhaftige Genies wie Robert Fischer, bei dem ein IQ von über 170 gemessen werden soll, aber es gibt auch Meister wie Samuel Reshevsky, bei denen nur ein durchschnittlicher Intelligenzquotient gemessen wurde. Insofern dürften diese Befunde als widersprüchlich angesehen werden, die sowohl die eine als auch die andere Seite bestätigen. Allerdings ist mir in meiner Jugend aufgefallen, daß praktisch alle starken Jugendspieler ein Gymnasium besuchen und teilweise sogar Klassen übersprungen haben. Aber es gab auch Ausnahmen von der Regel. Auch aufschlußreich könnte mir die Unterteilung der Spieler in rationale und intuitive Spieler sein. Hübner etwa war ein rationaler Spielertyp, der Unmengen an Varianten in einer Partie berechnen konnte, während Spieler wie Smyslov und Karpov, in deren Spiel eine starke Harmonie wirkte, ja sozusagen eine gewisse innere Ruhe im Spiel, zu den intuitiven Spielertypen zu rechnen sind. Im Prinzip brauchten diese Spieler weniger zu rechnen als Spieler des rationalen Typs, sondern ihre Intuition faßte im Bruchteil einer Sekunde alle wesentlichen Stellungsmerkmale auf, so daß sie auch ohne Berechnung den Schlüssel einer auch komplizierten Stellung finden konnten. Wahrscheinlich werden beim rationalen Spielertypen mehr Merkmale der Intelligenz erfordert als dies beim intuitiven Spielertypen der Fall ist, der weniger nachdenkt, sondern dem die Lösung schon so erscheint.Wie seht ihr die Korrelation von Schach und Intelligenz? Meinungen.
Beitrag von Kiffing
Hier übrigens eine Studie, nach der einfache Vereinsmitglieder im Schach bereits einen durchschnittlichen IQ von 113 aufweisen,während der Durchschnitts-IQ bei 100 liegt. In Persönlichkeitstests schneiden Schachspieler aber völlig normal ab, also soviel zum Thema, Schachspieler seien komisch. ;)[url]http://sciencev1.orf.at/science/news/147266[/url]
Beitrag von yury
[QUOTE=Kiffing;1774]Hier übrigens eine Studie, nach der einfache Vereinsmitglieder im Schach bereits einen durchschnittlichen IQ von 113 aufweisen,während der Durchschnitts-IQ bei 100 liegt. In Persönlichkeitstests schneiden Schachspieler aber völlig normal ab, also soviel zum Thema, Schachspieler seien komisch. ;)[url]http://sciencev1.orf.at/science/news/147266[/url][/QUOTE]Ich halte den IQ zwar grundsätzlich für nicht besonders aussagekräftig, aber ein gemessener durchschnittlicher IQ von 113 (also höher als 81% der Bevölkerung) dürfte selbst bei nur 90 Probanden einigermaßen sicher die höhere Intelligenz von Schachspielern zeigen.Allerdings könnte das z.B. auch daran liegen, dass sich Menschen mit einem höheren IQ eher für Schach interessieren, was ich ziemlich plausibel finde.
Beitrag von Maschendrahtzaun
Wenn man annimmt, dass auch das Interesse für Schach bei weniger intelligenten Personen genauso ausgeprägt ist wie bei intelligenteren Personen, kann es sein, dass weniger intelligente Personen aufgrund geringerer Fortschritte, die zu Beginn erzielt werden ein höheres Frustrationspotential besitzen, vielleicht eher das Handtuch hinwerfen.Dies gilt aber nur, wenn man die Annahme, dass Intelligenz mit der Spielstärke im Schach korreliert.Ein Grund, warum sich mehr intelligente als weniger intelligente Personen für Schach interessieren, könnte sein, dass die soziale und selbst empfundene Rolle intelligenterer Menschen eher mit Schach und den damit verbundenen Rollenbildern neigt.Da wiederum wirft sich dann die ganz eigene Frage auf, welche Korrelation zwischen Intelligenz und nichtschachlichem Erfolg, also zum Beispiel schulischem oder beruflichem - auch das werden wir wohl eher nur schwerlich lösen können.
Beitrag von Aimbot
nette Statistik, die Kiffing da ausgegraben hat :). ich bin auch der Meinung, dass intelligentere Menschen eher zum Schachspielen neigen.viel interessanter finde ich aber die Frage ob im Durchschnitt richtig gute Schachspieler auch intelligenter sind, bzw ob intelligentere Menschen mehr Erfolg im Schach haben. Es wird ja auch immer wieder von Naturtalenten geredet, die mit wenig Übung schon super gut wären.Ich halte diese Naturtalente für ein Gerücht. Auch Naturtalente müssen viele Stunden täglich investieren um in der Weltspitze zu sein. Nach der [URL="http://karrierebibel.de/10000-stunden-regel-%E2%80%93-was-erfolgreiche-gemein-haben/"]10.000-Stunden-Regel[/URL] gibt es niemanden, der 5000 Stunden investiert und schon an der Weltspitze kratzt.[QUOTE]Allerdings ist mir in meiner Jugend aufgefallen, daß praktisch alle starken Jugendspieler ein Gymnasium besuchen und teilweise sogar Klassen übersprungen haben.[/QUOTE]Kann ich bestätigen. Begründe ich aber damit, dass starke Schachspieler einfach sehr ehrgeizig sind.
