Norwegen hat durch Magnus Carlsen einen ungeheuren Schachboom erfahren, und so ist der norwegische Schachverband dazu in der Lage, ein neues Super-Turnier aus dem Boden zu stampfen, das sich in der Schachwelt neben den anderen bekannten Traditionsturnieren etablieren soll. Das Turnier findet zwischen dem 7. - 18. Mai statt und bietet ein illustres Teilnehmerfeld, so daß sich schon jetzt dieses neue Turnier nicht hinter anderen etablierten Super-Turnieren in der Schachwelt zu verstecken braucht. Magnus Carlsen tritt an, und auch der Weltmeister ist dabei. Die Schachwelt wird dieses Duell Magnus Carlsen vs. Vishy Anand mit Spannung verfolgen. Weitere bekannten Gesichter aus London sind Lewon Aronian, Peter Swidler und Teimur Radjabow. Spannend wird die Frage sein, ob sich Radjabow von dem furchtbaren Schlag in London wird erholen können. Mit Weselin Topalov, Hikaru Nakamura und Sergei Karjakin sind drei weitere Super-Großmeister dabei, die durchaus das Kandidatenturnier geschmückt hätten. Weselin Topalov ist ein ähnlicher Spielertyp wie Lewon Aronian, und so verspricht dieses Turnier spannendste Duelle. Das Teilnehmerfeld runden ab Wang und Hammer.
Beitrag von zugzwang
[QUOTE]... Weselin Topalov ist ein ähnlicher Spielertyp wie Sergei Aronian, und so verspricht ...[/QUOTE]Levon Karjakin gilt dagegen eher als Spieler klassischen Zuschnitts.:P
Beitrag von Kiffing
Da bin ich wieder am Vortag dieses so bedeutenden Schachturniers, das insbesondere für den norwegischen Schachverband ein Meilenstein sein dürfte. Das Turnier beginnt also morgen, und zwar um 17:00. Die Zeiten sind freilich etwas gewöhnungsbedürftig, so wird insgesamt an vier verschiedenen Zeiten gespielt, die meiste Zeit aber um 15:00. Hier die Spieltermine im Überblick:07/05/2013 - 07/05/2013 Tuesday 17:0008/05/2013 - 08/05/2013 Wednesday 15:0009/05/2013 - 09/05/2013 Thursday 15:0010/05/2013 - 10/05/2013 Friday 15:0011/05/2013 - 11/05/2013 Saturday 09:0012/05/2013 - 12/05/2013 Sunday 15:0013/05/2013 - 13/05/2013 Monday 15:0014/05/2013 - 14/05/2013 Tuesday 15:0015/05/2013 - 15/05/2013 Wednesday 15:0017/05/2013 - 17/05/2013 Friday 15:0018/05/2013 - 18/05/2013 Saturday 12:00Die Turnierseite ist hier zu finden: [url]http://norwaychess.com/en/[/url]Wie wird dieses erste Fernduell zwischen den beiden WM-Gegnern Carlsen und Anand laufen? In welcher Form befindet sich Kramnik? Und wird Topalov nach seinem Hurra-Sieg in Zug ein Wörtchen um den Turniersieg mitzureden haben? Fragen über Fragen, die ab morgen geklärt werden können! :top:
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19199]...In welcher Form befindet sich Kramnik? ...[/QUOTE]Nach meinem Informationsstand ist die Form von Kramnik für dieses Turnier eher nebensächlich.Die Form von Vielspieler Peter Svidler wird vermutlich wieder ansteigen - die "Pause" legte er ausgerechnet bei seinem halben Heimturnier "Alekhine Memorial" ein.
Beitrag von Kiffing
Ja ist richtig, er hat auf einmal gemerkt, wie voll sein Terminkalender derzeit ist. ^^Heute ist übrigens nur Blitzen. Morgen ab 15:00 geht es dann richtig los. Der Termin am 11. 5. scheint auch was vom normalen Turnierverlauf abweichendes zu sein. Deshalb nochmal alle Runden hier im Thread:08/05/2013 - 08/05/2013 Wednesday 15:00 1. Runde09/05/2013 - 09/05/2013 Thursday 15:00 2. Runde10/05/2013 - 10/05/2013 Friday 15:00 3. Runde12/05/2013 - 12/05/2013 Sunday 15:00 4. Runde13/05/2013 - 13/05/2013 Monday 15:00 5. Runde14/05/2013 - 14/05/2013 Tuesday 15:00 6. Runde15/05/2013 - 15/05/2013 Wednesday 15:00 7. Runde17/05/2013 - 17/05/2013 Friday 15:00 8. Runde18/05/2013 - 18/05/2013 Saturday 12:00 9. Runde (e)
Beitrag von Kiffing
Die erste Runde läuft nun seit einer Stunde mit den Paarungen:Magnus Carlsen vs. Weselin TopalovVishy Anand vs. Lewon AronianHikaru Nakamura vs. Wang HaoPeter Swidler vs. Jon Ludwig HammerSergei Karjakin vs. Teimur RadjabovVor allem die ersten beiden Bretter haben es in sich und sind absolute Gipfeltreffen, wer wird sich durchsetzen im Duell des Topfavoriten gegen den strahlenden Sieger von Zug? Und wie wird sich der Weltmeister gegen den Weltranglistenzweiten Lewon Aronian behaupten? Die Duelle versprechen alle fünf spannendste Erkenntnisse! :top:
Beitrag von Kiffing
Am Anfang war ich persönlich ein bißchen enttäuscht vom absoluten Gipfeltreffen zwischen Magnus Carlsen und dem in Zug mit einem Paukenschlag wieder in die absolute Weltspitze vorgedrungenen Weselin Topalov, denn schon schnell verflachte das Spiel nach forcierten Abtäuschen. Doch was danach kam, entschädigte mich dann bei weitem. Es war eine Demonstration des Könnens, die danach stattgefunden hatte. Präzise wie eine Monster-Engine spulten beide Schachmeister ihre Manöver herunter; sie spielten fehlerloses, ja perfektes Schach, schenkten sich nichts, aber neutralisierten sich gegenseitig, sie waren in dieser Begegnung absolut gleichstark. Nach dieser Zelebrierung formvollendeter Kunst bin ich mir sicher, daß derzeit nur Carlsen und Topalov 2900er Niveau spielen können. Sie werden den Turniersieg unter sich ausmachen.Der Weltmeister und Lewon Aronian spielen schon beständig auf extrem hohem Niveau und können auch in diesem Turnier wieder eine große Rolle spielen. Wie London 2013 bei beiden und das Aljechin-Memorial bei Aronian gezeigt haben, sind beide Spieler auch derzeit in guter Form - aber in keiner überragenden wie Carlsen oder Topalov. Der Weltmeister hatte mit der Spanischen Partie diesmal ein interessantes Konzept ausgebrütet und wartete mit der Botwinnik-Struktur auf, und das als Weißer! Nachdem sich beide Parteien positioniert hatten, war es dann Lewon Aronian, der, scheinbar ganz in seinem Element, mit einem Scheinopfer seines Läufers das Interesse der Kiebitze auf diese Partie lenkte. Nachdem sich der Rauch gelegt hatte, erkannten dann aber auch die Letzten, daß es sich dabei in Wirklichkeit um eine forcierte taktische Variante handelte, die geradewegs ins Remis führte. Beide Schachmeister werden damit leben können und halten sich für dieses Turnier noch alle Optionen frei.Die drei gewonnenen Weißpartien an den anderen Brettern dagegen glichen sich frappierend, denn in allen drei Fällen gelang es Weiß, seinen Gegner zu überspielen, in ein besseres Endspiel überzuleiten und den Vorteil dort in einen verdienten Sieg umzumünzen. Besonders ärgerlich ist die Niederlage für den wieder einmal enttäuschend agierenden Teimur Radjabov. Radjabov, der noch bis vor kurzem 2794 Elo schwer war, setzt seine in London 2013 eingeleitete und in Zug fortgesetzte Talfahrt fort, die dramatische Formen aufweist. [Event "Norway Chess Tournament"][Site "0:46:33-0:39:33"][Date "2013.05.08"][EventDate "2013.05.07"][Round "1"][Result "1/2-1/2"][White "Carlsen"][Black "Topalov"][ECO "A30"][WhiteElo "?"][BlackElo "?"][PlyCount "2"]1.c4 c5 2.Nf3 Nf6 3.g3 Nc6 4.Bg2 d5 5.cxd5 Nxd5 6.d4 cxd4 7.Nxd4 Ndb4 8.Nxc6 Qxd1+ 9.Kxd1 Nxc6 10.Nc3 Bd7 11.Be3 g6 12.Rc1 Bg7 13.Kc2 Rc8 14.Rhd1 Na5 15.Bd4 Bf5+ 16.e4 Bxd4 17.Rxd4 Be6 18.b3 f6 19.f4 Kf7 20.Kb2 Rhd8 21.Rcd1 Rxd4 22.Rxd4 Nc6 23.Rd2 h6 24.Bf3 Bh3 25.Nb5 h5 26.Be2 h4 27.Bc4+ Be6 28.Bd5 hxg3 29.hxg3 a6 30.Nc3 Rd8 31.Na4 Bxd5 32.exd5 Nb4 33.Nc3 Nc6 34.Ka3 Na7 35.Kb4 Nc8 36.Ne4 Nd6 37.Nc5 Rc8 38.Ne6 b6 39.Rh2 Nf5 40.g4 Ne3 41.Rh7+ Ke8 42.Rh8+ Kd7 43.Rxc8 Kxc8 44.g5 Nxd5+ 45.Kc4 Ne3+ 46.Kd4 Nf5+ 47.Ke4 Kb7 48.Nf8 Nd6+ 49.Kd5 fxg5 50.fxg5 Nf7 51.Nxg6 Nxg5 1/2-1/2
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19225]...Die drei gewonnenen Weißpartien an den anderen Brettern dagegen glichen sich frappierend, denn in allen drei Fällen gelang es Weiß, seinen Gegner zu überspielen, in ein besseres Endspiel überzuleiten und den Vorteil dort in einen verdienten Sieg umzumünzen...[/QUOTE]:grübel:In der Partie Svidler-Hammer sah es für mich wie ein gleiches Endspiel aus, das Hammer nach und nach entglitt.Faszinierend und erschreckend zugleich wie eine Stellung, die sogar mal leicht vorteilhaft aussah, sich zu einem Problem verwandelt.Und endlich wurde das Thema Turmendspiel mit 4:3-Bauern bei freiem a-Bauern mal wieder auf höchster Ebene behandelt.Vor ein paar Jahren gab es ja mal ein paar Artikel dazu in "Schach" anläßlich der Musterpatie Krakops-Dautov und einer verlorenen Partie der KO-WM von Las Vegas zwischen Akopjan und Kiril Georgiev.Erkenntnisse und Ergebnisse wurden auch in Dworetzkis Endspieluniversität umfangreich eingearbeitet.Die heutige Partie zeigt mir mal wieder, wie wenig "sicher" meine damaligen Erkenntnisse sitzen. Festzustellen bleibt, daß Hammer eine ganzandere Verteidigungsmethode verfolgte, als sie üblicherweise angestrebt wird.Hammer ging nicht hinter den Bauern sondern verteidigte seitlich.Ich dachte eigentlich, mit dem Verfahrenhinter dem Bauern hätte man immer noch brauchbare Remischancen, wenn man die Bauern am Königsflügel rechtzeitig zu einem Gegenspiel einsetzen kann.Die älteren Analysen zeigen wie kompliziert und genau beide Seiten vorgehen müssen.Vielleicht zu schwierig nicht nur für Amateure.Hammers Verteidigungsplan wirkt verdächtig, aber vieleicht nur für mich, der diese Turmendspiel trotz Bemühens immer nur rudimentärst versteht.
