Schachburg-Archiv: Benutzerthema „Der König im Endspiel“

schachburg.de

Beitrag von Kiffing

Nach Julian Hodgson ist der König im Endspiel vier Bauern wert. Auch wenn der König nicht getauscht werden kann, so hat diese Information doch einen praktischen Zweck, nämlich den zu verstehen, wie wichtig ein König gerade im Endspiel sein kann und daß man ihn deswegen aktivieren sollte.Auch aus einem anderen Grund ist diese Information wichtig. Es hat sich als praktisch sinnvoll herausgestellt, im Endspiel erst die stärkste Figur, die man noch hat, aktiv zu positionieren, bevor man versucht, auch die Position seiner anderen Figuren zu verbessern. Grund ist, daß die Dame den Turm dominiert, der Turm den König, der König aber die Leichtfiguren. Jacob Aagard hat da viel zu geschrieben.

Beitrag von ToBeFree

Wie definiert Hodgson denn den Wert eines Bauerns im Endspiel? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Bauer mehr wert ist als der König?

Beitrag von Kiffing

Übliche Kriterien, denke ich mal. Die Bauerneinheit wird üblicherweise nicht kritisch hinterfragt, auch im Endspiel ist eine Leichtfigur immer noch soviel wert wie drei Bauern, und bei Türmen und Damen ändert sich am Wert auch nichts.

Beitrag von Dragon

kommt auf die bauern reihe an drei bauern af der 6 Reihe sind besser als ein Turm

Beitrag von Kiffing

[QUOTE=Dragon;3271]kommt auf die bauern reihe an drei bauern af der 6 Reihe sind besser als ein Turm[/QUOTE]Ja, klar, diese Klassifikationen können auch nur Näherungswerte sein und im allgemeinen Mittelwert zustimmen. Daß in bestimmten Stellungstypen die Werte schwanken können, ist klar. Worauf ich aber hinaus wollte, ist, daß die Klassifikationen bezüglich des Mittelwerts nicht von Mittelspiel zu Endspiel variieren, nur daß der König als neue Kampfeinheit dazukommt. Aber ein Läufer etwa ist im Mittelspiel drei Bauerneinheiten (und möglicherweise ein kleiner Rest) stark, im Endspiel ist es genau dasselbe.

Beitrag von Kiffing

Ich muß mich korrigieren. Denn kurz nachdem ich diese Zeilen schrieb, las ich eine Passage von Jacob Aagard aus seinem Werk: "Verbessern sie ihre Technik im Schach", die genau die Thematik behandelt. Jacob Aagard schreibt:[QUOTE=Jacob Aagard]Im Endspiel sind Freibauern dagegen alles. Wie schreibt Schereschweski in seinem Buch Endgame Strategy [...]: ´Im Vergleich zum Mittelspiel, steigt im Endspiel der Wert der Bauern.´ Er gibt dann einige Beispiele, wie sich Bauern gegen Figuren behaupten. Wenn es zu einem Angriff auf den König kommt, dann sind die Figuren offensichtlich wichtiger als die Bauern. Aber im Endspiel können sogar drei zersplitterte und schwache Bauern eine ganze Leichtfigur aufwiegen.[/QUOTE]

Beitrag von Kampfkeks

Irgendwie verstehe ich nicht, warum man den Wert des Königs in Bauerneinheiten bemißt. Der Gegner hat doch ebenfalls noch einen König, also hebt sich´s doch wieder auf, oder nicht? Ich meine, wenn K + S + B vs. K + 3B spielt, dann reicht es rechnerisch doch aus, wenn man S + B vs. 3B vergleicht, oder?Und was nützt die Information, daß der König eine Leichtfigur dominiert? Auch hier gilt doch: Es spielt nicht K vs. L, sondern K vs. (K +) L. Kann mich mal jemand aufklären? :grübel:

Beitrag von whiteshark

Gemeint ist vermutlich der relative SpielSTÄRKEwert des Königs im Endspiel und kein Abtausch- oder Kompensationswert.Das könnte er mit 4 schon richtig liegen.

Beitrag von Kampfkeks

Sorry, ich stand gestern Abend wohl ziemlich auf dem Schlauch. Kiffing hat´s ja eigentlich sehr gut erklärt. Im Endspiel spielt der König als Kampfeinheit mit, und da man erst die stärkste Einheit aktiv platzieren sollte, macht es natürlich Sinn, die relative Kampfstärke des Königs zu kennen.Beim Endspiel bin ich bisher übrigens fast automatisch so vorgegangen, den König möglichst frühzeitig auf den Weg zu schicken. Ehrlich gesagt aber nicht, weil er die uU noch stärkste Figur ist, sondern weil er so entsetzlich langsam ist.

Beitrag von Kiffing

Mal ein gutes Beispiel für die Stärke des Königs im Endspiel. Hier entscheidet er die Partie für Weiß. Wie? :)[FEN=4]8/k7/Pp2p2p/1P2Pp1p/2K2P1P/5NP1/5b2/8 w - - 0 0[/FEN]Partie übrigens aus Sambujew vs. Smirnow, Krasnojarsk 2003. Und Engines führen hier völlig in die Irre. :D

Beitrag von ToBeFree

Anmerkung: Stockfish findet es nach kurzem Rechnen - auf einmal schießt die Berwetung einer vorher kaum beachteten Variante in die Höhe. Deep Fritz 14 scheint dagegen wirklich daran zu scheitern. Fritz habe ich nur auf meinem Smartphone, aber auch dort findet Stockfish die Lösung nach ca. 20 Sekunden, während Fritz auch nach einer Stunde nicht darauf kommt.Ich hätte nicht gedacht, dass man den Spielstärkeunterschied zwischen diesen beiden Engines überhaupt so extrem sichtbar machen kann - die paar Elo-Punkte sind ja sonst kaum messbar und keinesfalls ein Kaufargument für "normale" Schachspieler. Stellungen wie diese trennen aber die Spreu vom Weizen. :)Hoffentlich habe ich den Mund nicht zu voll genommen - hier ist der Zug, dessen Bewertung nach kurzer Berechnung in die Höhe schnellt:[SPOILER]1. Kd3![/SPOILER]Hier sind die Varianten dazu:[SPOILER][LEFT]1. Kd3!Der schwarze König ist bewegungsunfähig und kann ergebnislos hin und her ziehen.Mögliche Antworten: Eine Kleinigkeit fehlt noch: Wenn Schwarz es wagen sollte, seinen König aus der Ecke zu bewegen, zieht a6 durch. :D[/LEFT][/SPOILER]

Beitrag von ruf012

#1Wie wirkt das Bild einer Waage,auf der einen Seite sitzt ein König mit Krone,auf der anderen stehen 4 Bauern, etwas hager.Um in etwa das Gleichgewicht zu halten.Glück auf dem, der damit einen Halbzug findet.

Beitrag von Kiffing

@ToBeFree: genau das ist die Gewinnführung. Die Gewinnführung aus meinem Buch funktioniert nach denselben Mechanismen, nur eben mit Zugumstellung im Vergleich zu Deiner Variante:[SPOILER]1. Sg5! hxg5 2. hxg5 Lc5 (hier muß der geübte Taktiker einen weiteren Schlüsselzug bzw. eine weitere Schlüsselidee vorausberechnet haben) 3. Kd3! Le7 4. Ke2-f3-g2-h3-h4-xh5 usw. +-[/SPOILER]