Beitrag von Kiffing
Wobei man als "Normalsterblicher" natürlich schnell an seine Grenzen stößt. Ich habe z. B. in meiner Schulzeit viel für Mathe getan, aber es trotzdem nie verstanden. Das heißt, mir fehlte es da an Talent, um in diesem Fach auch außergewöhnliche Leistungen zu Stande zu bringen. Deswegen denke ich, daß die Weltstars natürlich alle viel fürs Schach getan haben und auch nach wie vor tun, daß sie aber durch ihr Talent die Fähigkeit besitzen, gelerntes auch gut verarbeiten zu können. Sie können einfach das Gelernte besser verstehen und entwickeln sich schneller weiter als andere, die denselben Lehrstoff beigebracht bekommen haben. Wer viel lernt, aber kein Talent hat, der wird bestenfalls in seinem Metier ein guter Handwerker, das Besondere, das gewisse Etwas dagegen wird ihm fehlen, also genau das, was ihn aus der Masse herausragen läßt.
Beitrag von yury
[QUOTE=Aimbot;2315]Kann ich bestätigen. Begründe ich aber damit, dass starke Schachspieler einfach sehr ehrgeizig sind.[/QUOTE]Abgesehen davon, dass die Korrelation von Intelligenz und Schulleistungen nicht so eindeutig ist - warum sollten starke Schachspieler in der Schule besonders ehrgeizig sein? Könnte es nicht auf der anderen Seite sogar umgekehrt sein: Wenn sie viel Zeit in Schach investieren, sinkt ihr Engagement in der Schule? Außerdem ist ja nicht jeder gut in der Schule, der ehrgeizig ist und umgekehrt...
Beitrag von Kiffing
Die Teilnehmer an unserer Umfrage, die sich bezüglich der Korrelation von Schach und Intelligenz für einen Mittelwert entschieden haben, sind zu einer richtigen Einschätzung gelangt. Zumindest wenn es nach der [Hier befand sich ein Link auf die Seite "https://www.schachburg.de/threads/1051-Schach-in-Film-und-Fernsehen". Der Link wurde vom Benutzer mit dem Titel "Terra X-Folge" versehen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist es möglicherweise erforderlich, diesen Hinweis beizubehalten, da manche Benutzer die Quelle ihrer Zitate von anderen Internetseiten so gekennzeichnet haben. Dieser Hinweis wurde automatisch an Stelle des früheren Links platziert. Falls der Link unangemessen oder ohnehin unerreichbar geworden ist, kann die im Impressum genannte Adresse mit einer Bitte um Entfernung kontaktiert werden.] vom 3.1.2016 geht, wo Vincent Keymer und Marc Lang im Fokus standen. Dort wurde aus einer Studie von Grazer Wissenschaftlern zitiert, wo wörtlich von einem "mittelstarken Zusammenhang" zwischen Schach und Intelligenz die Rede war. "Training, Gedächtnis und die numerische Intelligenz" seien die "Zutaten" für einen starken Schachspieler. Dies widerspricht nicht der These, das Schachdenken sei sehr spezifisch, denn es geht hier um Korrelationen und nicht um Kausalitäten. Eine Kausalität beim Schach kann eben schon deshalb nicht gegeben sein, weil sich Schach nicht in mathematische Formeln pressen lasse, um ein Apercu von Gottfried Wilhelm Leibniz zu zitieren. Das muß nicht schlecht sein, denn wäre es anders, gäbe es für das Schach nicht diese Faszination, und die indische Weisheit wäre nie entstanden, nach der das Schach ein See sei, wo eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken könne. Es besteht das Spannungsverhältnis zwischen dem Logischen und dem Phantastischen.
Beitrag von Babylonia
Ich habe eine sehr kritische Einstellung gegenüber Standard IQ - Tests, weil dort verschiedene Ausprägungen von Intelligenz überhaupt nicht gemessen werden. Nachdem meine Sprachenlernbegabung in solchen Tests ungetested blieb, leite ich von solchen Tests keine Erkenntnisse mehr ab. Schach erfordert folgende Elemente der Intelligenz:1. Logisches Denken und Kombinieren2. Entwicklung von Strategien3. Hohe Konzentration, in Turnierpartien über mehrere Stunden4. Gutes Gedächtnis5. Gute visuelle Erfassung von Schachstellungen6. Fähigkeit zum Berechnen der eigenen Züge und der Züge des Gegners7. Kampfbereitschaft auf geistigem GebietBabylonia