Beitrag von Kiffing
Auch die 2. Runde führte wieder zu drei entschiedenen Partien. Die glücklichen Gewinner waren Lewon Aronian, Sergei Karjakin und Hao Wang. Vor allem für Sergei Karjakin stehen die Zeichen diesmal gut. Karjakin, der in Zug ein eher durchwachsenes Turnier gezeigt hat, liegt nach seinen Siegen gegen Radjabov und Hammer in Führung. Im Spiel zwischen GM und Super-GM war ein deutlicher Spielstärkeunterschied zu sehen. Zeigte Sergei Karjakin erst starkes Positionsspiel wie bspw. 5. ...Lb4+, um den Lc1 auf ein ungünstiges Feld zu zwingen oder eine nachhaltige In-Szene-Setzung seiner Läufer, so riß der gebürtige Ukrainer mit seinem 25. Zug durch eine kreative taktische Idee die Initiative endlich an sich. Der Norweger hatte diesen Zug anscheinend nicht auf dem Radar gehabt und zeigte sich gegenüber dem Gegner zunehmend hilflos. Gekonnt gewann Karjakin immer mehr Terrain, seine beiden Läufer waren gegen den norwegischen König gerichtet, und er eroberte die entscheidende offene e-Linie, die Haupteinfallsstraße für seine Schwerfiguren. Das war zuviel für den Weißen, der längst jeden Handlungsspielraum eingebüßt hatte und zusehen mußte, wie Karjakin forciert in ein gewonnenes Endspiel abwickelte und dort sicher den Punkt holte.Auch im Spiel Lewon Aronian gegen Hikaru Nakamura war es wieder die Taktik, welche die entscheidende Wende brachte. Im 24. Zug übersah der gebürtige Japaner einen Zwischenzug, mit dem der Weltranglistenzweite seinen Springer auf d6 überführen und diesem dort eine mächtige Wirkung verleihen konnte. Der Gegner war nun vollständig paralysiert, und jeder, der Nakamura kennt, weiß, daß er sich nun noch unwohler fühlt als andere Spieler in vergleichsweisen Situationen. Der Fehler ließ von daher auch nicht lange auf sich warten. Bei dem Versuch, sich mit der Brechstange zu befreien, spielte Nakamura ein inkorrektes Bauernopfer. Für den so entstandenen Freibauern, der für Weiß aber leicht aufzuhalten war, erhielt Weiß auf dem Damenflügel eine zu gewaltige und mit Figuren optimal unterstützte Zweibauernmehrheit, die schnell die Entscheidung herbeiführte.Peter Swidler indes scheiterte mit seinem Bauernopfer für Linienöffnung und Angriffsspiel gegen den klein rochierten König des Chinesen. Nach langem und ausdauerndem Kampf setzte sich der Materialvorteil von Hao Wang durch und verbannte den Russen erst einmal aus den Spitzenregionen des Teilnehmerfeldes. Im mit Spannung erwarteten Topspiel - ein Vorgeschmack auf den zukünftigen WM-Kampf in Chennai – zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand gab es ein leistungsgerechtes Unentschieden. Die Vorteile der beiden, Carlsens Zentrum und Anands starker Damenflügel, hielten sich ungefähr die Waage, woran auch das Endspiel nichts änderte. Am Ende hatten sich alle Figuren mit Ausnahme eines weißen Springers abgetauscht. Weselin Topalov wird mit seinem Remis hingegen mit Weiß gegen den krisengeschüttelten Radjabov nicht zufrieden sein. Aber nie hatte er es geschafft, auch nur ansatzweise zu einem Vorteil zu kommen während der Partie. Sein Gegner zeigte sich extrem solide und machte keine Fehler.Heutige Paarungen:Radjabov – HammerNakamura – CarlsenKarjakin – WangSwidler – AronianAnand – TopalovEs wird heute mit einem Sieg von Magnus Carlsen gerechnet, der bekannt dafür ist, gegen andere Topleute nur zu remisieren, aber schon relativ deutlich schwächere Gegner dafür umso sicherer bezwingen zu können. Natürlich ist Hikaru Nakamura mit seinen 2767 Elo alles andere als ein Leichtgewicht. Aber er spielt zuweilen ungenau, was Carlsen in der Regel sehr gut auszunutzen weiß. Sergei Karjakin hat gegen Hao Wang nun die Chance, sich mit 3/3 vom Teilnehmerfeld abzusetzen, und auch für Lewon Aronian geht es gegen Swidler um eine gute Ausgangslage für den Rest des Turniers. Eine weitere Toppartie ist natürlich das Spiel des neuen Himmelsstürmers Topalov gegen den Weltmeister. Es wird sicher wieder sehr spannend und gehaltvoll werden.
Beitrag von Kiffing
Das Super-Turnier in Stavanger gefällt mir schon jetzt spielerisch weitaus besser als das Aljechin-Memorial. Drei Runden sind nun gespielt worden, und zum dritten Mal in Folge gab es drei Gewinnpartien. Es war vor allem die Klasse der Partien, die beeindruckte. Wenn das so weitergeht, könnte Stavanger 2013 ein unvergessenes Turnier werden, auf einer Stufe mit dem legendärem Zürich 1953.Den Vogel schoß heute der Weltmeister ab, ein Spieler, der schon seit Jahrzehnten die Schachwelt mit immer neuen Perlen begeistert und dabei ist, Unsterbliches zu schaffen und sich selbst ein Denkmal aufzusetzen. Er ist ein Mann, vor dem man einfach Respekt haben muß, er ist eine der größten Figuren der Schachgeschichte, eine lebende Legende.Der Weltmeister ist ein anderer Spielertyp als Magnus Carlsen. Er weicht nicht den Hauptvarianten aus, sondern spielt sie, und durch sein hohes Eröffnungswissen dringt er tief in die Philosophie dieser Varianten ein. Er und sein gewaltiger Gegner, der Held von Zug, Weselin Topalov, lieferten sich ein spannendes Theorieduell im Englischen Angriff der Najdorf-Variante (weiß jemand, was hier die Neuerung war?). Topalov verfolgte dabei ein fragwürdiges Konzept. Er ging mit seiner Dame nach h2, um von dort aus den Damenflügel zu bedrohen, aber natürlich fehlte die Dame dafür im Zentrum, was der Weltmeister gekonnt auszunutzen wußte. Er hatte definitiv weiter gedacht als sein Gegner, als dieser meinte, mit 31. ...De3 in letzter Minute mit seiner Dame ins Zentrum zurückkehren zu können, um von dort die Stellung zu halten. Dies war aber schon nicht mehr der Fall, denn Anand überraschte den Bulgaren nun mit 32. Dh1!! und damit mit einem Zug, der an Schönheit und Tiefe nicht mehr zu überbieten war. Mit dem überraschenden Damenschwenk sorgte Anand für die endgültige Eroberung des Zentrums, weil die schwarze Dame nun den Angriffen der weißen Türme hilflos ausgesetzt ist, und er droht am Damenflügel mit dem Hebel h5. Unter diesem Druck brach Topalov dann nicht überraschend zusammen, 33. ...De5? war ein grober Fehler, der Anand die Möglichkeit zur sofortigen Entscheidung gab. Mit einer Traumkombination erntete der Weltmeister dann die Früchte seiner glänzenden Spielanlage und sorgte für einen würdigen Abschluß einer Partie, welche die Schachwelt niemals vergessen wird und die immer zu den Klassikern im Schach gehören wird. Der Weltmeister ist nun ein ganz heißer Aspirant auf den Turniersieg, er hat zwar „nur“ 2/3, hat aber mit Magnus Carlsen, Weselin Topalov und Lewon Aronian die gefährlichsten Gegner schon hinter sich. Gegen die „leichteren“ Kaliber muß er nun eifrig punkten, dann gewinnt er das Turnier. Ich drücke ihm die Daumen dafür!Der Weltranglistenerste, Lokalmatador Magnus Carlsen, der den Weltmeister bald herausfordern darf, kommt hingegen nicht so richtig in Fahrt. Er zeigte schon das dritte Remis in Folge und ist damit im Turnier noch ohne Sieg. Sein Spiel gegen Hikaru Nakamura wirkte dabei seltsam uninspiriert. Stattdessen gibt es mit Sergei Karjakin nun einen Anwärter auf den Titel, den vorher nur wenige auf der Rechnung gehabt haben dürften. Karjakin behauptet mit 3/3 eine makellose Bilanz und beginnt, dem Teilnehmerfeld langsam bedrohlich zu enteilen. Sein Vorsprung besteht nun nach nur drei Runden schon aus einem ganzen Punkt. Gegen Hao Wang siegte er mit einer technisch eindrucksvollen Vorstellung und tollem Positionsspiel, zermürbte langsam, aber sicher den Gegner, der am Ende keine Chance mehr für sich im Endspiel sah und entnervt aufgab.Der Pechvogel der letzten Zeit, Teimur Radjabov, hatte mit dem in diesem Turnier offenbar überforderten Jon Ludwig Hammer den idealen Aufbaugegner und spielte ihn erbarmungslos an die Wand. Das wird ihm hoffentlich wieder das nötige Selbstvertrauen geben, um auch Spiele gegen andere Super-GMs wieder erfolgreicher zu bestreiten. Ansonsten gab es ein eher ruhiges Remis zwischen Peter Swidler und Lewon Aronian. Auch der Weltranglistenzweite ist mit 2/3 noch gut dabei und zusammen mit Anand der zur Zeit gefährlichste Jäger für den Tabellenführer Sergei Karjakin. [Event "Norway Chess Tournament"][Site "Sandnes NOR"][Date "2013.05.10"][EventDate "2013.05.08"][Round "3"][Result "1-0"][White "V Anand"][Black "V Topalov"][ECO "B90"][WhiteElo "2783"][BlackElo "2793"][PlyCount "82"]1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 a6 6. Be3 e5 7. Nb3 Be6 8.f3 Be7 9. Qd2 O-O 10. O-O-O Nbd7 11. g4 b5 12. Rg1 Nb6 13. Na5 Rc8 14. g5Nh5 15. Kb1 Nf4 16. a3 g6 17. h4 Qc7 18. Bxf4 exf4 19. Nd5 Bxd5 20. exd5Nxd5 21. Qxd5 Qxa5 22. Rg4 Rc5 23. Qb3 d5 24. Rxf4 Qc7 25. Rfd4 Qh2 26. c3Rd8 27. Qc2 Qg3 28. f4 Bd6 29. Bg2 Bxf4 30. Bxd5 Kg7 31. Qe4 Qe3 32. Qh1Rd7 33. R1d3 Qe5 34. Qf3 Bh2 35. Be6 Re7 36. Re4 Rxe6 37. Rxe5 Rcxe5 38.Rd8 Re4 39. Ka2 Bf4 40. Rd7 Kg8 41. Ra7 1-0
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19247]...Der Weltranglistenerste, Lokalmatador Magnus Carlsen, der den Weltmeister bald herausfordern darf, kommt hingegen nicht so richtig in Fahrt. Er zeigte schon das dritte Remis in Folge und ist damit im Turnier noch ohne Sieg. Sein Spiel gegen Hikaru Nakamura wirkte dabei seltsam uninspiriert...[/QUOTE]Ich bin nun wirklich kein Carlsen-Fan, obwohl ich es sein müßte. Schließlich war zu meiner Schach-Anfangszeit Karpov die große Nummer.Und an dem wurde auch immer wieder herumkritisiert und man fragte sich warum er dies und das gegen die besten der Welt irgendwie gewinnt.Ähnlich ergeht es jetzt teilweise Carlsen. Bei manchen Siegen fragt man sich, wo der Gegner eingebrochen und "gefehlert" hat.Carlsen hat heute einen gravierenden Nachteil gegenüber dem Tolya aus den 70er und 80er.Anhand der engines ist es heute deutlich einfacher, wenn auch nicht gänzlich fehlerfrei, herauszufiltern, wo die Gegner "fehlerten" oder wo der Meister selbst Glück hat.Früher blieb da ein größeres Mysterium der Unwissenheit und des Rätsels.Trotz allem spielte Karpov auch schon früher tolle Partien für das Auge und Magnus Carlsen macht dies auch heutzutage.Bei der Klasse der heutigen Schachspitze sind diese Perlen aber wesentlich seltener zu produzieren. Zu hart sind die anstrengungen schon um einen substantielleren Eröffnungsvorteil, von dem aus man brillieren und den Gegner fast vorführen kann.Leute, die teilweise aggressiver und damit mehr für das Zuschauerauge spielen, sind vermutlich Charakter wie Shirov, Morozevich und zeitweise Topalov und Chucky.Doch gerade diese Beispiele zeigen, wie schwierig es ist, auf dem Topniveau nach Elo und Turniererfolgen zu bleiben, wenn man "zu kreativ" spielt und den vorgegebenen Stellungen etwas mehr abverlangt, als in ihnen drinsteckt.Zur gestrigen Partie:Was soll Carlsen als Schwarzer machen?Nakamura, ein guter Kunde von ihm, kommt mit einer "Schleichvariante" an. Das kann durchaus giftig werden, wenn man in die Vorbereitung läuft.Schwarz, also Carlsen, spielt anscheinend eexzellent. Weiß hat keinen Futzel Vorteil und muß bald genau balancieren, um Ausgleich zu halten. Carlsen opfert als Schwarzer einen Bauern für ein starkes Zentrum und einen giftigen Läufer auf der großen weißfeldrigen Diagonalen.Er kann das Spiel aber nicht verhexen. Schach ist kein Wunschkonzert und wenn Naka, ja mittlerweise ein beständiger "Topten-Spieler" der Szene, nicht irgendwo nochmal Luft reinläßt, dann müßte Carlsen die Stellung "mißhandeln", um irgendwelche dubiosen Chancen zu erhalten.Ein Spiel auf Fehler des Gegners mit großen eigenen Risiken ist aber nicht unbedingt das, was viele unter Klasse-Schach verstehen. Das ist eher interessante "Schach-Zockerei" und bringt sicher einige Aufregung und Unterhaltung.Ich finde, man darf von den Schachspitzenspielern nicht permanent verlangen, daß sie den Entertainer oder Comedian des Schachpublikums machen. Das widerspricht einem erfolgreichen und hochklassigen Schachstil.Manche Zuschauerkommentare, z.B. auf chessbomb, zeigen nur, daß die Leute überzogene und unangemessene Erwartungen an eine Schachwettkampfpartie haben.Carlsen und Co können schon gar nicht aus jeder Schwarzpartie einen Schachthriller mit vielen Spannungsbögen und einen actionreichen Showdown machen.Schachwettkämpfe der Spitzenklasse haben keine Drehbücher ala Hollywood oder so.Ich finde den Begriff "uninspiriert" gerade am Beispiel der gestrigen Partie unpassend.Und am Vortag gegen Vishy:Der Anfang wirkte etwas plätschernd und siehe da, Carlsen erhielt eine Stellung mit durchaus vorhandene Gewinnchancen und Problemen für Vishy. Das gelingt beileibe nicht allen Spitzenspielern. Daß dies nicht mit Opfer, Opfer, Matt usw. oder Schach, Schlag, Schluuußßß gegen einen der besten Spieler aller Zeiten geht, versteht sich von selbst.Nach meinem Eindruck hat Carlsen nachgewiesen, daß Vishy nach wie vor Probleme gegen 3. Lb5+ im Sizilianer hat und bestimmt nicht den Stellungstyp erreicht der ihm vorschwebt, wenn er zu Sizilianisch greift.Nahezu 0 Gewinnchancen bei der Klasse seines Gegners und ein langer Überlebenskampf.Fazit: Im Schach kann man nicht in jeden Stellungstyp "Inspiration" bringen, wenn man erfolgreich spielen will und kein Vabanque-Spiel anstrebt.
Beitrag von Kiffing
[QUOTE=zugzwang;19252]Bei der Klasse der heutigen Schachspitze sind diese Perlen aber wesentlich seltener zu produzieren. Zu hart sind die anstrengungen schon um einen substantielleren Eröffnungsvorteil, von dem aus man brillieren und den Gegner fast vorführen kann.Leute, die teilweise aggressiver und damit mehr für das Zuschauerauge spielen, sind vermutlich Charakter wie Shirov, Morozevich und zeitweise Topalov und Chucky.Doch gerade diese Beispiele zeigen, wie schwierig es ist, auf dem Topniveau nach Elo und Turniererfolgen zu bleiben, wenn man "zu kreativ" spielt und den vorgegebenen Stellungen etwas mehr abverlant, als in ihnen drinsteckt.[/QUOTE]Na ja, ganz so pessimistisch sehe ich das jetzt nicht. Ich würde z. B. Deine Auflistung gerne um Lewon Aronian ergänzen, und der ist mit stolzen 2809 immerhin der Weltranglistenzweite. Und der andere absolute Spitzenspieler, der für kreatives Angriffsspiel bekannt ist, Weselin Topalov, hat gerade mit deutlichem Vorsprung das Grand-Prix-Turnier in Zug gewonnen. Schachexperten sind sich darin einig, daß Topalov in der Vergangenheit noch größere Erfolge hätte erzielen können, wenn er sich nicht zuweilen selbst im Weg stand und sich durch unnötige Fehler um die Früchte seiner Arbeit brachte. Und auch so war Topalov mal Weltmeister. Ansonsten hält es sich so die Waage, was den Stil der bisherigen Weltmeister angeht. Karpov und Capablanca etwa waren betont positionell, und Tigran Petrosjan sogar durchaus defensiv orientiert. Aber es gab ja auch die anderen wie Aljechin, Tal, Fischer und - gar nicht solange her - Garri Kasparov. Schach ermöglicht es vielen Spielphilosophien, miteinander auf Augenhöhe ihre Kräfte messen zu lassen. Und die Vorteile einer Offensivstrategie gegenüber eines Perfektionsstils liegen ja auf der Hand. Der Angriffskünstler stellt den Gegner vor mehr Probleme als der Perfektionist, so daß er leichter den Sieg einfahren kann und mehr Partien gewinnt. Natürlich hat er gegenüber dem Perfektionisten auch seine Nachteile. Aber daran, daß Angriffsspieler nicht zur absoluten Weltspitze vordringen können, glaube ich nicht. Das gibt auch empirisch die Schachgeschichte nicht her.Was die gestrige Carlsen-Partie angeht, so sollte man meine Beurteilung in Relation zu der Spielstärke Carlsens setzen. Hätte ein Jon Ludwig Hammer gegen Nakamura so gespielt wie gestern Carlsen, hätte ich durchaus von einer ausgezeichneten Leistung Hammers gesprochen. Aber der Schwarzspieler war gestern Carlsen, und da liegen die Erwartungen natürlich ungleich höher. Es ist nun einmal ein Fakt, daß Carlsen mit drei Remis nicht zufrieden sein kann mit dem bisherigen Turnierverlauf. Allerdings gebe ich Dir Recht damit, daß seine Partien bisher auch für seine Verhältnisse nicht schlecht waren. Es fehlt aber durchaus der Reiz des Besonderen, was z. B. Vishy Anand gestern geleistet hat.
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19253]... Und der andere absolute Spitzenspieler, der für kreatives Angriffsspiel bekannt ist, Weselin Topalov, hat gerade mit deutlichem Vorsprung das Grand-Prix-Turnier in Zug gewonnen. Schachexperten sind sich darin einig, daß Topalov in der Vergangenheit noch größere Erfolge hätte erzielen können, wenn er sich nicht zuweilen selbst im Weg stand und sich durch unnötige Fehler um die Früchte seiner Arbeit brachte. Und auch so war Topalov mal Weltmeister. [/QUOTE]Und in welchem Stil hat Topa in Zug gewonnen?Im Hurrastil mit Show und Unterhaltung in jeder Partie?Oder das gespielt, was Stellung und/oder Gegner zuließen und notwendig machten?Ein Turnier, wie weiland San Luis 2005 mit dem ersten Durchgang gibt es nur alle Jubeljahre.Beim einzigen "Halben" im ersten Durchgang gegen Vishy hatte er auch Gewinnstellung, oder ?![QUOTE=Kiffing;19253]...Ansonsten hält es sich so die Waage, was den Stil der bisherigen Weltmeister angeht. Karpov und Capablanca etwa waren betont positionell, und Tigran Petrosjan sogar durchaus defensiv orientiert. Aber es gab ja auch die anderen wie Aljechin, Tal, Fischer und - gar nicht solange her - Garri Kasparov. Schach ermöglicht es vielen Spielphilosophien, miteinander auf Augenhöhe ihre Kräfte messen zu lassen. Und die Vorteile einer Offensivstrategie gegenüber eines Perfektionsstils liegen ja auf der Hand. Der Angriffskünstler stellt den Gegner vor mehr Probleme als der Perfektionist, so daß er leichter den Sieg einfahren kann und mehr Partien gewinnt. Natürlich hat er gegenüber dem Perfektionisten auch seine Nachteile. Aber daran, daß Angriffsspieler nicht zur absoluten Weltspitze vordringen können, glaube ich nicht. Das gibt auch empirisch die Schachgeschichte nicht her...[/QUOTE]Die "goldenen" Schachzeiten haben sich massiv geändert.Heute landen sehr viele "Spitzenpartien" recht früh in damenlosen Mittelspielen mit dem Kampf um klein(st)e Vorteile.Den Typus "Angriffsspieler" gibt es heute nicht mehr (in der Weltspitze) und ich glaube nicht, daß er wiederkehrt. Die Weltklasse spielt universell und setzt damit das fort, was seit Spassky Grundkriterium für den Weltmeister bzw. Weltranglistenersten war und ist.Natürlich gibt es noch eine gewisse Bandbreite auf der Skala, doch auch und gerade ein Aljechin und auch ein Tal errangen ihre Titel durch "Klein-Klein-Spiel" - Tal etwas weniger, Aljechin dafür umso mehr. Aljechin hatte sich sehr stark umgestellt.Warum wohl? Weil ein zu einseitiger Offensivstil wohl nur von einer "Engine" gegen Capa erfolgreich gewesen wäre.[QUOTE=Kiffing;19253]... Was die gestrige Carlsen-Partie angeht, so sollte man meine Beurteilung in Relation zu der Spielstärke Carlsens setzen. Hätte ein Jon Ludwig Hammer gegen Nakamura so gespielt wie gestern Carlsen, hätte ich durchaus von einer ausgezeichneten Leistung Hammers gesprochen. Aber der Schwarzspieler war gestern Carlsen, und da liegen die Erwartungen natürlich ungleich höher. Es ist nun einmal ein Fakt, daß Carlsen mit drei Remis nicht zufrieden sein kann mit dem bisherigen Turnierverlauf. Allerdings gebe ich Dir Recht damit, daß seine Partien bisher auch für seine Verhältnisse nicht schlecht waren. Es fehlt aber durchaus der Reiz des Besonderen, was z. B. Vishy Anand gestern geleistet hat.[/QUOTE]Carlsen ist ein Spieler klassischen Zuschnitts. Ich habe die Statistiken nicht so im Kopf oder zur Hand wie ein "alexmagnus", meine mich aber zu erinnern, daß Carlsen eigentlich ein "Weißriese" ist und mit Schwarz nicht diesen "High-Score" erzielt (Karpov grüßt auch iher!).Das entspricht der klassischen Spielauffassung, daß Schwarz zunächst um Ausgleich bemüht sein muß und es eben bei ähnlicher Spielstärke schwieriger ist, mit Schwarz das Spiel zu machen.Wie es Carlsen mit Schwarz gestern versucht hat gegen einen Schach-Riesen wie Nakamura, fand ich beeindruckender als viele seiner erfolgreicheren Weißversuche der letzten Jahre.Natürlich darf man festhalten, daß aktuell der "Weißnimbus" von Carlsen etwas stottert. Hat er in Wijk zu Jahresanfang kaum ein Remis mit Weiß abgegeben, so hat er im wichtigen Kandidatenturnier mit Weiß sogar seine beiden Niederlagen erlitten.Wobei die Partie gegen Svidler unter ganz besonderen vorzeichen stand und sicher nicht zu den normaleren Weißpartien in der Karriere von Magnus Carlsen gehört.Und jetzt 2 Weißremisen gegen ehemaligen Weltranglistenerste und (EX-)Weltmeister sowie 2 der erfahrensten und topvorbereiteten Gegner, die auf diesem Planeten rumlaufen.Das zeigt nur, wie schwer es auch für einen Weltranglisten-1. mit ungewöhnlichen 50-60 Punkten Vorsprung ist.Beeindruckend war und ist, wie Carlsen sich konstant über 3-4 Jahre diesen Status herausspielte.Ich gebe gern zu, daß er aus meiner sicht gerne wieder zu den anderen etwas hinabsteigen kann, damit dieser "Hype" um sein Spiel, auch wenn es mal nicht zwischen 2900-3000-Performance, mal wieder normalere und angenehmere Züge annimmt.Zu Aronjan:Aktuell mein Lieblingsspieler, gerade auch weil in kein Schema einzuordnen ist und auch mal Schwankungen zeigt.Zu Hammer:Hammer hat Eröffnung und weite Phasen des Mittelspiels in allen 3 Turnierpartien gut überstanden.Erst im späten Mittelspiel und dann im Endspiel ist er auseinandergebrochen.Gegen Radjabov spielte auch die beiderseitige Zeitnot mit. Die Partie war kein "Solo" oder Spiel auf ein Tor von Radjabov.Warum Hammer in der Schlußphase nicht mehr mithalten konnte, kann verschiedene Gründe haben. Fehlende Erfahrung und Praxis auf diesem Niveau eben 6 Stunden mehrere Tage hintereinander schachlich schwerstarbeiten zu müssen. Für einen Halbprofi und Studenten sicher ein großer Nachteil, diese Erfahrungen noch nie gehabt zu haben.
Beitrag von Kiffing
Ich möchte anmerken, daß ich absolut nichts gegen Magnus Carlsen habe, dessen sensationelle Erfolge mich stets beeindruckt haben. Ich schrieb hier im Forum ja schon davon, daß Carlsen nun eine neue Epoche einleiten könnte mit einer ähnlichen Dominanz gegenüber dem Rest der Welt wie weiland Fischer oder Kasparov. Leider ist die Diskussionskultur im Falle Carlsen teilweise sehr schwierig, weil Carlsen einen ungeheuren Polarisierungsfaktor freisetzt, was die Einstellung gegenüber dem Weltranglistenersten oft zu einer (ungewollten) Weltanschauungsfrage macht. Selbst wenn fair diskutiert wird, müssen sich Kritiker von Carlsen Vorwürfe gefallen lassen, sie seien Neider, die Carlsen den Erfolg nicht gönnen und obendrein respektlos angesichts der ungeheuren Leistungen dieses Ausnahmespielers. Auf der anderen Seite werden Schachfreunde, die Carlsens Entwicklung positiv sehen, was angesichts seiner objektiven Leistungen auch nicht schwer ist, als naive Carlsenjünger beschimpft, die unkritisch auf einen wie auch immer medial erzeugten Hype anspringen und den Norweger glorifizieren. Ich versuche, Magnus Carlsen objektiv zu sehen und seine Leistungen fair zu beschreiben (was dramatische Formulierungen nicht ausschließt), ungeachtet dessen, daß mir vor allem der erste Punkt sehr schwer fällt. Aber ich versuche es zumindest.Was die Schachgeschichte angeht, so erinnere ich mich, daß schon in den „Goldenen Schachzeiten“ (ich nehme mal an, Du spielst auf Vidmars Zeiten an) davon gesprochen wurde, das zunehmende Niveau an Eröffnungstheorie und das zunehmende Wissen über die „wissenschaftlichen“ Grundlagen des Schachspiels würde dazu führen, daß das Schachspiel den Remistod erleiden würde. Genau diese Befürchtung impliziert unmißverständlich die Aussage, glanzvolle Siege seien aufgrund des gegnerischen Widerstands nicht mehr möglich. Wir wissen heute, daß diese Befürchtung schon damals falsch war. Nicht nur wurden die kreativen Potentiale des Schachspiels und sein ungeheurer Komplexitätsgrad unterschätzt. Es wurden auch die Methoden zur Verwissenschaftlichung des Spiels überschätzt. Schach ist kein Spiel, das sich nach festen Rezepten leicht erlernen lassen kann, den sehr zähen Spielstärkezuwachs, den viele, auch sehr lernbereite Schachspieler immer wieder bei sich beobachten können, der gerade bei Erwachsenen, selbst wenn diese weiterhin trainieren, ganz zum Erliegen kommen kann, bestätigt diesen Umstand seit Generationen. Es waren vor allem die Hypermodernen, die Sowjetische Schachschule mit ihrem konkret-schöpferischen Ansatz, und Alexander Aljechin, von dem mir neben „Klein-Kleinspiel“ übrigens auch jede Menge glorreicher Angriffssiege bekannt sind, die diese Gefahr verbannen konnten, auch wenn das Gespenst des Remistods nie ganz aus der Versenkung verschwunden ist und immer wieder als Bedrohung am Schach-Firmament kurz erscheint. Es liegt wohl in der Natur von uns Menschen, daß wir den aktuellen Zustand einer Entwicklung zu unkritisch glorifizieren, weil wir bei der Beobachtung und Bewertung dieses Prozesses nur nach unten schauen können, nicht aber nach oben. Wir kennen i. d. R. nichts Besseres als das, was wir derzeit vorfinden, und wir können uns nur schwer vorstellen, daß dieser Prozeß immer weitergetragen wird. Wir haben nur das dumpfe Gefühl der Vorstellung einer weiteren Entwicklung in der Zukunft, aber uns fehlt die Phantasie, diese Vorstellungen mit Farben und Konturen zu füllen. Dieses Bild einer Vorstellung erscheint uns so vage und unbestimmt, daß wir dies zu oft einfach nicht beachten oder beiseite schieben. Ich erinnere mich an die putzigen Bilder, welche die Menschen um 1900 gemalt haben zum Thema, wie stelle ich mir die Welt in 100 Jahren, also im damals utopischen Jahr 2000 vor. Die Menschen waren neben der Vorstellung von Erfüllungen, die bislang noch nicht möglich waren (z. B. Flugmaschinen zum Zwecke des Personentransports), einzig und allein dazu in der Lage, die zeitgemäßen Entwicklungen auf technische Art zu optimieren ohne mögliche Entwicklungen und neue Strömungen auf geistig-kulturellem Niveau zu antizipieren. Bspw. wurde sich eine Schule vorgestellt, wo in den Klassen an der Decke eine Apparatur eingebaut war, mit welcher der Lehrer jedem ausgesuchten Schüler ganz maschinell die Ohren lang ziehen konnte. Daß Schule aber philosophisch ganz anders möglich sein kann, wurde nicht erkannt. Ja, auch in 100 Jahren werden die Schachspieler auf das Jahr 2013 herabblicken und sich über gängige Vorstellungen unserer Zeit amüsieren, die durch den Entwicklungsprozeß längst widerlegt sind.Die Vorstellung, daß der Schwarzspieler erst einmal den Ausgleich sicherstellen sollte, ist tatsächlich eine sehr klassische Herangehensweise. Mindestens genauso populär und anerkannt ist allerdings die andere Herangehensweise, daß man auch schon als Schwarzspieler auf Angriff spielen kann, indem man z. B. heterogene und ambivalente Strukturen anstrebt. Gerade Michail Botwinnik hat hier wahre Pionierarbeit geleistet und viele Eröffnungssysteme, die dieses Spiel auf Sieg als Schwarzer von Anfang an ermöglichen, entwickelt. Und auch ein Wladimir Kramnik, der einst bekannt dafür war, als Schwarzer nie zu gewinnen, hat sich (nach meinen Erinnerungen seit der verlorenen WM gegen Anand 2008 in Bonn, wo er mit seiner Spielphilosophie Schiffbruch erlitten hatte) umgestellt und wurde durch zahlreiche Schwarzsiege belohnt, die er seiner Erfolgslegende zugeführt hat.In diesem Sinne hat Boris Spasski mit seinem Universalstil keine Entwicklung des Schachspiels abgeschlossen. Sein Stil war nicht wegweisend, sondern einer von vielen Stilen, welche das seiner Natur nach demokratische und pluralistische Schachspiel zuläßt, was die Stilvielfalt der anerkannten Weltmeister der Schachgeschichte beweist. Ein jeder Weltmeister hat anders gespielt als der andere, und hatte seine eigene Philosophie, mit der er die Schachgeschichte bereichert hat, und diese Unterschiede haben unzählige feinere Schattierungen als die extrem grobe Unterteilung in Angriffs- und Positionsspieler. Schon die Nachfolger Spasskis, Fischer, Karpov und Kasparov gingen bereits über den Gehalt von Spasski hinaus und entwickelten das Schach mit ihren Rezepten weiter. Garri Kasparov z. B. hat gezeigt, daß man auch auf höchstem Niveau das Schachspiel so anlegen kann, daß man bereits in der Eröffnung die Weichen schon auf Sieg stellt. Er hat dies oft genug geschafft.In diesem Kontext beobachte ich auch auf Spitzenturnieren nicht nur schnelle damenlose Mittelspiele, die zäh bis ins Endspiel getragen werden, sondern auch von vielen als glanzvoll empfundene Siege aufgrund von tollen Angriffen und überraschenden Kombinationen. Was diese Art von Siegen angeht, so ist mir bei Magnus Carlsen in jüngster Vergangenheit nur sein Sieg gegen Nakamura in Erinnerung geblieben. Anderen Spielern wie Topalov, Aronian, Anand, aber auch Karjakin gelingen wesentlich öfter „Glanzsiege“. Damit möchte ich freilich nicht den Stab über Magnus Carlsen brechen, warum sollte ich das auch tun? Es ist ja nur meine subjektive Empfindung, und selbstverständlich hat Magnus Carlsen jedes Recht der Welt, mit seinem Spielverständnis die Schachwelt zu bereichern. Trotzdem habe ich diese meine Einschätzung erwähnt, die Bewertung überlasse ich jedem selbst. Erwähnen möchte ich freilich, daß die Schachgeschichte immer wieder gezeigt hat, daß auf eine Epoche, wo der Weltmeister eher ein Perfektionist ist, oft genug eine Epoche eines Weltmeisters gefolgt ist, wo der Titelträger die Massen begeistern konnte und dem Spiel damit wieder eine neue Popularität zuführte. Beispiele wären der Wechsel von Capablanca zu Aljechin, der Wechsel von Botwinnik zu Tal oder eben der Wechsel von Karpov zu Kasparov.Zu Jon Ludwig Hammer, so ist er natürlich kein Spieler mit einer DWZ um 800, der seine Partien in Stavanger immer in 10-15 Zügen verliert. Er ist ein GM im 26xxer Bereich und liegt damit nur wenig mehr als 100 Punkte hinter den anderen. Dieser Spielstärkeunterschied ist allerdings zu spüren, und nicht einmal übertrieben subtil. Ein starker Spieler hat einmal gesagt, gerade in entscheidenden Situationen zeigt sich der Spielstärkeunterschied am stärksten. Wie oft haben wir es nicht selbst schon erlebt, daß wir oder andere Spieler gegen einen klaren DWZ-Favoriten lange sehr gut mithalten können, um dann diese Partie am Ende doch noch zu verlieren? Genau das zeigt sich bei Jon Ludwig Hammer in Stavanger. Alle seine Gegner hatten bisher ein Rezept gegen ihn gefunden, und irgendwann kam bisher immer der Einbruch des Weggefährten von Magnus Carlsen.
Beitrag von zugzwang
[QUOTE=Kiffing;19255]... Leider ist die Diskussionskultur im Falle Carlsen teilweise sehr schwierig, weil Carlsen einen ungeheuren Polarisierungsfaktor freisetzt, was die Einstellung gegenüber dem Weltranglistenersten oft zu einer (ungewollten) Weltanschauungsfrage macht. Selbst wenn fair diskutiert wird, müssen sich Kritiker von Carlsen Vorwürfe gefallen lassen, sie seien Neider, die Carlsen den Erfolg nicht gönnen und obendrein respektlos angesichts der ungeheuren Leistungen dieses Ausnahmespielers. Auf der anderen Seite werden Schachfreunde, die Carlsens Entwicklung positiv sehen, was angesichts seiner objektiven Leistungen auch nicht schwer ist, als naive Carlsenjünger beschimpft, die unkritisch auf einen wie auch immer medial erzeugten Hype anspringen und den Norweger glorifizieren. Ich versuche, Magnus Carlsen objektiv zu sehen und seine Leistungen fair zu beschreiben (was dramatische Formulierungen nicht ausschließt), ungeachtet dessen, daß mir vor allem der erste Punkt sehr schwer fällt. Aber ich versuche es zumindest...[/QUOTE]Da gibt es einige Ähnlickheiten, aber auch eine gewissen Unterschied.Ich selbst mag Carlsen als Person nicht besonders. Das basiert auf auf den glaubhaften Berichten über versuchte Zugzurücknahmen. Belegt sind wohl die Partien gegen Vugar Gashimov und insbesondere Alexandra Kostenjuk mit einer Videosequenz.Derartige Vorkommnisse gehen für meine Begriffe gar nicht und sehr, sehr viele Schachspieler von 2800 bis unter 1000 Elo kommen gar nicht erst in die Nähe zu einen derartigen Verhalten.Ein anderes Thema ist das Schach, das Magnus Carlsen spielt.Hier stört mich das Brimborium, das von Fans sowie Neidern gemacht wird und das häufig keine deratige grundlage in der "gehypten" oder "gebashten" Partie selbst hat.Die Turnierergebnisse und die Elo-Performance von M. Carlsen rechtfertigen schon eher einen "Überschwang". Die Konstanz auf höchstem Niveau und gegen aufgewachte Konkurrenz ist beeindruckend und verdient große Anerkennung.Einen Popstar des Schachs möchte ich aus diesen Ergebnissen aber nicht erschaffen. Die Vergangenheit kennt zumindest 2 Spieler, deren Status und Rummel um ihr Schach sie (vermutlich) mit beeinflußt hat, ihre Reputaton auch zu Lasten des Schachsports und der anderen herausragenden Spieler einzusetzen.Das Gegenteil der Hyper sind die Basher, die nur darauf warten, daß Carlsen mal ein paar Elo-Punkte in der Live-Rangliste abgibt oder in den Partien mal etwas wackelt laut "Ängie Leidt".Tatsächlich bilden sich derartige Extrema nur bei Spielern heraus, die tatsächlich etwas herausragendes, besonderes im Schachsport darstellen.Auf den überflüssigen Nebenschlachtfeldern geht dann die Energie verloren, die besser in das Verständnis der tatsächlichen Partien einfließen sollte.Herausragende Partien von Carlsen aus der letzten Zeit:Die beiden Schwarzsiege im Kandidatenturnier gegen Svidler und Gelfand fand ich sehr stark.Svidlerwar ja nicht in schlechtester Form und trat noch mit Chancen mit Weiß gegen Carlsen an, der ihn "abtropfen" ließ. Das Konzept der Schaffung von Siegchancen (=herbeiführung von Ungleichgewichten) in der Partie gegen Gelfand war beeindruckend.Ein so starker Spieler wie fühlte sich erkennbar unwohl in der Situation und verpaßte den immer schwieriger werdenden Ausgleichsweg.In Wijk hat Carlsen zu Jahresanfang gleich mal wieder Naka abgefertigt.Nicht ganz so brillant und spektakulär wie ein Jahr zuvor, aber auch mit klarer (Hand)kante.Der Sieg gegen Judit Polgar bei den London Chess Classics 2012 paßt stilistisch bestens zu einem Capablanca. Die Schlußphase mit wenig Material und einer überspielten Judit ist eine Augenweide und Produkt einer viel Züge früher getroffenen hervorragenden Stellungseinschätzung und -berechnung.Diese Partie finde ich faszinierend.Hammer:Der einzige, der Hammer vor dem Endspiel teilweise überspielte und in Schwierigkeiteen brachte, war Karjakin.Svidler und Radjabov konnten den Ratingunterschied erst nach einigen eigenen Leiden und unsicherheiten ausspielen.
Beitrag von Kiffing
Auch die 4. Runde in Stavanger hatte wieder einige Knalleffekte. Weselin Topalov verpaßte mit Weiß gegen den krassen Außenseiter Jon Ludwig Hammer den vollen Punkt, der von mir noch so hochgelobte Weltmeister fuhr eine 0 gegen Nakamura ein, und im Spitzenspiel zwischen Aronian und Karjakin gewann Karjakin, der nun mit 4/4 dem Teilnehmerfeld weiter enteilt, auch weil seine beiden engsten Verfolger Aronian und Anand böse ausgerutscht sind. Ansonsten kam Magnus Carlsen gegen Peter Swidler wieder nicht über ein Remis hinaus; ebenfalls Remis endete die Begegnung Wang Hao gegen Teimur Radjabov.Sergei Karjakin tut derzeit alles, um endlich aus dem Schatten des Norweges herauszutreten, der zumindest im Westen seine eigenen Erfolge immer überschattet hatte. Auch gegen Lewon Aronian gelang ihm wieder eine ganz starke Partie. Nach zähem Positionskampf in einem Dameninder mit ...La6 gelang es Sergei Karjakin zunächst das starke Feld c4 mit seinem Springer zu besetzen und den Armenier zu einem Qualitätsopfer zu zwingen. Zu stark hatte Sergei Karjakin bereits seine Figuren in Szene gesetzt. Wieder einmal fiel er durch eine eindrucksvolle Behandlung der Läufer auf, die wie bei Fischer zu seinen Lieblingsfiguren geworden zu sein scheinen. Im Prinzip war das Positionsspiel von Karjakin formvollendete Kunst. Er hatte all seinen harmonisch zusammenwirkendern Figuren Leben eingehaucht und Aktivität eingeflößt. Trotz starker Gegenwehr des mit Weiß agierenden Weltranglistenzweiten, der keine groben Fehler begangen hatte, war die Stellung schon im 29. Zug abbruchsreif. Sergei Karjakin zeigte dies, indem er mit seinem bereits weit vorgerückten Freibauern die Entscheidung suchte und schnell fand. Aronian wurde einfach vernichtet. Sergei Karjakin zeigt damit das Element des Genialen, des Einzigartigen und des ganz Besonderen und damit genau das, was sich die Schachwelt von einem Weltmeister erträumt. Auch Sergei Karjakin klopft an dieser Tür, zwar nicht dieses Jahr, aber in der Zukunft noch ganz bestimmt. Wir alle dürfen uns freuen heute auf das Duell Karjakin gegen Carlsen!Im Spiel Anand gegen Nakamura zeigte Nakamura mit der Zulassung eines isolierten Doppelbauern auf der e-Linie, die ihm dafür aber die halboffene f-Linie einbrachte, eine sehr zweischneidige Spielweise. Der Weltmeister versuchte Nakamura auf dem Königsflügel nun unter Druck zu setzen, versäumte aber das taktische 25. Td2, das in dieser Situation sehr stark gewesen wäre. Anand erhält nach 25. Td2 Sc6 26. La4 nichts weniger als die offene d-Linie. Stattdessen verzettelte er sich mit Spiel auf den ohnehin schwachen Be5, den er zwar gewann, aber nur unter entscheidenden Zeitverlust. Vishy Anand muß in dieser Phase gemerkt haben, daß die Partie irgendwie nicht mehr nach Plan lief, ja sie entglitt ihm immer mehr. Nahezu kampflos konnte Nakamura nun die offene d-Linie erobern, ein wichtiger Bauer auf dem Damenflügel fiel und ein schwarzer Springer konnte sich aus taktischen Gründen auf d3 einnisten. Als Anand den Bauern trotzdem schlug, war es dann schnell vorbei, zu sehr war nun zu allem Überfluß noch seine Königsstellung entblößt, und mit ganz starkem Angriffsspiel konnte Nakamura diesen Umstand sehr genau und schlagkräftig ausnutzen. Hier war irgendetwas schiefgegangen für den Weltmeister...Weselin Topalov versuchte im Spiel gegen Jon Ludwig Hammer durch kombiniertes Druckspiel mit Freibauern und Bh6 den Außenseiter zu überfordern, aber durch aktive Verteidigung konnte Hammer das Spiel Remis halten. Magnus Carlsen versuchte es gegen Peter Swidler mit der Moskauer Variante. Aber es sollte auch hier wieder nichts Rechtes dabei herauskommen. Zwar war die Bauernstruktur des Russen durch einen zentralen Doppelbauern etwas geschwächt. Aber einmal davon abgesehen, daß Doppelbauern im Zentrum auch ihre Vorteile haben können, konnte Swidler das sehr gut mit der Kontrolle über die halboffene c-Linie kompensieren. Carlsen muß das auch so gesehen haben, denn er ließ nun eine schnelle Verflachung des Spiels zu und damit das sichere Remis. Von der beeindruckenden „Knettechnik“, die Carlsen bis vor Kurzem so ausgezeichnet hatte, war wieder nichts zu sehen.[Event "Norway Chess Tournament"][Site "Sandnes NOR"][Date "2013.05.12"][EventDate "2013.05.08"][Round "4"][Result "0-1"][White "V Anand"][Black "Hi Nakamura"][ECO "C78"][WhiteElo "2783"][BlackElo "2775"][PlyCount "78"]1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O b5 6. Bb3 Bc5 7. c3 d6 8.d4 Bb6 9. Be3 O-O 10. Nbd2 Re8 11. Re1 Na5 12. Bc2 c5 13. dxc5 dxc5 14. Qe2Ng4 15. Nf1 Be6 16. Ng5 Nxe3 17. Nxe6 fxe6 18. Nxe3 c4 19. Qh5 Qc7 20. Ng4Rf8 21. Re2 Rad8 22. Rd1 Rxd1+ 23. Bxd1 Rd8 24. Bc2 b4 25. cxb4 Nc6 26. Ba4Nxb4 27. Qxe5 Qe7 28. Qh5 Nxa2 29. g3 Nc1 30. Rc2 Nd3 31. e5 Rf8 32. Rxc4Bxf2+ 33. Kg2 Bc5 34. Bc6 Rf5 35. Qh4 Ne1+ 36. Kh3 Qf7 37. Rxc5 Rh5 38. Bg2Rxh4+ 39. gxh4 Qf5 0-1[Event "Norway Chess Tournament"][Site "0:23:33-0:16:33"][Date "2013.05.12"][EventDate "2013.05.07"][Round "4"][Result "0-1"][White "Aronian"][Black "Karjakin"][ECO "E15"][WhiteElo "?"][BlackElo "?"][PlyCount "2"]1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 4.g3 Ba6 5.b3 Bb4+ 6.Bd2 Be7 7.Nc3 O-O 8.Bg2 c6 9.e4 d5 10.exd5 cxd5 11.Ne5 Bb7 12.O-O Nc6 13.Bf4 Na5 14.Rc1 Ba3 15.Rb1 Bb4 16.Na4 Ne4 17.a3 Be7 18.cxd5 exd5 19.b4 Nc6 20.Rc1 Rc8 21.Bh3 f5 22.f3 Nd6 23.Qd3 Nxe5 24.dxe5 Rxc1 25.Bxc1 Nc4 26.f4 b5 27.Nc3 Qb6+ 28.Rf2 d4 29.Ne2 Rd8 30.Qxf5 d3 31.Qe6+ Kf8 32.Qf5+ Ke8 33.Qxh7 d2 34.Bxd2 Rxd2 35.e6 Rd1+ 36.Bf1 Qxe6 37.Qh5+ Kf8 38.Nc3 Qc6 0-1Heute kommt es wie gesagt zum Spitzenspiel zwischen Karjakin und Carlsen. Hier die Paaarungen für heute:Karjakin – CarlsenNakamura – TopalovSwidler AnandRadjabon AronianHammer - Wang
Beitrag von zugzwang
Schwupp, Carlsen macht das Turnier gleich wieder etwas spannender und läßt Black mal wieder halbwegs okay erscheinen.Habe die Partien heute nicht verfolgt und stelle daher die Frage:War bei Hammer-Wang Hao große beiderseitige Zeitnot?
Beitrag von Kiffing
Schien Sergei Karjakin dem restlichen Teilnehmerfeld zu enteilen, so wurde er nun erst einmal aufgehalten. Er verlor das Spitzenspiel gegen Magnus Carlsen. Der andere Sieger war heute Jon Ludwig Hammer, der Wang Hao bezwingen konnte. Remis endeten die Begegnungen Swidler – Anand, Nakamura – Topalov und Radjabov – Aronian.Jon Ludwig Hammer, der das Turnier mit einer großen Rochade begonnen hatte, scheint langsam seine durch die Spiele gegen die Weltelite gewonnenen Erfahrungen zu nutzen und in harte Ergebnisse umwandeln zu können. Nachdem er schon in der letzten Runde mit einem Remis gegen Topalov überraschen konnte, wurde es diesmal sogar ein Sieg. Der unglückliche Spieler hieß Wang Hao. Jon Ludwig Hammer überraschte seinen Gegner zunächst mit einem sehr eigentümlichen Eröffnungskonzept, bei dem am Ende die weißen Springer auf a3 und c3 plaziert waren. Es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, wo um den 23. Zug herum die ersten Kämpfe stattfanden. Der taktisch geprägte Figurentausch sollte Schwarz dabei Perspektiven am Königsflügel bringen, während Weiß im Zentrum Vorteile in Form von Bauerngewinn und starkem Freibauer auf d6 bekam. Letztendlich scheiterte der schwarze Angriff. Ein Blunder von Wang Hao im 33. Zug hätte dann für die endgültige Entscheidung sorgen können, doch nach einem weiteren Blunder gleich im nächsten Zug hatte der Norweger endlich die Lunte gerochen. Allerdings spielte er danach sehr umständlich, konnte sich aber letztendlich aufgrund der hervorragenden Stellung und der ebenso schwachen Verteidigung des Chinesen durchsetzen. Ein Magnus Carlsen ist er nicht, wohl aber ein junger Spieler mit Perspektiven, der aus diesem Turnier sehr viel lernen kann.Super-GM Sergei Karjakin hatte in den ersten vier Runden sehr viel Selbstvertrauen getankt und schien sich im Rausche zu befinden und unaufhaltsam. Der optimistisch aufgelegte Karjakin spielte gegen Magnus Carlsen dann auch wieder sehr ambitioniert. Im Spanischen Breyer-System versuchte er hartnäckig, den Weltranglistenersten in die Defensive zu zwingen. Erneut hatte er sein Läuferpaar stark postiert und auf der langen Diagonale a1-h8 sogar eine Batterie aufgebaut, mit deren Hilfe er später den Bauern e5 erobern konnte. Dafür besaß Magnus Carlsen ab dem 26. Zug auf c4 einen Freibauern, der ein langfristiges Faustpfand war. Diesen Freibauern hätte Karjakin im 29. Zug mit Lb5 für den Be4 tauschen sollen und stünde danach laut der Turnierseitenengine Houdini 3 Pro mit einem Vorteil von +0,76 besser. Er spielte was anderes, und von da an kippte die Stellung immer mehr zugunsten des Weltranglistenersten. Mit 31. Kh2? stand Carlsen dann endgültig besser. Es war unklug, den König auf eine gegnerische Wirkungsdiagonale zu überführen. Der Norweger nutzte sofort die Gunst der Stunde. Er erkannte sofort seine Möglichkeiten, die sich ihm dadurch darboten und bezwang Karjakin taktisch. Nach einigen wuchtigen Stößen und der Freisprengung der gegnerischen Königsfestung brach Karjakin schnell zusammen. Das Wunder, auf das Karjakin danach hoffte und noch lange weiterspielte, trat nicht ein.Der Norweger gehört nun zusammen mit Hikaru Nakamura mit jeweils 3 Punkten zur ärgsten Verfolgergruppe von Sergei Karjakin, der das Feld mit 4/5 weiterhin anführt. [Event "Stavanger 2013 Norway Chess Tournament"][Site "MyTown"][Date "13.5.2013"][Round "5"][White "Sergei Karjakin"][Black "Magnus Carlsen"][Result "0-1"][PlyCount "92"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-OBe7 6. Re1 b5 7. Bb3 d6 8. c3 O-O 9. h3 Nb8 10. d4 Nbd7 11. Nbd2 Bb7 12. Bc2Re8 13. a4 Bf8 14. Bd3 c6 15. Qc2 Rc8 16. axb5 axb5 17. b4 Qc7 18. Bb2 Ra8 19.Rad1 Nb6 20. c4 bxc4 21. Nxc4 Nxc4 22. Bxc4 h6 23. dxe5 dxe5 24. Bc3 Ba6 25.Bb3 c5 26. Qb2 c4 27. Ba4 Re6 28. Nxe5 Bb7 29. Bc2 Rae8 30. f4 Bd6 31. Kh2 Nh532. g3 f6 33. Ng6 Nxf4 34. Rxd6 Nxg6 35. Rxe6 Rxe6 36. Bd4 f5 37. e5 Nxe5 38.Bxe5 Qc6 39. Rg1 Qd5 40. Bxf5 Rxe5 41. Bg4 h5 42. Bd1 c3 43. Qf2 Rf5 44. Qe3Qf7 45. g4 Re5 46. Qd4 Qc7 *@zugzwang: die Zeit von beiden weiß ich nicht. Aber Du hast Recht, daß das Ende so etwas vermuten läßt. :DEdit: Deine Vermutung hat sich bestätigt: es war [URL="http://www.chessbase.de/Home/TabId/176/PostId/4009806/stavanger---carlsen-gewinnt-gegen-karjakin-130513.aspx"]Zeitnot[/URL] im Spiel.
Beitrag von Kiffing
In der 6. Runde von Stavanger konnten Magnus Carlsen und Lewon Aronian gegenüber dem Tabellenführer Sergei Karjakin weiter Boden gutmachen und den Abstand zu ihm reduzieren. Mit seinem hart erkämpften Sieg gegen Radjabov liegt Carlsen nur noch einen halben Punkt hinter Karjakin.Carlsen, der die ersten vier Runden ein für ihn ungewohntes Nischendasein in dem Turnier fristete (die Musik hatten andere gespielt), dreht nun in der Turniermitte richtig auf und versucht mit Vollgas, den einst weit entfernten Karjakin doch noch zu überholen. Gegen Teimur Radjabov konnte er wieder seine einzigartigen Qualitäten zeigen, eine eindrucksvolle „Knettechnik“ in eigentlich eher einfachen Strukturen, die m. E. niemand außer ihm so gut beherrscht wie er. Magnus Carlsen hatte sich diesmal in der Englischen Symmetrie-Variante ein System ausgedacht, das auf das sonst übliche Fianchetto des Lf1 verzichtet. Thematisch war das Spiel in dieser frühen Phase davon bestimmt, wie Carlsen die schwarze Bauernkette c6-d5, die auf weißen halboffenen Linien stand, unter Druck setzen und am weiteren Vormarsch hindern konnte. Nach überwiegend technisch-schematischen Verlauf mit kleinen Scharmützeln behielt Magnus Carlsen nach einem das Mittelspiel abschließenden Generalabtausch nur leichten Vorteil aufgrund einer besseren Aktivierung seiner Figuren. Für Magnus Carlsen reichte das, um den Gegner nun in einem hartnäckigen Positionskampf regelrecht zu quälen. In seinem unnachahmlichen Stil gelang ihm eine großartige Vorstellung und die Verwandlung eines nur leicht besseren Endspiels in eine gewonnene Stellung durch zweifachen Bauerngewinn und einer nicht mehr zu vermeidenden Umwandlung. Radjabov konnte nur noch aufgeben und wird sich gedacht haben: „Hilfe, was geschieht mit mir?!“Lewon Aronian hingegen gelang ein schöner Kurzsieg gegen Jon Ludwig Hammer, der nach dem Erreichen seines angestrebten Turnierzieles, eine Partie zu gewinnen, nun wieder einen Gang zurückgeschaltet hatte. Hammer vergriff sich in einem Abspiel des Grünfeldinders mit der Dame an einem Randbauern, wovor Nimzowitsch noch gewarnt, aber was Watson mittlerweile relativiert hatte. Hier versprachen Hammer zwei verbundene Freibauern am Damenflügel einiges, doch dann hätte er 12. ...b6 13. Tc1 La6 spielen müssen, was wohl auch die kritische Variante war. Mit der Zulassung eines weißen Turms auf der 7. Reihe begann schließlich sein Unglück und Aronian machte dem Gegner über die Zentrallinien und –diagonalen, unterstützt mit mächtigen Freibauern, den Garaus – er war mit seinem Angriff durchschlagender als Hammer mit seinem Freibauern. 21. ...a2 etwa wäre gescheitert an 22. Txf7!! Auch die Partie des Weltmeisters gegen den Tabellenführer hatte ihre Reize, in denen beide Seiten mit ihren Schwerfiguren subtil Druck machten. In der Stellung lag immer eine knisternde Spannung. Im 31. Zug unternahm der Weltmeister gezielt Gewinnversuche mit einem Bauernopfer für die offene b-Linie, er lavierte geschickt und Karjakin mußte schon sehr genau aufpassen, daß ihm die Stellung nicht entglitt. Im 48. Zug dann womöglich die Schlüsselszene: Laut Houdini 3 Pro hätte Anand den Bc5 nehmen und den schwarzen Freibauern dennoch aufhalten können. Die Engine gibt an: 48. Txc5 Txc5 49. Dxc5 a3 50. Dc4 +1,04. Anand versäumte die Chance und die Partie steuerte nun zielsicher in den Remishafen.Ansonsten scheint es kein Turnier für Weselin Topalov mehr zu werden. Der Held von Zug, der in der Schweiz wieder hohe Erwartungen an seine Person geweckt hatte, kam gegen Wang Hao nicht über ein Remis hinaus und verbleibt auch nach sechs Spielen weiter ohne Sieg. Ebenfalls Remis endete die Begegnung Nakamura – Swidler, die zwar von beiden Seiten ambitioniert, aber immer ausgeglichen gehalten wurde. [Event "Stavanger 2013"][Site "MyTown"][Date "14.5.2013"][Round "6"][White "Lewon Aronian"][Black "Jon Ludwig Hammer"][Result "1-0"][PlyCount "47"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 d5 4. Nf3 Bg7 5. cxd5Nxd5 6. e4 Nxc3 7. bxc3 c5 8. Rb1 O-O 9. Be2 cxd4 10. cxd4 Qa5+ 11. Bd2 Qxa212. O-O Bg4 13. Rxb7 Nc6 14. d5 Bxf3 15. Bxf3 Nd4 16. Rxe7 a5 17. d6 a4 18. e5Nxf3+ 19. gxf3 Qb2 20. Be3 a3 21. Qd5 Rae8 22. Rxe8 Rxe8 23. d7 Rd8 24. Bg5 *[Event "Stavanger 2013"][Site "MyTown"][Date "14.5.2013"][Round "6"][White "Magnus Carlsen"][Black "Teimur Radjabov"][Result "1-0"][PlyCount "135"][TimeControl "2400"]{767MB, Fritz8.ctg, MYCOMPUTER} 1. c4 c5 2. Nf3 Nc6 3. Nc3 Nf6 4. e3 e6 5. d4d5 6. cxd5 exd5 7. Bb5 Bd6 8. O-O O-O 9. dxc5 Bxc5 10. b3 Bg4 11. Bb2 a6 12.Bxc6 bxc6 13. Rc1 Ba7 14. Ne2 Qd6 15. Be5 Qe7 16. Ned4 Bxf3 17. Nxf3 Rfc8 18.Qd3 a5 19. Bxf6 Qxf6 20. Rc2 Rd8 21. Rfc1 c5 22. e4 Qg6 23. Re1 dxe4 24. Qxe4Qxe4 25. Rxe4 Rd1+ 26. Re1 Rxe1+ 27. Nxe1 Rd8 28. Kf1 a4 29. bxa4 Rd4 30. a5Ra4 31. Rd2 Kf8 32. Nd3 f6 33. Nb2 Rxa5 34. Nc4 Ra4 35. Rc2 Ke7 36. Ke2 Ke6 37.Kd3 Kd5 38. a3 h5 39. h3 h4 40. Rc1 g6 41. Rc2 g5 42. Rc1 Ra6 43. Re1 Bb8 44.Re7 Bf4 45. Kc3 f5 46. Kb3 g4 47. a4 gxh3 48. gxh3 Rg6 49. a5 Rg1 50. a6 Rb1+51. Kc3 Rc1+ 52. Kd3 Rd1+ 53. Ke2 Ra1 54. Nb6+ Kd6 55. Rg7 Kc6 56. Rg6+ Kb5 57.Nd5 Be5 58. Rb6+ Kc4 59. Ne3+ Kc3 60. f4 Bd4 61. Nxf5 c4 62. Rc6 Rh1 63. Nd6Rh2+ 64. Kf3 Kd3 65. Rxc4 Rxh3+ 66. Kg4 Rh1 67. Ra4 Bf2 68. Ra3+ *
Beitrag von zugzwang
Carlsen biß wieder zu.Obwohl Radjabov nach der Londoner Endspielniederlage besonders konzentriert und motiviert gewesen sein müßte, ein "machbar" aussehendes Endspiel Remis zu halten, gelang dies nicht.Innerhalb von einigen Monaten ist es das 3. nur leicht schlechtere Endspiel, in dem Radjabov - vor kurzem auf die 2800 zusteuernd - von Carlsen nach und nach überspielt wurde.Zur Erinnerung:[Event "Tal Memorial"][Site "Moscow RUS"][Date "2012.06.13"][EventDate "2012.06.07"][Round "5"][Result "0-1"][White "Teimour Radjabov"][Black "Magnus Carlsen"][ECO "C45"]1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.d4 exd4 4.Nxd4 Bc5 5.Nxc6 Qf6 6.Qf3 bxc67.Qg3 d6 8.Nc3 Qg6 9.Bd3 Nf6 10.Na4 Bd4 11.c3 Bb6 12.O-O Qxg313.hxg3 Ng4 14.Bf4 f6 15.Rad1 h5 16.Be2 Be6 17.Nxb6 axb6 18.a3Ke7 19.f3 Ne5 20.Kf2 b5 21.Bxe5 fxe5 22.Ke3 h4 23.gxh4 Rxh424.Rh1 Rah8 25.Rxh4 Rxh4 26.Rc1 Rh2 27.Kf2 Rh8 28.Ke3 g529.Bd3 Kd7 30.Ra1 Bb3 31.Rc1 Kc8 32.Kf2 Kb7 33.Kg3 Be6 34.Ra1Kb6 35.Rc1 c5 36.Ra1 c4 37.Bc2 Kc5 38.Re1 c6 39.Bb1 Kb6 40.Bc2Kc7 41.Kf2 Kd7 42.a4 bxa4 43.Ra1 Rb8 44.Ra2 d5 45.exd5 cxd546.Bxa4+ Kd6 47.Bc2 d4 48.Be4 Rb6 49.Ke2 g4 50.fxg4 Bxg4+51.Kd2 Be6 52.Kc2 Bd5 53.Bxd5 d3+ 54.Kd2 Kxd5 55.Ke3 Rg656.Ra5+ Ke6 57.Ke4 Rg4+ 58.Kf3 Rf4+ 59.Ke3 Rf1 0-1Wenn man sich diese "Serie" so anschaut, dann kann für diese Partiephase einen Klassenunterschied zwischen diesen beiden TopTen-Spielern feststellen.Außer Chuckys Kandidatensieg ist mir aus den letzten Jahren keine Turnierpartie bekannt, in der Carlsen aus gleicher oder leicht schlechterer "überspielt" wurde.Seine Niederlage gegen Caruana ordne ich der Kategorie taktisches Endpielmißgeschick zu.Kommentare und Notation zu dieser Partie siehe hier:[url]http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1691561[/url]Hammers Partie gegen Aronjan war die erste Partie, wo er mich enttäuschte.Bei Bindfadenvarianten und Tanz auf demselben kann es ratzfatz gehen, trotzdem nicht begeisternd, wenn der Faden schnell reißt und der Spieler purzelt.Hammer wurde vielleicht von Aronians seltenerem 13. Txb7 überrascht, woraufhin die Schwarzen brauchbar mit 13. ... Lxf3, 14. Lxf3 Lxd4 fortsetzten.Hammers Neuerung 13. ... Sc6 überforderte ihn. Hat er etwas verwechselt?@ kiffing: Danke für die "Zeitnotinformation" zu Hammer-Hao. Mit den 30 Sekunden Inkrement konnten die beiden die entstandene Taktik auch nicht "bändigen".Bei chessgames.com kannst Du auch die aktuellen Partien sehr schnell wiederfinden und dort online nach "similiar games" suchen oder den Eröffnungsbuam aufrufen.Für Anand-Topalov vermeldet chessgames.com in der Dich selbstverständlich interessierende Variante, Topas 13. ... Tc8 sei eine Neuerung gewesen.Ich meine aber irgendwo (chessbomb?) gelesen zu haben, der schwarze Aufbau sei mit ... Sf4 erst kürzlich von Anand selbst gespielt worden.Sieht so aus, als müßte man hier ruhig und langsam nachschauen.
Beitrag von zugzwang
Die heutige 7. Runde in Stavanger brachte 3 Entscheidungen.Magnus Carlsen knüpft an seine Remisserie eine Siegesserie mit dem 3. Sieg hintereinander. Mit Schwarz bezwang er in einem Katalanen seinen Landsmann Jon Ludvig Hammer. Wieder überspielte er seinen Gegner im Endspiel.Verglichen mit anderen Partien der letzten Zeit gab Hammer für meinen Geschmack einen Tick zu früh direkt nach der Zeitkontrolle auf.Der zuletzt unter Druck geratene Tabellenführer Sergei Karjakin wies Verfolger Hikaru Nakamuras Sizilianisch in die Schranken. Der Sieg bei beiderseitig gelockerten Königsstellungen nach heterogenen Rochaden wurde durch ein Mittelspielmanöver mit Springeropfer eingeleitet, mit dem Karjakin die gerade vermeintlich gedeckte 7. Reihe eroberte.Die beeindruckendste Partie lieferte für mich der Weltmeister Vishy Anand.Ebenfalls Katalanisch überraschte er Radjabov vielleicht mit dem "offensiveren" 5... c5 und konnte erstaunlich schnell die Initiative übernehmen und seine Bauern am Damenflügel bedrohlich und einengend weit vorstoßen. Radjabov gelang es nicht, sein Gegengewicht im Zentrum einzusetzen.Es gibt zu dieser Partie viel mehr zu sagen und zu analysieren, als mir ein- und auffallen kann, doch Anands Konzeption mit 21.... f5 war für mich genauso überraschend und faszinierende, wie sie letztlich wirkungsvoll war.Als ich die Partie live verfolgte, war ich gespannt, ob Anand den Engine-Vorschlag f7-f5 spielt, der für mich außerhalb der Kandidatenzüge lag.Anand und die engine wußten um die Stärke von f7-f5. Es folgte eine eindrucksvolle Demonstration der schwarzen Stellungsvorteile am Damenflügel:[Event "Norway Chess Tournament"][Site "Sandnes NOR"][Date "2013.05.15"][Round "7"][Result "0-1"][White "T Radjabov"][Black "V Anand"][ECO "E04"][WhiteElo "2745"][BlackElo "2783"]1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 d5 4. g3 dxc4 5. Bg2 c5 6. Qa4+ Bd7 7. Qxc4 Bc68. O-O Nbd7 9. Nc3 Rc8 10. Be3 b5 11. Qd3 b4 12. Nb1 c4 13. Qc2 Be7 14. a3b3 15. Qc1 Nb6 16. Nc3 Nfd5 17. Bd2 O-O 18. Ne5 Nxc3 19. Bxc3 Bxg2 20. Kxg2Na4 21. Re1 f5 22. f3 Bg5 23. e3 Bf6 24. e4 Bxe5 25. dxe5 fxe4 26. Rxe4 Qd327. Re3 Qd5 28. Qe1 Rfd8 29. Rc1 Qb5 30. Rd1 Rd3 31. Rexd3 cxd3 32. Bd4 Qc433. Be3 Nxb2 34. Rc1 d2 0-1
Beitrag von zugzwang
Eine denkwürdige 8. Runde in Norwegen.Das Turnier hat wirklich Partien, die noch Erzähl- und Analysestoff in späteren Jahren bieten werden.4 von 5 Partien entschieden und beide Spitzenreiter verlieren.Zum bewußten Nachspielen der Partie Nakamura-Radjabov bin ich gar nicht gekommen.Anand-Hammer nahm mich in Beschlag. Was für ein Konzept des Weltmeisters. Tollkühnheit, Bluff, tiefe Vorbereitung oder nervenstarker Drahtseilakt.Das erste Bauernopfer von Vishy mit Sh3 läßt Ängie schon mal rot anlaufen. Das 2. folgt sogleich, doch seine Annahme quittiert Ängie mit Rotlicht.Es riecht eigentlich nach Vorbereitung, auch wenn Ängie Light Vishys Ld3 wiederum nicht goutiert. Okay, wenn Ängie online arbeitet ist sie manchmal weniger sorgsam, als wenn sie Heimarbeit im Labor machen darf. Es wirkt doch recht forciert und deshalb im Rahmen möglicher Vorbereitungen. Jetzt muß Hammer mit 3 Plusbauern im Gepäck den besten Zug finden. Er hält dem Druck nicht stand, findet ihn nicht, nachdem er schon einiges an Rechenarbeit und Nerven gelassen haben dürfte.Das Ausschlußprinzip und Vertrauen darin, daß der Weltmeister es ihm nicht so einfach macht, hätte ihn vielleicht die beste Verteidigung nach Ängie finden lassen. Ob sie tatsächlich so vielversprechend gewesen wäre, wie Ängie aufaddierte bleibt nachzuarbeiten. Es könnte sein, daß ein Vorbereitungszentaur im Labor des Weltmeisters mehr herausgefunden hat.Nach Td8 ist es aus, Einschlag auf f7, das Verteidigungsmotiv Td7, nicht zu breiter variantenteppich. Das finden die Bigguns auch am Brett ohne Vorbereitung. Der Schluß ist chirurgisch präzise und die Partie Mitte der 20er entschieden, der Rest tatsächlich Technik.Die Pressekonferenz wird vllt. mehr zu den Hintergründen.Die beiden Russen liefern sich derweil einen Kampf. Ich hatte mit einem friedlicheren Verlauf gerechnet. Svidler opfert einen bauern, um die Stellung zu verschärfen und erhält das Läuferpaar samt Initiative. Als ich später wieder raufschaue, ergibt sich ein scharfes Mittelspiel mit Schlußkampf Turm und Freibauern gegen Läuferpaar bei Damen auf dem Brett. Big Pete muß die Damen auf dem Brett behalten und den Angriff gegen Karjakins König suchen, soweit scheint es klar. Nur wie?Jeder Fehltritt könnte eine Seite zum Absturz bringen. Ängie beruhigt und weist Wege. Liegt sie damit richtig? Verdammt knifflig alles. Zugwiederholung bahnt sich an.Ich hätte ohnehin mit jeder Seite nach einem Remisweg gesucht. Doch Peter Svidler fordert die Verteidigungskünste von Sergei Karjakin weiter.Ängies Varianten und die Unterschiede sind für Heimkibitze kaum zu fassen. Worum gehts? Ah darum oder doch nicht? Wohin mit dem Turm? Ta8 soll 0,0 ergeben.Und auf der c-Linie? Tc2 bestes obwohl latent ein Angriff mit Lf5 einTempo für den weißen Angriff gewinnen kann. Tc5 soll gehen und Tc3 so lala sein.Es folgt Tc3 und sowohl Ängie als auch insbesondere Big Pete demonstrieren, wie die Läufer mit der Dame die weiße Stellung sezieren. Der Schlußangriff wird vom schwarzfeldrigen Läufer via Ld6, f8 gegen g7 geführt. Sergei Karjakin hat es bei Tc3 auch übersehen und mit a3 "freigegeben". Gratulation an den vielfachen russischen Meister des Schachs und der Pressekonferenzen Peter Svidler. Gruß auch an Vlad, Big Pete meldet sein Plätzchen in der Sbornaja zurück.Carlsen konnte keinen Vorteil verdichten. Das so schon lange so aus, als hätte Wang Hao (der Carlsen in Wijk 2013 übrigens eine unangenehme Endspielverteidigung "erließ") nicht so die Probleme. Und jetzt? Carlsen hat einen Bauern gelassen und befindet sich in einem theoretisch bekannten Turmendspieltyp. Das gilt doch bei aufmerksamer Verteidigung als remis? Wang Hao Frei-Mehrbauer ist zu dicht dran. Da kann man doch keine zu schwierigen Aufgaben stellen. Stimmt der Bedenkzeitverbrauch eigentlich oder "wackelt" es bei Chessbomb wieder rum. Carlsen soll deutlich weniger Zeit haben? Naja, er will keinen Flüchtigkeitsfehler begehen, der ihn fast die WM-Quali gekostet hätte. Oder sieht der Weltmeister der Endspiele der letzten 3 Jahre Probleme, die wir und die Endspieltheorie gar nicht kennen?Jetzt sieht es noch haltbar aus. Jetzt schon unangenehm. Ängie, stimmen die -0,67? ist doch schon ungemütlich. gegenspiel mit h-bauern müßte verpuffen und der sK dringt ein und unterstützt den d-Bauern. Wie verteidigt man das denn, manno! Ängie warum nicht Ke4? Ich glaub Dir kein Wort mehr, Du Endspielmausi. Ich weiß es aber auch nicht. Gefühlt sieht es um aus, gewinnen könnte ich es aber nicht.Dann Kg2. Ängie rot - schamrot. Sie hat Recht. Kg2 hat man selbst schon abgehakt. Welche Aufgabe soll er da anstatt Kf2 erfüllen? Er muß doch den Raum für den sK eng machen?Und Aus!Vorhang auf für eine spannende Schlußrunde und GM Karsten Müller, der sich nach eigener Aussage ohne die tägliche Analyse von 3-4 Turmendspielen nicht richtig zufrieden fühlt. Das gibt Hoffnung. Zeig es Ängie und den überforderten Kiebitzen!
Beitrag von Kiffing
Die tolle Partie von Vishy Anand erinnerte mich persönlich, zumindest was das im 12. Zug eingeleitete Angriffskonzept mit h4 angeht, an die 4. Partie des alternden Steinitz gegen Tschigorin im WM-Rückkampf 1892:[Event "Havana WCH"][Site "Havana WCH"][Date "1892.01.07"][EventDate "?"][Round "4"][Result "1-0"][White "Wilhelm Steinitz"][Black "Mikhail Chigorin"][ECO "C65"][WhiteElo "?"][BlackElo "?"][PlyCount "55"]1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 Nf6 4. d3 d6 5. c3 g6 6. Nbd2 Bg77. Nf1 O-O 8. Ba4 Nd7 9. Ne3 Nc5 10. Bc2 Ne6 11. h4 Ne7 12. h5d5 13. hxg6 fxg6 14. exd5 Nxd5 15. Nxd5 Qxd5 16. Bb3 Qc617. Qe2 Bd7 18. Be3 Kh8 19. O-O-O Rae8 20. Qf1 a5 21. d4 exd422. Nxd4 Bxd4 23. Rxd4 Nxd4 24. Rxh7+ Kxh7 25. Qh1+ Kg726. Bh6+ Kf6 27. Qh4+ Ke5 28. Qxd4+ 1-0Zu seinem 11. Zug (h4) meinte Steinitz später: „Im allgemeinen bin ich kein gefährlicher Angreifer zu Beginn der Partie, aber ich entdeckte eine Schwäche am feindlichen Königsflügel, und man darf mir auch in meinem Alter nicht den Finger in den Mund stecken, sonst beiße ich zu“.Für seine neuerliche Perle ist Anand nun mit einem Gleichstand gegenüber seinem zukünftigen WM-Herausforderer Magnus Carlsen belohnt worden. Beide liegen mit 5 Punkten nun einen halben Punkt hinter Sergei Karjakin. Zwischen diesen drei tollen Spielern entscheidet sich gleich der Turniersieg! Magnus Carlsen hingegen erscheint mir seit der Schlußphase vom Kandidatenturnier in London zunehmend verwundbar. Seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit ist er erst einmal los. Natürlich gilt er immer noch als ein sehr starker Spieler, aber er verliert zunehmend das „Übermenschliche“, das ihm von so manchem noch vor der 7. Runde in London ob seiner vorherigen sensationellen Ergebnisse bescheinigt wurde. Vor allem fand ich es persönlich interessant, daß Carlsens eigene Waffen nun gegen ihn selbst gerichtet waren. Nicht Wang Hao wurde in einem einfachen und etwa gleichwertigen Endspiel totgeknetet, sondern der Knet-Weltmeister höchstpersönlich!Ansonsten verliert Teimur Radjabov zunehmend die Orientierung auf dem Schachbrett und Peter Swidler beweist, daß er zurecht als harte Nuß eingeschätzt wird, der als Gegner für keinen Spieler der Welt ein Vergnügen ist. Sein Sieg gegen Sergei Karjakin war ebenso herausragend wie der Sieg vom Weltmeister gegen Jon Ludwig Hammer.In der alles entscheidenden Schlußrunde treten auf:Radjabov – SwidlerAronian – CarlsenKarjakin – Topalov Wang – AnandHammer - Nakamura Achtung: da Schlußrunde ist, ist der Start heute um 12:00, d. h. die Partien laufen schon!@zugzwang: danke für die Hinweise wegen der Neuerung in der Partie Anand – Topalov! Daß hier schon im 13. Zug bereits eine Neuerung vorlag, hat mich jetzt echt überrascht...Deine Hinweise zur verfeinerten Benutzung von Chessgames werde ich zukünftig nutzen, danke auch dafür! :)[Event "Norway Chess Tournament"][Site "0:04:33-0:02:33"][Date "2013.05.17"][EventDate "2013.05.07"][Round "8"][Result "1-0"][White "Svidler"][Black "Karjakin"][ECO "C65"][WhiteElo "?"][BlackElo "?"][PlyCount "2"]1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 Nf6 4.d3 Bc5 5.c3 O-O 6.O-O d6 7.h3 Ne7 8.d4 Bb6 9.Re1 d5 10.Nxe5 Nxe4 11.Nd2 Nxd2 12.Bxd2 f6 13.Nd3 Bd7 14.a4 c6 15.a5 Bxa5 16.Nc5 Bc8 17.Bd3 Bb6 18.Ne6 Bxe6 19.Rxe6 Ng6 20.Qh5 Re8 21.Rae1 Rxe6 22.Rxe6 Nf8 23.Re3 Bc7 24.g3 b5 25.h4 Bd6 26.b3 a5 27.c4 bxc4 28.bxc4 Bb4 29.Bc1 a4 30.Bb1 Qb6 31.cxd5 Bd6 32.Ba2 c5 33.Re7 Kh8 34.Rf7 Kg8 35.Re7 Kh8 36.Qf7 Bxe7 37.d6 Ng6 38.dxe7 Nxe7 39.Qxe7 cxd4 40.Qe4 Rc8 41.Bf4 Rd8 42.Qe7 Rc8 43.Qe4 Rd8 44.Qe7 Rc8 45.h5 Qd8 46.Qb7 h6 47.Be6 Rc3 48.Qf7 a3 49.Bd6 Qa8 50.Bd5 a2 51.Bxa8 a1=Q+ 52.Kh2 Qe1 53.Kh3 Rc8 54.Bf8 Rxf8 55.Qxf8+ Kh7 56.Bd5 Qf1+ 57.Kh4 1-0[Event "Norway Chess Tournament"][Site "Sandnes NOR"][Date "2013.05.17"][EventDate "2013.05.08"][Round "8"][Result "1-0"][White "V Anand"][Black "J Hammer"][ECO "D85"][WhiteElo "2783"][BlackElo "2608"][PlyCount "90"]1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 d5 4. cxd5 Nxd5 5. Bd2 Bg7 6. e4 Nxc3 7. Bxc3 O-O8. Qd2 c5 9. d5 Bxc3 10. bxc3 e6 11. d6 e5 12. h4 Be6 13. Nh3 Qxh4 14.O-O-O Qxe4 15. Bd3 Qa4 16. Ng5 Qxa2 17. Qe3 Qa3+ 18. Kd2 Qb2+ 19. Bc2 Bf520. Rc1 Rd8 21. Nxf7 Kxf7 22. Qxe5 Rxd6+ 23. Qxd6 Nc6 24. Rxh7+ Kg8 25. Rd7Re8 26. Qf6 Bxd7 27. Qxg6+ Kf8 28. Qf6+ Kg8 29. Rh1 Re2+ 30. Kxe2 Nd4+ 31.cxd4 Qxc2+ 32. Ke3 Qc3+ 33. Kf4 Qxd4+ 34. Qxd4 cxd4 35. Ke4 a5 36. Kxd4 a437. Kc3 b5 38. Kb4 Kf7 39. Rh7+ Ke6 40. g4 Be8 41. f4 Kf6 42. Rh6+ Kg7 43.g5 Bg6 44. Rh3 Bf5 45. Re3 1-0
Beitrag von Kiffing
Soeben ist Stavanger zuende gegangen. Während die Partien Radjabov – Swidler, Aronian – Carlsen und Karjakin – Topalov Remis ausgingen, konnten Hao Wang (gegen Vishy Anand) und Hikaru Nakamura (gegen Jon Ludwig Hammer) das Turnier mit einem Sieg beenden.Einen rabenschwarzen Tag hatte heute der Weltmeister erwischt, der mit der Eroberung eines Randbauerns im 14. Zug schon früh auf Abwegen kam. Die Widerlegung des Chinesen kam prompt. Mit 15. Da4! kam der Weltmeister in Erklärungsnot, wohin mit all seinen bedrohten und unkoordiniert herumstehenden Figuren. Materialverlust war nun unvermeidbar, der bis zum Damenverlust ging. Der Rest der Partie war Sterben.Der als selbstbewußt geltende Hikaru Nakamura, der offensichtlich ein Leichtgewicht vor der Flinte wähnte, legte seine Partie gegen das Schlußlicht Jon Ludwig Hammer von vornherein trotz Schwarz kompromißlos auf Sieg an. Er ließ am Damenflügel einen Bauernsturm auf den Norweger los. Ihm gelang es, auf diese Art schon früh, sich zwei verbundene entfernte Freibauern am Damenflügel zu schaffen. Natürlich hätte Hammer das noch unter Kontrolle halten können, allerdings schuf sein Gegner schnell weitere Schwächen in seinem Lager. Mit dem taktischen 20. ...Sc5 zwang er Hammer zum weiteren Vormarsch seines e-Bauern, so daß sich nun eine gefährliche Batterie gegen den König des Norwegers gleichzeitig in Szene setzen konnte. Dieses kombinierte Druckspiel auf zwei Fronten führte denn auch zum sofortigen Zusammenbruch des Norwegers und zu einem glanzvollen Sieg des US-Amerikaners, der durch sein ideenreiches wie auch korrektes Spiel Hammer einfach überrollte. Sergei Karjakin war in einer hochklassigen Auseinandersetzung gegen Weselin Topalov insgesamt der stärkere Spieler, der sich allerdings am Ende im Interesse des Turniersiegs auf ein Remis einließ. Die anderen beiden Partien verliefen unspektakulärer. Somit gewann Sergei Karjakin das Turnier in Stavanger mit 6/9 vor Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura (je 5,5 Punkte). Sergei Karjakin konnte im Turnierverlauf dabei zwei Ausrutscher verschmerzen, weil er die übrige Zeit hellwach war und mit fünf Siegen eine tolle Gewinnquote aufwies. Seine Gewinnpartien hatten dabei allesamt Klasse und zeigten vor allem ein tiefes Positionsverständnis, vor allem, was die Aktivierung seiner Figuren, insbesondere seiner Läufer angeht. Magnus Carlsen, der erst in der Turniermitte Feuer fing, scheiterte letztendlich in der vorletzten Runde mit seiner überraschenden und vermeidbaren Niederlage gegen Wang Hao. Aber auch ein Magnus Carlsen kocht nur mit Wasser. Der Weltmeister hingegen zeigte in dem Turnier sehr viel Licht, aber dabei zuviel Schatten. Schade, von der Qualität her, war auch er ein Kandidat für den Turniersieg. Auch Hikaru Nakamura zeigte auf dem Schachbrett einiges und ist vor allem, was das Angriffsspiel angeht, ein helles Licht im Schach-Himmel. Er präsentiert die Ideen, auf die sonst niemand kommt.Zu den beiden Verlierern des Turniers gehört nicht Jon Ludwig Hammer, dem immerhin die Erreichung seines persönlichen Zieles gelang, wenigstens ein Spiel zu gewinnen. Für ein besseres Ergebnis fehlte ihm bei diesem illustren Teilnehmerfeld schlicht die Klasse. Die beiden Verlierer des Turniers sind stattdessen der seltsam blaßgebliebene Weselin Topalov (4 P.), der kein einziges Spiel gewinnen konnte, sowie der zum dritten Mal in Folge bei einem Top-Turnier durchgereichte Teimur Radjabov (3 P.). Radjabov, der noch vor London 2794 Punkte gehabt hatte, befindet sich damit weiterhin im freien Fall.Stavanger 2013 hatte insgesamt ein gelungenes Debüt als Turnier der Spitzenklasse. Trotz der kurzfristigen Absage von Wladimir Kramnik ließ das Teilnehmerfeld kaum einen Wunsch offen. Das Turnier hatte auch, was die gespielten Partien angeht, Klasse. Die Zahl der entschiedenen Partien war, gemessen für ein Turnier der Spitzenkategorie, exorbitant hoch, und viele Partien waren Glanzpartien oder auf andere Weise Partien für die Lehrbücher. Wird dieses Turnier schachhistorisch bald mit Zürich 1953 auf eine Stufe gestellt werden?
Beitrag von zugzwang
Fazit:Gratulation dem Turniersieger Sergei Karjakin mit der hohen Quote von 7 Entscheidungen bei 9 Partien.Bei Karjakin könnte ich jetzt meine (simple) "Serientheorie" bestätigt sehen:Läuft, läuft - hakt es, bremst es weiter.Sergei Karjakin scheint noch Steigerungspotential zu haben, was die Verteidigung schlechterer Stellung angeht. Obwohl? Seine Stellung war nicht wirklich schlecht, als er gegen Carlsen grob auf Abwege kam. Und gegen Vishy hat er sich doch gut verteidigt oder hat der Weltmeister ihn mehr "begnadigt", als Karjakin selbst beitrug?Gegen Svidler stimmt die Bemerkung Steigerungsfähigkeit in Hartnäckigkeit und Genauigkeit in schwierigerer Situation.Magnus Carlsen hat die Selbstverständlichkeit seines Spiels noch nicht wiedergefunden. Er selbst hat sich unzufrieden mit seinem Schach geäußert.Der Kräfteverschleiß nicht nur durch London sondern auch durch viele andere Hochleistungsturniere der letzten Jahre kann auch mal eintreten.Wenn der Weltranglisten-1. allerdings seriengläubig ist wie ich, dann beginnen gewisse Sorgen.Ich denke aber, diese für jeden anderen herausragenden Ergebnisse von London und Stavanger bei auch vielen guten Partien, wertet er kritisch aus wegen seiner höheren Ansprüche. Damit wäre er ideal gewappnet für die WM, weil eine vielleicht vorhandene Überschätzung der eigenen Kraft und Unterschätzung noch notwendiger Anstrengungen weggeblasen ist.Hikaru Nakamura arbeitet sich immer mehr an die absolute Weltspitze heran und seine Partiebehandlung beeindruckt. Dabei läßt er sich auch von Rückschlagen nicht vollends aus dem Gleis werfen. In diesem Turnier gute Comebacks nach vorangegangener Enttäuschung.Bei Levon Aronjan habe ich das Gefühl, daß es ihm derzeit nicht gelingt absolut alle Kräfte zu mobilisieren. Was er mit diesem Einsatz an Resultaten erzielt, läßt Großes erwarten, wenn er wieder in einen Lauf oder sogar mal in einen Rausch gerät.Für einen Rausch scheint er mir aber etwas zu melancholisch und selbstkritisch innerlich zu sein.Der Weltmeister ist spätestens in diesem Jahr eine Sphinx bei fast allen Turnieren.Sein Schach ist wieder bissiger, seine Genauigkeit allerdings deutlicher vom "Personal High" entfernt. Dazu gibt es sogar gröbere Fehler und damit Partien, die deutlich und glatt verlorengehen.Für Magnus Carlsen und sein Team eine Herausforderung und ein Unsicherheitfaktor:Der Tiger kann behende herausspringen und kraftvoll und schmerzhaft zubeißen. Andererseits landet er auch mal in einer Fallgrube, die er selbst gegraben hat.Ins Schachliche übersetzt: Was ist bei Vishy tiefe und gründliche Vorbereitung, was genialer Einfall am Brett mit komplexer Variantenberechnung, was ist ein Bluff oder ein Übersehen und Rechenfehler?Peter Svidler: Hat wieder an schachlichem Gewicht zugenommen, vllt. weil er abnahm!Wang Hao: Wenn, hätte, wäre ...Wang Hao wäre geteilter 2. geworden, wenn er den Punkt von Jon L. Hammer erobert hätte, wie es sein Elo-Kaliber in diesem Turnier gegenüber dem Norweger gelang.Wang Hao steht jetzt 2:1 gegen Vishy in klassischen Partien.Er ist damit einer von 3 oder 4 Spielern (Kasparov, Nakamura, NN?), die gegen den Weltmeister ein positives Gesamtergebnis haben, auch wenn 3 Partien statistisch noch dünn sind.Veselin Topalov: Es ist fast übermenschlich 2 Riesenturniere hintereinander zu spielen.Das Ergebnis in Stavanger enttäuscht nicht, zeigt aber, daß hier doch noch einen Tick härtere Kaliber am Start waren als in Zug. Topa ist weiter im Aufwind, auch wenn es vom Ergebnis nicht so aussieht. Teimur Radjabov: Sagte als Konsequenz der letzten Turniere seine Teilnahme an einem GrandPrix-Turnier ab. Mit dem Kopf eindeutig woanders. Richtig, das Leben hat weit mehr zu bieten als Schach und es gibt nicht nur Schachaufgaben im Leben.Jon Ludvig Hammer:Kein Underdog hatte in den letzten Jahren ein derartiges Programm zu bewältigen.Bei den London Classics, in Dortmund oder Baden-Baden hatten die Lokalen Helden immer auch mal gegen ihr eigenes Kaliber zu spielen und nicht 9 "Hämmer" hintereinander.Das Turnier hatte somit 10 Hämmer und mit 100%-Quote einen ewigen Topwert.Einigen Schwächen wurden aufgedeckt und die Stärken konnte nicht voll wirken.Ich wünsche ihm, daß ihn dieses Turnier Einblicke gegeben haben, die seine schachliche Motivation anheizen.Wenn nicht, dann viel Erfolg und Spaß beim Studium, ein sehr starker GM bleibt er in jedem Fall.
Beitrag von Kiffing
[QUOTE=zugzwang;19333]Veselin Topalov: Es ist fast übermenschlich 2 Riesenturniere hintereinander zu spielen.Das Ergebnis in Stavanger enttäuscht nicht, zeigt aber, daß hier doch noch einen Tick härtere Kaliber am Start waren als in Zug. Topa ist weiter im Aufwind, auch wenn es vom Ergebnis nicht so aussieht. [/QUOTE]Diese Schlußfolgerung erscheint mir verfehlt, wenn man bedenkt, daß ein hartgesottener Spitzenspieler wie Weselin Topalov, der zudem bei vielen gerade wegen seines kompromißlosen Angriffsspiels beliebt ist, im ganzen Turnier nicht auf einen einzigen Sieg kam. Im übrigen war gerade in puncto kompromißloses Angriffsspiel von Topalov nichts zu sehen...
Beitrag von zugzwang
Nach meiner persönlichen Schachphilosophie ist "Angriffsspiel" nur ein Klassekennzeichen von vielen. Und für Weltklasse schätze ich andere Kriterien einzelnen und insbesondere in der Menge höher ein.mit "angriffschach hat Toppy eine ganz herbe Erfahrung mit der 12. WM-Partie gegen Vishy gemacht - übel ausgekontert und schachlich vernichtet.(Viele) Gewinnpartien sind für mich ein Zeichen von Klasse, wenn ihnen dabei recht wenige Verluste gegenüberstehen.Schach ist ein Gleichgewichtsspiel. Dieses Gleichgewicht kann man absichtlich stören, wenn man Risiken eingeht. Qualität haben diese "Störungen", wenn man sie besser beherrscht als der Gegner.Toppy hat in Zug und Stavanger zusammen genau eine Partie gegen die Weltklasse verloren. Das ist für mich Qualität, die man im "Matchplay" benötigt und die aus meiner Sicht immer noch den Weltmeister bestimmten soll.Zugegeben stand er gegen Karjakin in der letzten Runde mies, aber ...Karjakin hat in Zug und Stavanger äußerlich änhlich abgeschnitten wie Toppy.Ein Turnier gewonnen - fast mit Abstand - und im anderen Turnier um die 50%.In beiden Turnieren zusammen hat er 4 oder Partien verloren.Weltspitze im schach ist für mich verbunden mit wenigen, seltenen Niederlagen.Deswegen gewichte ich Toppys Gesamtergebnis als sehr vielversprechend.
Beitrag von Kiffing
[QUOTE]Weltspitze im schach ist für mich verbunden mit wenigen, seltenen Niederlagen.Deswegen gewichte ich Toppys Gesamtergebnis als sehr vielversprechend.[/QUOTE]Ist für Dich dann Peter Leko auch Weltklasse? :D
Beitrag von zugzwang
Na sicher!:jaja:Peter Leko (*1979?) ist ein Schachstern erster Ordnung.Chess prodigy. Beinahweltmeister. Nicht zu überrennen von Kasparov, Toppy, Shirov und Co.Sicher war schon einmal besser in Punktausbeuten und im Spielniveau.Sein Spiel ist nüchtern und kein Feuerwerk. Sein Schachverständnis ist dagegen riesig.Viele Internetschächer nörgeln gegen Leko. Er hat sein Land bei Teamwettkämpfen immer herausragend vertreten. Diese Zusatzmotivation konnte er für sich allein nicht heben.In Barejews "Von London bis Elista" kann man nachlesen, was Leko dem Team "Kramnik" alles abverlangte und wie sein Schach eingeschätzt wird.Seit über einem Jahrzehnt Weltklasse und aktuell immer noch!